Medikalisierung und Pathologisierung im Alltag

28.05.2013
Teilen

Eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) ergab für gesetzlich Krankenversicherte der GKV durchschnittlich eine tägliche Einnahme von 1,5 Medikamenten. Dies ist aber e n t g e g e n  der öffentlichen Meinungist keineswegs so dramatisch, wie es den Anschein haben könnte: Die extrem verbreitete "low-dose"-Prophylaxe mit ASS 50-100 mg täglich, ein Antihypertensivum für die 50 Prozent der Gesamtbevölkerung jenseits des 50. Lebensjahres, die unter Hypertonie und hypertensiver Herzkrankheit leiden, bzw. die Senkung hohen Cholesterins mit CSE-Hemmern ergeben schon drei Medikamenteneinnahmen pro Tag. 

Dieses für hochentwickelte postindustrielle Länder typische Bild wird noch ergänzt durch z u s ä t z l i c h e medikamentöse Maßnahmen als Folge von Distress, Bewegungsmangel, Überernährung, metabolischem Syndrom und Diabetes mellitus. Von Systemerkrankungen wie Neoplasien, Rheuma, multipler Sklerose (MS), chronisch-entzündlichen Darmkrankheiten (CED), Epilepsie, M. Parkinson, M. Alzheimer, Kollagenosen usw. ganz zu schweigen.  Viel interessanter als das ambulante medikamentöse "Grundrauschen" wäre allerdings eine WIdO-Studie zur Anzahl der täglich verabreichten Medikamente im s t a t i o n ä r e n Bereich. Tägliche Medikamentengaben von weniger als 10 verschiedenen Präparaten sind in den Krankenhäusern eher exotische Ausnahmefälle. Medikalisierung und Pathologisierung im Alltag schreiten voran.

Artikel letztmalig aktualisiert am 20.06.2013.

3 Wertungen (5 ø)
618 Aufrufe
Die maximale Zeichenanzahl für einen Kommentar beträgt 1000 Zeichen.
Die maximale Zeichenanzahl für ein Pseudonym beträgt 30 Zeichen.
Bitte füllen Sie das Kommentarfeld aus.
Bitte einen gültigen Kommentar eingeben!
Hier klicken und Medizin-Blogger werden!
Die Felix-Burda-Stiftung zeichnet seit 2001 für die Kommunikation der mehr...
Das Londoner Parlament genehmigte die künstliche Erzeugung von Babys mit drei Elternteilen bereits 2015. Jetzt gab mehr...
Sucht-Arbeitsgruppe der Bundesärztekammer? Aber wenn schon der Chef der "Sucht-Arbeitsgruppe der mehr...

Disclaimer

PR-Blogs innerhalb von DocCheck sind gesponsorte Blogs, die von kommerziellen Anbietern zusätzlich zu den regulären Userblogs bei DocCheck eingestellt werden. Sie können werbliche Aussagen enthalten. DocCheck ist nicht verantwortlich für diese Inhalte.

Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: