Und was schenkt euch der Arzt zu Weihnachten?

12.12.2017
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„Wo bleibt das Kundengeschenk?“ „Ist der Chef immer so geizig?“ „Wo ist mein Taschenkalender?“ Bei einigen Kunden werde ich das Gefühl nicht los, dass eine Verwechslung vorliegt: Meine Kollegen und ich sind keine Weihnachtselfen in der Geschenkefabrik sondern Apotheker.

Gerade in diesen Tagen, an denen es kalt ist und früh dunkel wird komme ich immer in eine heimelige, kuschelige Stimmung. Ich „entschleunige“ wie es heutzutage so schön heißt und bin dankbar für mein warmes Zuhause, meinen Arbeitsplatz und für jedes nette Wort.

Dass ich damit offenbar leider eher antizyklisch zu den in Weihnachtsstress stehenden Personen lebe, das habe ich schon oft bemerkt. Aber dieses Jahr empfinde ich meine Stimmungslage als ganz besonders krassen Gegensatz zu dem, was offenbar viele Kunden leben.

„Kalender“ sind inzwischen schon beinahe zum Reizthema geworden, denn wir als Apotheke machen da scheinbar alles falsch, was man falsch machen kann. Unser Chef hat dieses Jahr Kalender – man höre und staune – nur in einer einzigen Ausführung gekauft, welch Frevel! Wir haben NUR die schmalen langen, in die man etwas hinein schreiben kann. Es fehlen die breiten mit großem Bild, die Kalender mit Spiralbindung, die Taschenkalender und die Tischkalender.

Das führt bei der Frage „Darf ich Ihnen einen Kalender anbieten“ unweigerlich zur nächsten Unverschämtheit unsererseits: Wir meinen das mit dem einen Kalender wörtlich. Sicher kann ein Kunde auch noch einen für die bettlägerige Mutter mitnehmen, aber eben nicht einen für die Toilette, einen für die Küche und einen fürs Wohnzimmer. Statt sich also über das Geschenk zu freuen, blicken wir quasi bei jedem zweiten Kunden in ein unglückliches Gesicht und hören statt eines Dankeschöns etwas wie „Was soll das heißen, ich bekomme keine drei?“, „Warum kann man da die Seiten nicht umklappen?“, „Wo ist denn MEIN Taschenkalender, den ich immer bekomme?“.

Und danach kommt noch die Frage nach dem Weihnachtsgeschenk für die Kunden. Es reicht wohl nicht, heißen Holunder auszuschenken, Weihnachtskekse anzubieten, 5 verschiedene Kundenzeitschriften auszulegen, einen kostenfreien Kalender mitzugeben, Nikolaustüten zu verteilen, Arzneimittel per Boten auszufahren und nebenher auch noch kompetent und umfassend über Arzneimittel zu beraten. Nein. Letztens hat sogar ein Kunde gefragt, ob unser Chef immer so geizig sei. Ich habe freundlich lächelnd gefragt, was er dieses Jahr von seinem Arzt geschenkt bekommt, oder vom Supermarkt, wo er jeden Monat hunderte von Euro hinträgt. Wenn ich innerlich nicht gerade so entspannt wäre, könnte ich mir für so manchen Kalender einen Ort vorstellen, wo ich ihn hinstecken möchte.

 

Bildquelle: Dov Harrington, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 15.12.2017.

