Ein Arzt für Faultiere

28.11.2017
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Nie wieder das Haus für ein Rezept verlassen – das versprechen diverse Online-Arztpraxen. Patienten füllen nur einen Fragebogen aus , kurz darauf werden Antibiotika, Pille und Co per Versandapotheke verschickt. Alles ohne Originalrezept. Ich frage mich: Kann das juristisch sauber sein?

Medlanes ist ein Berliner Start-up Unternehmen, das ursprünglich angetreten war, um etwas ähnliches wie „Dr. Ed“ zu bieten. Der Patient sollte digital mit seinem Arzt konferieren und sich nach der Ferndiagnose sein Rezept … Ja, was eigentlich? Ausdrucken? Das dürfte ja in einer öffentlichen Apotheke nicht zu beliefern sein, da eine ärztliche Verschreibung immer im Orginal vorliegen muss.

Regelungen in der juristischen Grauzone?

Dr. Ed hat das Online/Offline-Problem gelöst, indem sie die Verschreibungen in eine Versandapotheke weiterleiten und diese dann am nächsten Tag bereits die Ware auf den Versandweg bringen. Aber dürfen die das überhaupt, ohne dass das Rezept im Original vorliegt? Und ist das rechtens, dass „Dr. Ed“ entscheidet, welche Apotheke den Zuschlag erhält? Hierzulande werden Ärzte, die Apotheken nach Absprache Rezepte zukommen lassen, sehr empfindlich bestraft. Warum ist das dann hier anders?

Und was macht „Medlanes“? Die haben irgendwann zwei Dinge festgestellt: Erstens, dass es in Deutschland verboten ist, ärztliche Hilfe ausschließlich digital anzubieten. Zweitens, dass der Großteil der Bevölkerung das gar nicht in Anspruch nehmen möchte, weil die meisten den Arzt persönlich sehen wollen. Also wird folgendes Modell gewählt: digital goes analog: Medlanes macht Verträge mit verschiedenen Ärzten in Ballungsregionen, die zur ersten Konsultation einen Hausbesuch machen. Alles Folgende kann dann digital erfolgen, wenn der Patient es wünscht – für Privatpatienten ist das Ganze sogar aufzahlungsfrei! Lebensgefährliche Notfälle werden allerdings an Kliniken und Notärzte verwiesen – damit möchte sich niemand belasten.

Selektive Behandlung

Die Sahnehäubchen der komplikationsfreien Privatpatienten werden dagegen gerne genommen – das erinnert mich ein wenig an DoMo, die alles liefern, außer diverse Kühlwaren, Rezepturen oder BTM. Eventuell ausgestellte Rezepte werden noch am gleichen Tag geliefert, heißt es auf der Seite vollmundig. Von wem steht da nicht. Ebenso fehlt eine Auswahlmöglichkeit für die liefernde Apotheke (wenn ich mich nicht verguckt habe). Das ist in meinen Augen das gleiche rechtliche Problem wie bei Dr. Ed – eine freie Apothekenwahl, die vom Gesetzgeber gefordert wird, ist nicht möglich und Medlanes vergibt die Aufträge undurchsichtig an…? Man weiß es eben nicht. Ich halte die ganze Angelegenheit für extrem fragwürdig.

Bildquelle: Eric Kilby, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 01.12.2017.

