Hinter Bettgittern

08.01.2018
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„Hilfe, Hilfe! Warum hilft mir denn keiner?!“, schallt es über den nächtlichen Flur. In Zimmer 3 liegt Gerda aus dem Pflegeheim. Die Tür zu ihrem Zimmer steht extra weit auf. Ebenfalls aufgebracht: Herr Boll aus dem Nebenzimmer, der versucht, den Fängen seiner Bettgitter zu entkommen. Auch die Türen von Zimmer 4 und 5 stehen auf.

Gleiches Spiel, ähnlicher Gesang, ähnliche Tonart, anderer Rhythmus. Eine weitere Patientin steht mit den geschlossenen Bettgittern vor dem Stationsstützpunkt. Damit die Pflegekraft, die die Tabletten richtet und auch noch für eine weitere Station zuständig ist, einen Blick auf sie werfen kann.

Diese Pflegekraft, die für die 30 Patienten heute Nacht zuständig ist, springt von einer Tür zu nächsten. Als sie mich sieht, blickt sie erleichtert: „Bitte, Lieschen, tu was. Der Herr Boll aus Zimmer 4 steigt die ganze Zeit über seine Bettgitter. Ich kann ihn nicht auch noch auf den Flur stellen. Können wir ihn bitte fixieren? Er hat sich mal wieder seine Verweilkanüle gezogen und aus dem Katheter fließt es rot, weil er die ganze Zeit versucht, ihn zu ziehen. Jetzt ist es fast Mitternacht und er hat noch nicht einmal seine Abenddosis Antibiotikum für die Lungenentzündung bekommen."

Bettgitter – ein unüberwindbares Hindernis

Die Patientin auf dem Flur schlägt um sich und versucht, über die Bettgitter zu steigen. Aufgrund ihrer dünnen Beine bleibt sie immer wieder in den Bettgittern hängen. Sie versucht mich zu beißen, als ich sie bitte, sich wieder hinzulegen. Wenn sie so weitermacht, bricht sie sich noch mehr als ihren Oberschenkel, den wir gestern versorgt haben. Zum Glück hat sie noch eine Verweilkanüle. Tabletten oder einen Saft nimmt sie freiwillig nicht mehr zu sich. 

Die Situation bei Herrn Boll stellt sich ähnlich dar. Nur, dass er schon zwischen den Bettgittern hängt. Er gibt rasselnde Geräusche von sich, seine Atmung ist doppelt so schnell wie meine, seine Sauerstoffbrille liegt auf dem Boden und den Katheter hat er sich mittlerweile gezogen. 

Ich brauche Hilfe von der Intensivstation

Während Zimmer 3 und 5 ihren Hilfe-Gesang fortsetzen, die Patientin auf dem Gang wieder munter wird und Zimmer 7 und 9 sich über den nächtlichen Lärm beschweren, rufe ich auf der Intensivstation an. Begeisterung. Auf allen Seiten, natürlich nicht durchweg positiv. 

Am nächsten Morgen fragt mich der Chefarzt, warum ich ein Intensivbett belegt hätte. Die vielen Kosten für so einen simplen Duokopf. Herr Boll käme heute wieder auf die Normalstation. Ich weiß auch nicht, aber simpel ist anders.

 

Bildquelle: Alex Smith, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 08.01.2018.

