Fortbildungspflicht: Auch für Apotheker?

04.01.2018

Während Ärzte seit Jahren verpflichtend Fortbildungen zu besuchen, drücken sich Apotheker immer noch davor. In Österreich versucht die Kammerpräsidentin Nägel mit Köpfen zu machen. Was hindert deutsche Apotheker daran, sich selbst zu Fortbildungen zu verpflichten?

„Zu einem verpflichtenden Fortbildungsprogramm für Apotheker existieren in der Österreichischen Apothekerkammer bereits Unterlagen aus dem Jahr 2012. Das wurde damals nicht umgesetzt“, stellte Kammerpräsidentin Ulrike Mursch-Edlmayr Ende Dezember überrascht fest. Sie macht sich jetzt für verbindliche Regelungen stark und schielt in Richtung Ärzteschaft. Mediziner im Nachbarland müssen mit zertifizierten Fortbildungsveranstaltungen, Kongressen oder Fachliteratur innerhalb von drei Jahren 150 Fortbildungspunkte sammeln. Die Situation erinnert stark an Deutschland. 

Selbstverpflichtungen reichen nicht aus

Dazu ein kurzer Rückblick: Schon im Jahr 2014 präsentierte die „Zukunftswerkstatt“, ein Arbeitskreis aus Baden-Württemberg, etliche Vorschläge. Dazu gehörten auch verpflichtende Fortbildungen, um neue Tätigkeiten zu übernehmen, etwa Impfungen, Folgeverordnungen, oder Verlaufskontrollen von Therapien. 

Wenig später verabschiedeten Standesvertreter ihr Perspektivpapier „Apotheke 2030“, bleiben in punkto Qualifizierung aber vage: „Die Kernkompetenz der öffentlichen Apotheken stützt sich auf die hohe Qualifikation ihres Personals und dessen starker Identifizierung mit dem Beruf. (…) Die Apotheker sowie das nicht approbierte pharmazeutische Personal und alle Mitarbeiter halten ihr Fachwissen stets auf aktuellem Stand.“ Daraus lässt sich wenig ableiten. Bereits heute besuchen etliche Kolleginnen und Kollegen Fachveranstaltungen, während sich einige wenige konsequent davor drücken. 

Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer, fand im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung deshalb deutliche Worte: „Wenn wir die Ausbildung ändern, wird nicht automatisch alles gut“, konstatierte er mit Blick auf Reformen des Pharmaziestudiums. Er regte an, Kammern sollten überlegen, ob eine Nachweispflicht sinnvoll sei. Das war Anfang 2015. Seither ist nichts passiert. 

Gleichberechtigter Partner mit Wissensdefiziten

Apotheker wünschen sich dennoch, als gleichberechtigte Partner neben Ärzten die Pharmakotherapie zu begleiten. Ihre großen Strategien, nämlich Medikationsanalyse und Medikationsmanagement, leisten einen Beitrag zur Verbesserung der Pharmakotherapie. Dass alle Pharmazeuten hier auf gleichem Wissensstand sind, darf bezweifelt werden. Nur, wie könnte es weitergehen? Im Moment fordert der Gesetzgeber von allen Apotheken im Rahmen der Grundversorgung die gleichen Leistungen. In fünf oder zehn Jahren könnte sich die Spreu vom Weizen trennen. Wer sich für neue Services qualifiziert, kann stärker als bisher pharmazeutisch arbeiten und bestenfalls auch zusätzliche Honorare abgreifen. Die leidige Kontroverse um Honorare macht einmal mehr deutlich, dass Dienstleistungen – und nicht Packungen – als Basis heranzuziehen sind. Zuletzt hatten Experten im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) festgestellt, Inhaber würden pro Betriebsstätte 40.000 Euro zu viel erhalten. Auch hier geht es um die Frage, welche Leistungen vom Sozialsystem zu vergüten sind. 

Politiker haben momentan zwar andere Sorgen. Früher oder später müssen sie zu den Zahlen aber Stellung beziehen. Und früher oder später wird die Frage auftauchen, warum sich Apotheker – anders als Ärzte – immer noch keine Selbstverpflichtung zur Fortbildung gegeben haben. 

Nicht nur die Fehler der anderen kopieren

Bereits im Jahr 1999 beschloss der Ärztetag, bundesweit einheitliche Fortbildungsnachweise umzusetzen. Die Idee erinnert im Großen und Ganzen an freiwillige Fortbildungszertifikate der Apothekerkammern. Mit dem Gesetz zur Modernisierung der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GMG) wurde aus einem berufsrechtlichen Thema plötzlich ein Bestandteil des Sozialgesetzbuchs. Im letzten Schritt waren wieder Ärzte am Zuge. Sie beschlossen Mitte 2004, wie die Continuing Medical Education (CME) umzusetzen ist. 

