Operation Baby & Beruf: Wie soll das gehen?

13.01.2018

2018. Wow. So schnell geht das. Da wird man schwanger, bekommt ein Baby und geht in Elternzeit. Und hat erst einmal Pause. Zeit zum atmen, zum leben. Zum Umdenken, zum Weg finden. Aber plötzlich schrumpft diese Zeit, Woche für Woche. Ich entwickle so etwas Ähnliches wie Langeweile.

Ich habe viel zu tun, das ist es nicht. Aber ich werde plötzlich kreativ, bastel an Ideen, Überlegungen, spinne verrückte Sachen aus. Das ist gut. Mein Gehirn braucht Arbeit. Sonst schrumpft es.

Zum allerersten Mal seit ich Mutter bin, denke ich mit positiven Gefühlen an meinen Beruf. Ich schlage wieder die Bücher auf. Sehe mir operative Zugangswege an oder stelle mir die einzelnen Schritte bei Operationen vor. Die Entscheidung, in eine andere Klinik zu gehen, fühlt sich gut an. Und doch habe ich neben den zwei Ausfertigungen meines neuen Arbeitsvertrags, meinen Laptop aufgeklappt. 

Wie geht es beruflich weiter?

Ich studiere die Weiterbildungsordnungen. Für Orthopädie und Unfallchirurgie. Für Rehabilitative Medizin. Für Allgemeinmedizin. Für Gesundheitsmedizin und Arbeitsmedizin. Für … wollte ich nicht einmal Gynäkologie machen?

Trotz der vermutlich besseren Arbeitsbedingungen in der neuen Klinik, fällt es mir schwer, mich als arbeitende Mutter in der Unfallchirurgie zu sehen. Wird es mir leicht fallen, mein Kind in eine Betreuung zu geben? Pünktlich von der Arbeit nach Hause zu gehen? Arbeit liegen zu lassen, weil mich meine Familie braucht und ich sie? Ist eine Vereinbarkeit überhaupt möglich? Wie wird die Aufteilung klappen zwischen meinem Mann und mir? Wie werden mein Mann und das Kind meine Nacht- und Wochenenddienste erleben?

Werde ich als arbeitende Mutter trotzdem in meiner von Männer dominierten Arbeitswelt gefördert werden? Werde ich weiterhin operieren dürfen und in meiner Facharztweiterbildung voran kommen? Werde ich meine Facharztweiterbildung überhaupt auch mit Kind meistern können? Wie viel Zeit brauchen wir als Familie? Wie viel Zeit brauche ich mit meinem Kind und mein Kind mit mir? 

Ich bin beides: Unfallchirurgin und Mutter

Vielleicht werde ich ja doch Hausärztin. Sagen nicht alle, ein solches Arbeitsmodell sei besser mit der Familie zu koordinieren als ein Leben in der Unfallchirurgie und Orthopädie?

2018 wird ein Jahr der Entscheidungen. Aber meinem Kopf und meinem Herz ist jetzt schon einiges klar. Ich bin Unfallchirurgin und Mutter. Weder das eine noch das andere kann oder möchte ich ändern. Die zwei Welten in mir werden einen Kompromiss finden müssen. 

Wie ist ein Alltag als Ärztin und Mutter organisierbar? Hier habe ich einen Fragebogen für alle Ärztinnen und Mütter entwickelt. Es haben bereits einige Leserinnen den Fragebogen ausgefüllt und ihn mir auf unfallchirurginundmutter@googlemail.com zurückgemailt. Freundlicherweise durfte ich auch schon mehrere davon anonym veröffentlichen. Ich freue mich über zahlreiche weitere Rückmeldungen und Interviews, die ich veröffentlichen darf. Einfach mitmachen! 

 

Bildquelle: CircaSassy, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 15.01.2018.

