Die heilende Kraft der attraktiven Ärzte

20.11.2017
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Jeder kennt sie: McSexy und Co. Die Helden in Scrubs, die Unfallchirurgen aus dem Lehrbuch. Die Notarztjacke lässig über der Schulter, das Selbstbewusstsein größer als die stolz geschwellte Brust. Ein spektakuläres Charisma und ständig dieses sympathische Zwinkern im Gesicht.

Sie sind die Leader im Assistententeam, die Guten unter den Oberärzten, die Sympathischen in der Mannschaft.

Ihre Wirkung ist ihnen sehr wohl bekannt. Sie nutzen es für ihre Planung der Dienste, der Fortbildungstage, der Urlaube, der noch notwendigen Operationen für den OP-Katalog. Die Schwestern auf Station legen schon mal eine nächtliche Viggo, die Notaufnahmeschwestern lassen den lieben Herrn Doktor nachts auch mal eine Stunde länger schlafen, bis sie den betrunkenen Patienten in Kabine 2 melden. Die Chefsekretärin erledigt etwas zusätzlichen Papierkram und die morgendlichen Attitüden werden mit einem Stück selbstgebackenem Kuchen besänftigt. 

„Ist McSexy denn heute nicht da?“

Die Patienten erinnern sich an sie und sagen ihner Anwesenheit eine heilende Wirkung nach. Sie kommen, um sich extra von ihnen operieren zu lassen. Die Patienten laden sie zu ihren Konzerten und Fußballspielen ein und verschenken schon mal Gutscheine für ein Abendessen. Die McSexys betreten den Raum und die Patienten vergessen, warum sie eigentlich gekommen sind.

Natürlich nicht bei allen. Bei einigen Patientinnen führt es sogar zu verstärkten Beschwerden: „Ist McSexy denn heute nicht in der Notaufnahme? Letzte Woche und am Samstag war er nämlich hier. Er hat gemeint, wenn es nicht besser wird, soll ich unbedingt noch einmal zu ihm kommen.“

Aha, das bezweifle ich. „Nein, er hat heute keinen Dienst. Aber ich werde ihm ausrichten, dass sie da waren.“

„Okay. Hmm. Ja. Also, wann hat er denn wieder Dienst? Wissen Sie, er kennt ja jetzt meine Beschwerden und den Verlauf und so …“

Arbeiten hier alle für McSexy?

Heute musste ich an den Kollegen McSexy schon meine geplante Unterschenkelfraktur abdrücken, weil sich die Patientin ausdrücklich nur von ihm operieren lassen wollte. Außerdem lagen eben zwei zusätzliche Patientenakten in meinem Fach, die noch dringend einen Entlassbrief brauchten – „dringend“ in diesem Fall unterstrichen und mit der Unterschrift der Chefsekretärin versehen, außerdem ein Anruf in Abwesenheit von ihr und eine extra Email im Postfach. Der Kollege McSexy kommt eben nicht dazu. Jetzt, wo er den ganzen Tag im OP ist.

Mein Augenrollen kann ich nicht unterdrücken, als ich zur Patientin sage: „Möchten Sie denn seine Telefonnummer haben? Die vom Krankenhaus oder die private Handynummer? Vielleicht die Handynummer seiner Frau oder die der Schwiegermutter? Dann könnten Sie gleich die nächsten Termine hier in der Notaufnahme direkt mit ihm abstimmen.“

Nein, das wollte sie dann doch nicht.

 

Bildquelle: mohamed1982eg, pixabay

Artikel letztmalig aktualisiert am 22.11.2017.

