„Kein Platz? Alles klar, wir kommen trotzdem“

09.12.2017

Nachdem nun denn die Bevölkerung erst vom Norovirus getroffen worden war, raffte in der Folge ein klassischer Atemwegsvirus die Leute dahin. Oder zumindest fast. Das Krankenhaus wurde so auch nicht leerer und wir meldeten uns von der Leitstelle bezüglich Sauerstoffplätzen ab. Alles voll.

An dieser Stelle reichte mir unsere verzweifelte Anmeldeschwester das Anmeldetelefon. Ein missmutiger Rettungsassistent erzählte mir, dass sie gerade Fräulein Annelie aus dem Pflegeheim mit einer Lungenentzündung abholen und nun zu uns bringen würden.

Wie? Was ich denn wolle? Natürlich brauche die Frau Sauerstoff!


Ich erklärte, wie auch schon die Anmeldeschwester, dass alle Bettenplätze mit Sauerstoffanschluss schon vergeben wären, aber die Nachbarklinik links von Beteigeuze hätte noch welche übrig und …

„Die haben abgelehnt“, bellte der Rettungsassistent grantig.

„Oh, komisch, das kann eigentlich nicht sein, mit denen habe ich erst vor wenigen Minuten telefoniert und da war noch Platz.“

„Können wir jetzt kommen?“, rief mein Gegenüber aufgebracht.

„Moment, nein. Wir können Frau Annelie so nicht unterbringen. Lassen Sie mich schnell mit unserer Nachbarklinik telefonieren, was da los war. Bestimmt ein Missverständnis. Ich rufe Sie gleich zurück.“

„Sie lehnen die Patientin also auch ab?!“

„Geben Sie mir bitte die drei Minuten, das mit unserer Nachbarklinik zu klären!“

„Also wir kommen jetzt zu Ihnen!“, schrie der sich nicht beruhigen lassende Rettungsdienstler und legte erbost auf.

Ich fühlte mich nun auch erbost und rief erst mal den Dienstarzt der Nachbarklinik an, um zu fragen, was aus den fünf Sauerstoffplätzen geworden sei, von denen man mir vor einer Viertelstunde erzählt hätte.

„Hö?“, sagte Dienstarzt, „also bei uns hat kein Rettungsdienst angerufen und wir haben auch noch alle fünf Plätze frei. Ja, kein Problem. Wir reservieren dir einen für die Frau Annelie. Kannst du dann gleich zu uns verlegen.“

Wir warteten dann zwei Stunden auf die Ankunft der Patientin. Als ich schließlich in der Nachbarklinik links anrief, um das reservierte Bett wieder abzubestellen, lachte der dortige Dienstarzt laut und erklärte, der Rettungsdienst hätte sich nicht mehr nach Beteigeuze getraut und schon vor einer Stunde Frau Annelie unauffällig bei ihnen abgeliefert.

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Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 13.12.2017.

