Männergrippe: Selten so schlecht gelacht

30.10.2017

Wer jetzt einen launigen Artikel über nahezu sterbende Männer bei einer simplen Erkältung erwartet, den muss ich leider enttäuschen. Welcher Apotheker hat Freude daran, Kunden mit sexistischen Flachwitz-Prospekten zu versorgen? Nennt mich spaßbefreit. Ich mach da nicht mit.

Ich teile einfach diesen Sinn für Humor nicht und finde ihn in einer Apotheke schlicht unangebacht. Klosterfrau findet das offenbar nicht. Seit gut zwei Jahren werden wir andauernd mit diversen Materialien zugeschüttet, die wir nach einem müden Lächeln in den Papierkorb werfen. Schade um den ganzen Aufwand!

Aus einem Running Gag wurde eine Kampagne (samt Webauftritt und Logo), die vielen inzwischen gehörig auf den Geist geht. Letztes Jahr gab es passende Postkarten mit entsprechenden Sprüchen sowie Schlüsselanhänger aus Filz. Dieses Jahr wurde der ganz große Wurf geplant. Wir bekamen eine Weihnachtsdeko samt Pappbaum und allem Pipapo, weitere Karten mit „Witzen“ zum Thema sowie Broschüren über die Männergrippe, die schon deutlich jenseits des guten Geschmacks liegen. Unter anderem eine „Lebensanzeige“ eines Überlebenden der Männergrippe.

 

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Wahrscheinlich bin ich irgendwie spaßbefreit, denn es scheint ja offenbar vielen Leuten zu gefallen. Besonders Frauen, die sich gegenseitig triumphierend auf die Schultern klopfen und bei Sprüchen wie diesen wissend mit den Augen rollen:

 

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Was soll das? Ist das auch nur einen Deut besser als sexistische Witzchen, die Frauen beleidigen? Geht die nächste Firmenkampagne jetzt in die andere Richtung und verteilt Mario Barth Zitate, um sich über Frauen lustig zu machen?

Für mich hat diese so wahnsinnig erfolgreiche Werbeaktion nichts mehr mit der Apotheke zu tun. Soll Klosterfrau seinen/ihren Frust doch bitte woanders in die Welt hinein tragen. By the way: Würdet ihr als Mann nach dem Durchlesen dieser Broschüre von der ensprechenden Firma etwas kaufen wollen?

Ganz ehrlich – wem soll ich denn so ein Witzblatt mitgeben? Dem Mann der gerade mit dröhnenden Kopfschmerzen, einem Hals wie ein Reibeisen und zugeschwollenen Atemwegen vor mir steht? Lacht der dann plötzlich schallend darüber oder fühlt er sich von mir (Verzeihung) verarscht?

Es gibt heutzutage zum Glück genügend Männer, die ihren Teil im Haushalt und bei der Kindererziehung beitragen. Genau diese treffe ich doch, wenn ich mich pauschal über ein Geschlecht mokiere und amüsiere.

Drehen wir den Spieß doch einmal um. Wie groß wäre der Aufschrei, wenn Bayer ihr Aspirin mit folgendem Flachwitz bewerben würde:

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Oder sollen wir mal die ganze Kiste mit den Menstruations- und Wechseljahreswitzen auspacken, wenn wir schon dabei sind? Da hätten wir bei entsprechenden Werbekampagnen bestimmt auch bald die 500 000 Likes in 2 Jahren beisammen. Nur… wollen wir das wirklich? Ist das das Niveau, auf das sich die Apotheken begeben sollten?

Ich habe (wie auch der Rest des Teams) jedenfalls keine Lust darauf, bei derart flachen und billigen Witzen, die auf Kosten unserer kranken (!) Patienten gehen, mitzumachen und die gesamte gelieferte Dekoration landete direkt im Müll. Ich hoffe, dass die meisten Apotheken so verfahren.

Bildquelle: troita_<, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 07.11.2017.