49 Wertungen (4.27 ø)
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Gast
Die Kombination zwischen gutaussehend, kompetent und mitfühlend ist unschlagbar Sexy. Nur schön ist langweilig
#16 am 26.11.2017 von Gast
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Gast
Ne wundervolle Lachnummer wird es wenn ein Kollege DENKT er sei McSexy. Aber trotzdem alle seine allgemeine Inkompetenz sehen und er sich alles verwirkt sobald er den Mund aufmacht. Patienten beeindrucken konnte er noch aber unter uns Kollegen und den Schwestern? Sagen wir es so, wir hatten alle Popcorn parat als Pseudo-McSexy versuchte sich beim Chef UND bei der Oberärztin ein zu schleimen. Manchmal ist Karma doch gerecht und sorgt für großartige Unterhaltung am Arbeitsplatz. Beste 3 Monate meiner Arbeitszeit an dieser Stelle.
#15 am 24.11.2017 von Gast
  0
Gast
Na ja, aber so ist das Leben. Nicht nur in der Medizin. ...und nicht nur in der Ausführung "Mann", sondern auch in der Ausführung "Frau".
#14 am 23.11.2017 von Gast
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gast 12, sie haben Recht, ich meinte damit auch eher einen Arzt, der auch mal das Zebra sucht, wenn er mit den Pferden nicht weiterkommt....ansonsten hat Dr. House oft mehr Glück als Verstand....
#13 am 23.11.2017 von Remedias Cortes (Nichtmedizinische Berufe)
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Gast
So kann der Eindruck täuschen. Dr. House ist alles andere als kompetent. Sieht man sich einmal mehrere Folgen in Ruhe an ist schnell klar dass die Behandlung in vielen Fällen falsch und verantwortungslos ist. Man darf sich nicht von den erlesenen Fachausdrücken und dem „beeindruckenden“ Rezitieren von nutzlosem Hintergrundwissen über die seltensten Krankheiten der Welt in die Irre führen lassen.
#12 am 22.11.2017 von Gast
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ich weiss ja nicht, aber als Arzt bevorzuge ich den väterlichen Typus oder die nerdige Intelligenzbestie, auch mal den kompetenten A.....a la Dr. House, aber sexy , sexy muss der Doctor wirklich nicht sein. Es ist bestimmt ein übles Vorurteil, doch ich würde befürchten, dass so gutaussehende Männer mehr mit ihrem styling als mit meiner Erkrankung beschäftigt sind.
#11 am 22.11.2017 von Remedias Cortes (Nichtmedizinische Berufe)
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Gast
Natürlich gibt es solche Typen, immer und überall und in jeder Berufsgruppe. Aber warum sich darüber aufregen? Wer so ist bzw. sein muß, trägt doch offen sein bedauerliches Persönlichkeits-Manko zur Schau! Einfach ignorieren, gar nicht darum kümmern!
#10 am 22.11.2017 von Gast
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Halo-Effekt - das ist nichts Neues und auch nicht auf Kliniken beschränkt. Es ist beängstigend, wenn man beobachten muss, wie gutes Aussehen/Attraktivität dazu führt, dass den Betreffenden Minderleistung, teilweise Schludrigkeit und anderes mehr verziehen werden. Es hört meiner Erfahrung nach genau in dem Moment auf, in dem klar wird, dass "McSexy" oder "die Schöne" ihr Aussehen bewusst dazu benutzen, Vorteile für sich herauszuschlagen.
#9 am 22.11.2017 von Dr. biol. hum. Claudia Arnold (Chemikerin)
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Gast
Gähn!
#8 am 22.11.2017 von Gast
  7
Gast
#6: wie kommt man jetzt darauf? #5: verwerflich ists, wenn die Ausstrahlung wichtiger wird als die Kompetenz, das kollegial-Sein, die gerechte Aufteilung von Rechten und Pflichten... und man da mehr dran arbeiten muss als am medizinischen Können, um weiter zu kommen... trotzdem glaub ich dass das im Krankenhaus noch ein viel kleineres Problem ist als in vielen anderen Branchen...
#7 am 21.11.2017 von Gast
  3
Gast
Sexuelle Übergriffe im Klinikalltag auch vom Oberarzt ? ein Waches Auge ist auch Klinikalltag angebracht
#6 am 21.11.2017 von Gast
  15
Liest sich ja nett und zum Schmunzeln. Aber: Hand aufs Herz! Da ist jemand neidisch ... oder? Vielleicht mal an der eingenen Ausstrahlung arbeiten! Und ganz ehrlich: Was ist verwerflich daran im grauen Klinikalltag charismatisch und anziehend zu sein?
#5 am 21.11.2017 von Beate Hofmann (Heilpraktikerin)
  30
Gast
Mein Zahnarzt ist so unfassbarattraktiv, der kann auch ohne Spritze betäubend sein.
#4 am 21.11.2017 von Gast
  12
Unfallchirurg
zu #2: Klar tauchen hin-und-wieder solche schleimigen Typen auf. Erfahrungsgemäß überleben diese aber nur im Hecht-Teich von Gleichgesinnten. Glücklicherweise existiert in gut geführten (!) Kliniken dagegen ein Selbstreinigungsprogramm .
#3 am 21.11.2017 von Unfallchirurg (Gast)
  12
Gast
Wenns so wie in #1 beschrieben ist - gut! Wenn das Aussehen der Grund für mangelnde Kollegialität oder Bevorzugung durch Vorgesetzte ist (ohne die fachliche Kompetenz oder wenn man diese nur hat, weil man sich immer um die Idioten-Jobs auf Station drücken konnte) - schlecht. Und ich glaube hier ist eher Letzteres gemeint. Wobei das ja kein rein berufliches (und auch kein rein männliches) Phänomen ist...
#2 am 21.11.2017 von Gast
  1
Unfallchirurg
Hier mal vom neidvollen Stänkern der Autorin abgesehen: Soll es ja geben: Den/die KollegeIn mit freundlich-zuverlässiger Ausstrahlung, nettem, empathischen Umgang mit Patienten, im OP auf Augenhöhe mit dem Team und dazu fachlich äußerst kompetent. Hatte das Vergnügen, eben solch einen OA über Jahre als Kollegen neben mir zu wissen.
#1 am 21.11.2017 von Unfallchirurg (Gast)
  5
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Ich habe viel zu tun, das ist es nicht. Aber ich werde plötzlich kreativ, bastel an Ideen, Überlegungen, spinne mehr...
Gleiches Spiel, ähnlicher Gesang, ähnliche Tonart, anderer Rhythmus. Eine weitere Patientin steht mit den mehr...
Zur Zeit wünschte ich mir diese Zertifizierung. Naja, nicht die Zertifizierung an sich, aber unbedingt den Geriater mehr...

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