Approbation für den Roboter?

21.11.2017

In Peking gibt es eine Maschine. Ihr Name ist Xiao Yi und sie ist dazu fähig, jenen Test zu bestehen, der für das Erlangen der Approbation notwendig ist. Und das mit einem Streber-Ergebnis, das deutlich über dem Durchschnitt der Resultate menschlicher Mitbewerber liegt.

In einem Video vom Spiegel sieht man Xiao Yi, wie er sich durch die Klinik bewegt. Er ist ein von chinesischen Forschern der Tsihunga Univeristät in Peking entwickelte Roboter, der vor kurzem erstmals einen Medizinertest bestanden hat.

Es handelte sich dabei um einen schriftlichen Test, den chinesische Medizinstudenten auf dem Weg zur Erlangung ihrer Approbation machen müssen. Mit 456 von maximal 600 erreichbaren Punkten lag der Roboter deutlich über dem Durchschnitt seiner menschlichen Kollegen und immerhin 96 Punkte über der Bestehensgrenze. „Das zeigt, dass Xiao Yi sich medizinisches und klinisches Wissen aneignen konnte und jetzt die Fähigkeit besitzt, dieses Wissen anzuwenden und medizinische Probleme zu lösen“, erklärt der stellvertretende Direktor des Eletrotechnikinstituts Wu Ji.

Seit 2016 trainierten ihn die chinesischen Forscher mit zahlreichen medizinischen Lehrbüchern und luden sogar ärztliche Experten ein, die der Künstlichen Intelligenz klinische Erfahrungen beibringen sollten. Xiao Yi kann automatisiert Patientendaten auswerten und eine meist treffende Diagnose stellen. Werden also in Zukunft Roboter in unseren Hörsälen sitzen, den Dozenten aufmerksam lauschen und uns irgendwann sogar in der Arztpraxis begrüßen?

So weit ist die Forschung in absehbarer Zeit noch nicht. Die künstliche Intelligenz soll auch gar keine Ärzte ersetzen, sondern Mediziner bei der Patientenbehandlung unterstützen. So können sich die Wissenschaftler einen Einsatz in entlegenen Provinzen Chinas vorstellen, in denen über Roboter wie Xiao Yi das Studiumswissen einer medizinischen Top-Universität vermittelt werden kann. China will damit dem Ärztemangel in ländlichen Gegenden entgegenwirken und Vorreiter einer innovativen Idee werden. Im kommenden Frühjahr soll Xiao Yi im chinesischen Gesundheitssystem eingeführt werden – bis 2030 plant man eine 115 Milliarden Euro schwere Industrie rund um Künstliche Intelligenzen.

Ob sich die Roboter allerdings wirklich dazu eignen die Qualität von medizinischen Behandlungen zu verbessern, bleibt erstmal abzuwarten. Sicherlich muss der Blecharzt erst einmal viele Hürden überwinden, von denen das reine Fachwissen - in dem künstliche Intelligenzen schon heute dem Menschen überlegen sind - die geringste ist. Das Stichwort ist hier vor allem die Akzeptanz – sowohl auf Seite der Patienten als auch auf Seite der Ärzte muss noch viel Vertrauen in die Technik der Maschinen aufgebaut werden, bevor Dr. Roboter um Rat gebeten wird.

Bildquelle: Patrick Connelly / flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 22.11.2017.

33 Wertungen (4.27 ø)
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Gast
So ein Robbi könnte schon erhebliche Vorteile auch in der Altenpflege bringen. Keine misshandelten Patienten mehr, hopefully
#8 am 25.11.2017 von Gast
  0
Dr. Watson (IBM) erreichte bereits 2016 eine 99% Kongruenz bei der Erstellung von Behandlungs- und Heilplänen in der Onkologie. Gleichzeitig erstellte Dr. Watson Behandlungspläne, die fast ein Drittel der konsultierten Ärzte übersehen (oder nicht berücksichtigt) hatten. Mein Fazit: AI ist nicht zu stoppen - und bald auch nicht zu toppen. Dennoch: Erst mediziner us Fleisch und Blut haben ihr erarbeitetes kollektives Wissen einem Computerprogramm zur Verfügung gestellt. Kein Programm schreibt sich selbst - kein Rechner produziert sich selbst. Alles nur höhere Geschwindigkeit bei perfektem Erinnerungsvermögen. Letztlich nicht besser als ein Mensch... Der MedizinMensch funktioniert auch bei Stromausfall ohne Mikrofon Tastatur und Bildschirm (und erledigt zur Not eine Appendektomie mit dem Schweizer Taschenmesser) Now You Look Out China...!
#7 am 22.11.2017 von Maryam Reinsch (Hebamme)
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irgendwo ist die Festplatte begrenzt ,das ist beim Gehirn ein bisserl anders
#6 am 22.11.2017 von dr. med.dent. Wolfgang Stute (Zahnarzt)
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Flüchtiger Leser
Was steht Xiao Yi denn zur TCM?
#5 am 22.11.2017 von Flüchtiger Leser (Gast)
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So einen Versuch gab es vor ca. 20 Jahren schon in Australien. Im Prinzip eine Datenbank mit Diagnosen und korrelierte DDiagnosen sowie eine Abfrage über die Symptome, Blutwerte etc. Hat man nichts mehr von gehört. Ein Vergleich mit dem Schachcomputer sei gestattet. Als Hilfe bei der Differentialdiagnostik jedoch denkbar.
#4 am 22.11.2017 von Dr. Josef Esser (Tierarzt)
  1
Allgemeinärztin
Netter Denkimpuls zur Lösung des Landarztproblems. So ein Roboter könnte so manche Praxis und Notaufnahme entlasten. Durchs Menü klicken, Diagnose erhalten, Kassenkarte rein und unten kommen die Medikamente raus. Schöne neue Medizinwelt!
#3 am 22.11.2017 von Allgemeinärztin (Gast)
  2
Gast
In Zeiten von Dr. Google kenne ich viele Menschen, die eher einerkünstlichen Intelligenz als einem menschlichen Fachurteil trauen...
#2 am 22.11.2017 von Gast
  1
Gast
Blechärzte sind kein Ersatz für Menschen, ebensowenig sollten in anderen Bereichen keine Maschinen statt Menschen eingesetzt werden.
#1 am 22.11.2017 von Gast
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