Winterzeit: Brandgefährlich für Kinder

28.11.2017

Glühende Heizungsohre, brennende Öfen und Kerzen – die Winterzeit kann für Kleinkinder und Kinder gefährlich sein. Häufig verbrennen sie sich die Haut beim Erkunden der Wohnung. Ich rate den Eltern einmal auf den Knien durch ihr Zuhause zu gehen, um Gefahrenquellen zu erkennen.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich diesen Beitrag mal in der Herbst- oder Winterzeit schreiben muss, weil: Verbrennungen kommen vor allem im Sommer vor. Beim Grillen nämlich, beim unbeobachteten Umgang mit Spiritus oder anderen Grillanzündern, ganzjährig beim Umgang mit heißem Wasser zum Tee- oder Kaffeekochen. Ganz doof auch: Das früher geübte Inhalieren über der heißen Wasserschüssel, mit Kamille oder irgendwelchen ätherischen Ölen. Don’t do that.

Verbrennungsquellen im Herbst und Winter? Klar, Heizungen und Öfen. Alleine in den letzten zwei Wochen haben wir in der Praxis sechs Kleinkinder versorgt, die mit ihren Fingern an freistehende Öfen gefasst haben, eines hatte sich am Auflaufrohr einer Heizung verbrannt. Für alle Familien überraschend und ein schreckliches Ereignis.

Gefahrenquellen kennen

Deshalb ist Vorbeugung so wichtig:

Meist geht das Verbrennen an Heizungen recht glimpflich ab: Nur die Finger oder Handflächen berühren die heißen Platten, Glasabdeckungen oder Rohre, die Kinder schrecken hoffentlich dank des eingebauten Schutzreflexes schnell vor der Hitze zurück (funktioniert bei unter Einjährigen oft nicht so gut). Anders ist das bei Flüssigkeiten oder Brennspiritus.

Daher haben die Kinder „nur“ verbrühte Fingerkuppen oder Handflächen. Schlimm genug, denn Hände sind für uns Menschen Inbegriff des Erfassens und Erfahrens, wer ein Kleinkind mit Gips oder Handverbänden erlebt hat, weiß, wie schlimm das für das tägliche haptische Erleben ist.

Keine Frostbeulen provozieren

Ist es nun doch passiert, bewahrt bitte einen kühlen Kopf. Die Hände oder andere verbrannte Körperregionen werden vorsichtig gekühlt, am besten unter fließend handwarmen Wasser oder mit einem Kühlpäckchen (dieses aber in einem Handtuch verpackt, um nicht noch Frostbeulen zu provozieren). Das Kühlen wenigstens zwanzig bis dreißig Minuten aufrechterhalten, dann könnt Ihr zum Arzt oder ins Krankenhaus fahren, um die verbrannten Flächen verbinden zu lassen.

Wir versorgen dann nach Verbrennungsgrad. Leichte Rötungen können offen belassen oder mit Panthenol versorgt werden, blasige Verbrennungen werden gesäubert und steril abgedeckt und verbunden, in aller Regel mit einem Gitterverband und einer Wundcreme. Blasen an Fingern und Handflächen werden nicht künstlich eröffnet, außer sie stünden unter starker Spannung durch darunter entstandener Wundflüssigkeit, dann wird diese abgelassen. Das Blasendach erhalten wir aber, es ist der beste Schutz für Infektionen. Verbandswechsel führen wir alle zwei Tage durch, bis eine gute Granulierung der Wunde eingesetzt hat, meist erkennbar am Ablösen des alten Blasendaches. Das dauert ungefähr zehn Tage.

Erspart den Kindern aber diese Prozedur – beugt vor! Und sagte es allen weiter: Winterzeit ist auch Verbrennungszeit, also Finger weg von Öfen und Heizungen.


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Bildquelle: SoulRiser, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 01.12.2017.

