Krumpelige Sauerstoffsättigungskurve

17.12.2017
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Da brachte der Rettungsdienst einen neuen Patienten in die Notaufnahme, denn wozu sonst hat man so eine Notaufnahme. Übelkeit und Erbrechen.

Weil jetzt unser Monitor gleich eine krumpelige Sauerstoffsättigungskurve anzeigte, ging ich schnell hin, um festzustellen, ob das nur eine falsche Ableitung des Sensors war oder ein tatsächliches Problem.

„Hallo, Herr Müllor-Stor, ich bin ihr Arzt. Haben Sie denn gerade Atemnot?“

„Oh, nö.“

„Hm, und zu Hause?“

„Da auch nicht.“

Weil Herrr Müllor-Stor aber irgendwie blau aussah, ein klassisches Zeichen vieler Leute mit Luftnot, fragte ich zur Sicherheit alles nochmal unter Verwendung mehrerer super Synonyme, die ich mir als kluger Arzt so ausgedacht hatte.

„Im Augenblick bekommen Sie also gut Luft?“

„Ja, genau, kein Problem.“

„Und auch daheim gab es keine Probleme mit dem Atmen?“

„Nein. Alles Super. Ich habe nur diese Übelkeit.“

Naja, dachte ich, er wird schon besser wissen als ich, welche für Beschwerden er hat und entschloss mich nun zu einer offenen Anamnesefrage, um die tatsächlichen Beschwerden kennenzulernen.

„Okay, gut, Herr Müller-Stor, jetzt erzählen Sie mir doch noch mal genau, was passiert ist, sodass Sie den Rettungsdienst gerufen haben.“

„Also“, sagte Herr Müller-Stor, „erst habe ich geschlafen. Und dann bin ich aufgewacht, weil ich keine Luft mehr bekommen habe.“

Hmhm.

m_1513763501.jpg

Zum Blog.

Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 20.12.2017.

