Causa Obscura: Time is brain

27.10.2017
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Auf der Intensivstation verschlechtert sich der neurologische Status einer 41-jährigen Patientin plötzlich rapide. Sie war einige Stunden zuvor bei hoher Geschwindigkeit von ihrem Fahrrad über den Lenker hinweg auf ihr Gesicht gefallen und in die Notaufnahme gebracht worden. Dort blieb die Trauma-Untersuchung ohne Befund, im CT wurde lediglich eine dreifache Fraktur ihres Unterkiefers festgestellt. Da es keine Anhaltspunkte für weitere Verletzungen gab, wurde die Operation für den nächsten Morgen geplant und die Patientin auf der Intensivstation überwacht. Zehn Stunden nach dem Unfall sinkt ihr GCS-Score innerhalb kürzester Zeit von 15 auf 7; in einem erneuten CT-Scan sind weiterhin keine Anzeichen für eine Gehirnblutung zu sehen. Erst als sie am nächsten Morgen (17 Stunden nach Aufnahme) eine rechtsseitige Hemiparese und eine Pupillen-Anisokorie aufweist, wird sie intubiert und ein MRT mit Magnetresonanzangiografie (MRA) durchgeführt.

Dort ist die Ursache der neurologischen Ausfälle gut sichtbar: ein embolischer Verschluss der linken Arteria cerebri media. Zudem liegen beidseits Dissektionen der Arteriae carotides internae vor. Diese wurden durch Risse in der Tunica interna verursacht, die von dem stumpfen Trauma beim Sturz resultieren. Die Risse selbst fördern das Entstehen von Thromben, die hier zu dem embolischen Hirninfarkt führten. Zusätzlich wurde bei der Patientin durch die Carotisdissektionen das Lumen der Arterien selbst rechts um 40 Prozent verengt, linksseitig sogar vollständig verschlossen.
Obwohl umgehend eine dekompressive Hemikraniektomie durchgeführt wurde und die Frau eine duale Plättchenhemmung erhielt, weist sie auch zwei Monate nach dem Unfall noch eine starke Aphasie und Lähmung der rechten Körperhälfte auf. Die behandelnden Ärzte betonen daher in ihrem Bericht, frühzeitig an die Möglichkeit einer stumpfen zerebrovaskulären Verletzung („blunt cerebrovascular injury, BCI“) zu denken. Retrospektiv räumen sie ein, die Angiografie sei schon früher notwendig gewesen.

Quelle: Ingrid Tveita et al. / US National Library of Medicine National Institutes of Health /

Artikel letztmalig aktualisiert am 27.10.2017.

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