Kahl und suizidgefährdet

04.12.2017

5-Alpha-Reduktase-Hemmer (Finasterid und Dutasterid) werden neben der benignen Prostatahyperplasie teilweise auch zur Therapie der männlichen Alopezie eingesetzt. Nun gibt es Hinweise auf ein erhöhtes Risiko von Suizidversuchen.

Finasterid ist ein selektiver Inhibitor des Enzyms Steroid-5-Alpha-Reduktase. Durch seine strukturelle Ähnlichkeit zum natürlichen Testosteron blockiert es irreversibel die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT). Dies führt bei langfristiger Einnahme zu einer Abnahme des Prostatavolumens. Parallel dazu führt es an den Haarfollikeln, die bei einer angeborenen androgenbedingten Alopezie mit einer Reduzierung der Anagenphase auf DHT reagieren, zu einer Verlängerung dieser Phase und so zu einer Verminderung des Haarausfalls.

Aus diesem Grund kommt Finasterid in einer Dosierung von 5 mg pro Tag bei der benignen Prostatahyperplasie (BPH) und mit einer Tagesdosis von 2,5 mg bei Alopezie zur Anwendung.

Erhöhtes Risiko für Depressionen und Suizid?

In der Vergangenheit gab es bereits Hinweise auf eine Assoziation von 5-Alpha-Reduktase-Hemmern mit Depressionen. In einer retrospektiven gepaarten Kohortenstudie wurden nun Männer in einem Alter ab 66 Jahren, die ein solches Präparat einnahmen, mit denjenigen, die dies nicht taten, verglichen. Beantwortet werden sollte die Frage, ob besagte Medikamente Suizide begünstigten. In einer aufwendigen statistischen Analyse mit 44 Variablen wurden die Daten von 48.505 Paaren mit der Einnahme von Dutasterid und 44.692 Paaren mit Finasterid ausgewertet.

Bezüglich der Suizidrate fand sich kein signifikanter Unterschied, wohl aber in der Häufigkeit von „selbstverletzendem Verhalten“, das in den ersten 18 Monaten nach Therapiebeginn fast doppelt so häufig auftrat wie ohne Einnahme von 5-Alpha-Reduktase-Hemmern. Dabei handelte es sich sowohl um Suizidversuche, als auch parasuizidales Verhalten und betraf beide Wirkstoffe.

Aufklärung ist unbedingt notwendig

Auch das Risiko, an einer Depression zu erkranken, verdoppelte sich in den ersten 18 Monaten und blieb auch danach erhöht, wobei die Subgruppenanalyse keine Korrelation zu früheren oder gegenwärtigen depressiven Episoden fand.

Das absolute Risiko ist zwar gering, sollte aber in Anbetracht der Schwere der Konsequenzen nicht vernachlässigt werden. Es empfiehlt sich, Patienten vor Einleitung der Therapie entsprechend aufzuklären. Und sollte es unter der Therapie zu einer Depression oder suizidalem Verhalten kommen, sollte die Indikation streng überprüft und gegebenenfalls abgesetzt werden.

 

Originalpublikation:

Association of Suicidality and Depression With 5-Alpha Reductase Inhibitors.
B. Welk et al.; JAMA Intern Med., doi: 10.1001/jamainternmed.2017.0089; 2017

Bildquelle: Dave Haygarth, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 05.12.2017.

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Bei einer Abbau-Störung von Testosteron kommt es zuim Anstieg der sensorischen Synapsen-Potentiale. Findet keine gleichzeitige Nivellierung (vorzugsweise durch Priorität des Unterbewusstseins; Konzerte, Schlaf, Spiritualität, usw.) statt, so kommt es zu Depressisonen, Aggressionen wie "Eigen-Aggressionen" und Psychosen. Beschrieben hatte das schon Nietzsche mit den drei Bewusstseins-Zentren, was Freud später übernommen hat.
#4 am 06.12.2017 von Dr. Klaus Umbreit (Arzt)
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Gast
Na, Herr Dr. Hertoghe scheint ja mal eher ein etwas spezieller Typ zu sein, wenn ich mir die erste Seite der Googleresultate ansehe (http://www.independent.co.uk/news/uk/crime/controversial-belgian-anti-ageing-doctor-thierry-hertoghe-gives-evidence-at-poisoning-trial-9809093.html). Aber gut, hat er denn dazu publiziert - denn was ich von ihm auf pubmed finde, ist steinalt, ziemlich wenig, in eigenartigen Journals publiziert bzw. gerade einmal ein "Letter to the editor". Dem "Klempner" einen Dank für den wertvollen Hinweis zu dieser Nebenwirkung!
#3 am 05.12.2017 von Gast
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Große Frage: Wie unterscheiden sich die beiden Gruppen( 5-Alpha-Reduktase-Hemmer und ohne) in ihrer prämorbiden Persönlichkeitststruktur. Davon steht hier und in der Orginalarbeit nichts. Vielleicht werden 5-Alpha-Reduktase-Hemmern von mehr Männer zur Behandlung um ihre Alopezie zu behandlen, die an sich strukturell eher schwach sind und auf Kränkungen leicht mit autodestruktiven Maßnahmenreagieren( einigen der Y- Chromosomenträger soll ja eine Glatze schon Kränkung sein).Der Bias bleibt ungewiss. Für uns Ärzte gilt: Redet mit den Patienten und wißt was Ihr tut.
#2 am 05.12.2017 von Dr Ani Aden (Ärztin)
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Nach Thierry Hertoghe sollten synthetische 5a-Reduktasehemmer nie ohne begleitende Testosteronsubstitution eingesetzt werden. Natürlich muss auch nach den Östrogenen und deren Metaboliten geschaut werden (neben Blutbild, PSA und der klinischen Untersuchung). Finasterid ähnelt dem Progesteron, welches Hertoghe auch bei Männern einsetzt (wenn es fehlt).
#1 am 05.12.2017 von Dr. med. Anatol Rocke (Arzt)
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