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Gast Knastarzt
Noch eine Nebensache: Lt. Duden kann es das Virus oder der Virus heißen. Beides richtig ;-) ; Zur Hauptsache: Danke für diesen weiteren Artikel, der zum Schmunzeln anregt. Ähnliches Problem an einem Freitag nachmittag erlebt. Ich betreute damals eine Diabetikerabteilung für schwer einstellbare Diabetiker in einem Haus, um diese Zeit ohne Labor und sonst. Überwachungsmöglichkeiten, da es keine Akutklinik war. Anruf einer weiter entfernten Justizvollzugsanstalt: Wir bringen jetzt einen schwer einstellbaren Diabetiker - Welche Werte hat er denn? - Weiß ich nicht - Medikamente? - Keine Ahnung - Wurde schon ein Einstellungsversuch unternommen? - Bis jetzt noch nicht - Wie kommen Sie überhaupt auf die Diagnose Diabetes? - Zucker im Urin - Wie hoch ist der Blutzucker? - Noch nicht gemessen! - Beschwerden? - Keine! Ich bat erst einmal um eine Untersuchung und einen Blutzucker und dann um Rückruf, auf den ich heute noch warte. Der Patient hatte überhaupt keinen Diabetes.
#16 am 11.01.2018 von Gast Knastarzt (Gast)
  0
#13 Nebensache: Duden sagt das oder der Virus
#15 am 16.12.2017 von miriam bertram (Tierärztin)
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Ich lese die Zorgs ja immer wieder gern und immer mit einem Schmunzeln. Diesmal nicht. Das Schmunzeln war mir schon im zweiten Absatz abhanden gekommen. Tut mir leid, dass Sie mit einem missmutigen RA zu kämpfen hatten. Nun kennen wir alle hunderte Gründe warum jemand mal missmutig ist. Kommt vor. Bei jedem. Wir kennen auch alle die verschiedensten Begründungen warum der Patient nun gerade in dieses oder jenes Krankenhaus muss, oder warum er genau dahin jetzt nicht kann. Versuchen wir einfach alle ein bisschen mehr aufeinander zu achten! Auf die Stimmung der anderen, auf die Nöte der anderen und auf die Möglichkeit des Nachgebens und Kümmerns. Und auch wenn es manchmal extrem reizt, Nachtreten ist immer doof. Dies ist hier nicht geschehen. Respekt dafür!
#14 am 15.12.2017 von Olaf Pohlmann (Rettungsassistent)
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nur eine Nebensache. Es heißt "das" Virus - nicht "der" Virus ...
#13 am 14.12.2017 von Dr. med. Andreas Rutz (Arzt)
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Gast
@11 bin ich auch der Meinung. Normal klappt eigentlich bei uns auch immer alles. Aber es gibt halt bestimmte Kollegen (auf BEIDEN Seiten) die irgendwie immer quer schießen müssen. In den meisten Fällen kommt es mir vor wie angekratzes Ego. Und das sollte nun wirklich außen vor gelassen werden wenn es hier um Notfälle geht.
#12 am 14.12.2017 von Gast
  0
Gast
Ich bin ehrlich von den Socken wie man hier untereinander so wenig Verständnis für einander haben kann. Wir spielen doch im selben Team. Notaufnahme und Rettungsdienst da muss einfach mehr miteinander möglich sein (und ist es auch, das erlebe ich täglich). Hat der Rettungsdienst einen beschissenen Tag, hat die Klinik auch einen. Umso besser dass hier das Thema mal auf den Tisch kommt. Sich gegenseitig ins Knie zu schießen bringt doch absolut gar nichts.
#11 am 14.12.2017 von Gast
  1
Gast
Ich dachte als naiver Laie bisher, daß dafür ausschließlich die Leitstelle zuständig sei, weil die ganz einfach die gesamte Lage im Überblick haben, also z.B. auch die Verkehrslage etc. (wenn ihnen alle Beteiligten immer gleich bescheidgeben).
#10 am 13.12.2017 von Gast
  1
Gast
Bei uns hatte der Rettungsdienst immer angerufen und gemeldet was sie bringen. Hat in 99% der Fälle sehr gut geklappt. Wir konnten schon mal alles vorbereiten und uns drauf einstellen wer alles da zu sein hat, Röntgen und Labor anmelden, Bett besorgen und so weiter. War gut. Aber einfach ein Haus anfahren wenn es um Spezialbehandlungen wie Beatmungsbetten geht? Da muss doch nachgefragt werden. Und wenn nix frei ist ist halt auch mal nix frei. Da ist doch niemanden geholfen wenn man das Haus trotzdem anfährt, oder? (Schwarze Schafe auf allen seiten und so weiter natürlich mit berücksichtigt)
