Hoch lebe das Norovirus… äh moment… doch nicht.

05.11.2017
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Es wird Winter. Hoch lebe der Norovirus, so vermutlich die aktuelle Parole der Noroviren. In dieser, öh, nennen wir es Blütezeit des Norovirus tragen sich nun gehäuft Begebenheiten wie die folgenden in der ein oder anderen Variation zu.

Patient Borgmüller, ein rüstiger Rentner, traf auf einen seiner vielen Unternehmungen auf so einen Norovirus und lag nun denn mit Magendarmgrippe darnieder. Durch einen dummen Zufall bekam dies nun das Kind Borgmüller mit und riet, in diesem Fall doch den Hausarzt zur Rate zu ziehen. Der Hausarzt war jedoch schon im Feierabend. Der ärztliche Notdienst sollte jetzt her. Der ärztliche Notdienst, unsicher, was er mit diesem ihm unbekannten Patienten nun anfangen sollte, verwies Herrn Borgmüller zur Sicherheit an das lokale Krankenhaus. Das habe Erfahrung mit dem Norovirus.

Gerade hätte man dort genau deswegen eigens ein Isolierzimmer eingerichtet, öh, und außerdem zwei weitere Station wegen erkranktem Personal ganz geschlossen.

Herr Borgmüller wurde freundlich durch die Notaufnahme geschleust, bekam eine Infusion und ein bewährtes Mittel gegen Übelkeit. „So“, sagte ich dann, „jetzt haben wir alle Befunde beisammen, da besprechen wir das gerade. Wie geht es Ihnen jetzt?“

„Ja, supergut“, sagte Herr Borgmüller, „und ich möchte wirklich gerne wieder heimgehen.“

„Ah, gut, das wollte ich hier auch vorschlagen. Ihre Blutwerte sind gut, unsere Restuntersuchungen auch. Sie sollten sich halt ein paar Tage schonen, im Bett rumliegen, Tee trinken und so.“

„Jaja“, sagte Herr Borgmüller, dies sei nicht der erste Magendarminfekt den er gehabt hätte und ließ sich von einem Freund heimfahren.

Es folgte nun der Anruf von Kind Borgmüller: „Aber warum haben Sie meinen Vater wieder heimgeschickt?!“

„Öh, nun ja, wir nehmen Patienten mit infektiöser Magen-Darm-Grippe nur auf, wenn unbedingt nötig. Wir haben im Augenblick keine Isolierzimmer mehr und um ein Einzel-Isolier-Zimmer für ihren Vater zu bekommen, müsste ich andere nicht infektiöse, aber trotzdem kranke Patienten aus dem Zimmer in den Flur legen. Das machen wir wirklich nur, wenn unbedingt nötig. Ihr Vater war bei uns die ganze Zeit kreislaufstabil …“

„Halt! Woher wollen Sie das denn wissen?“

„Wir sind eine Notaufnahme. Wir messen regelmäßig die Vitalparameter der Patienten.“

„Aber mein Vater ist krank!“

„Ja, durchaus. Diesen Infekt kann er aber gut zuhause auskurieren. Seine Symptome, wie er sie beschreibt und wie wir sie in der Aufnahme beobachtet haben, sind nicht so schlimm, dass er hier bleiben muss.“

„Hmpf, also ich sage Ihnen, in der Uniklinik 10.000 km entfernt von Beteigeuze, da wäre das anders gelaufen! Da hätte man meinen Vater aufgenommen!“

„Hmhm, ok. Wir haben das anders entschieden.“

Das Kind Borgmüller legte unzufrieden auf. Herr Borgmüller überstand wohl alles gut.

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Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 08.11.2017.

