Verstehe leider kein türkisch

13.11.2017
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Vor einien Wochen haben wir in unserer psychosomatischen Reha-Klinik eine Frau Y. aufgenommen. Eine türkischstämmige Mitbürgerin, die seit ca. 40 Jahren in Deutschland lebt. Ihr türkischer, oder zumindest türkisch sprechender, Arzt hat ihren Reha-Antrag ausgefüllt und ihr hinreichende Kommunikationsfähigkeiten für die psychotherapeutische Reha attestiert.

Der Einweisungsgrund war eine Somatoforme Schmerzstörung(F45.41) mit langjährigen Krankschreibungen und einem Widerspruchsverfahren vor dem Sozialgericht. Wir konnten mit Frau Y. leider nicht hinreichend kommunizieren – geschweige denn Reha-Ziele festlegen. Wir verstehen einfach zu schlecht türkisch. Oder arabisch. Oder eine andere Sprache, die sie sprechen und verstehen könnte.

Da eine medizinische psychosomatische Reha aber irgendwie auf das Verstehen und die verbale Kommunikation setzt, haben wir die Reha sofort wieder beendet und im Entlassungsbericht eine Aufnahme in einer Abteilung mit Schwerpunkt für interkulturelle Psychosomatik bzw. mit türkisch sprechenden Therapeuten vorgeschlagen. Die es ja gibt.

So weit, so gut.

Nun erreichte mich wenig später die Beschwerde einer Organisation, die auf dem Briefkopf drei türkisch klingende Namen hat.

Darin hieß es, ich würde eine ausländische Mitbürgerin aktiv diskriminieren, weil ich sie nach Hause geschickt habe. Es sei ja klar gewesen, dass sie schlechter deutsch als türkisch sprechen würde. Die arme Frau habe unnötige Reisekosten gehabt (die übrigens von der Rentenversicherung übernommen werden). Und habe sich außerdem quasi von mir und meinen Mitarbeitern diskriminiert gefühlt.

Ich finde nicht, dass ich mich der Patientin gegenüber diskriminierend verhalten habe, sondern ich habe die Entscheidung gegen die Behandlung und für die Patientin getroffen.

Aus Sicht der Beschwerdeführer müsste ich jetzt wohl jede Sprache lernen und dafür sorgen, dass jeder Patient, der der deutschen Sprache nicht mächtig ist, in unserer psychosomatischen Einrichtung versorgt werden kann. Weil es sich sonst um Ausgrenzung und Einschränkung der Wahlfreiheit handelt?
 

Bildquelle: annurca, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 13.11.2017.

