Offene Fragen, offene Antworten

16.11.2017
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Kommunikation ist wichtig, um Informationen auszutauschen. Man kann aber auch nur so kommunizieren, ganz ohne Informationen. So suchen mich beispielsweise häufig Eltern meiner Patienten in der Praxis auf, um mir nichts oder sehr sehr wenig zu sagen.

„Guten Morgen. Na, was hat denn Ihr Bobele?“

„Das wollen wir von Ihnen wissen …“ – Ja, danke. Kenne ich schon.

„Und was führt Sie zu mir in die Praxis?“

„Der spuckt die ganze Zeit.“ – Im Moment nicht.

„Wie oft denn bisher?“

„Öfters schon.“ – So genau wollte ich es gar nicht wissen, doch, eigentlich schon.

„Ok. Einmal seit heute morgen oder mehrmals?“

„Ziemlich oft.“ – Aha.

„Also häufiger als drei Mal oder eher zehn Mal?“

„Immer, wenn er was gegessen hat.“ – Jetzt kommen wir der Sache näher.

„Und wie viel hat er heute gegessen?“

„Der isst ja gar nichts mehr.“ – Falsche Fährte.

„Also hat er dann gar nicht gespuckt, wenn er gar nichts mehr isst und immer nur beim Essen spuckt?“

„Nenene, der hat schon ganz schön oft gespuckt.“ – Return to Zeile 4.

„Ok. Wann hat er denn zuletzt gespuckt?“ (Neuer Versuch, andere Fährte).

„Gestern Abend.“ – Na dann.

„Und seitdem nicht mehr?“

„Nein. Aber essen tut er auch nicht.“

Und.so.weiter. Je.des.Mal.

Hinweg mit allen Theorien zu offenen und geschlossenen Fragen. Manchmal wundere ich mich nicht, dass manche Kollegen gar nicht mehr mit den Eltern sprechen, sondern das Kind nur noch untersuchen und durchwinken oder einweisen.

 

Bildquelle: David Goehring, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 17.11.2017.