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Klassisches postoperatives Delir, dafür muss man nichtmal eine Demenz haben. Hier hilft nur persönliche Betreuung durch geschultes Personal, damit kann man sogar langfristige Folgen vermeiden. Zu meiner Zeit als Student hab ich bei solchen Patienten Sitzwache geleistet, Vorlesen und beruhigende Gespräche haben zum Teil echte Wunder gewirkt. Da hat man auch für seinen Beruf noch viel mitgenommen. Aber 80€ für ne studentische Sitzwache sind natürlich viel zu teuer.... Sedierung, richterliche Fixierungsanordnung oder Verlegung auf Intensivstation oder in die Gerontopsychatrie, sowass sieht in der betriebswirtschaftlichen Auswertung viel besser aus, da es ja dann eine andere Kostenstelle ist. Ethik und Menschlichkeit werden mutwillig oder fahrlässig völlig aus jedweder Kalkulation geworfen, obwohl bei Einbeziehung aller Faktoren die Gesamtkosten wahrscheinlich wesentlich geringer wären.
#29 gestern von Christian Scheer (Arzt)
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Gast
Der pflegeschlussel muss aufgestockt werden. Es kann so nicht mehr weitergehen. Überall das Selbe.
#28 vor 5 Tagen von Gast
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Gast
Genau, mehr Geld in die Pflege und auch für die Pflegekräfte, die (bisher oft zum burnout)arbeiten und oft nach einigen jahren so "kaputt" sind,dass sie nicht länger in dem Beruf arbeiten können. Mehr Geld in der Pflege kommt auch den zu Pflegenden zugute. Aber: kein Geld für die Aktionäre, die leistungslos abgreifen! Dann finden sich genügend Pflegekräfte, haben einen angeseheneren Gesellschaftsstatus (heut sagt doch jeder: soll für das bissel Geld die Hintern sauber machen) und vielleicht auch die Möglichkeit, mit einer höheren Rente zu überleben.Die bisherigen Refórmen (5 Stufen statt 3 Pflegestufen), sind wirkungsloser Aktionismus und haben insgesamt wenig gebracht! Drum: vernünftige Pflege kostet Geld, Geld ist genug da, aber falsch verteilt! Frage: hat eigentlich Fussek resigniert,sieht man zumindes nur noch selten! Stichworte Ethik, Zuwendung, Sicherheit und Wohlfühlwunsch für die zu Pflegenden ist natürlich manchmal auch nicht möglich wg. Demenz!
#27 vor 8 Tagen von Gast
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Es ist eine Schande, wie das Personal ausgebrannt wird. Als Gutachterin habe ich öfter mit eigentlich engagierten Pflegenden zu tun, die langzeitkrank sind, weil es nicht mehr ging. Und die noch Gesunden müssen das auch noch kompensieren. Früher gab es wenigstens noch Zivis, die auf Stationen auch mal einem Sterbenden die Hand hielten. Schlimm genug, dass "plötzlich" Verwirrte in der Akutpsychiatrie abgegeben wurden vor dem Urlaub. Es muss endlich mehr Geld in die Pflege, dringend!
#26 vor 9 Tagen von Sylvia Robinson (Ärztin)
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Immer diese Besserwisser. Ich lade Sie gerne auf so eine Nacht ein. Auf Ihre Empathie freue ich mich jetzt schon. Das wird ein Spaß! Das ist Alltag! Kein Horrorszenario. Und auch super weitergebildete Pfleger haben nur Nerven. Eine für dreißig. Da ist man jeden Morgen dankbar, wenn nichts Schlimmeres passiert ist. Danke für den Arzt, der solch einen Patienten auf die ITS verlegt! Der Arme ... Diensthabende! Wer glaubt denn noch an die heile Welt der Schwarzwaldklinik??? Das ist schon sehr lange vorbei!!!!
#25 vor 9 Tagen von Katja Bartsch (Gesundheits- und Krankenpflegerin)
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Kritiker
Einem Bewohner im Pflegeheim, der unruhig ist und plötzlich wegrennt (habe ich selbst erlebt) und der verschwindet, dabei den Verkehr und sich selbst gefährdet, der durch die Polizei gesucht werden muss, wenn Sie diesem einen Sender zur Ortung anhängen, dann gilt das als freiheitsentziehende Maßnahme! Gehts noch?
