2 Neuerungen, die ihr auf dem Schirm haben solltet

02.01.2018

Neues Jahr, neue Hürden: Für Apotheken gibt es wieder einmal bürokratische Neuerungen. So darf im Zuge der Kassennachschau jederzeit das Finanzamt jemanden vorbeischicken, der sofort unser Kassenbuch überprüft und Geräte abfotografiert.

Ab Januar 2018 gelten für Apotheken zwei bürokratische Neuerungen:

1. Kassennachschau

Hierbei ist es jederzeit möglich, dass das Finanzamt uns jemanden vorbei schickt, der auf der Stelle unser Kassenbuch und die Abverkäufe des ganzen Tages überprüft. Kommt ihm dabei etwas seltsam vor, so kann er eine direkte Betriebsprüfung veranlassen. Die Kassennachschau wird ohne vorherige Ankündigung während der üblichen Geschäftszeiten durchgeführt. Der Inhaber muss dabei anwesend sein, um Rede und Antwort stehen zu können. Falls er nicht zugegen sein sollte, wenn der Prüfer auftaucht, wird er in die Apotheke gerufen.

Der Herr oder die Dame vom Finanzamt muss sich nicht sofort zu erkennen geben und kann vor der Prüfung einen Testkauf durchführen. Für die Überprüfung selbst muss er sich allerdings ausweisen und einen Schrieb mit sich führen, der diese Kassennachschau im speziellen Betrieb legitimiert.

Er oder sie hat kein Recht, selbst an den Computer zu gehen und Daten einzusehen (sensible Kundendaten), sondern darf nur Anweisungen geben, was er sehen möchte. In jeder Apotheke muss nun eine Verfahrensdokumentation zur Einsicht bereit liegen. Die haben wir jetzt in unserem Revisionsordner abgelegt, damit sie sofort griffbereit sind. Der Inhaber sollte dem Prüfer außerdem einen Speicherstick zur Verfügung stellen, damit die eingesehenen Daten auch kopiert und mitgenommen werden können. Fotos darf der Prüfer auch machen, allerdings nicht von Personen, sondern nur von Geräten und Typenschildern.

2. BARMER-Teststreifenvereinbarung

Um die ganze Sache ein wenig zu verkomplizieren (zwei Preisgruppen reichen ja nicht aus), hat man jetzt drei Preisgruppen installiert. Die teure Preisgruppe A heißt jetzt PG3, die billige Preisgruppe B heißt PG2 und die superbillige (nochmal 2 € weniger als PG2) heißt PG1. Vermerkt werden muss weiterhin bei Abgabe der billigen Teststreifen der Verband der Ersatzkassen (vdek) für die ebenfalls neuen Open-House-Verträge eine PZN, die den Apotheken für die Vertragserfüllung 50 ct zubilligt, was aber im System nicht abbildbar ist. Klasse, oder? Das alles wird vermutlich so kompliziert gestaltet, damit sich am Ende überhaupt niemand mehr auskennt.

Je mehr Rezepte retaxiert werden können, umso besser für die Krankenkassen. Oder man verwirrt die Apotheker so sehr, bis sie den Kanal voll haben und sich selbst aus dem Verkehr ziehen (ähnlich der Inkontinenzversorgung, die auch kaum noch jemand machen darf/will). Jede Kasse macht ihre eigenen Verträge, bei denen sich jährlich die Abgabebedingungen ändern. Schwierig umzusetzen – sowohl für die Apotheken als auch für die Patienten.

Um die Quoten für die billigen Teststreifen zu erfüllen (und der Strafe von 2-2,95 € pro 50 Teststreifen zu umgehen), muss man viele Diabetiker auf ein neues System umstellen, und das will eigentlich niemand der Betroffenen. Zu Recht? Ja, ich denke schon. Bei der letzten Diabetes-Schulung meiner Kollegin Birgit wurden alle gängigen Marken mit einer Testlösung mit bekanntem Glucosegehalt getestet.

Heraus kam, was sicherlich niemanden verwundern dürfte: Die teuren Streifen messen genau, die billigen hatten teilweise bis zu 10 % Abweichung. Danach wird dann ja auch die Insulinmenge berechnet … Falls man PI x Auge schätzen mag, wieviel man sich spritzen muss – viel Spaß. Wir tun uns mit dem Umstellen unserer Kunden weiterhin schwer und werden dafür im Jahr 2018 wohl wieder Strafe zahlen müssen.

 

Bildquelle: Jennifer C., flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 05.01.2018.

