Ohnmächtig am Steuer

08.12.2017

Während der Autofahrt wird eine junge Frau plötzlich bewusstlos. Sie verliert die Kontrolle über ihr Auto und verursacht einen Unfall. In der Notaufnahme stellen die Ärzte keine äußeren Verletzungen fest. Sie ist jedoch verwirrt und kann ihren linken Arm nicht mehr bewegen. Was ist passiert?

Eine junge Frau wird am Steuer ihres Autos während der Fahrt plötzlich schwindelig und bekommt starke Sehstörungen. Sie verliert daraufhin das Bewusstsein und verursacht einen Unfall. Bei der Einlieferung in die Notaufnahme ist die 20-Jährige wieder ansprechbar und klagt über leichte Brustschmerzen, die durch den Aufprall des Airbags verursacht wurden. Die Ärzte können ansonsten keine äußeren Verletzungen feststellen. Die Patientin wirkt jedoch noch benommen und leidet weiterhin an Sehstörungen sowie an Photophobie. Bei der körperlichen Untersuchung stellen die Ärzte eine linkseitige Hemiparese fest.

Deutliche Symptome

Der Zustand der Patientin verschlechtert sich zusehends. Sie bekommt leichtes Fieber, ist verwirrt und lethargisch. Die Hemiparese verschlimmert sich und die Patientin zeigt Anzeichen einer Dysmetrie. Ein durchgeführter Romberg-Versuch ist positiv. Die Ärzte haben einen ungewöhnlichen Verdacht: Hat die junge Frau womöglich einen Schlaganfall erlitten? Auf CT-Aufnahmen gibt es dafür zunächst keine Anzeichen. Erst das MRT bestätigt den Verdacht. Die Patientin hat einen ischämischen Infarkt im Cerebellum und linken Occipitallappen erlitten.

Meist treten Schlaganfälle bei Patienten über 65 Jahren auf. Nur rund fünf Prozent der Patienten sind jünger als 40. Die Ärzte machen sich auf die Suche nach der Ursache des Schlaganfalls und werden im Zuge der Auswertung der Laborwerte fündig: Diese zeigen, dass die junge Frau mit einem Hämoglobinwert von 5,8 g/dL an schwerer Anämie leidet. Der Normbereich liegt bei Frauen zwischen 12 und 16 g/dL. Das Serum-Ferritin ist mit 20 µg/l im unteren Referenzbereich (10-200 µg/l bei Frauen). Die Transferrin-Sättigung liegt mit 6 Prozent ebenfalls außerhalb des Normbereichs (18 bis 45 Prozent). Eisenmangelanämie als Ursache eines Schlaganfalls ist bei Kindern bekannt. Bei Erwachsenen wurden bisher nur wenige Fälle beschrieben.

Menorrhagie als Ursache

Die Krankheitsgeschichte der jungen Patientin zeigt, dass sie an Menorrhagie leidet und sie schon öfter einen Kreislaufkollaps erlitten hat. Nachdem die Frau mehrere Bluttranfusionen und intravenös Eisen erhält, normalisiert sich ihr Hämoglobinwert. Bei gleichzeitiger stationärer Physiotherapie verbessern sich über einen Zeitraum von zwei Wochen ihre neurologischen Funktionen. In den darauffolgenden Monaten verbessern sich auch ihre Eisen- und Blutwerte.

 

Quelle:

A Rare Case of Stroke Secondary to Iron Deficiency Anemia in a Young Female Patient.
Kavitha Gopalratnam et al., Case Rep Med, doi: 10.1155/2017/1684631, 2017

Artikel von Anke Hörster

 

Bildquelle: Thue / Wikipedia

Artikel letztmalig aktualisiert am 08.12.2017.

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