#24 vor 10 Tagen von Kritiker (Gast)
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Gast X
Das hängt vom Patienten ab: hochgradige Unruhe und Bettflucht bei unverzichtbarer Bettruhe >Überwachungsbett. Was bleibt mir anderes übrig? Manchmal nimmt eine Pflegekraft einen Pat der nicht schlafen kann mit auf den Flur setzt ihn dort in den Mobilisationsstuhl bis er müde wird. Das hilft manchmal. Bei anderen erklärt sich ein schlafloser Zimmergenosse bereit nach der Pflege zu klingeln wenn der Mitpatient Hilfe braucht. Einen Patienten habe ich mal in einer ruhigen Nacht mit in die Notaufnahme genommen, dort „half“ er der Schwester ein bisschen während sie die Apotheke erledigte und frisches Material aus dem Lager holte. In anderen Fällen kann man Stürze vermeiden indem die Matratze auf den Boden gelegt wird. Ich weiß, das ist alles nicht das gelbe vom Ei, manchmal lassen sich freiheitsentziehende Maßnahmen leider nicht vermeiden, Sitzwache wäre mir auch lieber, wenn eine Tavor reicht und es nicht verschlimmert ist das ja noch ok, aber jede stärkere Sedierung erfordert Monitoring.
#23 vor 10 Tagen von Gast X (Gast)
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Gast
@21) Das funktioniert bei einem Menschen mit dem man sich unterhalten kann und wo Angehörige da sind. Was machen sie wenn es ein Mensch aus dem Pflegeheim ist, hochdement, Angehörige sind 100km weit weg oder gar nicht vorhanden? Was machen sie wenn der anfängt an den Kanülen zu ziehen oder auf zu stehen auf das frisch operierte bein? Ich kann verstehen dass der Mensch angst hat und verwirrt ist, verstehen sie mich nicht falsch. Aber was machen sie nachts in dieser Situation wenn die Nachtschwester hilflos neben ihnen steht und 5 andere Zimmer klingeln? Ich verurteile keinen Kollegen dem Sedierung in den Sinn kommt, denn das Problem ist nicht das angeblich fehlende Einfühlungsvermögen oder ähnliches, sondern das System an sich. Aber was würden sie dann machen?
#22 vor 10 Tagen von Gast
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Gast X
@20: eine Sedierung ist auch nichts anderes als Freiheitsberaubung und noch dazu gefährlich. Abgesehen davon gehört bei korrekter Durchführung eine leichte Sedierung zur mechanischen Fixierung dazu. Allerdings ist der Patient dann überwachungspflichtig und muss auf IMC oder ICU betreut werden. Ein Bettgitter ist ein fauler Kompromiss der den Patienten nur irritiert und zum Klettern animiert aber nicht schützt, das erhöht nur die Sturzhöhe. Ab gesehen davon: ein Patient der ein leichtes Sedativum (z.B. Tavor) erhält aber nicht anderweitig geschützt wird ist noch mehr sturzgefährdet. Ich verordne Bettgitter nur auf Wunsch (Angst aus dem Bett zu fallen), sonst jegliche Fixierung und Sedierung mit Überwachung. Was oft sehr gut hilft sind Gespräche mit Angehörigen, es muss auch nicht immer permanent jemand am Bett sitzen, manchmal reicht ein kurzes Telefonat, die Stimme zu hören und sich zu vergewissern dass die Familie weiß wo man ist und dass das ok ist, reicht manchmal.
#21 vor 10 Tagen von Gast X (Gast)
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Gast
Ist ein solches Patientenleben noch lebenswert? Was ist der Sinn wenn wir immer älter werden, dann aber nicht mehr bewusst erleben? Woher nehmen Pfleger die Kraft mit so vielen solcher Menschen Tag oder Nacht zuzubringen? Ich könnte das ganz sicher nicht! Warum darf man solche Patienten nicht wenigstens nachts sedieren um dem ganzen Herr zu werden?
#20 vor 10 Tagen von Gast
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Gast