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#20 gestern von Dr. Martin Kauer (Zahnarzt)
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Gast
Also bei uns in der Stadt kommen die Hausärzte noch nach Hause, es sind eben auch Hausärzte. Aber vielleicht gibt's mancherorten nur noch Allgemeinmediziner... Allerdings empfinde ich Online-Ärzte auch als etwas bedenklich. Ich frage mich, wie die das mit dem Blutabnehmen machen. Ich bekomme als Dauermedikation nur ein Schilddrüsenmittel, aber wenn ich mal lange gar nicht mehr in der Sprechstunde war und immer nur das neue Rezept holen gekommen bin, konnte es auch mal vorkommen, dass die Sprechstundenhilfe nachgefragt hat, ob man ein bißchen Zeit hätte, der Doktor würde einen gern mal wieder sehen.
#19 vor 8 Tagen von Gast
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Gast
Dauerrezepte finde ich auch etwas gefährlich. Bei nem Blutdruckmedikament mag das alles noch gehen aber das muss man auch regelmäßig mal kontrollieren. Ich habe aber auch schon Psychopharmaka (unter anderem auch Lithium!), Herzmedikamente wie Digitoxin (das man auch mal kontrollieren sollte) und ähnliches auf Dauerrezepte gesehen (im Ausland wo das noch möglich war.) Und die Patienten waren zum teil seit Jahren nicht mehr beim Hausarzt... Ne das wäre mir zu heiß. Klar nervt es etwas jedes Quatal oder aller halben Jahre sich das Rezept zu holen aber da gibt es viele Praxen die das gut organisieren. Der Arzt freut sich ja auch mal ein "alles ist gut" zu hören...
#18 vor 12 Tagen von Gast
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Gast
Interessanter Artikel, aber Ueberschrift und Bild sind unsaeglich, geehrte Redaktion. Ich dachte erst, es gehe hier um einen Tierarzt.
#17 vor 12 Tagen von Gast
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ivory
Juristisch sauber ? Ja, solange es nicht Rezeptpflichtig. Aber..... Eigendiagnose oder per Telefon/skype hm... Es gibt Patienten, die wissen was sie brauchen und was ihnen hilft und, es liegt letztlich in ihrer Verantwortung was sie nehmen, auch ein Arzt kann irren. ich denke eine Absicherung durch den Arzt meines Vertrauens ist immer sinnvoller. Das Problem ist wirklich, wer kann Hausbesuche noch bezahlen? Alles eine Zeit/Geldfrage?
#16 vor 12 Tagen von ivory (Gast)
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Gast
@13 Wirklich? Hab ich bisher noch nie. Ich kenne keinen Arzt der Schmerzen mit ansehen kann. Ja, manchmal wird nicht das verschrieben was der Patient sich wünscht (wegen Nebenwirkungen, Relation zwischen Schmerz und Wirkung des Mittels, Risiko-Wirkungs-Abwägung oder halt auch bei Missbrauchverdacht) aber wenn jemand Schmerzen leidet bekommt er auch ein Mittel dagegen. Arzt wechseln dann.
#15 vor 12 Tagen von Gast
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Gast
@7) Aber der Online-Versand ohne ortenliche Diagnostik vom Arzt ist dennoch keine Lösung für dieses Problem. Ich stimme zu dass es Grenzfälle gibt wie die von ihnen beschriebenen. Jeder der sich mal einen Norovirus eingefangen hat kann bestätigen dass es einem zu beschissen geht als dass man zum Arzt gehen könnte (oder sollte bei Ansteckungsgefahr). Aber ganz ehrlich: Wenn jede soziale Struktur versagt, keine Verwandschaft, keine Nachbarn, keine Freunde, kein Hausarzt der Hausbesuche macht... das wiederum halte ich für einen Ausnahmefall. Ja, wir brauchen da bessere Lösungsstrukturen. Die oben im text beschriebene ist aber nicht der richtige Weg. (zum die die Online-Apotheke ja auch keinen Krankenschein ausstellt)
#14 vor 12 Tagen von Gast
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Gast