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Medizin, Pädiatrie
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Gast
Noch eine Gefahrenquelle: Verbrühung durch heißes Wasser in der Dusche, vor allem (aber nicht nur), wenn im Sommer das Wasser evtl. durch Solarwärme heißer ist als es sein sollte. Bitte lasst Eure Kinder unter der Dusche nicht alleine, auch nicht kurz, oder installiert eine Mischbatterie mit Sicherheitsfunktion (mit Sicherheitsriegel bei ca. 38 oder 40°C), damit das Kind das Wasser nicht versehentlich zu heiß drehen kann. Ich spreche leider aus schlimmer Erfahrung. Wenige Sekunden haben gereicht, um Verbrühungen 2. Grades zu verursachen. Kleinere Kinder reagieren leider auch nicht logisch, indem sie das Wasser abdrehen, sondern rufen um Hilfe, was die Kontaktzeit verlängert. Zudem ist die betroffene Fläche unter der Dusche oft recht groß. Mir war die Gefahr nicht bewusst, und auch alle, die davon erfahren haben, waren geschockt, dass so etwas in der Dusche passieren kann. Daher dieser Beitrag.
#9 am 08.01.2018 von Gast
  0
Sehr guter Beitrag! Ich wäre fast versucht, diesen als Flyer in meiner Feuerwehr-AG zu verteilen. So als ganz persönlichen Tipp vom Kinderarzt!
#8 am 16.12.2017 von Olaf Pohlmann (Rettungsassistent)
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Noch eine Gefahrenquelle, die man nicht unterschätzen darf: Das Kind auf dem Schoß und eine Tasse heißen Tee vor sich auf dem Tisch oder in der Hand zu haben.
#7 am 06.12.2017 von Dr. Irmgard Roßnagel (Tierärztin)
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Gast
Vorweg: Ich bin kinderlos. Ich denke, man ist verpflichtet, Kinder schon vor schlimmeren Unfällen zu bewahren, ob eigene oder auch fremde (Nichten, Neffen, Enkel). Aber was eine Verbrennung wirklich bedeutet, kann man eben doch nicht wirklich vermitteln, das ist m. E. leider eine reine Erfahrungssache. Klar hat meine Mutter mich immer wieder ermahnt, Herd / Bügeleisen / Ofen etc. seien heiß, gefährlich usw. Und trotzdem weiß ich erst, dass eine Verbrennung unangenehm ist, seit ich dann doch mit dem Zeigefinger das erste Mal ihr Bügeleisen angefasst hatte. Das Glühbirnen (jedenfalls in den 70ern) nicht nur Wärme abstrahlen, sondern der Glaskolben höllisch heiß ist, musste ich auch selber herausfinden. Man muss nur verhüten, dass großflächige Verbrennungen entstehen, ich glaube, die Neugierde darauf, wie heiß etwas wirklich werden kann, wird man leider nicht verhindern können, bis man die Verbrennungserfahrung - mit einer hoffentlich kleinen Verbrennung - wirklich selber gemacht hat.
#6 am 04.12.2017 von Gast
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Gast
"Gefahr erkannt - Gefahr gebannt" setzt ein Gefahrenbewusstsein voraus. Dumme Eltern produzieren noch dümmere Kinder. Wenn daheim sämtliche Gefahren gesichert sind, passieren die Unfälle draußen. Gerade als Kinderarzt haben Sie viele Haftungsrisiken. Wenn sich ein Kind an einer Papierseite schneidet, sind Sie u. U. schon dran, klettern die lieben Kleinen auf einen Hocker und der kippt um, ebenfalls. Die Liste lässt sich schier endlos erweitern.
#5 am 02.12.2017 von Gast
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Mama
Ich stimme dem Papa zu. Ähnlich handhaben wir es auch mit Treppen, da wird nichts abgesperrt, denn irgendwann schafft es jedes findige Kind eine Absperrung zu überwinden. Wichtig ist aber das kontrollierte heranführen an die Gefahr durch die Eltern, Treppen erklimmen unter Aufsicht, Ofen betrachten unter Aufsicht. Das ist jedoch die schwierige Variante denn solange das Kind die Lektion noch nicht begriffen hat darf man sich keine Sekunde abwenden. Ich denke ein Mittelweg ist sinnvoll, unter Aufsicht direkten Zugang ermöglichen aber wenn man eben gerade nicht ständig die Hand davor haben kann dann sollte abgesichert sein. Ein vorhandenes Gitter erspart einem nicht die Erziehung. Man muss einem Kind auch verbieten gesicherte Gegenstände anzufassen, zum Beispiel energisch verbieten die Steckdose anzufassen auch wenn eine Kindersicherung drin ist.
#4 am 02.12.2017 von Mama (Gast)
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Gast
Bitte habt auch eine Feuerlöschdecke und die obligatorischen Rauchmelder im Hause! Und denkt auch an die Millionen Haustiere.
#3 am 02.12.2017 von Gast
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Papa
Zum Thema Vermittlung der Gefahr muss ich aus bisher sehr guter Erfahrung widersprechen: Die Neugierde ist immer irgendwann stärker als das Verbot. Wir haben es mit kontrollierter Erfahrung bisher gut hingekriegt. Das heisst nicht, daß unser Kind jetzt einen Finger verbrannt hat, um zu lernen. Wir haben z. B. die geheizte Backröhre geöffnet und unter vorsichtiger Annäherung bis auf ein paar Zentimeter das Stichwort "heiß" verknüpft. Das Lernen aus (in diesem Fall nur dezent unangenehmer) Erfahrung ist deitlich nachhaltiger als durch Verbote. Nur mal so mein Senf.
#2 am 01.12.2017 von Papa (Gast)
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Gast
...und man darf den Kindern dann auch ruhig mal etwas Schmerzmittel geben...
#1 am 01.12.2017 von Gast
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