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Gast
Ich muss sagen, ich mag die Witze? Weil sie ja irgendwo zutreffen? Und der Spruch von wegen dass Frauengrippe wie Männergrippe ist nur dass man halt trotzdem Verpflichtungen nach zu gehen hat ist halt ein Kommentar auf den Doppelstandard der herrscht? Ich meine, ich sehe ein dass einige Sachen zu weit gehen. Aber über Frauen und ihre Menstruation, Stimmungsschwankungen und andere sachen (wer erinnert sich an "save the boobs?") wird so oft Witze gemacht, ein wenig Stichelei kann der Mann schon vertragen. Zumal ich mir schlimmeres vorstellen kann als Witzchen über Männergrippe. (Und ratet mal wer am häufigsten mit viralen Erkältungen in eine Notaufnahme spaziert? Tipp: es sind nicht die berufstätigen Mütter.)
#10 am 24.11.2017 von Gast
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Die Postkarten vom letzten Jahr fand ich zum Teil auch ganz gut - aber was danach noch so kam, war meiner Meinung nach wenig originell. Ich störe mich an der Aktion viel mehr, weil a) die gleiche Aktion mit Frauenproblemen zu einem medialen Aufschrei führen würde und bei der Klosterfrau AG vermutlich Posten neu besetzt werden müssten. b) sich meine Erfahrungen davon deutlich unterscheiden.
#9 am 09.11.2017 von Christian Becker (Apotheker)
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Gast
Also ich finde die hier als Beispiel genannten Witze alle gut - die Männerfeindlichen wie die Frauenfeindlichen. Ob die Apotheke der richtige Ort dafür ist, darüber kann man wohl streiten. Grundsätzlich herrscht aber viel zu viel mimimi-Kultur - besonders von Feministenseite. Als wäre es nicht sexistisch, dass es tausende Frauenhäuser gibt und so gut wie garkeine Männerhäuser, dass Gleichstellungsbeauftragte alle weiblich sein sollen und, dass eine Frau mit geringerer Qualifikation dem Mann, der sich auf die gleiche Stelle bewirbt, vorgezogen wird wegen einer geschlechtsspezifischen Quote.
#8 am 09.11.2017 von Gast
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Gast
Mein Mann hat herzlich gelacht über den Werbefilm mit dem Mann, der mit Erkältung im Bett liegt und nach seiner Mama verlangt. In der Apotheke fände ich es allerdings auch etwas deplaziert.
#7 am 08.11.2017 von Gast
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Maria Helmich
Deutscher Humor.
#6 am 08.11.2017 von Maria Helmich (Gast)
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Naja, ein Körnchen Wahrheit ist ja dran. Frauen haben das effektivere Immunsystem (weshalb sie auch häufiger von Autoimmunkrankheiten betroffen sind) und werden mit banalen Infekten besser fertig.
#5 am 08.11.2017 von Dr. med. Ines H?nicke (Ärztin)
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D.F.
Ich habe selbst so meine Erfahrungen mit den "Männergrippe"-Scherzen gemacht. Von klein an assozierte ich "Krank sein" mir Schwäche und als Mann, auch als kleiner, will man natürlich nicht schwach sein. Wozu hat das geführt? Das ich mit rot angeschwollenem Auge, durch die Allergie, vom Lehrer zweimal aufgefordert werden musste bevor ich Nachhause ging, das ich trotz stechender Migräne, und manchmal mit dazugehörigen Übergeben, zur Arbeit ging, auch Fieber und Herzrhythmusstörungen hab ich ignoriert, sofern die Kollegen mich nicht nachhause schickten, und auch das nur unter großen Gewissensbissen. Auch bei meinem ,bisher, größten Fall von Herzrhythmusstörung habe ich 48 Std. gewartet zum Arzt zu gehen, wäre ja schließlich ein Eingeständnis das ich das nicht selber packe.....bei einem Puls von Über Zweihundert. Daher möchte ich mich bei Ihnen bedanken das Sie sich für Professionalität im medizinischen Berufsfeld einsetzen.
#4 am 08.11.2017 von D.F. (Gast)
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Gast
Auch als Frau gebe ich diese Postkarten und Schlüsselanhänger nicht ab! Ich würde allerdings auch den oben fettgedruckten Witz nicht in einem Blog oder wo auch immer zum Besten geben.
#3 am 07.11.2017 von Gast
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Gast
...nur werden diese Witze nicht als extra hergestelltes Witzblatt von einer Pharmafirma gedruckt und in Apotheken ausgegeben. Man stelle sich den Aufschrei der Feministinnen vor! Das funktioniert nur, weil in den Apotheken vorwiegend Frauen arbeiten. Über andere lacht es sich doch immer noch am Besten...
#2 am 07.11.2017 von Gast
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Ich sehe das nicht so eng, wie PTAchen. Ohne dem männlichen Geschlecht nahe treten zu wollen, die Sprüche treffen häufig zu. Man lacht darüber und dann ist's auch wieder gut. Als Mann sollte man drüberstehen. Es gibt genug Witze, die das weibliche Geschlecht "beleidigen". Und, wen juckt's.
#1 am 07.11.2017 von Iris Schmidt (Pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA))
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