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Das trifft es ziemlich gut
#25 vor 14 Tagen von Apothekerin Barbara Hofmann (Apothekerin)
  10
ehem. MA einer Apotheke
Die Patienten und Kunden der Apotheken waren schon vor 15 Jahren unverschämt, wenn es um Geschenke und Kalender ging. Leider haben die Apotheken noch immer nicht darauf reagiert und diese unsägliche Praxis eingestellt. Aber dazu müsste man das Problem gemeinsam angehen und Zusammenarbeit war leider noch nie des Apothekers Stärke.
#24 vor 31 Tagen von ehem. MA einer Apotheke (Gast)
  5
Gast
Peinliche Diskussion. Apotheker fühlen sich auf den Schlips getreten ...
#23 vor 33 Tagen von Gast
  15
Apotheker Manfred L. DIETWALD
Wen fürchten anonyme KommentaTOREN? Kontrolleure ode Geldeinbußen?
#22 vor 33 Tagen von Apotheker Manfred L. DIETWALD (Gast)
  0
Manfred L. DIETWALD
Wer ist arroganter als ein anonymer Gast?
#21 vor 33 Tagen von Manfred L. DIETWALD (Gast)
  1
Gast
Christa Fraatz: Sorry, bei den Akademikern geht es teilweise schlimmer zu als bei Nicht-Akademikern. Das müssten Sie wissen. Gott sei Dank sind Sie aus diesem Karussell raus.
#20 vor 33 Tagen von Gast
  9
Jetzt wird die Unterhaltung aber schon langsam persönlich beleidigend. Das passt nicht zu unserem akademischen Profil. Da muss man nicht mehr antworten. Aber das bestätigt doch sehr genau die Beschreibung der immer dreister werdenden Kunden. Gott sei Dank bin ich aus diesem Karussell raus.
#19 vor 33 Tagen von Christa Fraatz (Selbstst. Apothekerin)
  3
Gast
#18 - Und Sie sind Arzt und/oder Apotheker, dass Sie das beurteilen können? - Sie sprechen anderen das Urteilsvermögen grundsätzlich ab? Typische Arroganz. - Übrigens gibt es auch Fachärzte für Homöopathie - Die haben jahrzehntelang Patienten abgezockt und sind jetzt auf die andere Seite gewechselt, schreiben Bücher gegen die Homöopathie, geben Interviews, sind bei der GWUP engagiert, sind anerkannte kritische Aufklärer, werden in den Medien zitiert usw. Homöopathie wird nur noch in erwähnenswerter Größe in der Apotheke empfohlen. Apotheken sind immer ein bisschen hinter her ...
#18 vor 33 Tagen von Gast
  25
Gast
Zu 17: Und Sie sind Arzt und/oder Apotheker, dass Sie das beurteilen können? Wenn Sie wüssten, was die Ärzte so aufschreiben.... Übrigens gibt es auch Fachärzte für Homöopathie. Sind diese nach fast zehn Jahren Studium auch alles Scharlatane?
#17 vor 34 Tagen von Gast
  4
Gast
#16 / unwirksame "Arzneimittel" sind Homöopathika, Bach-Blüten etc. Das verschreibt der Arzt nicht. Das bekommt man nur noch in der Apotheke empfohlen. Die "Beratungen" sind teilweise schon kriminell.
#16 vor 34 Tagen von Gast
  25
Gast
Zu 14: Es bestätigt mich, daher schlage ich vor, dass Sie sich vom Arzt eben nicht mehr so viele unwirksame Medikamente aufschreiben lassen. Wenn Sie dann das nächste Mal an einem Feiertag oder Wochenende eine Pneumonie oder akute Diarrhoe haben, wünsche ich gute Besserung, bis die Bestellung der Internetapotheke da ist. Oder Sie aufgrund eines Bandscheibenvorfalls irgendwann so starke Schmerzen haben sollten, dass Sie Fentanyl - Pflaster benötigen und es keine Versandapotheke gibt, die BTM beliefern darf. Spätestens dann müssen Sie leider wieder in die ganz normale, überfreundliche Apotheke mit dem dümmlich grinsenden, gehirnamputierten pharmazeutischen Fachpersonal, die nahezu alle Dienstleistungen gratis anbietet. Oh Graus! Hoffen wir dann, dass Sie an eine Altruistin geraten, die aus lauter Selbstkasteiung in der Apotheke geblieben ist, um Menschen wie Sie zu versorgen.
#15 vor 34 Tagen von Gast
  3
Gast
Ich kaufe seit gut zwanzig Jahren in der Apotheke meine Arzneimittel und ich kann es aus erster Hand bestätigen: Die Apothekenmitarbeiter werden wirklich immer dreister beim Verkaufen von unwirksamen "Arzneimitteln", aufgesetzt falsch höfliche, arrogant, primitiv, vorsichtig ausgedrückt. Es macht wirklich keinen Spaß mehr und ich kann jeden Kunden verstehen, die sich das nicht mehr länger zumuten möchte. Na, wie hört sich das an?
#14 vor 34 Tagen von Gast
  36
Gast
Ich arbeite seit gut zwanzig Jahren in der Apotheke und ich kann es aus erster Hand bestätigen: Die Kunden werden wirklich immer dreister, unhöflicher, pampiger, obszöner, vorsichtig ausgedrückt. Es macht wirklich keinen Spaß mehr und ich kann jede pharmazeutische Fachkraft verstehen, die sich das nicht mehr länger zumuten möchte.
