Mein Beruf hat einen Haken

18.01.2018

Manchen Oberärzten kann man es nie recht machen. Man bemüht sich und wird trotzdem in regelmäßigen Abständen angeschnauzt. Ist man unerfahren, jung oder aus sonstigen Gründen nicht so gefestigt, verunsichert einen das. Man zweifelt, nimmt es persönlich.

Chirurgie war und ist eine Männerdomäne. Im Operationssaal herrscht dementsprechend oft ein rauer Ton. Das ist kein alter Hut, sondern eine andauernde Kopfbedeckung. Der raue Ton hat nicht unbedingt etwas mit Unhöflichkeit zu tun, sondern hat auch einen Sinn. Zwar geht es in wenigen Fällen wie in Grey’s Anatomy um Leben und Tod direkt auf dem Tisch, da der Tod meistens schleichend kommt. Aber wenn es einmal um eine in der Sekunde lebensentscheidende Wahl geht, gibt es für ein Bitte und Danke keine Zeit.

Nichtsdestotrotz, als Assistenz mancher Obrigkeiten muss man sich viel gefallen lassen und bestimmt mehr als eigentlich nötig wäre. Man bereitet sich vor, weiß alle Laborwerte und Details der Krankengeschichte auswendig, aber dann wagt man es, eine Sekunde zu lange zu saugen. Oder zu kurz. Oder man hält den Haken um ein Grad zu steil. Gerade bei solchen Chefitäten verfalle ich beim Hakenhalten in eine Katatonie, man könnte meine Person in solchen Situationen perfekt für das Malen eines Stilllebens verwenden. Damit er oder sie nichts auszusetzen hat. Genau so verharren, wie man platziert wurde. Der Chef packt meine Hand, stellt den Haken um, indem er ihn einige Zentimeter aus dem Situs zieht. Ich verharre in der neu eingestellten Situation. Einige Sekunden später brüllt es mir in mein Ohr: „Diese Assistenten von heute halten nichts mehr aus, muss ich den Haken jetzt selbst halten? Sie sind mit dem Haken rausgerutscht!!!“

Der ebenfalls am Tisch stehende Oberarzt erklärt mir nach der Operation, dass man hier erst ab der Stufe Oberarzt nicht mehr angemotzt wird und er die Masche mit dem Hakenrausziehen und dann die Assistenten anschnauzen nicht erst ein paar Mal gebracht hat.

Bildquelle: Beta-J, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 19.01.2018.