Wir hatten einmal einen Mann "blutig" 1 Tag nach der OP entlassen müssen da er überhaupt nicht beherrschbar war und uns die ganze Station zusammenbrüllte, Tag und Nacht. er musste dann halt jeden Tag zur Kontrolle in die Ambulanz. Ist aber ja auch nicht optimal einen bettlägerischen, pflegebedürftigen Mann jeden Tag für 2 Wochen durch die Stadt zu fahren aber eine andere Lösung konnte halt nicht gefunden werden.
#19 vor 10 Tagen von Gast
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Gast
wenn man nicht selbst in der Situation ist lässt sich leicht urteilen aber wie oben schön beschrieben steht man manchmal vor einer Wahl die keine ist. Der Mensch ist im Delir oder stark Bewusstseinseingeschränkt, nicht fähig zu einer vernünftigen Unterhaltung. Es ist nachts, es gibt für 30 oder gar mehr Patienten 1 Schwester und vielleicht 1 Arzt der noch 30 bis 60 andere Patienten betreuut. Einfühlsam daneben sitzen ist nicht möglich, da sind noch mindestens 3-4 andere die genau drauf sind wie der eine Patient vor ihnen. Es ist gefahr im verzug dass der Mensch sich selbst noch mehr schadet. Guter Rat ist teuer. Ich kenne ein paar Krankenhäuser die ein paar Bettwachen in der Reserve haben. das sind meist ehrenamtliche Leute die halt in der Nacht neben einen dementen Menschen sitzen aber was hilft dass wenn dieser aus Angst/Verwirrung agressiv wird? Aus Selbstschutz und Schutz für das Personal greift man dann zum Tavor, Haldol oder ähnlichen... oder muss halt verlegen.
#18 vor 10 Tagen von Gast
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Gast
Wenn die Pflegekräfte angemessen bezahlt würden und ein guter Neurologe hinzugezogen würde, dann wären solche Probleme kleiner. Aber die Aktionäre wollen in privaten Einrichtungen angemessen bezahlt werden!
#17 vor 10 Tagen von Gast
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Delir, ein verkanntes und ignoriertes Krankheitsbild. Ich kämpfe seit meiner Ausbildung als Pflegerlein für mehr Erkenntnis, aber auch auch als fastArzt interressiert es niemanden. Fixierung ist eigentlich immer die schlechteste und personalintensivste Lösung . ( es gibt übrigens eine S3 Leitlinie)
#16 vor 10 Tagen von cand. med. Stephan Brockenauer (Student der Humanmedizin)
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Karsten Wiese
Wer sagt, dass Personal hat keine Ahnung, verkennt die Situation. Demenz + Schmerzen + neue Umgebung + Überforderung mit der Situation Das lässt sich mit der Situation im Pflegeheim kaum vergleichen. Mit den gegebenen Rahmenbedingungen bleibt nur die Sitzwache, die nahezu nur bewilligt weil nicht bezahlt wird oder ruhig stellen. Da bringt auch die beste Fortbildung nichts.
#15 vor 11 Tagen von Karsten Wiese (Gast)
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#6, ich habe ca. 20 Jahre in Altersheimen als Pflegerin und als Nachtwache in der Geronto-Psychatrie. Ich kam an den Punkt an dem ich zwei Möglichkeiten hatte: entweder etwas völlig neues machen und Mensch bleiben oder weiterhin in diesen diskriminierenden Anstalten notdürftig pflegerisch tätig sein. Mein Gewissen hat mich nicht schlafen lassen... Jeder darf so sein, wie er gern möchte... Ich habe umgeschult und betreue und pflege primär Alzheimer-Patienten und Demenzkranke Menschen. Ich bin Freiberuflerin, mein Arbeitsplatz ist das zu Hause der Patienten und beide Seiten profitieren von einem hohen Maß an Lebensqualität! Jeder -ich behaupte JEDER kann sich verändern und einen neuen Job suchen. Niemand ist verpflichtet, die mörderischen Vorgaben diverser Klinikchefs oder Altersheim-Drachen zu unterstützen. Verzeihen Sie meine Ausdrucksweise aber ich bin einfach nicht mehr bereit, mich ausbeuten zu lassen und mir immer wieder das Gejammer überforderter Pflegekräfte anzuhören.
#14 vor 11 Tagen von Anna Wojcik (Nichtmedizinische Berufe)
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Gast