117 Wertungen (2.17 ø)
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Gast
Hören Sie doch bitte alle auf , Trollen zu antworten !
#33 am 24.01.2018 von Gast
  0
Gast
Ich kriege ja auch nicht immer eine Antwort in der Apotheke (Kompetenzcenter?) Da heißt es schon mal: Da müssen Sie den Hersteller fragen.
#32 am 09.01.2018 von Gast
  0
Gast
Ich bin Kunde bei einem Holländer, bei einem anderen Holländer sporadisch. Seit Gründung dabei. Alles bestens. Bisher eine Reklamation und die lief problemlos.
#31 am 09.01.2018 von Gast
  2
Gast
Ich arbeite bei einem Holland-Versender! Da ist es katastrophal! Das kann sich keiner vorstellen!
#30 am 09.01.2018 von Gast
  2
Gast
Na das ist doch mal Wasser auf meine Mühle: Eine PTA, die alle Vorurteile gegenüber Apothekern bestätigen kann. Das gefällt mir außerordentlich und deckt sich mit dem was ich erlebt habe in 40 Jahren des Kundendaseins.
#29 am 09.01.2018 von Gast
  3
Gast
Hallo, ich bin PTA mit langjähriger Erfahrung und kann alle Vorurteile gegenüber Apothekern nur bestätigen. Die Geschichte mit den Teststreifen nervt einfach nur noch unendlich.
#28 am 09.01.2018 von Gast
  3
Gast
Missgunst, so ein Quatsch. Mein Apotheker ist der Größte.
#27 am 08.01.2018 von Gast
  0
Gast
Mein Apo fährt S-Klasse. Steht ihm, finde ich, da bin ich Menschenfreund.
#26 am 08.01.2018 von Gast
  2
Gast
Ist doch sachlich. Niemand wurde beleidigt. Es werden die verschiedenen Versorgungsformen diskutiert. Besprochen wird auch, welche Automarke zum Berufsbild passt. Eine umfassende und informative Diskussion.
#25 am 08.01.2018 von Gast
  4
Die Kommentare laufen mal wieder aus dem Ruder und haben mit dem Artikel nichts zu tun, meiner auch, dafür entschuldige ich mich. Ich würde mir wünschen, dass die Diskussion rein sachlich bleibt! Alles andere bringt nichts!
#24 am 08.01.2018 von Alice Seibel (Apothekerin)
  6
Gast
Ich liebe Apotheker, die aufgeregt posten.
#23 am 08.01.2018 von Gast
  5
Tolles Apothekerbild: Geldgierig, schwerreich (Daimler) und natürlich kriminell (Steuerhinterziehung). Das gilt solange, bis der Hexenschuss am Freitagabend einen in die Vor-Ort-Apotheke zwingt. Dann sind wir plötzlich "Retter in der Not". Schicken Sie Ihr Rezept doch dann bitte auch nach Holland - is' billiger, müssen Sie die Schmerzen halt bis Dienstag aushalten .... Dann sind noch nicht mal 15km Autofahrt zuviel, weil man geholfen kriegt, oder? Wenn man uns Apothekern weiterhin die Arbeitsbedingungen verschlechtert, sind es bald 30 (in Westerwald durchaus möglich) oder 60 km bis zur nächsten Notdienstapotheke. Jedem das, was er verdienst! Sagen Sie in 10 Jahren nicht, Sie hätten es nicht wissen können!
#22 am 08.01.2018 von Margarete Heidl (Apothekerin)
  9
Gast
#20 sehe ich auch so, so ein Daimler will finanziert sein.
#21 am 08.01.2018 von Gast
  5
Diese Hauptsache billig-billig-Mentalität find ich zum Kotzen! Das hört bei AM ja nicht auf. Da muss man sich nicht wundern, wenn Firmen ins billige Ausland abwandern, und hier die Arbeitsplätze fehlen! Letztendlich bezahlt man den billigen Preis mit schlechter Qualität!
#20 am 08.01.2018 von Alice Seibel (Apothekerin)
  8
Gast
#18 sie machen mir Angst, sind sie auch Apotheker?
#19 am 08.01.2018 von Gast
  1
Gast
#18 am 08.01.2018 von Gast
  6
Gast
Nicht egal was es kostet. Die Holländer sind preiswerter und liefern ins Haus. Ein Aktienpaket ist eine gute Idee. Ach so, bei OTC sind deutsche Versender durchaus in der Lage Paroli zu bieten. Man muss also nicht zwingend ins Ausland. Nur eben nicht in die Niedergelassene.
#17 am 08.01.2018 von Gast
  8
Gernot Wagner
Das sind Sie ganz sicher nicht, Gast#15. Aber schön, dass es so konsequente Weltverbesserer Ihrer Sorte gibt. Auch ein dickes Aktienpaket der Holländer gekauft?! Da muss man natürlich auch die Werbetrommel rühren - egal was es kostet.
#16 am 08.01.2018 von Gernot Wagner (Gast)
  4
Gast
In der Not frisst der Teufel Fliegen! Dann würde ich auch mal den knallhart kalkulierten Service einer hiesigen Apo in Anspruch nehmen. Die sollen ja auch leben. Da bin ich Menschenfreund.
