Kurioses Koma

09.11.2017

Die Behandlung eines komatösen 29-jährigen Patienten gestaltet sich als besonders schwierig: Sein Blutdruck lässt sich trotz Katecholamin-Gabe nicht stabiliseren. Die Ärzte müssen schnell handeln. Doch was hat seinen Zustand ausgelöst?

Der Rettungsdienst bringt einen komatösen 29-jährigen Mann in die Notaufnahme. Der Patient sei in diesem Zustand aufgefunden worden, die Vorgeschichte unklar. Er zeigt deutliche Symptome eines Schocks: Seine Herzfrequenz ist mit 135 Schlägen pro Minute stark erhöht und der Blutdruck schwach (57/29 mmHg). Die Körpertemperatur ist auf 35,6 °C abgesunken. Der Rettungsdienst bringt an Vorerkrankungen eine Schizophrenie in Erfahrung.

Blutdruckabfall trotz Katecholamin

Die medikamentöse Stabilisierung des Blutdrucks gestaltet sich schwierig. Die Ärzte erhöhen daher kontinuierlich die Katecholamin-Dosierungen, bis der Patient über Perfusoren erhebliche Mengen Dopamin, Noradrenalin und Dobutamin erhält. Trotzdem bleibt die gewünschte Wirkung aus – im Gegenteil folgt ein erneuter Blutdruckabfall. Die Ärzte veranlassen ein CT, Laboruntersuchungen und eine Sonografie. Doch auch diese geben keinerlei Hinweise auf eine mögliche Ursache für den Zustand des Patienten. Eine Wendung erzielt knapp drei Stunden nach Einlieferung letztlich die Gabe von Vasopressin: der Blutdruck steigt und der Zustand stabilisiert sich.

Was war hier passiert?

Die Lösung erfahren die Ärzte einige Tage später, als der Patient befragt werden kann. In suizidaler Absicht hatte er eine große Menge seines Neuroleptikums Risperidon eingenommen. Das Medikament bewirkt einerseits die Bewusstseinstrübung und Hypotonie. Andererseits ist es aufgrund seiner Rezeptoraffinitäten zudem für die paradoxe Wirkung der Katecholamine verantwortlich. Das Medikament blockiert die Rezeptoren für Adrenalin und Noradrenalin, weswegen der Blutdruck des Patienten unter Katecholamin-Gabe weiter abfiel. In ihrem Report empfehlen die Ärzte in so einem Fall auf Vasopressin zurückzugreifen, da es aufgrund eines anderen Wirkmechanismus auch bei einer Rezeptorblockade eine effiziente Blutdrucksteigerung erzielt.

 

Quelle:

Unexpected hypotension in catecholamine reversal: a case report.
Yohei Okada et al., Journal of Medical Case Reports, doi: 10.1186/s13256-017-1442-9; 2017

Artikel von Maren Böcker

 

Bildquelle: Ralf Wimmer / flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 11.01.2018.

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