Ihr System ist nicht frei von Kritik – und sollte keinesfalls unreflektiert auf Apotheker übertragen werden. Hersteller versuchen laut MEZIS über Fortbildungen, Ärzte als Verordner zu beeinflussen. Das hat aus wissenschaftlicher Sicht mehrere Konsequenzen:

Bleibt als Problem, dass nach den Empfehlungen der Bundesärztekammer „angemessenes“ Sponsoring erlaubt ist, solange Sponsoren keinen Einfluss auf Inhalte nehmen. „Dies nachzuweisen ist im konkreten Fall schwierig und für die Landesärztekammern praktisch nicht zu leisten“, kritisiert Manja Dannenberg von MEZIS. Ihr Verein fordert deshalb, Sponsoring in jeder Form zu unterbinden: ein Aspekt, den auch Apotheker überdenken sollten, bevor sie Verpflichtungen umsetzen. 

Bildquelle: Leo-setä, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 09.01.2018.

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Gast
Dann bitte weiter ausdünnen, lieber Ansgar
#11 am 12.01.2018 von Gast
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Ansgar Braukmann
Schlichter geht immer! docchek sollte sich vielleicht einmal sinnvolle Gedanken machen, die "anonyme Kommentarfunktion" zu deaktivieren. Den Kommentarquatsch vieler Gäste braucht kein Mensch. Zu #9 zur Dichte gibt es mehr als genug verifizierbare Zahlen. Deutschland befindet sich dabei im europäischen Mittelfeld - mit deutlicher Tendenz zu weiterer Ausdünnung. Und lieber Gast: auf weitere Plattitüden werde ich nicht antworten.
#10 am 12.01.2018 von Ansgar Braukmann (Gast)
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Gast
Lieber Herr Dietwald, um Patienten dieser Ärzte in ihre Apotheke lenken zu lassen. Bei der hohen Apothekendichte erscheint es mit nötig, dass Apotheker den Kontakt zur eigentlichen Geldquelle, dem Arzt, zu suchen.
#9 am 11.01.2018 von Gast
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Manfred L. DIETWALD
Wo gibt es eine neutral beurteilende Fortbildung? Gesponsert von Firma ..., Botanikexkursion mit Pflanzen und deren Arzneiwirkung zu finden in diesen Spezialitäten... und Gesetzesnovellen mit unbestimmten Ausgang, nachzulesen in Zeitungen in kürzester Zeit. Vorteil von Fortbildungsveranstaltungen ist Kontakt mit Kollegen und deren Angestellten, sowie Kenntnis von besser oder schlechter informierten Fragestellern. Sowohl bei Ärzte- ,als auch Apothekerfortbildungen fanden sich häufig Apotheker ein, um auch Ärzte persönlich kennenzulernen.
#8 am 10.01.2018 von Manfred L. DIETWALD (Gast)
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Gast
Quantenmatschsalat? Mein Apotheker nimmt höchstens nimmt höchstens an einer Kassensystemschulung teil, wenn die verspricht das Geld schneller rein zu schaufeln.
#7 am 10.01.2018 von Gast
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Gast
Man merkt immer wieder, dass Artikel hier offenbar von Unwissenden der jeweiligen Branchen verfasst werden. Hat der Verfasser dieser Zeilen eigentlich schon mal etwas von QMS gehört? - Ein zentraler Bestandteil solcher seit Jahren in deutschen Apotheken etablierten Systheme ist die Fortbildung. Ich als Apotheker, der auch Berührungspunkte zur Ärzteschaft hatte, kann nur sagen, dass Fortbildungen, in der Qualität, wie Sie die Ärzteschaft zum Teil absolviert mit Sicherheit eines bewirkt, nämlich dass die Alibifunktion erfüllt wurde und eine Menge Zeit investiert wurde. Vorschläge Dienstleistungen an zu bieten, wie z.B. Impfen halte ich für absoluten Nonsens. Derartige Fortbildungen könnte man gar nicht an die Apotheker bringen um sicher zu stellen, dass in der Fläche alle Apotheken dies anbieten könnten. Manche Ideen blieben besser unausgesprochen. Und abgesehen davon hat #5 vollkommen recht. Die Apotheker bilden sich mit Sicherheit nicht minder Fort als die Ärzteschaft.
#6 am 10.01.2018 von Gast
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Gast
Bei der Apothekerkammer Niedersachsen gibt es sehr viele Fortbildungsveranstaltungen, die innerhalb von wenigen Tagen nach ihrer Ankündigung ausgebucht sind. Ich denke, dass sich Apotheker sehr oft und in den verschiedenen Bereichen fortbilden!
#5 am 09.01.2018 von Gast
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Gast
Kann man machen, nur kann man auf Ärzte im Zweifel nicht verzichten, wir haben zu wenig.
#4 am 09.01.2018 von Gast
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Gast
Wenn kein Sponoring? "Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld...."?
#3 am 09.01.2018 von Gast
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Gast
Ein schlechter Arzt genauso.
#2 am 09.01.2018 von Gast
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Gast
Nein, eher im Sinne des Rentnerführerscheintests: Ein Apothekertauglichkeitstest mit anonymen Testkunden. Fällt er 3 mal durch, Apotheke schließen. Ein schlechter Apotheker ist gefährlicher als ein Rentner mit Führerschein!!
#1 am 09.01.2018 von Gast
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