92 Wertungen (4.85 ø)
9922 Aufrufe
#ichbinhier Die Äusserungen die hier gemacht werden sind echt ekelhaft. Wer mind. 6 Monate in die Rentenversicherung eingezahlt hat und Erwerbsminderungsgefährdet ist hat ein Anrecht auf eine Reha. Ob der Versicherte nun deutsch spricht oder Taubstumm ist spielt keine Rolle.
#34 vor 9 Tagen von esma arslan (Arzthelferin)
  220
Gast
Rentenbegehrten sind in der Regel eben grad nicht behandelbar-und zwar ganz unabhängig von der Sprache. Warum in der aktuellen Situation grad eine "türkisch sprechende Mitbügerin", die offenbar nicht einfach eine Türkin sein darft, so wie eine Deutsche, Engländerin oder was sonst noch alles, in das Rampenlicht gezerrt werden muss, ist allerdings fragwürdig. Wer dazukommt, muss sich anpassen...Muss? Mussten das auch die, die wir vor ein paar Jahrzehnten geholt hatten??
#33 vor 9 Tagen von Gast
  129
Ein Hoch auf den Kommentar #33. Ich finde diese Verdrossenheit auch entsetzlich. Das Problem, ist das ich (anderen) Situationen, denen ich wahrscheinlich genauso häufig ausgesetzt bin wie die Autorin dieser; mit einer ebenartigen Verdrossenheit (siehe vor allem kommentare) Begegne. Solche Situationen sind emotional sehr belastend, man geht gleich in eine Reflexhafte Abwehrhaltung über und hat im 20 Minuten Takt (oder welchem auch immer) meist nicht die Möglichkeit sie befriedigend zu klären. Dann kommen die Beschwerden, die Anschuldigungen, das Stresslevel steigt und am Ende bleibt nur Frust. Extrem unbefriedigend.
#32 vor 9 Tagen von Stephan Engelhardt (Tierarzt)
  2
Gast
Rentenbegehren-mit Depression und Somatisierungsstörungen! Klare Diagnose Bleiben Sie bei Ihrer Diagnose und Vorgehensweise medizinisch-menschlich total o.K. MFG Hermann-Josef Müller
#31 vor 9 Tagen von Gast
  1
Ohne Ressentiment ist das Zusammenleben nur möglich, wenn sich der "Hereinkommende" dem Kulturkreis anpasst und z.B. deutsch lernt. Es ist für die betreffenden ein Akt der Selbstbestimmung, dass die Sprache verstanden wird.
#30 vor 9 Tagen von Luis Caldonazzi (Gesundheits- und Krankenpfleger)
  2
Unfallchirurg
Klar, dass der Kollege absolut richtig gehandelt hatte und dass die nachgereichte Beschwerde unangebracht war. Allerdings: Als vorurteilsfrei können die Äußerungen einiger Kommentatoren hier nicht bezeichnet werden. Und populistisches Pauschalisieren ist noch weniger angebracht.
#29 vor 9 Tagen von Unfallchirurg (Gast)
  14
Eine gewisse „Verdrossenheit“ wird verspürbar ...
  0
Gast
Höchstwahrscheinlich hat die Therapeutin richtig gehandelt, doch der Ton macht die Musik. Gestiken, Mimiken, Seufzer etc. können nicht Deutschsprechende sehr gut analysieren. Lieber einmal mehr das Handeln überdenken, als einmal zu wenig. Ein bisschen mehr Empathie und sich mal kritisch begutachten kann nicht schaden. Vielleicht bezweckt diese gen. Organisation genau das. Ein Tipp: Wenn man keine Empathie hat, dann kann man diese eventuell hier entwickeln: http://www.kfi.nrw.de/Foerderprogramme/DOMiD/index.php Die Gastarbeiter haben funktionieren müssen und nicht sprechen. Auf der Arbeit sagten die deutschen Leiter: Du morgen arbeiten! Mein Vater lernte z.B. Spanisch, das hieß "mañana de trabajo". Für was anderes blieb keine Zeit. Jetzt ist auch er chronisch krank, aber noch schlimmer hat er ein geknicktes Herz, wenn er in die Praxis geht und er nach jahrelangem Schuften auf sein gebrochenes Deutsch herunter reduziert wird und das zu spüren bekommt.
#27 vor 9 Tagen von Gast
  106
Korrekt gehandelt. Der Dame weiß sicherlich das sie der Deutsche Sprache nicht beherrscht. Sollte aus ihrem Kommune eine Person mitbringen welche den Deutsche Sprache beherrscht. 40 Jahre in Deutschland und redet nur unverständlich Deutsch. Diese Leute sind doch wirklich eingebürgert. Aber wo ?? Unglaublich.
#26 vor 9 Tagen von ING Wiebe Van der Wal (Medizintechniker)
  2
Wenn diese "=rganisatio" wirklich was für die Landsleute tun möchte, dann soll sie Dolmetscher schicken oder Deutschkurse anbieten. Alternativ wäre der Dame eine Therapie im (sprachlichen) Heimatland zu empfehlen.
#25 vor 9 Tagen von Teresa Elaine Eigler (Rettungssanitäterin)