Ich hab nur leider aus meiner Erfahrung festgestellt, dass wirklich notwedige Pharmaka vom Hausarzt verweigert wurden:Das war eine schlimme Erfahrung, denn ich hatte Recht, sie bekommen haben zu sollen.Du sollst da nun rumliegen und Schmerzen leiden, ich gebe Dir nix: So war das.Das ist Sadismus-oder faschistoide Quälerei.Das beruht auf Irrtum-und der ist bekanntlich ohne Wahrheit.
#13 vor 12 Tagen von Gast
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Vielleicht sollte bei den "faulen Patienten" auch einmal berücksichtigt werden, daß einige Patienten eine Dauermedikation erhalten (z. B. Blutdrucksenker). Was spricht also dagegen, das alte Prinzip "Dauerrezept" wieder einzuführen und dies bei einer "Stammapotheke" zu hinterlegen. Es ist wirklich äußerst lästig, nur wegen eines Rezeptes in die Praxis zu müssen. Zudem kontrollieren Blutdruckpatienten ihren Blutdruck auch noch selbst. Sie hätten eigentlich dann ein ureigenstes Interesse, einen Arzttermin zu vereinbaren, wenn trotz der Medikation der Blutdruck aus dem Ruder läuft. Dies gilt für andere Krankheiten sicherlich sinngemäß. Dieses "Rezeptabholen" könnte m. A. n. in vielen Fällen vereinfacht werden und würden die Praxen auch entlasten - allerdings auch keine Einnahmen generieren.
#12 vor 12 Tagen von Karl Heinz STEIN (Medizinisch-Technischer Assistent)
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Eine Bekannte von mir hatte gelesen, dass Metformin beim Abnehmen hilft, sich an einen Onlinearzt gewendet und behauptet, sie hätte Diabetes. Jetzt bekommt sie Metformin, ohne Kontrolle ,ohne wirkliche Diagnose. Die Onlineapotheke erinnert sie sogar daran, wenn ihre Medikamente zur Neige gehen. Es ist jetzt nichts Schlimmes passiert, abgenommen hat sie damit auch nicht, aber bin dennoch erstaunt, dass das möglich ist.
#11 vor 12 Tagen von Remedias Cortes (Nichtmedizinische Berufe)
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Vor der Therapie steht immer die Diagnose und da sehe ich ein dickes Problem bei der Onlineverschreibung- und versendung. Wie erfolgt die Nachkontrolle?
#10 vor 13 Tagen von Robert Wagner (Heilpraktiker)
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Liebe Leser, kurze Info: Die Überschrift dieses Beitrags stammt aus der DocCheck News Redaktion und nicht von der Bloggerin selbst.
#9 vor 13 Tagen von DocCheck News Redaktion (Mitarbeiter von DocCheck)
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Gast
@6 es geht nicht um ein "juristisches Problem". Wir sind schon bei der Diskussion der Ursachen.
#8 vor 13 Tagen von Gast
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Gast
#5: "wenn die zu krank sind das Haus zu verlassen sind sie auch zu krank um alleine daheim zu bleiben" das ist nicht immer richtig. Bei einem Infekt hilft das Bett oftmals und Zeit - oder nach einer Operation einfach Ruhe und Schonung. Durch Hitze oder Schnee zum Arzt gehen, lange im Wartezimmer sitzen und sich dabei noch zusätzlich etwas einzufangen, ist eigentlich dämlich. Der Wunsch dies z. B. wegen einer lächerlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nicht tun zu müssen, hat nichts mit Faulheit zu tun. Was mich stört, ist aber auch zusätzlich immer das Misstrauen, das dem Patienten entgegen gebracht wird. Wenn jemand sagt: ich brauch gar nichts, ich möchte nur im Bett bleiben, versorgen kann ich mich selbst, wird ihm das nicht zugestanden. Ich habe einmal eine Statistik gelesen, wie viele lieber krank zur Arbeit gehen. Da stimmt bei uns tatsächlich etwas nicht. Dass Online-Angebote hier eine Chance haben, ist doch klar.
#7 vor 13 Tagen von Gast
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Gast
@#4 Wie kommt es eigentlich, dass ein sachlich recherchiertes juristisches Problem in diesem Forum häufig unsachlich kommentiert wird? Die Rechtslage ist eindeutig und da wird man wohl mal hinterfragen dürfen, warum Justitia hier nicht aktiv wird. Und dies wir dman wohl auch einer PTA zugestehen können.