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Medizin, Innere Medizin
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Gast
#15 Das traurige ist ja, das gerade an der Anamnese und der körperlichen Untersuchung gespart wird, wenn #7 diese aber nicht auslässt oder stark abkürzt, sondern gewissenhaft durchführt, reicht das alleine ja meistens schon um einen Blinddarm vom Norovirus zu unterscheiden. Man ist nur leider länger als 5 Minuten mit dem Patienten beschäftigt, ein kassenärztlicher Notdienst kann sich das leisten, eine Notaufnahme leider nicht.
#17 vor 10 Tagen von Gast
  0
Gast
Mein Lieblings-Noro-Patient ist immer jung, munter, mit den Händen in den Hosentaschen und spaziert neben dem Rettungsassistenten (von ihm selbst gerufen) in die Notaufnahme rein.
#16 vor 11 Tagen von Gast
  1
Gast
Frau Wegener aus #7 hätte den Blinddarm aus #11 wohl auch wieder weggeschickt. Da lobe ich mir Ärzte, die auch mal Schlimmeres/ Anderes ausschliessen und nicht sagen: Solange der Patient laufen kann, kann er auch nach hause gehen.
#15 vor 12 Tagen von Gast
  2
Gast
Unser Kinderarzt verteilt Blätter, auf denen vermerkt ist, was bei Durchfall und Erbrechen zu tun ist. Wohl ein kleiner Wink mit dem Zaunpfahl, wegen der Ansteckungsgefahr nicht sofort den Kinderarzt aufzusuchen. Der Grund, warum wir doch immer wieder dort aufschlugen, waren Krankenkasse und Arbeitgeber...
#14 vor 12 Tagen von Gast
  1
Gast
Meinen 17jährigen Sohn habe ich nach starken Brechdurchfällen und Zusammenbruch in die Notfallaufnahme gebracht. Die diensthabende Assistenzärztin wollte ihn gleich wieder nach Hause schicken. Erst der hinzugerufene Oberarzt - da Privatpatient - hat die sofortige Aufnahme ins Isolierzimmer mit Transfusionen angeordnet. Nach einer Woche - der Junge war längst wieder daheim - kam ein Brief vom Gesundheitsamt mit 3 Anlagen und der Aufforderung, sich mit ihnen in Verbindung zu setzen und Erbrochenes nur geschützt mit Einweghandschuhen wegzuputzen.
#13 vor 12 Tagen von Gast
  6
Hamburger Deern
Eine Frage: Seit wann gibt es den Norovirus in Deutschland. Aus meiner Kindheit in den 70ern und 80ern erinnere ich den nicht.
#12 vor 12 Tagen von Hamburger Deern (Gast)
  3
Nun ja. Meine 20jährige Nichte wurde Samstag Nacht mit der Diagnose "Norovirus" in der Notaufnahme wieder nachhausegeschickt, OHNE Infusion oder etwas gegen die Übelkeit. Man sagte uns klar, dass man junge Menschen nicht dabehält, weil deren Körper das ohne große Schwierigkeiten übersteht. Und das obwohl es der jungen Frau elend schlecht ging und sie große Schmerzen hatte. Kein Wunder - es war nicht Noro, sondern der Blinddarm und eine beginnende Bauchfellentzündung. Hat am Montag Morgen mein Hausarzt festgestellt.
#11 vor 12 Tagen von Remedias Cortes (Nichtmedizinische Berufe)
  3
Wieder eine herrliche Erzählung mit tollen Zeichnungen, so zum Feierabend richtig erfrischend. - Als der Norovirus in Deutschland der Allgemeinbevölkerung langsam ein Begriff wurde, wollten etliche Magendarmkranke im winterlichen KV-Dienst unbedingt eine Norovirus-Infektion haben. So kam ich spätabends zu einer Patientin, die eigentlich ganz munter und quietschfidel auf dem Sofa lag und per Telefon (Twitter war noch nicht verbreitet) ihrem Freundeskreis verkündete, sie habe einen Norovirus. Untersuchungsbefund völlig blande, kein Fieber, keine Bauchschmerzen, lediglich einmalig leicht breiiger Stuhl. Die Patientin war letztendlich richtig enttäuscht, dass sich keine Bestätigung für einen Norovirus ergab.
#10 vor 12 Tagen von Alfred Geißler (Arzt)
  2
Was ich da so lese, geht in die Richtung, daß ca. 50% der meisten Krankheiten von sowieso von selbst wieder weggehen, und man deswegen (besser) keinen Arzt aufsucht, weil das Risiko einer Fehldiagnose/-behandlung besteht... Andererseits finde ich es gut, daß Kollege 3 das volle Programm durchzieht.
#9 vor 12 Tagen von Dipl. Ing. Bernd H.K. Hoffmann (Nichtmedizinische Berufe)
  1
