Der erfundene Alkoholiker

03.01.2018

In einer Notaufnahme wird ein stark alkoholisierter Mann eingeliefert. Seine Frau kann sich nicht erklären, wie es dazu kommen konnte: Sie beteuert, dass er den ganzen Tag keinen Tropfen Alkohol zu sich genommen hätte. Hat der Patient heimlich getrunken?

Ein stark alkoholisierter Mann wird in eine texanische Notaufnahme eingeliefert. Die Ärzte messen eine lebensbedrohliche Blutalkoholkonzentration von 3,7 Promille. Seine Frau beteuert, dass er an diesem Tag nichts getrunken habe. Sie berichtet weiterhin, dass ihr Mann seit fünf Jahren immer wieder auf unerklärliche Weise betrunken wird. Nach einer Operation mit anschließender Antibiotika-Behandlung sei dieser Vorfall das erste Mal aufgetreten. Seither häufen sich die seltsamen Ereignisse, ohne dass er einen Tropfen Alkohol zu sich nimmt.

Heimlicher Alkoholiker?

Die Ärzte glauben der Frau zunächst nicht. Sie vermuten, dass ihr Patient bloß ein heimlicher Alkoholiker und seine Frau uneinsichtig ist. Der 61-Jährige wird die nächsten 24 Stunden in der Klinik überwacht und wegen Alkoholintoxikation behandelt. Die Ehefrau, selbst Krankenschwester, besteht dennoch auf eine gründliche Untersuchung ihres Mannes. Die Krankheitsgeschichte verrät, dass der Mann an Hypertonie und Hyperlipoproteinämie leidet. Gastrointestinale Erkrankungen lägen nicht vor. Die Ärzte testen ihn auf Fructose- und Lactoseintoleranz sowie gestörte Glukosetoleranz. Die Ergebnisse sind jedoch negativ. Bei einer Ösophagogastroduodenoskopie weisen die Ärzte in seinem Magen Helicobacter pylori nach. Sie finden aber keine weiteren Auffälligkeiten, die die Symptome erklären könnten.

Betrunken trotz Überwachung

Nachdem sich der Patient vollständig erholt hat, wird er erneut zur 24-Stunden-Beobachtung ins Krankenhaus eingeliefert. Dieses Mal wollen die Ärzte testen, ob sich dieser Vorfall auch unter kontrollierten Bedingungen wiederholt. Um sicherzustellen, dass er keinen Alkohol bei sich trägt, inspizieren die Ärzte seine Sachen. Sie staunen, als die Blutalkoholkonzentration ihres Patienten unter Beobachtung auf bis zu 1,2 Promille ansteigt. Durch eine Stuhlprobe des Mannes kommen sie der Ursache endlich auf den Grund: Im Verdauungstrakt hat sich eine Kolonie des Hefepilzes Saccharomyces cerevisiae angesiedelt. Üblicherweise wird dieser für die Herstellung alkoholischer Getränke genutzt. Im Darm des Mannes hatte der Hefepilz die während der Beobachtungszeit aufgenommenen Kohlenhydrate zu Ethanol vergärt. So konnte der Alkohol in seinen Blutkreislauf gelangen, ohne ihn getrunken zu haben.

Behandlung: Strikte Diät

Das seltene Phänomen wird auch als Auto-Brewery-Syndrom bezeichnet und wurde bisher nur bei stark immunsupprimierten Personen beschrieben. Vermutlich hat sich die Darmflora des Mannes bei der Antibiotika-Behandlung vor fünf Jahren derart stark verändert, dass sich der Hefepilz ungehindert ausbreiten konnte.

Für drei Wochen wird der Patient mit Fluconazol und anschließend mit Nystatin behandelt. Zur Rekolonisierung des Darms muss er für die ersten sechs Wochen eine strenge Diät einhalten: Er darf weder Kohlenhydrate noch Alkohol zu sich nehmen. Außerdem erhält er das probiotische Bakterium Lactobacillus acidophilus. Seit Beginn der Behandlung ist der Patient beschwerdefrei.

 

 
Quelle:
 
Barbara Cordell et al., International Journal of Clinical Medicine, doi: 10.4236/ijcm.2013.47054; 2013
 
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Bildquelle: Maria Eklind, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 03.01.2018.