#6 vor 13 Tagen von Gast
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Gast
@Hpx: Das ist der Punkt. Sicher, viele Hausärzte machen noch Hausbesuche (oder ich lebe in einer Gegend wo das noch Gang und Gebe ist) aber sie haben recht dass das System an sich stark überlastet ist. ABER: Es gibt auch den Hausärztlichen Notdienst der für sowas zuständig ist... und letzte Möglichkeit die diese Leute haben ist der Notruf. Klar kommen die damit ins Krankenhaus aber wenn die zu krank sind das Haus zu verlassen sind sie auch zu krank um alleine daheim zu bleiben. Aber ich stimme voll zu dass die Möglichkeit des Hausarztes Hausbesuche zu machen gefördert werden muss. Vielleicht die Schaffung eines zusätzlichen "Modus" für Allgemeinmediziner die sich auf Hausbesuche spezialisieren? Muss aber gut vergütet werden, in einer Praxis schafft man wesentlich mehr Patienten als wenn man "draußen" unterwegs ist... schwieriges Thema halt.
#5 vor 13 Tagen von Gast
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Gast
... und noch etwas zu den "Faultieren": die Verwendung dieses Begriffs sagt natürlich aus, das der Erkrankte faul ist. Soweit ich es sehe, kommt das von einer PTA. Von jemandem, der im ganzen System am wenigsten mit Kranken zu tun hat. Es ist naheliegend, dass es bei diesem Betrag nur darum ging konkurrierende Online-Angebote der lokalen Apotheken anzugreifen. Weshalb kommen solche Dinge eigentlich immer von PTAs?
#4 vor 13 Tagen von Gast
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HpX
Wenn jemand tatsächlich krank ist, ist es natürlich nicht einfach für ihn möglich zu einem Arzt zu gehen. Zu Fuß in der Kälte mit z. B. hohem Fieber? In öffentlichen Verkehrsmitteln? Oder gar mit dem Auto? Das ist ein Unding. Früher kam der Arzt zum Patienten. Das gibt es praktisch nicht mehr. Daher fehlt hier gewissermaßen eine "Schicht", die sich um den Patienten kümmert. Angehörige stehen oft nicht zur Verfügung, weil es keine gibt oder weil sie hunderte Kilometer entfernt wohnen. Es ist damit doch klar, dass Online-Angebote in dieses Vakuum stoßen wollen. Ich halte auch nichts davon. Das ganze Problem kann aber nur angegangen werden, wenn die Ursache angegangen wird.
#3 vor 13 Tagen von HpX (Gast)
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Gast
(cont. von unten) So sehr ich ein Freund der modernen Technik bin, ich sehe da keine Zukunft in diesem digitalem System. (Zumal ich bezweifle dass so viele Hausärzte so viel Zeit für Hausbesuche haben wie sich das hier sicherlich vorgestellt wird.)
#2 vor 16 Tagen von Gast
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Gast
Ich als Arzt finde sowas extrem bedenklich. So doof es klingt, mein alter Chef sagte immer "Durch den Höhrer, durch die Hose, stelle keine Diagnose". Selbst wenn wir großzügig sind und davon ausgehen dass Diagnosen via Skype und co gestellt werden dass man auch mal einen Blick auf Sachen werfen kann: das ist kein sauberes medizinisches Arbeiten, Diagnosestellung unmöglich. Selbst wenn es "nur" eine doofe Erkältung ist und ich sowas wie Sinupret und Paracetamol verschreiben will, wie soll ich denn wissen ob da nicht doch was "brodelt" auf der Lunge? Oder wenn es um was chronisches geht: Ich kann am Telefon mir keinen eindruck vom Patienten machen, das ist schlicht unmöglich. Ich KÖNNTE mir vorstellen dass wenn der Patient schlecht zu Fuß ist dass man so eine Art Lieferservice einrichtet... dann kann ich aber auch gleich das Rezept zur Apotheke schicken oder die Struktur des Pflegedienst, die meist vorhanden ist wenn der Patient so immobil ist, aktivieren.
#1 vor 16 Tagen von Gast
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