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Sciuk. Nach mehr als 50 Wochenenddienst hatte ich keine Toleranz mehr und sagte ihm: Was geht mich ihre Scheiß Galle an?Ab da war ich der Boss in der Ambulanz und mein Wunsch (Ausbildung zum Allgemeinarzt )war erfüllt.
#21 am 25.01.2018 von Michael Dr.Sciuk (Arzt)
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Gast
@Dr. Sciuk: Tja, dann kann man dem Chef nur sagen "Wie wärs denn mal mit niemanden anscheißen und mit Ärger und Frustration lernen um zu gehen wie jeder andere normale mensch auch." Hoher Stress und kochende emotionen am OP Tisch sind sicherlich Erklärungen aber keine Entschuldigungen. Einige haben die sprichwörtlichen Eier in der Hose sich hinterher zu entschuldigen... andere, wie offenbar Ihr Ex-Chef, nicht. Schon irgendwie schade, huh?
#20 am 24.01.2018 von Gast
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Dr.M.Sciuk
Ja, wen soll i denn anscheißen.Den Oberarzt geht net.Die Op Schwester erst recht nicht, von denen gibt es kaum gute.Also die, wenns kritisch in der Op wird.Mein EX Chef vor 40 Jahren.
#19 am 23.01.2018 von Dr.M.Sciuk (Gast)
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Gast
Spielen Sie mal Mäuschen in einer Restaurantküche, dann werden Sie sich in den OP zurücksehnen.
#18 am 22.01.2018 von Gast
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Gast
Meine persönliche Beobachtung in Famulatur und PJ bisher: ist der Chirurg klein und unsicher, wird es wahrscheinlicher dass er Choleriker ist. Dann kommt es drauf an ob die OP-Schwester gegen hält oder nicht. Ich hab erlebt wie ein Chirurg im Frust das Besteck auf den Patienten geschmissen hat und gehen wollte, die OP-Schwester hat ihn zurück gepfiffen mit den Worte "Du KOMMST jetzt zurück und du MACHST das jetzt fertig!" Emotionen kochen natürlich im OP-Saal aber ich würde nicht wie einige hier die Schuld bei denjenigen Suchen die "Blitzableiter" spielen müssen. Eher anders herum: wer sich nicht im Griff hat und Menschen um sich herum verletzt, der sollte keinen so stressigen Beruf ausüben.
#17 am 22.01.2018 von Gast
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Gast
Hat sich wohl nichts geändert seit 1980! Schade!
#16 am 22.01.2018 von Gast
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Gast
Ich war nur im Zuge meines PJs im OP-Saal. Ich wusste damals schon dass ich die Hausmedzin liebe und Allgemeinmedizin machen wollte. Es gab Chirurgen die mich respektiert haben und mir trotzdem viele Sachen gezeigt und erklärt haben. Aber ich hatte auch die Hauscholeriker vor mir sitzen die der Meinung waren ihnen steht ein Cheerleader zu egal ob sie ne 2. Assistenz brauchten oder nicht (und ich natürlich noch für Aufnahmen, Notfall-Assistenz und etwas Brokratie zuständig war). Da mir meine Note in Chirurgie ziemlich egal war und nachdem einer der Chirurgen offen im OP gesagt hatte es findet es schecklich dass Medizin weiblich ist und dass Frauen zu doof für Medizin seien, hab ich mal zurück geschnauzt und mir nix mehr gefallen lassen. Meine Bilanz: Respekt und instant bessere Behandlung von 2 Chirurgen, 1 Chirurg konnte plötzlich meinen Namen nicht mehr aber hat mich in Ruhe gelassen und 1 Chirurg der mir böse Blicke gab aber sonst ruhig blieb. Ist aber nicht für jeden zu empfehlen!
#15 am 20.01.2018 von Gast
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Gast
Wie wäre es mit kurzen Meditationsübungen oder anderen Entspannungstechniken während der OP, damit Alle ruhig und besonnen bleiben
#14 am 20.01.2018 von Gast
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Operateur
Oft ist es in der Tat frustriertes OP-Hilfspersonal.
#13 am 20.01.2018 von Operateur (Gast)
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Gast
Ich kann auch anderes berichten und machte in einer mittelgroßen Kreisklinik fern der Uni wunderbare Erfahrungen mit den Ärzten. Der Chef hatte hier mehrfach klargestellt dass verbale Entgleisungen innerhalb des Teams und anderen Mitarbeitern gegenüber von ihm nicht akzeptiert würden. Er selbst wurde seiner Vorbildfunktion gerecht, selbst vernichtende Kritik wurde hier höflich und im kleinsten Kreis besprochen. Keine streitenden Oberärzte, keine öffentlichen Demütigungen, keine weinenden Assistenzärzte... es hätte so schön sein können, aber hier waren es leider die OP-Pflegekräfte welche sich benommen wie die Axt im Walde. Lautes Streiten, Schikane von Schülern, Praktikanten und Studenten. Es herrschte Personalnotstand und die Damen durften machen wasimmer sie wollten. Das taten sie auch und man hatte Anweisung sich alles gefallen zu lassen um sie nicht zu verärgern...“wenn die mir jetzt auch noch krankfeiert kann ich morgen einen ganzen Saal zumachen...“ es war furchtbar.
#12 am 20.01.2018 von Gast
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Gast
Ein Guter hält's aus - geht ein Schlechter drauf ist's nicht schlimm...
#11 am 20.01.2018 von Gast
  38