64 Wertungen (4.83 ø)
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Gast
Na ja, ich habe den Artikel zum ersten mal gelesen. Und wenn schon, macht ja nichts wenn mann ältere Artikel mal wiedermale zum Lesen bekommt.
#11 am 31.01.2018 von Gast
  0
Was macht denn der alte Schuh hier? Ich denke das ist damals ausreichend durch jegliche Presse gegangen so das es niemand verpasst haben kann. Oder liegt es an dem Rote-Hand-Brief den es jetzt für Perenterol und Perocur gab? Das einzige aus der Geschichte zu lernen, ist nicht vorschnell jeden als verrückt oder Lügner abzustempeln, auch wenn man sich vorerst keinen Reim darauf machen kann oder es sich unglaublich anhört. Ich will nicht wissen wie viele Ärzte, in diesen 5 Jahren, dem Patienten kein Wort geglaubt und ihn wieder weggeschickt haben.
#10 am 30.01.2018 von J. Kögler (Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA))
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Man muss unterscheiden zwischen Saccharomyces cerevisiae und Sacch. boulardii, welches in den Durchfallmedikamenten enthalten ist. Wenn dieses im Körper Alkohol produzieren würde, wären schon viele Kinder mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert worden! Und es wäre längst vom Markt verschwunden!
#9 am 30.01.2018 von Alice Seibel (Apothekerin)
  0
Nur so zur Ergänzung, inspiriert durch Beitrag #3, Saccharomyces cerevisiae ist bei Autoimmunerkrankungen und Immunsupprimierten Patienten umstritten bis kontraindiziert!
#8 am 06.01.2018 von Gabriele Schröter (Heilpraktikerin)
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Auf dieser Plattform völlig deplatzierter Artikel - die Geschichte ist seinerzeit (immerhin schon vor fünf! Jahren) schon in sämtlichen Medien rauf und runter erzählt worden... https://www.welt.de/gesundheit/article120433228/Mann-braut-Bier-im-eigenen-Bauch.html http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/raetselhafter-patient-ist-betrunken-ohne-alkohol-zu-trinken-a-924838.html
#7 am 06.01.2018 von Britta Wahl (Zahnärztin)
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Gast
Gab es mal vor Jahrzehnten als Fall beim Polizeiruf 110, damals noch DDR
#6 am 04.01.2018 von Gast
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Der arme Mann muss ja auch unter enormen Blähungen gelitten haben, da bei der alkoholischen Gärung pro Molekül Ethanol auch 1 Molekül CO2 entsteht.
#5 am 04.01.2018 von Dr. Stephan Kohlmann (Chemiker)
  0
Gast
Augentropfen gegen Glaukom (Inhalt Betablocker) in Kombination mit Schlafapnoe (AHI~47 -55) plus 2 bis 3 Viertele Wein zum köstlichen Mittagsmal, resultiert in Schlaganfall, während Mittagsschlaf; Der Schlaganfall hatte sich über Nasenbluten entladen, besänftigt (Bett war voller Blut)! Blutdruck: /285/162/192/ Der Arzt verordnete Betablocker! Wollte nicht glauben das ich ein Herz Problem habe. Ab ca. 14:00 Uhr bis 19:00 Uhr, am nächsten Tag; Leistungscheck, per Walking, 4 Runden. Pro Runde jeweils 1 Fl. Bier getrunken, mit dem letzten dem 3. Bier, Abendessen eingenommen. Auf dem Weg zum Kfz, wurde mir irgendwie komisch, nahm deshalb zum 1. Male eine Tablette; Betablocker, ein. Im Kfz eingeschlafen, 9 Std. geschlafen! Ca. 30 min danach gefahren, Verkehrskontrolle; Resultat: 0,25 Promille! Seit 2004 wird der Promille-Wert des Autofahrers verdoppelt! Heißt: 0,5 Promille! Heißt: 30 Tage zu Fußmarsch, plus €285, ans Landratsamt spenden. 