Mein Partner lag nach einer schweren Gehirnblutung auf der IT. Er war halbseitig gelähmt u. wurde sofort an beiden Händen am Bett fixiert. Meine Bitte, doch wenigstens die betroffene Hand nicht zu fixieren, wurde ignoriert. Da ich jeden Tag lange dort war, konnte ich zumindest tagsüber die Fixierung verhindern. Aber kaum war ich aus der Tür wurde er wieder am Bett festgebunden, trotz meines Protestes. Außerdem wurde er mit Tavor ruhiggestellt, da er, wen wunderts, einen gestörten Tag-Nacht-Rhytmus hätte. War ich bei ihm, kam er zur Ruhe und schlief ein. Ging ich, bekam er Panik. Er hatte unendliche Angst sowohl vor den Ärzten wie auch den Pflegern. Erst als er in die Rehaklinik kam, beruhigte sich die Situation. Auf meine Frage, ob er auch hier ans Bett fixiert würde u. man ihn mit Medikamenten ruhigstellen würde, gab man mir zur Antwort, dass man so nicht arbeiten würde. Und tatsächlich, er wurde, obwohl anfangs noch sehr unruhig, nie fixiert u. seine Genesung konnte endlich beginnen.
#13 vor 11 Tagen von Gast
  7
Gast
Die Dame hatte doch eine Venenverweilkanüle? Wozu gibt es Benzodiazepine in Ampullen? Im Zweifelsfall diensthabenden Arzt anrufen und nachfragen. Sehr gut eignet sich auch eine Tavor Expidet mit Traubenzucker.
#12 vor 11 Tagen von Gast
  15
Gast
Immer dieses Schubladendenken: ja, meistens sind demente welche solche Nächte durchleiden müssen, aber nicht immer. JEDER von uns kann unter Umständen während eines schweren Infektes, nach einem Unfall oder einer komplizierten OP ein Delir entwickeln. Nach ein paar Tagen ist der Spuk meist vorbei. Sollte mir soetwas passieren hoffe ich dass kluges und kompetentes Personal mich solange fixiert bis ich wieder klar denken kann und nicht mich selbst oder andere verletze. Nicht auszudenken was alles passieren kann wenn aus falsch verstandener Nächstenliebe der Schutz des Patienten unterbleibt. Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht.
#11 vor 11 Tagen von Gast
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Alte Pflegerin
Zu #8: Und da rede ich nicht von zeterndern alten Damen, die mitten in der Nacht ihr Zimmer verlassen und in ein neues verfrachtet werden müssen, weil wir eben das besagte Zimmer als Iso-Zimmer für eine andere alte Frau benötigen, die mit MRSA im Nasen-Rachen-Raum und eiternder PEG eingeliefert wird. Nachts....
#10 vor 11 Tagen von Alte Pflegerin (Gast)
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Alte Pflegerin
Der fast alltägliche Wahnsinn. Ich habe auch gestern Nacht einen älteren, dementen Herren aus dem Zimmer geholt- sein Bettnachbar sowie der ältere Herr selber, der sich ob der Geräusche vor dem Schwesternzimmer wohl viel wohler fühlte, dankten es mir mit tiefem Schnarchen. So hatte ich Zeit, mich um die alte Dame mit SHF zu kümmern, die auch ständig aufstehen und zur Toilette gehen wollte- den liegenden DK empfand sie eher als Fremdkörper und hatte wohl ständig das Gefühl, Wasser lassen zu müssen. Ja- man schafft das alles, irgendwie- zwischen Medikamentenkontrolle, Apothekenbestellung, Dokumentation, Neuaufnahmen, Notfällen- doch man hat auch manchmal das Gefühl, nicht allen gerecht geworden zu sein.
#9 vor 11 Tagen von Alte Pflegerin (Gast)
  1
Gast
Demnächst gibt es kompetente Hilfe, Robbi der Betreuungsroboter, Allzeit bereit, niemals überlastet und stets freundlich. Auf jeden Fall eine ernsthafte Alternative zu den katastrophalen Zuständen in den Pflegeheimen
#8 vor 11 Tagen von Gast
  13
Gast
Tja, ganz ehrlich liebe Leute, bevor ich so Ende und vernachlässigt werde, weil einfach viel zu wenig Pflegekräfte vorhanden sind, na dann liebend gerne eine Ablebepille.
#7 vor 11 Tagen von Gast
  9
Gast
