Atemnot "über das Gehirn" behandeln - wie Pneumologische Rehabilitation die "priors" herausfordert

10.11.2017
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Pneumologische Rehabilitation (PR) zeigt deutliche Effekte auf die Atemnot bei COPD-Patienten. Etwa 60% von ihnen erleben Verbesserungen. Warum funktioniert es für die restlichen Patienten nicht? Worin unterscheiden sich die Patientengruppen? Gibt es Hinweise auf den Nutzen von gezielten Therapiestrategien für einzelne Subgruppen?

 

Diesen Fragen gehen Herigstad M et al. in einer aktuellen Studie auf den Grund.

 

Hintergrund

Sensorische Informationen (z. B. Atemnot) werden vom Gehirn registriert und moduliert. Die Sinneswahrnehmung ist davon beeinflußt, was das Gehirn als nächstes erwartet und warum.

Frühere Erfahrungen (priors) erzeugen Erwartungen im Gehirn, die durch die jeweiligen sensorischen Informationen ein Update erfahren.

Bei COPD kann eine Verknüpfung von Atemnot-Schlüsselreizen (Treppe, Steigung, Emotion) mit subjektiver Atemnot und Atemnot-Angst erlernt werden. Besonders häufig ist ein "prior" zwischen Atemnot und körperlicher Aktivität. Dieser "prior" kann die Atemnot-Wahrnehmung bei COPD dominieren, die außerdem durch Angst und Aufmerksamkeits-Bias verstärkt wird.

Die PR fordert "priors" heraus, indem sie COPD-Patienten in einem sicheren Behandlungs-Setting mit ihrer Atemnot konfrontiert.

 

Forschungshypothese

Auf der Grundlage der o. a. Annahmen erwarten die Autoren folgende Ergebnisse:

- Patienten mit unterschiedlichen "priors" zeigen unterschiedliches PR-Outcome.

- Patienten zeigen nach PR eine veränderte Antwort auf Atemnot-Schlüsselreize.

 

Methoden

31 COPD-Patienten vor und nach 6 Wochen ambulanter PR (leider nur Behandlungsgruppe, keine Kontrollgruppe!)

- u. a. Dyspnoea-12 (D-12) als Haupttest für Atemnot

- Lungenfunktion

- körperlicher Belastungstest

- fMRT (Aufzeichnung während Betrachtung und Einschätzung von Atemnot-        bezogenen Schlüsselreizen mit Frage für Angst und für Atemnot)

 

Ergebnisse

Die Ergebnisse lassen sich im Hinblick auf Verhalten, Gehirnaktivität und Outcome-Prädiktoren unterteilen.

- Verhalten

Sensorischer Anteil der Atemnot (z. B. Intensität) und affektiver Anteil der Atemnot (z. B. Unangenehmheit, Angst) sind unterschiedliche Dimensionen dieses Symptoms. Die Gesamterfahrung von Atemnot basiert auf der Integration beider Dimensionen.

Das bestätigt frühere Ergebnisse, die stärkere Behandlungseffekte auf "priors" von COPD-Patienten für die affektive Komponente als für die sensorische Komponente der Dyspnoe ergaben.

- Gehirnaktivität

Der Zusammenhang zwischen Veränderungen der Gehirnaktivität und der Einschätzung der Schlüsselreize im Verlauf der PR wurde für alle Patienten untersucht.

- Outcome-Prädiktoren

Die Prüfung, ob die Hirnaktivität vor PR den Benefit durch PR vorhersagen kann, bestätigte die Ergebnisse einer früheren Studie:

 

Diskussion

PR wirkt möglicherweise zweifach:

 

Fazit für die Praxis

 

 

 

Artikel letztmalig aktualisiert am 10.11.2017.

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