#9 am 13.12.2017 von Gast
  0
Gast
Als ob es keine RTWs gäbe, die In der Nähe des Schichtende lieber das nächste Haus anfahren, egal ob der Patient da fachgerecht versorgt werden wird oder nicht.
#8 am 13.12.2017 von Gast
  5
Gast
Die Sache mit dem Pizzadienst gefällt mir. Sowas könnte man auch mal probieren, um als GKV-Normalo-Pat. schneller einen Termin beim Facharzt zu kriegen.
#7 am 13.12.2017 von Gast
  11
Das ist oft schwierig. Die niedergelassenen Ärzte melden die Patienten oft nicht an. Über unsere Leitstelle funktioniert es recht zuverlässig, aber auch da kommt es immer wieder zu Missverständnissen. Mich wundert dass der Rettungsdienst überhaupt angerufen hat. Entweder ist die Patientin durch den einweisenden Arzt angemeldet (sollte sie zumindest sein, oft leider auch nicht), oder durch die Leitstelle. Die Notärzte melden bei uns oft selbst an, RTW eher nicht. Ich telefoniere da nicht hinterher, sonst wäre ich nur noch am telefonieren. Ich bin für den Transport zuständig, nicht für die Bettenbelegung. Und wie schon geschrieben: WENN man anruft heißt es in einigen Kliniken, dass kein Platz ist, obwohl IVENA was anderes sagt und die Leitstelle auch nichts von einer Abmeldung weiß.
#6 am 13.12.2017 von Inge Apfel (Rettungssanitäterin)
  2
Gast
@#4: Die betreffende Person ist dann meistens nicht zu sprechen oder verleugnet dann bei Ankunft ihre ursprüngliche Aussage. Oder ein chirurgischer Patient ist dann definitiv internistisch und die ist zu, also bitte weiterfahren. Wir hatten auch schon Krankenhäuser mit einer komischen Phase, die wirklich für jeden "Schrott" angerufen werden wollten - vom Notfall bis zum stinknormalen vorangemeldeten(!) Krankentransport. Solche Häuser genesen idR aber schnell wenn sie nicht mehr angefahren werden und der Umsatz ausbleibt - da fährt man dann gerne die 30 Minuten weiter. Ebenso gibt es im Umkreis ein Haus, welches die Rettungszufahrt verschrankt hat und nichts reinlässt ohne dass vorher geklingelt wird worauf die Frage kommt: Was bringt ihr?. Standartantwort ist dann meist "Pizza speciale und Döner mit schaaf." - Datenschutztechnisch untragbar. Rettungsdienst ist immer nur Bote - und der bekommt es meist von allen Seiten mit dem Knüppel.
#5 am 13.12.2017 von Gast
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Zu #3.Ich würde mir den Namen des Gesprächspartners merken.Das hilft!
#4 am 13.12.2017 von Dr.med Hans-Joachim Daub (Arzt)
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Gast
Immer diese bösen Rettungsdienstler...Das Krankenhaus soll froh sein, dass überhaupt angerufen wurde. Wenn die Leitstelle sagt frei dann ist frei und wird angefahren. Und ja, wenn man anruft ist nie irgendwo Platz. Ein Grund warum man sich das Anrufen mittlerweile spart. Weiterer Grund: Melden infektiösen Patienten an, 3 Betten frei, bei Ankunft Weiss niemand von nichts. Als ob man mit der cafeteria oder dem Hausmeister gesprochen hätte...
#3 am 13.12.2017 von Gast
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Gast
Nun, zumindest ist der Rettungsdienst nicht wirklich zu Beteigeuze gefahren... hatte das auch schon erlebt. (Nachbarklinik war schließlich ganze 30 min von uns entfernt...) Rettungsdienst war dann nicht erfreut dass ich sie direkt weitergeschickt habe. O-Ton: "Was, das geht wirklich nicht bei euch? Ich dachte du sagst das nur so weil du keine Lust auf nen Fall hattest!" (Wohlgemerkt die Klinik existierte schon eine Weile und war eine winzige Einrichtung mit 3 Stationen. An irgendwas intensivmedizinisches war da nicht zu denken. Schon gar nicht an Beatmungs- oder Sauerstoff-Plätzen) Aber zumindest beim nächsten Mal wurde auf mich gehört wenn ich gesagt habe dass der Patient bei uns falsch wäre. Kleine Erfolge halt.
#2 am 12.12.2017 von Gast
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Klasse!
#1 am 10.12.2017 von Florian Burkhart (Student der Humanmedizin)
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