  3
Ich kann Sie voll und ganz verstehen, das einzige was gegen diese Vorwürfe schützt sind , ist keine freien Termine mehr zu haben.
#24 vor 9 Tagen von Dr. Roswitha Ripke (Ergotherapeutin)
  4
Lieber Her Kruse und sich ich habe in meiner beruflichen Laufbahn viele Deutsche behandelt, die unfreundlich, unverschämt und auch nicht der deutschen Sprache mächtig waren (ja Deutsche, die nicht ordentlich deutsch sprechen) trotzdem verurteile ich nicht pauschal und würde mich wenigstens von gebildeten Mitbürgern freuen, wenn dies nicht getan würde. Aber ich kann mir viel wünschen und nur noch mehr verurteilt werden
#23 vor 9 Tagen von Islim Kalali (Psychotherapeutin)
  102
Ja, ja, die Leute machen sich untereinander heiß, wo man in Deutschland überall was kriegen kann. Ich glaube, daß Migranten darüber besser Bescheid wissen als Einheimische. Aus meinem türkischen Bekanntenkreis weiß ich auch, daß mein (guter) Orthopäde ein schlechter Arzt ist, zu dem man nicht geht, weil er nicht krank schreibt....auf die türkische Patientencommunity muß er daher verzichten...
#22 vor 9 Tagen von Dipl. Ing. Bernd H.K. Hoffmann (Nichtmedizinische Berufe)
  8
Liebe Frau Kalali, ich habe in meiner 35jährigen Arbeitszeit schon manch eine Begegnung der beschriebenen Art gehabt. Die Patienten verstanden nur türkisch oder arabisch (typischerweise waren es Frauen) und waren nicht oder nur schwer zu behandeln, aber hinterher kamen die Beschwerden, ich sei ausländerfeindlich.
#21 vor 9 Tagen von Dr. med. dent. Gerd Kruse (Zahnarzt)
  1
ich habe selbst jahrelang in einer Suchtberatungsstelle gearbeitet und vorher bei schlecht deutsch sprechenden Patienten Kontakt mit der Klinik aufgenommen, ob diese einen entsprechend der Sprache sprechenden MitarbeiterIn hat und damit eine Aufnahme Sinn macht. Das erwarte ich auch von Reha-Vermittlern (egal ob Arzt oder Beratungsstelle), auch zum Wohle des Patienten. Eine Idee wäre noch eine Querverlegung gewesen, aber das ist eigentlich nicht Aufgabe der Rehaklinik!!
#20 vor 9 Tagen von Cornelius Voigt (Psychotherapeut)
  4
Nervenarzt
Keine deutsche Sprache - keine Reha, ganz einfach.
#19 vor 9 Tagen von Nervenarzt (Gast)
  26
...allein rein menschlich fühlt man sich verschaukelt...
#18 vor 9 Tagen von Andreas Fritzsch (Heilpraktiker)
  4
Was für eine unglaublich Frechheit! Wenn jemand in Deutschland in eine Reha geht muss er natürlich gut genug deutsch sprechen um therapierbar zu sein. Wenn jemand nach 40 Jahren in Deutschland kein Deutsch kann ...
#17 vor 9 Tagen von Dr. rer. nat. Andreas Köpke (Mitarbeiter Industrie)
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Ich habe auch einen Migrationshintergrund und ich finde, dass Sie auch völlig richtig gehandelt haben. Eine psychosomatische Reha ist nicht möglich ohne Sprachkenntnisse. Das wird und muss die Organisation verstehen und wenn nicht Haben Sie ja wohl auch Pech gehabt. Gleichzeitig sollte man aber wohl den Arzt, der den Antrag schrieb fragen warum er so undetailierte Anträge stellt und damit für alle unnötige Kosten und Mühe verschafft! Traurig macht es mich aber, dass hier so pauschal nun alle Migranten verurteilt werden, ausnutzen und sonst was unterstellt wird!!! Schade, dass Selbstbildnis akademischen, gebildeten Kollegenkreis noch so primitiv pauschal verurteilt wird
#16 vor 9 Tagen von Islim Kalali (Psychotherapeutin)
  69
Gast
mir fällt dazu nur ein: eine bodenlose Frechheit!
#15 vor 9 Tagen von Gast
  3
Gast
Und vielleicht ist es auch nur ein ganz großes Missverständnis gewesen, was bei dieser riesigen Sprachbarrieren nun wirklich nicht verwunderlich wäre.
#14 vor 9 Tagen von Gast
  48
Nach meinem Verständnis haben Sie völlig korrekt gehandelt. Wer 40 Jahre in Deutschland lebt, sollte die deutsche Sprache beherrschen. Wer das nicht kann, über die Gründe möchte ich nicht spekulieren, muß sich um einen Dolmetscher kümmern. Hätten Sie die Dame therapiert und es wäre durch das fehlende Verstehen zu einem Schaden für diese gekommen, dann hätte man ausschließlich Sie zur Verantwortung gezogen.