8 Jahre später, per Zufall gelernt: Blutdrucksenkende Medikamente, egal ob mit oder ohne; Bluthochdruck im Schlaf (Schlafapnoe bezüglich); Blutdrucksenkende Medikamente, begrenzen/frieren die Herzfrequenz (Puls) ein! Frieren die Durchblutungsrate pro Min., Std., Tag, Monat, Jahr, ein! Die Herzfrequenz wird z.B. bei max. 55 eingefroren! Heißt; ~ 3 Liter Blut-Durchblutung pro Min., eines Erwachsenen! Frage: Wie soll der Alkoholgehalt von 3 Flaschen Bier (5,2 Promille pro Flasche), innerhalb ca. 9 Std. Schlaf, plus 5 Std. Strammen Walking zuvor, in gesunder Zeit auf 0,0 Promille abgebaut werden können, wenn die Durchblutung von Leber, ebenso Nieren, Blutdrucksenkender Medikamente bedingt, total verzögert ist? Augentropfen gegen Glaukom (Inh. Betablocker). in Kombi., Schlafapnoe (AHI~47 -55), plus 2 bis 3 V. Wein während köstlichem Mittagsmal, resultiert in Schlaganfall, im folgenden Mittagsschlaf; Schlaganfall, hatte sich über Nasenbluten entladen, besänftigt (Bett voller Blut)! Blutdruck: /285/162/192/. Der Arzt verordnete Betablocker! Wollte nicht glauben das ich Herz Problem habe. Ab nächste Tag, ab ca. 14:00 Uhr, bis 19:00 Uhr; Leistungscheck, per Walking, 4 Runden! Pro Runde jeweils 1 Fl. Bier. Mit dem letzten, 3. Bier Abendessen eingenommen. Auf dem Weg zum Kfz, wurde mir irgendwie komisch, nahm zum 1. Male, einer Tablette Betablocker ein. Im Kfz eingeschlafen. Für gut 9 Std. geschlafen! Nach erwachen, ca. 30 min gefahren; Verkehrskontrolle; Ergebnis; 0,25 Promille! Seit 2004 werden die Promille-Wert eines Autofahrers verdoppelt!???????????????! Heißt: 0,5 Promille! Folge: 30 Tage zu Fuß unterwegs! Plus €285, ans Landratsamt spenden. 8 Jahre später erst per Zufall gelernt: Blutdrucksenkende Medikamente; Egal ob mit oder ohne Bluthochdruck im Schlaf (Schlafapnoe bezüglich); Begrenzen/frieren ausschließlich Herzfrequenz (Puls) ein! Frieren damit die Durchblutungsrate pro Min./St./Tag/Monat/Jahr erheblich ein! Herzfrequenz bei z.B. 55 eingefroren, heißt; ~ 3 Liter Blut-Durchblutung pro Min.(Erwachsener)! Frage: Wie soll der Alkoholgehalt von 3 Flaschen Bier (5,2 Promille pro Flasche), innerhalb ca. 9 Std. Schlaf, plus 5 Std. strammen Walking zuvor, in gesunder Zeit auf 0,0 Promille abgebaut werden können, wenn die Durchblutung von Leber, ebenso Nieren, Blutdrucksenkender Medikamente bedingt, total verzögert ist?!??
#4 am 03.01.2018 von Gast
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Ein interessanter Hinweis zumal angepriesen wird: "Saccharomyces cerevisiae: www.onmeda.de › Medikamenten-Ratgeber › ... Saccharomyces cerevisiae wird zur Linderung der Beschwerden bei akutem Durchfall eingesetzt, der auf Reisen oder bei künstlicher Ernährung auftritt. Der Wirkstoff dient auch dazu, einem Durchfall vorzubeugen.Bei chronischer Akne unterstützt der Wirkstoff "von innen heraus" die Therapie durch seine .." "Vitalstoffe und Orthomolekulare Medizin www.vitalstoffmedizin.com/probiotika/saccharomyces-cerevisiae.html Durchfälle, die durch bakterielle Krankheitserreger ausgelöst werden, können mit probiotischen Hefekulturen kuriert werden. So kann Saccharomyces cerevisiae beispielsweise dabei helfen, Durchfälle, die durch Clostridium difficile verursacht werden, zu behandeln. ..." Ich gebe zu das auch schon mal veordnet zu haben. Aber man lernt ja immer etwas dazu .... Es gibt auch andere Saccharomyces spezies.
#3 am 03.01.2018 von Dr. med.univ. Helmut Benda (Arzt)
  1
Herr Doktor, Herr Doktor, ich hab's gefunden: Die preiswerteste Art, besoffen zu werden. Ha, und die Krankenkasse bezahlt es! Und ich habe keine Schuld an meinen hohen Leberwerten!
#2 am 03.01.2018 von Dipl.-Ing. Ernst Berge (Heilpraktiker)
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"Frohes Neues Jahr" - ich denke, die Kenntnis der körpereigenen Stoffwechselvorgänge, hier die Wirkung von Enzymen, wird immernoch unterschätzt und zuwenig erforscht. und das obwohl der "Nahrungs-Ergänzungs-Mittel-Markt" boomt, gibt es kaum wissenschaftliche Forschung - Schade eigentlich. Gesundheit vor Kommerz, mein Credo. Wissen hilft...!
#1 am 03.01.2018 von Frank Cizewitz (Altenpfleger)
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