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Gast
Bin Angestellte Ärztin in einer Praxis mit ambulanten OPs und Kassenärztlichen Facharztdiensten UND alleinerziehende Mutter mit nur wenig familiärer Unterstützung. Der Faktor " Mann" als Helfer fällt also komplett weg. Ich könnte mir unter diesen Umständen und in der heutigen Arbeitswelt eine Tätigkeit im Krankenhaus mit allem drum und dran nicht vorstellen, vor allem nicht in der Unfallchirurgie, sorry.
#9 am 20.01.2018 von Gast
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Den Kopf um die Doppelbelastung als Elternteil und Berufstätige müssen sich häufiger Frauen machen. Es muss sich noch viel an der Gesamtgeisteshaltung unserer Gesellschaft ändern. Skandinavische Länder und Dänemark haben uns da einiges vorraus. Auch von so manchem Chef würde man als Mutter nicht ausselektiert werden, wenn die Gefahr bei einem Vater bzgl. Ausfallzeiten genau so hoch wäre. Dazu kommen die generell familienfeindlichen Bedingungen in unserem Land. Die Solidarität von Vätern ist da sehr gefragt. Ich habe als berufstätige Mutter überwiegend gute Erfahrungen mit Chefs und Kollegen/Kolleginnen gemacht; ich habe aber auch größtenteils im Ostteil der Republik gearbeitet. Das mag noch einen Unterschied ausmachen. Mein Mann hat mir sehr den Rücken frei gehalten... Ich hatte sehr viele Freiheiten, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Ohne ihn wäre vieles nicht möglich gewesen. Gerade in chirurgischen Disziplinen ein absolutes Muss. Danke Mann.
#8 am 16.01.2018 von Dr. med. Petra Schwirkmann-Engel (Ärztin)
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Es geht. Wenn finanzierbar, hält einem eine festangestellte Haushaltshilfe/Kinderfrau den Rücken am besten frei. Ohne die Mithilfe des Ehemann geht gar nichts, und wenn es nur darum geht, am Sonntag einmal auszuschlafen. Omas und Opas wären super. Als Niedergelassene hat man es unter Umständen leichter als als Angestellte im Klinik-Hamsterrad, weil die Nachtdienste wegfallen. Eigene Hobbys hintanstellen. Man macht sich gerne zusätzlich Streß, weil der Zeitgeist auch noch erwartet, dass man genug Zeit für sich selbst hat. Hat man nicht. Punkt. Am besten abends mit dem Kind ins Bett gehen, wenn man einen ähnlichen Rhythmus hat. Und nicht sich nach dem Einschlafritual aus dem Bett quälen oder das Kind stressen, damit es schnell schläft, damit man noch Zeit für sich hat. Und das allerwichtigste: die Besserwisserei aller Frauen, ob Mutter oder nicht, ob berufstätig oder private Hausfrau, ignorieren. Hausfrauen sind oft am unsensibelsten und beneiden einen um die finanzielle Unabhängigkeit.
#7 am 16.01.2018 von Dr. med. Elisabeth Geishauser (Ärztin)
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Gast
@5: unglaublich sowas. Ich hätte den Mann eiskalt gefragt ob er denn Kinder hat. Bei einem „Nein“ wäre ja damit schon bewiesen dass er keine Ahnung hat wovon er redet... bei einem „Ja“ beweist nach seinem eigenen Weltbild die Tatsache dass er selbst einen Chefarztposten bekleidet dass er keinerlei Interesse an seinen eigenen Kindern hat.
#6 am 15.01.2018 von Gast
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Gast
Ich wurde ( Mutter von drei Kindern, 35 Jahre alt) zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, Gyn.-Geburtshilfe um dem dortigen Chefdokter die Gelegenheit zu geben mir zu erzählen, ich hätte bereits ausführlich genug bewiesen, daß ich an dem Beruf kein Interesse hätte, wieso ich denn Bitteschön die Stirn hätte, mich auf eine Assistelle zu bewerben.Nein, da hatte ich keine schlagfertige Antwort parat. Ich habe dann noch ein Kind bekommen, weil ich immer vier Kinder haben wollte, und hochschwanger wrde ich mit genau dem Vertrag in genau der Abteilung eingestellt, von der ich geträumt hatte. Ohne den Vater der Kinder und dessen Einsatz wäre das nie gegangen.... Es war viel Kampf und Zähigkeit nötig und supergute Kindergruppen!!!
#5 am 15.01.2018 von Gast
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Tagesmutter braucht man...
#4 am 15.01.2018 von Silke Schuster (Ärztin)
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Es geht! ..Aber nicht ohne Hilfe. Vater , alle Großeltern und eine gute Tagesmutter raucht man schon, wenn man die Dienste stemmen will. Blöde Kommentare von Kollege(inn)en die sich selbst von anderen den Rücken frei halten lassen mussman konsequent von sich weisen. Man lernt als Mutter kämpfen.
#3 am 15.01.2018 von Silke Schuster (Ärztin)
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Ich kenne dies zur genüge. Für mich war der "Kompromiss": Es ist selbstverständlich, einen großen Teil meines Verdienstes für eine gute und liebevolle Kinderfrau auszugeben. Wenn ich weiß, dass meine Kinder in guten Händen sind - Kindesvater und Kinderfrau/-mann, kann ich mich auf meine Arbeit konzentrieren und auch diese optimal erledigen. Voraussetzung ist weiter, daß die übrigen Familienmitglieder akzeptieren, dass unser Beruf nicht immer pünktlichen Feierabend möglich macht - und ich selbst mich andererseits darin diszipliniere, diese Toleranz nicht überzustrapazieren. Ich habe z.B. Büroarbeiten und Selbststudium dann in die Abendstunden verlegt und dann halt auch mal weniger geschlafen. Und man kann auch von einem Kindergartenkind schon verlangen, einmal eine halbe Stunde alleine zu spielen; niemand muß ununterbrochen um sein Kind kreisen. Also ein wenig locker an alles herangehen, es spielt sich ein.
#2 am 15.01.2018 von Dr. med. Angelica Wegener (Ärztin)
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Wow, super ehrliche und spannende Fragen, die hier gestellt werden, und ich hoffe das beste, dass der Kompromiss zwischen den zwei Welten gelingt! Wobei die Herausforderung gerade hinsichtlich des Zeitmanagements (Notfälle = Unfallchirurgie erwarte ich jetzt nur bedingt innerhalb der geregelten Arbeitszeiten) wohl kaum größer sein kann?! Ich habe jetzt gerade einen veröffentlichten Fragebogen mal durchgelesen, weil ich interessiert war, wie es Mütter erleben. Und das spannende war (außer der Beschreibung, dass alles nur hektisch und sch..ße ist, aber die Schreiberin allen anderen auch Kinder empfiehlt), dass das größte Problem die Kolleginnen und Kollegen sind, die einem unterstellen, keine richtige Ärztin zu sein, wenn man nicht 110% für den Beruf, nein die Berufung gibt. Daher wird hier gaaaaaannnnnzzzz viel vom Vater abhängen, der dies auffangen muss, wenn man sich bei den Kollegen mal wieder "von der guten Seite" präsentieren muss.
#1 am 15.01.2018 von Dr. med. vet. Frank Ahrens (Tierarzt)
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