46 Wertungen (4.72 ø)
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Gast X
Tja es gibt auch Praxen mit gutem Terminmanagement. Wer sich ständig ohne Termin überrollen lässt, keine festen Zeitfenster für Notfälle freiräumt, und die Terminvergabe nicht nach Dringlichkeit sortiert hat bald in seinem Wartezimmer ähnliche Zustände wie in einer Notaufnahme. Man mag es nicht glauben, aber der Aufwand lohnt sich. Es gibt auch sehr gut besuchte Arztpraxen wo trotz hohem Patientenaufkommen das Wartezimmer in der Regel nicht überfüllt ist und die Wartezeit auch überschaubar. Aber da muss jeder seinen eigenen Weg finden. Wer den Patienten die Schuld gibt oder seiner Arzthelferin der lässt sich das Heft aus der Hand nehmen.
#15 am 03.12.2017 von Gast X (Gast)
  0
Gast
Also ich werde bei meinem Kinderarzt bei der Terminvereinbarung schon von der Arzthelferin gefragt, um was es geht, Symptome, Fieber usw. Allerdings ist der Kinderarzt telefonisch oft schwer zu erreichen, dann schreibe ich eine Mail. Ich werde dann in der Regel recht schnell zurückgerufen und dann ist auch Zeit da, das zu besprechen. Einmal konnte uns die Arzthelferin schon am Telefon beruhigen und wir haben dann erst gar keinen Termin vereinbart. War letztendlich auch nicht nötig.
#14 am 28.11.2017 von Gast
  0
Gast
Gut ist auch die Frage nach Fieber/erhöhter Temperatur. Viele haben nicht mal mehr ein Fieberthermometer.
#13 am 22.11.2017 von Gast
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Gast
.." um mir nichts oder sehr sehr wenig zu sagen "... . Ja, insbesondere, wenn man selbst viel spricht ( und auch sich selbst gern sprechen hört ), leidet die Zuhörfähigkeit, das hineinhören.. . Und dann geht es auch noch um das " zwischen den Zeilen ". Aber, zugegeben, viele Ärzte sind halt nicht gerade Psychologen oder auch nur psychologisch orientiert/interessiert.
#12 am 18.11.2017 von Gast
  27
Gast
Schön ,das ist gut riechende Kinderkacke ! Zur Information -gehört auch immer die Desinformation. Es ist wohl der Zeitgeist alles auf dem silbernen Tablett serviert zu bekommen. Tatsächlich müßte für jeden der Beteiligten ein Honorar eingefordert werden. In einer Familie hängt alles mit allem zusammen-nichts Neues !
#11 am 18.11.2017 von Gast
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Gast X: Wenn der Mitarbeiter am Telefon jedes Mal nach den genauen Gründen nachfragen würde, käme er/sie nicht mehr zum arbeiten. In einer Hausarzt/Kinderarztpraxis sind die Gründe vielfältig, und bei solchen Telefonaten fassen sich die Patienten dann keinesfalls kurz, sondern legen die ganze Krankengeschichte dar und sind oft nicht zu stoppen. Gerade bei Terminen ist es ja oft nicht nur ein Anlaß, sondern es werden häufig mehrere Dinge besprochen. Wer akut krank ist, kommt in der Regel ja in die Akutsprechstunde ohne Termin. Und ja, die Kommunikation mit den Eltern von Kindern - oder auch Angehörigen z.B. von älteren Patienten - ist oft sehr mühsam und läuft immer wieder einmal genau so ab wie beschrieben.
#10 am 18.11.2017 von Dr. med. Angelica Wegener (Ärztin)
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Gast vom selben Fach
Wieder mal ein netter Einblick in die oft detektivische Arbeit von Pädiatern! Auch sehr lästig sind die dramatisierenden Übertreibungen in der Anamnese-Erhebung, so als würden die Eltern sonst nicht ernst genommen. Bei anderen Müttern auf dem Spielplatz kann man damit Eindruck machen, aber Kinderärzte brauchen schon ehrliche Informationen (Erbrechen wie oft, wieviel getrunken etc.) Bewährt hat sich auf die Aussage "er isst überhaupt nichts mehr (und das seit Tagen)" die Frage, WAS er denn gegessen habe. Und dann kommt meistens eine detaillierte Aufzählung dessen, was er nämlich doch gegessen hat... Das ist dann fast schon wieder lustig.
#9 am 17.11.2017 von Gast vom selben Fach (Gast)
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Gast
Da erfährt ja der Tierarzt mehr vom Besitzer, als der Kinderarzt von den Eltern.
#8 am 17.11.2017 von Gast
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Gast X
Frau Cortes: durchaus verständlich, aber wenn man telefonisch einen Termin in einer Kinderarztpraxis vereinbart ist das doch ein wenig anders als an der Anmeldung lautstark peinliche Intimitäten preisgeben zu müssen. Hier bekommt man in einigen Praxen auch ein Formular das man diskret ausfüllen kann.
#7 am 17.11.2017 von Gast X (Gast)
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Eva
Leider wissen heute viele junge Eltern nicht mehr um einfachste Maßnahmen im Krankheitsfall wie Bettruhe, leichte Kost und anbieten sinnvoller Getränke. Dafür wissen diese aber sehr genau wie man "rumhelicoptert" und schaut, dass Andere die zugeschobene Verantwortlichkeit die sie selber nicht mehr wahrnehmen auch ja richtig ausfüllen. Wie oft erbrochen, ist Durchfall oder Fieber dabei, was ungewohntes gegessen, was wurde bisher getan, usw. . Das sollte nun wirklich aus dem Stand beantwortet werden können. Das arme Kind, wo haben die Eltern die Augen?
#6 am 17.11.2017 von Eva (Gast)
  2
Gast
Genau...! "Hinweg mit allen Theorien zu offenen und geschlossenen Fragen"... wie Sie schreiben. So ganz den Sinn und die Erkenntnisse dieses Beitrages erschliessen sich mir nicht. Aber Hauptsache mal wieder was gebloggt / geschrieben..... Da gäbe es allerdings noch etwas über jene Eltern zu schreiben, die immer... oder jene, die nie... und vor allem über jene, die sowohl immer als auch nie,... usw., usw. Und von anderen Eltern (die sich kommunikativ oder inhaltlich wie erwünscht verhalten) könnte man auch noch was schreiben, wenn man nur dürfte. Tja! Und jetzt?
#5 am 17.11.2017 von Gast
  38
Gast X, und ich mag es nicht, wenn die Arzthelferin an der Anmeldung genau danach fragt - und hinter mir eine Schlange Leute zuhört....
#4 am 17.11.2017 von Remedias Cortes (Nichtmedizinische Berufe)
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Gast X
Hier würde man sich doch eine kurze Vorsondierung durch die Arzthelferin bereits bei Terminvereinbarung oder Anmeldung wünschen. Ich wundere mich jedes Mal wenn ich einen Arzttermin vereinbaren möchte und man noch nicht einmal fragt worum es geht. Je nachdem könnte man die Patienten/Angehörigen bitten ein paar Infos vorzubereiten und wenn es nur ein paar Notizen sind. Z.B. Fieberverlauf, Schmerztagebuch, Flüssigkeitszufuhr, selbst wenn es nur eine Strichliste ist wie oft in den letzten Stunden oder Tagen erbrochen wurde.
#3 am 17.11.2017 von Gast X (Gast)
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Kommunikation will hat geübt sein und bei SMS und Whatup ...
#2 am 17.11.2017 von Dr. rer. nat. Andreas Köpke (Mitarbeiter Industrie)
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Unfallchirurg
Oh jehh...ein oft mühsames Ringen der niedergelassenen Kollegen um Klarheit! ...Und das geht dann auch noch so weiter bis zur Rente , -((
#1 am 17.11.2017 von Unfallchirurg (Gast)
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Beobachtet man Kinder im Urlaub, am Strand, auf dem Campingplatz, weg von den gestressten Eltern, hingegeben der mehr...
8:01 Uhr: 1 Jahr alt, Erbrechen ganze Nacht, zuletzt 5 Uhr, hier topfit 8:02 Uhr: 2,5 Jahre, Fieber seit 2 Tagen, mehr...
Lieber esoterischer Fachkollege der Kinderheilkunde, Sie sind ja in unserer Gegend bekannt dafür, dass Sie mehr...

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