Ob man eine Infusion gibt oder nicht, kann man als Außenstehender, der den Patienten nicht sah, kaum beurteilen. Jedenfalls hat sie lt. Schilderung geholfen und unter uns, sie kostet fast nichts außer Arbeit. Warum soll eine Blutentnahme bei einem völlig Unbekannten schlecht bzw. unnötig sein? Wieso fordert man von der Notaufnahme eigentlich mehr als Notwendiges ein. Ich halte die Haltung der dortigen Kollegen für sachlich kompetent.
#8 vor 12 Tagen von Dr. Peter Siemer (Arzt)
  0
Wer nicht exsikkiert ist und noch trinken kann, braucht keine infusion. Und wir Hausärzte werfen keineswegs bei jeder Magen-Darm-Grippe sämtliche Instrumente an. Anamnese und einfache körperliche Untersuchung reichen fast immer für die Diagnose aus. Diese Überdiagnostik in den Ambulanzen führt auch zu deren Überlastung. Einfach mal die Kirche im Dorf lassen, MCP und Vomex verschreiben oder Iberogast und die Leute nach Hause schicken. Auch in der hausärztlichen Notfallpraxis wird das so gehandhabt. Man muß nicht auf alle Forderungen von Patienten eingehen. Wer keine Infusion braucht, kriegt keine. Punkt. Blutabnahmen sind überflüssig. Das hat mit "Ungeduld" oder mangelnder Empathie nichts zu tun, das ist ein ganz normales s"Grenzen setzen" für Bagatellerkrankungen.
#7 vor 12 Tagen von Dr. med. Angelica Wegener (Ärztin)
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Gast 1
Gast 3: Es zeugt von sehr hoher sozialer Kompetenz, dass Sie das so betrachten und hinnehmen können. Und nochmal: Hut ab. Das kann sicherlich nicht jeder. Ich wünsche Ihnen, dass Sie bis zur Rente diese Kraft und Geduld aufbringen.
#6 vor 14 Tagen von Gast 1 (Gast)
  1
Gast 3
Gast1: Ach, die Realität lehrt uns Demut und Gleichmut. Gleichmut um unnötige Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen hinzunehmen und höflich abzuarbeiten. Demut und ein offenes Ohr für die wirklich Kranken. Hinter der Aussage „Pat. mit Verdacht auf Noro“ verbargen sich auch schon tragische Fälle schwerer Erkrankung: Herzinfarkt > Erbrechen und Übelkeit; Mesenterialinfarkt > Übelkeit, Bauchschmerz und blutiger Durchfall; Milzruptur > Bauchschmerzen und Durchfall. Deshalb wird JEDER „Noro“ von mir auch gründlich untersucht mit Labor, Sono, DRU,... um so ärgerlicher dann wenn es wirklich nur Noro ist aber sicher ist sicher.
#5 vor 14 Tagen von Gast 3 (Gast)
  0
Gast
@ Gast # 3: Danke für den Einblick. Hut ab, wenn Sie das ohne Magengeschwür durchstehen. Ich (Gast 1, nichtmedizinischer Beruf) würde wohl je nach Tagesform hysterisch lachen oder spätestens den Vierten, der mit so einem unverschämten Mist ankommt, derart zusammenbrüllen, dass ich danach dann einen neuen Job bräuchte. Irgendwas mit Steinen oder so...
#4 vor 14 Tagen von Gast
  2
Gast
@Gast1: Volle Zustimmung. Warum die jungen und alten kreislaufstabilen Leute trotzdem in die Notaufnahme kommen? Nun da erhält man unterschiedliche und manchmal wirklich aufschlussreiche Antworten...“das geht so nicht mit der daheim... die steckt uns doch alle an“, „soll etwa ICH den ganzen Tag hinter ihm herputzen???“ und der Klassiker „ich will aber nicht trinken, ich will lieber eine Infusion, mir ist so übel“ und was, wenn ich Ihnen ein Medikament gegen die Übelkeit gebe? „Ach, jetzt bin ich extra hergekommen, jetzt will ich auch meine Infusion...“ dann muss ich sie noch für eine Weile dabehalten „...kann man das nicht schneller reinlaufen lassen, ich hab jetzt schon so lange gewartet“
#3 vor 14 Tagen von Gast
  2
Gast
Wann gibt es eigentlich die Zeichnungen als Buch?
#2 vor 15 Tagen von Gast
  4
Gast
Ok, der Patient im Beitrag brauchte scheinbar eine Infusion. Es wird mir aber für immer ein Rätsel bleiben, warum daneben auch erwachsene Menschen, die noch ausreichend Flüssigkeit bei sich behalten können, auf die Idee kommen, mit einem Magen- Darm- Infekt eine Notaufnahme oder auch nur den ärztlichen Notdienst aufzusuchen. Mit akutem Brechdurchfall ist doch der heimische Badvorlegeŕ unbestreitbar der komfortabelste und sicherste Aufenthaltsort. Ich fände Brechdurchfall in fremden und schlimmstenfalls durch andere Patienten blockierten Toiletten doch eher unattraktiv.
#1 vor 15 Tagen von Gast
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