#13 vor 34 Tagen von Gast
  48
Gast
Ich wohne in einer relativ kleinen Stadt (30k) mit sehr hohem Rentneranteil. In unserer Apotheke stehen die Zeitschriften neben dem Eingang in einem Ständer. Jeder kann sich bedienen trotzdem bleiben immer welche übrig. Manchmal werde ich darauf hingewiesen mir doch bitte eine mitzunehmen, sonst müsse man sie wegwerfen. Einen Kalender bekomme ich manchmal noch Ende Januar angeboten. In der Apotheke ist immer viel los aber anscheinend bleiben hier die Goodie-Jäger fern.
#12 vor 34 Tagen von Gast
  0
Gast
"Jede nicht genannte Leistung, ist keine Leistung" habe ich mal sinngemäß in einem Seminar gehört. Ich glaube, wir geben zu viele "Zugaben" kommentarlos mit. Das macht es für den Kunden zur Selbstverständlichkeit. Man kann sogar eine Packung Taschentücher als "Highlight" mitgeben. Man muss es nur in Worte packen! Und schon reagiert der Kunde auch anders.
#11 vor 34 Tagen von Gast
  2
Gast
#9 Hund schlabbert in der Apotheke rum? Wieso wird der nicht draußen angebunden?
#10 vor 34 Tagen von Gast
  16
Gast
Ich bin schon allein glücklich, wenn ich in der Apotheke an die richtige Fachkraft gerate, der ich einfach nur die Rezepte in die Hand drücken kann und die alles weitere macht und bestellt, damit ich alles am nächsten Tag abholen kann. Ansonsten würde ich da 20min stehen, bis alles eingegeben ist. Weil ich diese Einfachheit liebe, kaufe ich mir dann auch nicht in online Apotheken die normalen rezeptfreien Dinge ein, die sicherlich viel günstiger sind, sondern dann da. Überglücklich bin ich, wenn ich zu meinen kühlpflichtigen Medikamenten im Sommer eine Isoliertüte bekomme. Mein Hund ist da so wie die beschriebenen Personen. Der verlässt die Apotheke nicht ohne Leckerchen. Setzt sich dann demonstrativ vor die PTA.
#9 vor 34 Tagen von Gast
  1
Gast
#2 "Die Unverschämtheit der Kunden ... " Unverschämte Menschen gibt es überall. Wirklich unverschämte Menschen sind allerdings sehr selten. Es ist schon zu überlegen, weshalb sie sich in bestimmten Apotheken konzentrieren.
#8 vor 34 Tagen von Gast
  12
Gast
#2 *Sie arbeiten anscheinend nicht in einer Apotheke.* Ich kenne viele Apotheken und auch die Menschen, die darin arbeiten aus beruflichen Gründen (Technik). Scheinbar ziehen bestimmte Apotheken bzw. PTAs bestimmte Kunden an, anders kann ich mir das Gejammere nicht erklären. Aber was soll es. Entsprechende Schnittstellen können ja auch demnächst durch Automaten ersetzt werden. Im Grunde ändert sich nichts. Die Automaten gibt es ja jetzt schon. Der Unterschied wird nur sein, dass der Kunde sich seine Produkte selbst herauslassen kann. Da fällt es dann weg, dass Apotheker/PTA die Arzneimittel aus dem Automaten entgegen nimmt und an den Kunden weiter gibt.
#7 vor 34 Tagen von Gast
  40
Man erntet was man sät. Wenn kleine Aufmerksamkeiten im Laufe der Zeit zur Gewohnheitsübung werden, geht die Wertschätzung zwangsläufig verloren. Das geht bei der GRATIS-Umschau los und endet im Kalender-Exzess. Aber: Kund_Innen sind erziehbar und lernfähig. Wenn Sie also ab 1.Januar Ihr Verhalten ändern, können Sie zu Weihnachten 2018 die Früchte ernten...
#6 vor 34 Tagen von Apotheker Claus G. Reich (Selbstst. Apotheker)
  2
Gast
Gerade eben habe ich der Kundin, die bereits vier Kalender bekommen hat weitere zwei verweigerrt - bin ich böse!!
#5 vor 34 Tagen von Gast
  9
Gast
Kinners mit nem Willen kriegen was auf die Brillen.
#4 vor 34 Tagen von Gast
  9
Gast
Der Kommentar war echt überflüssig..... Ich hab neulich mal gefragt was es beim Aldi dazu gibt und da war der Kunde ruhig
#3 vor 34 Tagen von Gast
  8
Hallo #1. Sie arbeiten anscheinend nicht in einer Apotheke. Die Unverschämtheit der Kunden ist bei uns genauso wie oben beschrieben. "Ich will MEINE(N)... haben" ist gang und gebe. Höffliches Fragen ist heut zu Tage eher eine Seltenheit. Außerderm sehen die Kunden unsere gesamten kostenlosen Serviceleistungen als Selbstverständlichkeit an. Jeder Arzt oder auch Handwerker läßt sich jeden Fingerknick bezahlen. Nur bei uns soll alles kostenlos sein und die Geschenke möglichst groß und teuer.
#2 vor 34 Tagen von Stefan Fuchs (Apotheker)
  59
Gast
Oooch PTAchen, schon wieder die selbe Leier. Fällt dir nichts an deinen Geschichten auf?
#1 vor 34 Tagen von Gast
  77
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