Ich habe auch schon jetzige Oberärzte in Ihrer Assistenzarztzeit weinend vom OP-Tisch gehen sehen und habe mich immer gefragt,wie man sich da wohl fühlen soll.schade,denn unter Kollegen sollte-gerade wenn es um kranke Patienten geht-Doch ein stabiles Klima herrschen,in dem man zumindest auf einer guten Basis miteinander auskommt. Natürlich ist man im OP in der Kleidung schnell nicht mehr von Praktikanten oder reinigungspersonal zu unterscheiden.da ist man dann halt irgendwer,der dann den Frust abkriegt.der Operateur schnauzt Schwestern und Assistenten an.die Op-Schwestern leiten den Frust dann gern an unter ihnen stehende Leute ab,so geht es also von oben nach unten.ob dann da eine noch unwissende Praktikantin,oder ein medizinisches Fachpersonal in der Weiterbildung steht ist egal.raus mit dem Ärger.mein Arbeitsbereich wäre das-unter andrem deshalb-nicht.;-)
#10 am 19.01.2018 von Svenja Höse (Kinderkrankenschwester)
  4
Gast
Als ich in der Famulatur eine glitschige Patella zu halten hatte, brüllte der Operateur plötzlich: "Jetzt gilt's!" - vor Schreck ist mir die Patella weggerutscht. Dann dauerte alles länger, weil das Band neu fixiert werden musste, und vielleicht dauerte es für die Patientin bis zur Streckung ein paar Tage länger, schade. Gemeckert hat der Operateur nicht, der war sehr nett, ein Master of TEP der Hüftgelenke, was auch mit mir (die ich dann Psychiaterin wurde) sehr gut klappte. Ich kann mir aber aus meiner Erfahrung im Gyn-Kurs sehr gut vorstellen, wie gruselig manche Operateure sind.
#9 am 19.01.2018 von Gast
  0
Gast
Manchmal muss man es einfach rauslassen. Gut so.
#8 am 19.01.2018 von Gast
  22
Krhs- Arzt
Da ich beide Seiten kenne, erlaube ich mir einen Kommentar. Die Tätigkeit als Hakenhalter ist absolut eintönig. Ich hatte immer das Gefühl, auch bei langen Operationen alles perfekt zu halten. Als verantwortlicher Operateur sieht die Perspektive anders aus. Die Position der Haken ändert sich wirklich, oft wegen der Bewegung im OP- Gebiet. Der Druck ist hoch, alles perfekt zu machen. Ein ablenkendes Geschwätz ist oft sehr hinderlich und besserwissende Assistenten muss man oft sehr diplomatisch freundlich darauf hinweisen, die Arbeit hoch konzentriert durchzuführen. Einige junge Kollegen sind auch körperlich nicht in der Lage, bei einer großen unfallchirurgischen Operation durchzuhalten. Das soll natürlich Verfehlungen im Ton nicht entschuldigen.
#7 am 19.01.2018 von Krhs- Arzt (Gast)
  0
Gast
Aus der eigenen Erfahrung der Famulatur (n=1), jawoll isso, wie beschrieben, zwar ein paar Jahre her, aber echt keine so schicke Erfahrung (aber eine wichtige). In der Kardiochirurgie später im PJ war das hingegen deutlich entspannter, liegt aber halt auch einfach daran, daß da nicht ganze Bauchdecken zur Seite gehalten werden müssen. Nu gut, bin sowieso nicht für operative Fäher zu begeistern gewesen...
#6 am 19.01.2018 von Gast
  9
Krhs- Arzt
Hat noch jemand ein paar Klischees für die Diskussion? Gutes Abitur garantiert nicht zu einem empathischen Arzt, ein schlechtes Abi auch nicht! Sozial inkompetent = Arroganz, Ignoranz, Insolenz? Geht es noch flacher? Natürlich sollte die Ausbildung zu einem Facharzt nicht nur fachlich sondern auch menschlich bestmöglich sein. Die Gründe dafür, warum das nicht immer der Fall ist, sollte man doch mal sachlich angehen. In den unterschiedlichen Fachabteilungen und auch Krankenhäusern sind große Unterschiede. In der Chirurgie herrscht genauso ein anderer Ton als in der Psychiatrie wie es Unterschiede zwischen KFZ-Mechatroniker und Kosmetikerin gibt. Lassen Sie uns doch mal nach Gründen suchen, woran die schlechte Stimmung liegen kann! Ich persönlich erlebe das o.g. nicht so, in einem kleinen chirurgischen Fach.
#5 am 19.01.2018 von Krhs- Arzt (Gast)
  3
Die Einstellung dieser Chefitäten ist absolut obsolet: Brüllen und Assistenten-Zusammenscheißen sind klassische Zeichen der geistig-seelischen Schwäche des jeweiligen Operateurs und dessen Notwendigkeit, sich und anderen immer wieder beweisen zu müssen, was für ein toller Kerl er ist. Hier im Nordosten Brasiliens, wo ich mitoperiere, ist es komplett anders: Der Operateur, mit dem ich immer zusammenarbeite, wundert sich öfter über mein Schweigen (ich habe damals noch gelernt: "Der Assistent hat die Haken und das Maul zu halten"), versucht, durch lockere Witze, auf meine Kosten oder auf die des Anästhesisten (wir sind alle Freunde) die Situation zu entspannen und kriegt natürlich ganz offen freches Kontra. Dadurch haben wir viel Spass und die kurzen Momente, wenn die OP-Situation schwierig wird und ein paar Minuten Schweigen eintreten, werden nach Beherrschung der Sitution umso energischer wieder entspannt. Schade, dass es in D wieder schlimmer zu werden scheint.
#4 am 19.01.2018 von Dr. med. Michael Walter Groh (Arzt)
  2
Gast
Wer nur auf einem Bein steht-fällt leichter. Wer das nicht aushalten kann -passt auch dort nicht hin !
#3 am 19.01.2018 von Gast
  64
Gast
Empathie und Freundlichkeit haben leider keinen Einfluß auf die Abiturnote, denn wenn das so wäre, würde wohl manches Abi nicht so glänzend fürs Medizinstudium taugen.
#2 am 19.01.2018 von Gast
  6
Gast
Leier leider leider ... Arroganz, Ignoranz, Insolenz. Ich wundere mich immer wieder, dass es in einem Humanberuf, der das Wohlergehen der Menschen in den Mittelpunkt stellt, Menschen gibt, die alle Werte, die sie für sich selbst fordern mit Füssen treten. Schade drum, denn auf seine Ausbildung und Tätigkeit braucht sich keiner von uns was einzubilden.
#1 am 19.01.2018 von Gast
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