Die Hoden auf dem Samtkissen

09.11.2017

Schaufenster sind ja selten wirklich innovativ eingerichtet. Eine englische Apothekerin hat sich mal was getraut: In ihrem Schaufenster thront ein Hoden-Modell auf einem roten Samtkissen. So einen Schocker im öffentlichen Raum verkraftet nicht jeder.

Immer wieder spreche ich ja das Thema der langweiligen Apothekenschaufenster an – eine englische Apothekerin hat diesbezüglich einen richtigen Hingucker kreiert. So außergewöhnlich war die Idee, dass nun sogar eher apothekenferne Medien darüber berichten: Auf einem roten Samtkissen hat sie einen Plastikhoden in ihrem Schaufenster präsentiert, verbunden mit der Frage an die Männer, wie gut sie mit ihren „Kronjuwelen“ umgehen. Es war nur eine Frage der Zeit, wie lange es dauern würde, bis sich darüber aufgeregt wird. Die Nachbarn beschwerten sich sehr schnell, sie machten sich Sorgen wegen der Kinder die daran vorbei laufen.

Erregung öffentlicher Aufmerksamkeit

So mancher fand das Ganze wohl auch einfach zu makaber oder zu intim für eine Schaufenstergestaltung. Ich finde die Idee prima! Ganz ehrlich – über das Thema Krebs und Selbstuntersuchung wird bei Frauen immer mal wieder gesprochen. Es gibt viele Broschüren und Anleitungen, wie man z.B. nach Knoten in der Brust tastet, und die meisten jungen Frauen werden ja auch regelmäßig bei einem Frauenarzt vorstellig. Junge Männer hingegen sieht man leider eher selten zu Vorsorgeuntersuchungen beim Urologen gehen. Genau diese Zielgruppe erreicht man aber durch eine solch freche Schaufensterwerbung.

Der Hoden auf dem Samtkissen ist ein Hingucker, ob man will oder nicht. Man lacht darüber, amüsiert sich. Und zuhause denkt vielleicht der eine oder andere Mann beim Duschen noch einmal daran. Und vielleicht tastet er dann auch einmal seine „Kronjuwelen“ ab. Wir wollen alle hoffen, dass er nichts findet, aber was wenn doch?

Check your balls!

Das richtige Vorgehen bei der Selbstuntersuchung beschreibt die Deutsche Krebsgesellschaft wie folgt: Jeder Mann sollte es sich zudem zur Routine machen, beide Hoden in regelmäßigen Abständen auf Veränderungen abzutasten, am besten in entspannter Stellung unter der Dusche oder in der Badewanne: Halten Sie den Hodensack mit beiden Handflächen. So können Sie Daumen und Finger beider Hände für das Abtasten der Hoden benutzen. Tasten Sie jetzt jeden Hoden einzeln ab. Auf der Rückseite hinten spüren Sie das weiche Gewebe der Nebenhoden. Sie speichern und transportieren die Samenflüssigkeit. Untersuchen Sie jeden Hoden auf Schwellungen, leichte Vergrößerung oder Änderung der Festigkeit. Wenn Sie etwas Ungewöhnliches feststellen, suchen Sie sofort Ihren Arzt auf.

Frühzeitig erkannt ist Hodenkrebs gut heilbar, daher ist ein solcher „Tabubruch“, wie ihn die Apothekerin Lynda Kelley in England beging, gerechtfertigt. Er könnte Leben retten.

Bildquelle: Dennis Hill, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 13.11.2017.

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Gast
Die christliche Spießergesellschaft als Schreckgespenst im Säkularismus - ein ziemlich unausgegorenes Argument, aber egal, Hauptsache Religionsbashing, nicht wahr? Nun gut, interessanter ist es doch, ob eine Tumorvorsorge tatsächlich etwas bringt, und da habe ich (bis auf die verlinkt DKG-Empfehlung) schlicht nix in den unendlichen Weiten des Netzes gefunden (vielleicht bin ich aber auch nur noch nicht in den Gammaquadranten vorgedrungen). Eine S3-Leitlinie wird voraussichtlich erst Ende 2018 zur Verfügung stehen. Also: So verdienstvoll die Tätigkeit der DKG ist, so dünn scheint hier die Datenlage zu sein, weshalb eine solche Vorsorgeuntersuchung auch nicht von der GKV getragen wird.
#7 am 21.11.2017 von Gast
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Die Sorge um vorbeilaufende Kinder ist meiner Ansicht nach unbegründet. Kinder gehen in der Regel ziemlich unverkrampft mit solchen Dingen um. Als ich vor längerer Zeit mit unserer Tochter (damals 9) Gunter von Hagens "Körperwelten" besuchte, war ihr abschließender Kommentar: "Zu viele Hoden."
#6 am 16.11.2017 von Apotheker Claus G. Reich (Selbstst. Apotheker)
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Gast
Willkommen in der verklemmten christlichen Spießergesellschaft! Sex und Erotik sind pfui, außer zu Fortpflanzungszwecken!
#5 am 15.11.2017 von Gast
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Gast
Wie Europäer sind doch echt lustig. Die indischen Tempelanlagen strotzen seit Jahrhundertern mit erotischen Darstellungen und wir leben noch Jahrhunderte später recht prüde und verklemmt.
#4 am 15.11.2017 von Gast
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Gast
Meiner Meinung nach wird sowieso immer noch ein Viel zu großes Brimborium um die Geschlechtsorgane, männlich wie weiblich, gemacht. Beispiel: Letzten Abends lief eine Reportage auf RTL 2, wo zwei Moderatoren nackt irgendwelche obskuren Dinge taten, wie Yoga oder Kegeln. Bei der Frau konnte man alles sehen, während der Kameramann peinlich bemüht war, jeden Zipfel Penis oder Hoden zu verbergen. Warum ist das immer noch so?
#3 am 15.11.2017 von Gast
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Gast
Ich finde die Idee klasse! So kann Mann sich informieren bzw. im Stillen daheim mit dem Thema auseinandersetzen und so mancher wird erst durch sowas darauf aufmerksam. Wenn diese Aktion auch nur 1 Leben rettet, hat es sich schon gelohnt!
#2 am 15.11.2017 von Gast
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Gast
Außerdem sind es nur Hoden...über nackte Brüste im Fernsehen regt sich heute auch keiner mehr auf. Aber immer die Kinder vorschieben ;)
#1 am 14.11.2017 von Gast
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