PR: Der Arzt, der Suizid und das Tabu

23.11.2017

Arzt zu sein ist vielleicht der schönste Beruf der Welt. Aber er kann an die Substanz gehen. Überstunden, Schichtdienste, kaum Pausen, kurze Nächte, enorm hohe Verantwortung und dazu noch der Abrechnungsdruck von Krankenkassen, kaufmännischen Direktoren oder KVen.

Krankenhausärzte geraten häufiger als niedergelassene Ärzte in einer Praxis an die Grenzen der Belastbarkeit. PJler und „Neulinge“ im System sind besonders gefährdet. Wenige berichten von ihren Sorgen, aber viele leiden unter Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und Konzentrationsproblemen, oder sogar Panikattacken und Depressionen. Im besten Fall lernen sie, damit umzugehen. Im schlimmsten Fall: nicht.

Es ist erschreckend, was die Universität Gießen anhand von 14 internationalen Studien herausgefunden hat: Die Selbstmordrate bei Ärzten ist bis zu 3,4-mal höher als bei anderen Bürgern, bei Ärztinnen sogar 5,7-fach höher. Nach Schätzungen der Bundesärztekammer entwickeln sieben bis acht Prozent der Ärzte einmal im Leben eine Suchterkrankung. Noch fataler: Sie suchen sich nur selten Hilfe.

In Deutschland wird noch viel zu wenig über Ärztegesundheit gesprochen. Das muss sich dringend ändern. Der NAV-Virchow-Bund will das Tabu brechen. Als Verband der niedergelassenen Ärzte setzt er sich dafür ein, dass Ärztegesundheit intensiv erforscht wird.

Die aktuelle Studienlage in Deutschland ist mau; ganz im Gegensatz zu den USA. Aber nicht alle Erkenntnisse und Maßnahmen aus den USA lassen sich eins zu ein auf Deutschland übertragen werden.

Immerhin: Einige Landesärztekammern bieten schon spezielle Programme für suchtkranke Ärzte an, so manche Klinik ebenfalls. Solche Beratungs- und Behandlungsangebote müssen flächendeckend ausgebaut werden. Auch hier macht der NAV-Virchow-Bund öffentlich Druck.

Wenn wir es schaffen, den nächsten Arztgenerationen ein gesünderes Berufsleben zu ermöglichen, dann ist Arzt zu sein tatsächlich wieder der schönste Beruf der Welt…

Lesen Sie mehr zum Thema „Arztgesundheit“ in der aktuellen Ausgabe unseres Verbandsmagazins "der niedergelassene arzt".

 

 

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Artikel letztmalig aktualisiert am 06.08.2018.

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@#1: Verstehe ich nicht ganz, Kranke Ärzte schummeln sich ins System? Ärzte sind Menschen, und die werden/sind eben _auch_ krank. -- Ich kannte mal einen Intensivpfleger mit Diabetes mellitus Typ 1. Der arbeitete genauso gut (oder schlecht), wie wir anderen auch. Auf seine notwendigen Blutzuckerkontrollen, Insulingaben und Essenszeiten mussten wir eben auch im Getümmel einer Intensivstation unter Volllast Rücksicht nehmen. Das ging recht gut. Ein anderer Kollege auf der gleichen Station erlitt einen Myokardinfarkt und kehrte nach Krankenhausaufenthalt und Reha an seinen Arbeitsplatz zurück. Alle, einschließlich ihm selbst, waren zufrieden. Eigentlicher Grund meines Postings: a) gibt es Daten über die Suizidrate bei Pflegepersonal, speziell in Akutkrankenhäusern? b) Kann man die erhöhte Suizidrate bei Ärzten auf die leichte Verfügbarkeit von "geeigneten" Medikamenten, wie etwa Propofol, zurückführen?
#2 am 12.08.2018 von Herbert Mey (Gesundheits- und Krankenpfleger)
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Gast
Ist so wahr und schlimm. Aber mal ehrlich, als KRANK nehmen wir doch auch nur unsere Patienten wahr. Käme jemand wirklich auf die Idee sich um seinen Kollegen, Chef, Praxisnachfolger zu sorgen, ihn nach chronischen Krankheiten, gar Behinderungen, Dauermedikation zu fragen? Abgesehen von der Privatsphäre, in unserem Bewußtsein HAT ein Arzt einfach nicht krank zu sein. Aber auch wir sind nur ein Teil der Gesellschaft und bis heute gibt es keine Berufstauglichkeitsuntersuchung, sodass sich sehr wohl der eine oder andere Kranke unter die Ärzteschaft schummeln kann, aus welcher Motivation heraus auch immer. Und genau dieses Tabu, die fehlende Routine im Ungang mit dem Thema macht es den Betroffenen so schwer.
#1 am 25.11.2017 von Gast
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