Die Windmühlenturbine ist gleich so weit

03.12.2017
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Im Klinikum Beteigeuze gibt es ein mobiles Sonographiegerät. Sehr praktisch und sehr begehrt ist das. Irgendjemand schiebt eben jenes Gerät immer mit sich herum oder versucht es heimlich auf seiner Station zu horten. Aufgrund des hohen Gebrauchs ging es dann auch mal kaputt.

Das Gerät war unwiderruflich kaputt. Ein neues musste her. Na gut, dachten sich alle sonoaffinen Ärzte. Wie lang kann so ein Bestellvorgang schon dauern? Haha, unglaublich lange: Gerätekomitees mussten erstellt werden, um die Frage zu klären, warum überhaupt ein neues Gerät her sollte. Definieren sie erst mal das Wort „kaputt“. Alle Oberärzte mussten befragt werden. Mehrere Male. Hmhm.

Um nun aber das ungeduldige Assistenzarztfußvolk zu beruhigen, das behauptete, so in seiner Alltagsarbeit eingeschränkt zu sein, dachte sich die Geschäftsleitung fürsorglich eine Interimslösung aus.

Hatte man nicht im Keller noch ein 20 Jahre altes Gerät stehen, das eigentlich aussortiert worden war, aber prinzipiell noch pfenniggut war? Ha. Also, liebe Assistenzärzte: Hier euer Ersatzgerät für die nächsten drei Monate, oder auch länger, bis wir es eben geschafft haben, ein modernes Ultraschallgerät zu besorgen.

Ich kam also aus dem Urlaub zurück und dachte mir, naja, egal, Hauptsache es macht ein Bild. Dann ging ich gespannt das Ersatzgerät suchen, denn ich wollte so einen Ultraschall machen.

Das Ersatzgerät bestand aus einem riesengroßen, gelblich-vergilbtem Kasten, auf dem ein großer Röhrenmonitor montiert war. Der Transport fühlte sich an, als würde man eine unangemeldete Großüberführung einer kleineren Windmühlenturbine durch die Krankenhausgänge veranstalten und Leute starrten mich mit großen Augen an.

Im Zimmer angekommen betrachtete man gespannt, wie ich gedachte, den riesigen Ultraschallkasten a) neben das Patientenbett und b) nahe genug an die Steckdose zu manövrieren. Nachdem ich das Bett des Patienten, das seines Zimmernachbarn und dessen Nachtkästchen verschoben hatte, konnte ich aber tatsächlich sowohl das Kabel einstecken als auch mit einem Ultraschallkopf den Patienten erreichen. Haha.

Musste ich nur noch anmachen, dieses Gerät. Hier verbrachte ich die nächsten fünf Minuten oder auch länger damit, den Einschaltknopf zu finden. Dieser befand sich ebenfalls in vergilbtem computergelb irgendwo in einer Rille des Kastens und nun musste ich nur noch weitere fünf Minuten warten, bis das Gerät hochgefahren war und alle Lüfter gestartet hatte. Yay, endlich konnte die Untersuchung beginnen. Das Vergnügen wurde nur von einem breiten, schwarzen Streifen gestört, wo der Bildschirm mittig defekt war.

Besser als nichts, dachte ich mir und überlegte, wie ich nun alles korrekt wieder ausschalten sollte. Zum Glück kam hier gerade meine Kollegin Dr. Bo vorbei, die dieses Ultraschallgerät auch wollte. Ja klar, sagte Kollegin Bo, natürlich wisse sie, wie man das Gerät ausschalte. Sprachs und zog den Stecker aus der Steckdose.
 

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Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 06.12.2017.