#15 am 08.01.2018 von Gast
  7
Gernot Wagner
Genau! Und bei wem's halt nicht klappt mit "guten Preisen" und einer "schnellen Lieferung" (einfach mal aktuelle Bewertungsportale zum Thema aufrufen), der hat dann halt Pech mit der "guten Besserung"... Holland-Versand: Dein Helfer in der Not! Zumindest wenn die "Not" nicht groß ist.
#14 am 08.01.2018 von Gernot Wagner (Gast)
  7
Gast
Ich finde die Holländer sympathisch. Gute Preis, schnelle Lieferung, gute Besserung.
#13 am 08.01.2018 von Gast
  8
Gernot Wagner
Genau, Gast#9! Das machen Sie vollkommen richtig! Das interessiert den deutschen Fiskus nämlich nur peripher (kein Zugriff!). Gewerbesteuer zahlt auch kein Holland-Versender, Gewinn machen die ebenfalls nicht. Holland ist auch ganz gewiss KEINE Steueroase! Gast#9: Sie und Ihre Mitbesteller "Marke gedankenlos" sind die Garanten eines gut funktionierenden Staates. Wer brauch schon Steuern? Pff.
#12 am 08.01.2018 von Gernot Wagner (Gast)
  4
Gast
#9 da haben Sie recht. Wenn sich unsere Apotheker den Rücken wegen kleinster Summen kaputt machen müssen, gibt es bald keine Apotheken mehr. Aber zumindest fallen die dann nicht der Allgemein zur Last, denn die meisten sind in der PKV.
#11 am 08.01.2018 von Gast
  1
Gast
@#2 der freundliche Apotheker wünscht sich eine Mehr-Kassen-Gesellschaft!?
#10 am 06.01.2018 von Gast
  3
Gast
Ich bestelle alles in Holland, da muss sich hier kein Apotheker wegen Cent-Beträgen bücken. Ich bin da Menschenfreund.
#9 am 06.01.2018 von Gast
  13
Gast
Können Dinge sympathisch sein?
#8 am 06.01.2018 von Gast
  3
Gast
Von der Homepage übernommen, mit Rechtschreibung: "Stephan Jüsten, Apotheker und stolzer Inhaber von zwei sympatischen Apotheken in unserer schönen Stadt Alsdorf. " ........... Ich finde das nicht sympathisch, was der Jüsten da postet.
#7 am 06.01.2018 von Gast
  8
Gast
@#3 klar, wäre ich das FA, ich würde auch bei den Gelddruckmaschinen nach Abfallgeld suchen.
#6 am 06.01.2018 von Gast
  10
Hallo mein Kommentar zum Gast !! Ist in der Regel kein Problem , die überwiegende Anzahl der Apotheken , wie in anderen SERIÖSEN Branchen auch, handelt korrekt und ist STEUEREHRLICH . Deshalb Ihr Kommentar tief UNTEN .Liebe Kollegen , nicht vom Bürokratismus unterkriegen lassen , versuchen Sie , wie Andere auch mit Ihren Politikern sachlich zu reden und seien Sie mit Kollegen solidarisch .Wer macht eigentlich ohne Not immer die Tiefstpreise ?-:)) in Hinsicht auf die Abwärtsspirale in der Versorgung der Beitragszahler gibt es nur eine gute Antwort !!! Bezahlbare , private , mit den Kunden direkt zu vereinbarende IGELLEISTUNGEN IHRER APOTHEKE vor ORT. Aber bitte seriös . Viek Spaß , mit kollegialem Gruß Hans Hackland , Apotheker mit Freude an diesem Beruf
#5 am 05.01.2018 von Hans Hackland (Apotheker)
  0
Konsequentes Handeln !!! - Keine Abgabe von BZ Streifen - Rosinen picken. Insulin beliefern und mit dem Rest zum Versandhandel schicken. Streifen sind gerade nicht lieferbar. .. oh das ist mir aber unangenehm.. - Sollen die Kassen doch gucken wer den Scheiss für Sie erledigt. WIR NICHT MEHR
#4 am 05.01.2018 von Stephan Jüsten (Apotheker)
  14
Gast
Hallo Nr # 1. Hand auf Herz. Das Finanzamt schaut regelmäßig in den Apotheken vorbei (alle paar Jahre für eine große Steuerprüfung). Nur neu ist, dass jetzt auch noch im Kleingeld gewühlt wird. Sonst ändert sich nichts. Und die Beamten waren wirklich bis jetzt immer sehr Sympathisch. Ich hatte nichts auszusetzen. ;-)
#3 am 05.01.2018 von Gast
  0
Hallo, Bürgerversicherung! Dann gibt es durchgängig nur noch billigsten Teststreifen, ausser man schließt eine private Zusatzversichrung ab. Wobei wir ja letztendlich doch wieder bei der Mehrklassengesellschaft sind!
#2 am 05.01.2018 von Christa Fraatz (Selbstst. Apothekerin)
  3
Gast
Finanzamt in der Apo? Als Steuerzahler sage ich: Sympathisch
#1 am 05.01.2018 von Gast
  47
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