#13 vor 9 Tagen von Dipl. Jur. Birgit Brandt (Mitarbeiterin Industrie)
  3
Die bittere Wahrheit ist das bei allem engagement, der Patient im Rahmen seiner Möglichkeiten immer auch eine Bringschuld im Sinne einer aktiven Anteilnahme an der Therapie haben muß. (Oder der Patientenbesitzer in meinem Fall). Denn wir können nur behandeln, was der Patient auch behandelt haben möchte. Leider muß ich feststellen, das viele Menschen zunehmend unwillig und oder überfordert sind, sich im Rahmen einer Therapie mit eigenem Engagement einzubringen. Bei Vorhandensein einer solchen Sprachbarriere fehlt mir aber wirklich jedwediges Verständnis, warum auf die Problematik nicht Vor Beginn einer (nicht Notfall-) Massnahme eingegangen wurde, zumahl es ja weisgott ein häufig vorkommendes Problem ist.
#12 vor 9 Tagen von Stephan Engelhardt (Tierarzt)
  0
Gast (Arzt)
Sie haben völlig korrekt gehandelt. Wenn ein Fehler vorliegt, hat ihn der einweisende Kollege zu verantworten. Die Patientin und die „Organisation“ sollten Ihnen für die zielführende Empfehlung danken. Integrationswille sieht anders aus – und damit meine ich nicht nur die mangelnden Sprachkenntnisse der Mitbürgerin nach 40-jähriger Residenz in Deutschland. Ähnliche Erfahrungen mit „Organisationen“ in Gestalt lautstark auftretender und sich nicht abweisenlassender Familienverbände türkischer Patienten musste ich in den vergangenen Jahren schon öfter machen. Seither schauen meine Damen bei dieser Klientel sehr genau hin, ob Behandlungspflicht wirklich besteht.
#11 vor 9 Tagen von Gast (Arzt) (Gast)
  3
@7: Die Grenzen würden diese Organisationen vermutlich selber erkennen, wenn man sie zwingen würde, mal ihr Hirn einzuschalten, z. B. durch die Rückfrage, WAS denn bitte hätte anders laufen sollen. Aber Anprangern ist im Moment eben mehr in Mode als konstruktiv zu kritisieren.
#10 vor 9 Tagen von Christian Blöcker (Medizinisch-Technischer Assistent)
  3
Sie haben aus meiner Sicht völlig richtig gehandelt. Aber die Reaktion wundert mich überhaupt nicht. Wenn man nicht bekommt, was man will, aus welchen Gründen auch immer, kommt man mit der "Ausländerhaß"- oder eben Diskriminierungskeule. Solche Patienten habe ich leider auch kennen lernen müssen in meiner Praxis.
#9 vor 9 Tagen von Dr. med. Sigrid Schlößer (Ärztin)
  1
Es ist unglaublich was wir uns alles bieten lassen müssen! Den folgenden Satz können leider fast alle ausländischen Mitbürgerinnen: Machst Du Kaiserschnitt!!
#8 vor 9 Tagen von Dr Eveline Wolf (Ärztin)
  9
Mir scheint auch, dass diesen "Organisationen" ihre Grenzen aufgezeigt werden dürfen.
#7 vor 9 Tagen von Philipp Kubens (Arzt)
  0
Gast
Sie könne ja zurückschreiben, dass Sie und das gesamte Team sich durch die Unterstellung im innersten Ihres Seins getroffen und beleidigt fühlen.......
#6 vor 9 Tagen von Gast
  3
Das ist ja ein starkes Stück von diesen Organisationen, Sie dafür beschuldigen, aktiv zu diskriminieren. Die türkisch klingenden Namen wurden ja anscheinend auch nicht übersetzt. Klingt nicht sehr schön, diese Tendenz, Rechte, die nicht bestehen, einzuklagen. Das vergiftet auch das Klima zwischen Bürgern in diesem Land.
#5 vor 9 Tagen von Philipp Kubens (Arzt)
  1
Gast
Medizinisch, ethisch und logisch völlig schlüssig, korrekt und richtig gehandelt-der "Beschwerdebrief" ist Unsinn. Haben Sie sich mit den Verfassern auseinandersetzt, aka ein klärendes Gespräch geführt? :-)
#4 vor 9 Tagen von Gast
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Political correctness hat wirklich Grenzen.....
#3 vor 9 Tagen von Dr. med JUlie Klippgen (Ärztin)
  2
Gast
Tja, seit 40 Jahren in Deutschland und nicht in der Lage, wenigstens einfache Sätze zu verstehen. Wenn man das liest, kommt einem schon der unschöne Gedanke, dass die Dame einfach nur weiterhin krank geschrieben werden möchte. Ansonsten würde auch sie etwas dazu beitragen, um verstanden und die Schmerzen los zu werden.
#2 vor 9 Tagen von Gast
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Meines Erachtens völlig korrekt gehandelt.
#1 vor 9 Tagen von Dr. med. Eugen Rommel (Arzt)
  1
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