Kein Ende mit der Organspende?

17.06.2012
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Nach jahrelanger öffentlicher Diskussion, einer Medien-'Hype' um die Organspende und fraktionsübergreifenden Debatten ist dem Bundestag als gesetzgebendem Organ und der zustimmungspflichtigen Ländervertretung, dem Bundesrat, mit der Entscheidungslösung immer noch nicht klar, worum es geht.

Explantationen von Spenderorganen werden nicht n a c h dem Tod vorgenommen, sondern n a c h den mittlerweile 15 Jahre alten Hirntodkriterien der Bundesärztekammer (BÄK). In der Realität liegt ein Mensch als Patient/in mit unwiderruflichem Sterbeprozess und erfüllten Hirntodkriterien auf der Intensivstation, wird mit Katecholaminen perfundiert und maschinell beatmet, damit n i c h t die begehrten Spenderorgane absterben. Die Entnahme vitaler Organe zur Rettung von Organempfängern bei unwiderruflichem Sterben des Organspenders beinhaltet den entscheidenden Zielkonflikt.

Zugleich brauchen Transplantatempfänger bei lebensbedrohlicher Krankheit auch intensivmedizinische Betreuung und OP-Vorbereitung. Diese ethische Problematik kann man doch nicht ernsthaft dadurch lösen wollen, dass man die gesamte Bevölkerung unreflektiert mit Organspende Ausweisen, Informations- und Werbematerial zuschüttet; auch noch wiederholt alle 2 Jahre durch die gesetzlichen und privaten Krankenkassen bzw. bei der Ausgabe von Ausweisen und Pässen.

Besser sollten optimale bio-psycho-soziale Rahmenbedingungen für diejenigen geschaffen werden, die in Intensivpflege, im OP und ärztlichen Dienst, in der Technik/Logistik bei Explantation, Transplantation und Implantation einerseits den endgültigen Sterbeprozess bei hirntoten Organspendern aufhalten, andererseits bei Organempfängern unter dem Druck enger Zeitfenster, drohendem Transplantatversagen und möglichen intraoperativen Komplikationen medizinische Maximalversorgung in der Transplantationschirurgie sicherstellen müssen.

Einfach bei denen, die mit Transplantationsmedizin befasst sind, fundierte Fragen stellen, empathisch Zuhören, Respekt und Anerkennung zollen, statt mit bunten Hochglanzprospekten um sich zu werfen. Alles nur, weil man schlichtweg selbst massive Ängste verspürt, sich mit existenziellen medizinischen Grenzfragen inhaltlich und emotional auseinanderzusetzen oder noch nie beim Sterben wirklich dabei war. Und Niemand sollte so tun, als seien Organtransplantationen bzw. die zu geringe Zahl potentieller Organspender/innen die einzigen und letzten bedeutenden medizinischen Herausforderungen unserer Zeit. Mf+kG, Dr. med-. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Artikel letztmalig aktualisiert am 26.12.2014.

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Gast
Ja, das finde ich gut, kritisch hinterfragen und sich informieren. Mehrere Bücher und Berichte habe ich gelesen, mein Versuch es anderen Freunden u Bekannten näher zu bringen sind schwierig. Keiner will sich auseinandersetzen. Besitze 1Organspenderausweis, 1 Nein ist angekreuzt und 1 Zusätzlich dabei Nicht-Organspender-Ausweis. Meine Familie habe ich auch informiert.
#1 am 23.12.2014 von Gast
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