48 Wertungen (4.83 ø)
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Medizin, Innere Medizin
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Gast
Ich hatte öfters folgenden Fall: "Haben sie irgendwelche Erkrankungen? Hoher Blutdruck, Diabethes, Asthma, irgendwas anderes weshalb sie regelmäßig zum Arzt müssen?" "Nö ich war immer gesund." "Nehmen sie irgendwelche Medikamente?" "Ja also... *zählt 15 Medikamente auf*" "Moment da ist doch auch ein Blutdruckmedikament dabei?" "Ja, aber seit ich das nehme hab ich keinen Blutdruck mehr. *seelig lächelnd*"
#19 vor 23 Tagen von Gast
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Lächeln! Denn es könnte schlimmer kommen! Der RD quetscht alles (abcde, Sampler, opqrs etc.) aus dem Patienten. Mit irgendwas, den vermeintlich aktuellsten Symptomen, verbringt man ihn ins Spital. Dass dieser Patient dann gegenüber der Ärzteschaft plötzlich völlig andere Symtome und Beschwerden zum Besten gibt, treibt einem dann schon abwechselnd die Zornesröte und die Verzweiflung ins Gesicht! Isso. Machste nix. Außer bescheiden da stehen und lächeln.....
#18 vor 29 Tagen von Olaf Pohlmann (Rettungsassistent)
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Gast
@#16: Passiert einem als Schwester auch ständig; oder aber umgekehrt: in der Visite alles prima (vielleicht weil vor Schreck in der Aufregung alles vergessen wird, oder aber man will ja einen guten Eindruck machen;-)) - und beim Abendrundgang wird dann berichtet, dass man ja schon seit Stunden so Schmerzen in der Brust hat... Oder nicht aufs Klo kann. Oder seit drei Wochen nicht eine Nacht geschlafen hat... Oder oder oder. Und dann muss man den Dienstarzt damit belästigen, der den Patienten meist nicht kennt, und im Zweifel braucht man dann auch noch ein "Notfall"-EKG usw.... Und natürlich war auch seit der Visite nicht mindestens noch 20mal eine Schwester oder der Stationsarzt im Zimmer, wo man seine Beschwerden hätte schon mal kundtun können... :-) Das ist einfach Alltag.
#17 vor 29 Tagen von Gast
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Medizinstudentin
Was mir öfter passiert ist: Patienten, die in der ausführlichen Anamnese keine Beschwerden angeben, während der Chefarzt Visite aber auf einmal große Leiden beschreiben können, wenn der Arzt sie danach fragt.
#16 vor 29 Tagen von Medizinstudentin (Gast)
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Anonymer Nutzer
Mein persönlicher Favorit war: Nachdem ich mit einem Patienten seinen Anamnesebogen gründlich abgeklappert habe (er war offensichtlich "absolut gesund" ;) zog ich meinen Joker und fragte: "Welche Medikamente nehmen Sie denn?" Da holte der Patient eine vielkammerige Schachtel, voll mit losen Tabletten, sortiert nach Farbe und Form, raus, knallte sie auf den Tisch und sagte: "Auf die frage bin ich bestens vorbereitet! Diese!" Wie sie hießen, geschweige denn die Dosierung, wusste er natürlich nicht. Er wusste auch nicht, weswegen er sie einnimmt. Bloß: "Die nehme ich je eine, bis auf die da, morgens ein. Die da nehm ich abends ein. Sie sind doch der Arzt! Sie müssen doch wissen, was es ist!" "Wie heißt Ihr Hausarzt?"...
#15 vor 29 Tagen von Anonymer Nutzer (Gast)
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Gast X
Ergänzung: ... und er wäre nicht der erste der über Übelkeit klagt und sich übergibt, aber in Wirklichkeit ist die „Übelkeit“ dann aber eine typische Angina pectoris.
#14 vor 29 Tagen von Gast X (Gast)
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Gast X
Bitte mal mitdenken liebe Leute! Der Patient wachte auf durch ein Gefühl der akuten Atemnot und es ging ihm so schlecht dass er den Rettungsdienst gerufen hat, jetzt ist er zyanotisch und die gemessene Sauerstoffsättigung ist schlecht. Auch wenn er jetzt akut keine Dyspnoe mehr verspürt könnte er trotzdem eine Lungenembolie erlitten haben. Viele Patienten sind bei einer kleinen Lungenembolie nach anfänglicher Dyspnoe wieder beschwerdefrei, in die Klinik kommensie oft erst wenn sich eine Postinfarktpneumonie entwickelt oder es zu einem Zweitereignis kommt. Alles schon mehrfach erlebt. Wehe dem der diesen Patienten einfach heimschickt ohne sich zu vergewissern. Wenn es aussieht wie eine Ente und quakt wie eine Ente ist es vielleicht auch eine Ente, selbst wenn es behauptet keine Ente zu sein.
#13 vor 29 Tagen von Gast X (Gast)
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Gast
verdammt. nu muss ich meine tastatur vom kaffee säubern........
#12 vor 29 Tagen von Gast
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Gast
Lustig, weil so authentisch! Ähnlich ist es, wenn der Patient in der stationären Arztvisite über "Durchfall" berichtet, die tägliche Frage der Schwester nach Stuhlgang jedoch stets verneint, weil das Eine nicht als das Andere zählt. Wohl alles eine Frage der Definition. Oder der Konsistenz...
#11 vor 29 Tagen von Gast
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Gast (Ärztin)
XD Ich musste so lachen, ich hab ähnliche Sachen genau so erlebt. An solchen Stellen hab ich dann manchmal das Bedürfnis nach der versteckten Kamera zu suchen. (Und an die Leute die meckern: ...ihr versteht schon dass das hier ein Blog ist der sehr persönlich aber auch lustig sein kann und keine Fallstudie ist, oder?)
#10 vor 29 Tagen von Gast (Ärztin) (Gast)
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Laut gelacht!!! Danke!!!!!
#9 vor 29 Tagen von Michaela Metz (Ärztin)
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Ich kringel mich hier vor lachen!
#8 vor 29 Tagen von Dr. Irmgard Roßnagel (Tierärztin)
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Gast
#6 Danke! Das sehe ich genauso. Wo ist der Humor hin? Warum immer so steif?
#7 vor 29 Tagen von Gast
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Hihihi.... Klasse!
#6 vor 29 Tagen von Katja Bartsch (Gesundheits- und Krankenpflegerin)
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Gast
Warum fällt es einigen Kommentatoren so schwer, totale Satire auf alltäglichen Klinikwahnsinn zu verstehen und in einem Blog lustig zu finden? Kurze, krass überzogene Abbildung eines einen alltäglich befallenden Gefühls, wenn man Arzt ist. Gut und wirklich zum Lachenmachen geeignet.
#5 vor 29 Tagen von Gast
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Genauer lesen: „Und auch daheim gab es keine Probleme mit dem Atmen?“ „Nein. Alles Super. Ich habe nur diese Übelkeit.“ Korrekter Locus ("Daheim"), korrektes Tempus ("gab") - unwahre Antwort ("Nein!").^^
#4 vor 29 Tagen von Annika Diederichs (Tierärztin)
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Gast
Ja, und jetzt? So lange er pennte, war doch alles gut, also mit Schlaftablette wieder heimschicken? Frau Dr. weiß anscheinend auch nicht weiter. Hm hm ist keine Diagnose.
#3 vor 29 Tagen von Gast
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Na ganz einfach. Im AUGENBLICK hat er keine Atem Probleme. Die Frage wurde halt gaaaanz genau beantwortet.
#2 vor 32 Tagen von Tolga Ataman (Apotheker)
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Whereismap.net
Danke
#1 vor 33 Tagen von Whereismap.net (Gast)
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1. Erzählen Sie, sie nähmen ungefähr 20 verschiedene Tabletten ein, wüssten aber gerade nicht welche. Fordern mehr...
„Also“, sagte die geschulte Schwester Monika ins Telefon, „dieser Herr Gnitzel bleibt nicht am Monitor. Du mehr...
Zwei Punkte waren auf dem rosa Schein notiert: 1. Eine Lungenembolie (das hätte Herr Gnüller schon mal gehabt und mehr...

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