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Medizin, Innere Medizin
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Gast
danke, habe mal wieder gelacht, als ich mich an unser altes Monstrum erinnerte, das ja nach Gerätelaune auch mal die Sicherung raushaute, was auf der Beatmungsstation imer wieder für spannende Abwechslung sorgte und Indikationen für Sonos recht eng werden ließ.
#10 vor 3 Tagen von Gast
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Gast
Naja, ist halt so. Auf dem Papier sehen die BWL-Leute halt "Neuanschaffung 25.000 Euro 1 Gerät" und die haben halt keine Ahnung von Sono. Die wissen nicht dass das Gerät im Keller absolut untauglich ist, nicht durch die Tür passt oder gewisse Funktionen wie Doppler nicht kann. Die sagen nur "Warte mal, ihr habt doch". Die Verstehen auch nicht dass wir ein Sono-Gerät zur Diagnostik brauchen. Vor allem wenns mit ach und krach ne Weile geht kommt schnell das "Es läuft doch" Argument. (Aber fragt die mal ob die sich von nem Assi an nem Gerät untersuchen lassen wollen das älter ist als der Oberarzt ;) ) Umso wichtiger ist es dass man ihnen das SAGT. Leider sind oft Verwaltung und Klinikpersonal streng getrennt womit das schwierig wird. Wenn der Chef nicht gerade ne große Dose Vitamin B mitbringt zieht sich sowas ewig.
#9 vor 6 Tagen von Gast
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Gast
Das diese Entscheidungen auch immer Leuten überlassen werden, die drei Jahre BWL studiert haben... Hauptsache, wir geben Milliarden für ungesicherte Chemotherapien aus, schaffen es dann aber nicht, den Pleuraerguss zu diagnostizieren. Läuft!
#8 vor 8 Tagen von Gast
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Gast
Geräte transportieren und installieren ist keine ärztliche Tätigkeit, sondern Verschwendung derselben. Das ist jetzt nicht überheblich, sondern dasselbe wie Protokollieren von Zeugenaussagen durch Polizisten etc.
#7 vor 8 Tagen von Gast
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Mich wundert es schon ein bischen, dass es in dieser Klinik nur so wenig Sono Geräte gibt. Selbst in meiner kleinen Klinik hatten wir immer noch ein Gerät als alternative, und wenn es von einer anderen Abteilung war. Ein Gerät so schnell mal aus dem Keller holen ist eigentlich gar nicht zulässig. ( MPG ) Ist das Gerät geprüft? Hat es noch eine Zulassung? Außerdem scheinen sie keine gute Medizintechnik im Hause zu haben. Die Kollegen müßten eigentlich schnellstens Ersatz beschaffen.
#6 vor 9 Tagen von Werner Joksch (Medizintechniker)
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Gast
Wir haben genau so ein Gerät, gelblich-vergilbt, benützen es täglich und es geht leider einfach nicht kaputt, obwohl es im Dauereinsatz ist und täglich auch durch lange Gänge in den OP und wieder zurück geschoben wird… seit Monaten / Jahren soll ein neueres kommen. Inzwischen habe ich mich (war vorher woanders, wo es ein modernes Gerät gab) an die eingeschränkte Schallqualität gewöhnt und es geht mehr damit, als ich gedacht hätte.
#5 vor 10 Tagen von Gast
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besorgter Bürger
...habe heute von einer Behörde gehört, in der im November festgestellt wurde, daß mehrere Feuerlöscher fehlen. Dummerweise ist für dieses Jahr das Budget für solcherlei Sachen bereits aufgebraucht... (Man muß für eine schwachsinnige Verwaltung nicht unbedingt in ein Krankenhaus, hihi!)
#4 vor 10 Tagen von besorgter Bürger (Gast)
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Gast
Wahnsinn! Aber Überstunden auszahlen sei billig?
#3 vor 10 Tagen von Gast
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Gast
Auf der positiven Seite werden die phantasievollen Diagnosen so nicht gleich immer durch die harten Fakten der unnachgiebigen Bildgebung im zarten Keim erstickt :)
#2 vor 11 Tagen von Gast
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Gast
Oh Gott da werden Erinnerungen wach... Ich meine, gelernt hab ich Sonographie auch ein einem sehr großen, verpixeltem Ungeheuer... aber ehrlich, da hätte mir jeder alles einreden können was da zu sehen war, die alten Geräte hatten eine so schechte Auflösung, das war kein Spaß mehr... gelobt seien die modernen Geräte, die sogar Aufnahmen, also kleine Filmchen, speichern können! Und man sieht da zumindest auch etwas! Nicht unerheblicher Faktor (der bei uns dazu führte dass das neue Gerät doch schneller angeschafft wurde... oder überhaupt wie böse Zungen behaupten): das eine alte Gerät das wir noch hatten war zu groß für die Türen. Man konnte das gar nicht rausschieben. Und über Hygiene-Vorschriften und den Hinweis dass wir ITS-Patienten eben NICHT mal fix in den Keller zum Gerät schaffen können, entstand dann glücklicherweise genug Druck für ein zügiges Durchdrücken des Papierkrams... (Hat trotzdem 1,5 Monate gedauert aber immerhin.)
#1 vor 13 Tagen von Gast
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