Werte Frau Wojcik, sie unterstellen, dass das Personal nicht ausreichend fortgebildet ist. Mir scheint, Sie kennen solche Situationen auch nicht. Auch mit den Hintergründen, die dazu führen, sind Sie nicht vertraut, denn Fortbildung ändert nichts am Pflegenotstand und Fachpersonal hat nicht pauschal "keine Ahnung". Was hilft es einer Schwester, wenn sie super Fachwissen hat und allein für 30 Patienten zuständig ist? Ich würde Sie gern an der Stelle der von Ihnen als "Stations-Ungeheuer" bezeichneten Schwester sehen. In so einer Situation, wie sie oben beschrieben ist, helfen Sie niemandem, indem sie empathisch neben einem verwirrten Patienten sitzen und ihm gut zureden, während die anderen Demenzkranken sich im Bettgitter die Knochen zerbröseln oder (ohne Gitter) davon laufen.
#6 vor 11 Tagen von Gast
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Was für eine Horror-Geschichte! Alle Beteiligten haben keine Ahnung, menschengemäß mit offensichtlich dementen Patienten umzugehen. Wenn solche hilflosen Pfleger-innen sich nicht endlich weiterbilden oder diese Szenarien in Zukunft meiden, wird sich am Pflegenotstand in den nächsten 100 Jahren nichts ändern. Welche gut ausgebildeten Kollegen wollen mit unfähigen und total überforderten Leuten wie beschrieben, zusammen arbeiten? "Können wir ihn bitte fixieren?" -wird gefragt. Der Pflegende der das macht, begeht eine Straftat. Fixieren ist verboten! Verstand, Empathie und professionelles Arbeiten sind gefragt. Man sollte diese Stations-Ungeheuer mal für ein paar Tage hinter einem Bettgitter am Bett fixieren. Unfassbar, dass auch noch bis ins Detail über diese katastrophale Situation geschrieben wird. Fremdschämen ist angesagt.
#5 vor 11 Tagen von Anna Wojcik (Nichtmedizinische Berufe)
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ich verstehe, dass der Fehler im System liegt, dennoch tun mir diese alten, kranken ,verwirrten Menschen unendlich Leid. Und mir graut es davor, dort eines Tages zu liegen. ( Ich frage mich , wie unfallchirurginundmutter dieses allnächtliche Grauen wegsteckt, ich frage mich, wie es überhaupt jemand wegsteckt, dessen Augen nicht nur auf die Buchhaltung gerichtet sind.
#4 vor 11 Tagen von Remedias Cortes (Nichtmedizinische Berufe)
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Ich glaube die Intention des Beitrags war es nicht, diese Menschen als lästig hinzustellen. Vielmehr verstehe ich es so, dass die Pointe im letzten Absatz aufzeigen möchte, wie "kalt und herzlos" eigentlich Geschäftsführungen und Chefs sein können, wenn sie (Personal-)Situationen schaffen, in denen es wohl jedem Arzt das Herz bricht, so reagieren zu müssen. In diesem Sinne: Daumen hoch.
#3 vor 11 Tagen von Moritz Dieckmann (Student der Humanmedizin)
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Gast
@#1 Den Eindruck, dass die Patienten im Artikel als lästige Querulanten dargestellt werden, habe ich nicht. Für mich liest sich das wie eine objektive und realistische Schilderung eines Nachtdienstes, wenn wie so oft nicht genug Personal da ist.
#2 vor 11 Tagen von Gast
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Mir wurde beim Lesen dieses Artikels eiskalt. Wieder einmal überfordertes Personal, Patienten die fixiert werden sollen - was übrigens den Tatbestand der Freiheitsberaubung erfüllt. Warum schreien diese Menschen denn? Sie haben Angst, das ist die einzige Möglichkeit, die in einer solchen Situation bleibt. Hier wird von der Ärztin wieder einmal vermittelt, wie schwer dieser Beruf ist, wie anstrengend Patienten an sich sind und wie wenig Menschlichkeit noch vorhanden ist. Wie kalt und herzlos ist dieses Denken, die Patienten haben sich ihren Zustand bestimmt nicht ausgesucht. Sicher kennen wir die Personalknappheit im Pflegebereich, aber stellt doch solche Menschen nicht alle als lästige, demente Querulanten dar, das ist unwürdig.
#1 vor 11 Tagen von Jutta Hüniche (Heilpraktikerin)
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