Zum Lachen in den Wald

25.10.2017

Es gibt ja diese Redensart: zum Lachen in den Keller gehen. Vor einigen Wochen musste ich auch im Dunkeln lachen, und zwar abends im stockdunklen Wald. Mittlerweile habe ich ja mein Studium abgeschlossen und bin erwachsen geworden. Versicherungen werden abgeschlossen, Steuererklärungen ausgefüllt und über eine Putzhilfe für zu Hause nachgedacht.

Der Körper wird älter und irgendwann merkt man, hoppala, man kann nicht mehr unbemerkt essen, feiern und faul sein. Also tausche ich gelegentlich das Feiern ein und zwar gegen Sport. Lange Zeit nicht daran gedacht, dann zu faul („Ich laufe doch eh täglich mehrere Kilometer auf der Arbeit!“), hier und da ein Stück Kuchen zum Kaffee, ein Stück Schokolade im Schwesternzimmer und schwupps, ist man jenseits der 30 und der gutmütige, jugendliche Körper hat sich verabschiedet und die sich zart, aber doch ansetzenden Speckröllchen lachen einen im Spiegel an.

So kam es also, dass ich, die Menschenhandwerkerin, abends nach der Arbeit noch aufs Rad gestiegen bin. Es dämmerte, war aber noch hell genug. Abgesehen davon habe ich Lichter montiert. So radelte ich mit einem Gefühl von Freiheit – der frische Fahrtwind zwischte mir ums Gesicht – und ein bisschen Stolz – endlich was für die Gesundheit tun – zwischen Feldern und Wäldern entlang. Kilometer um Kilometer entfernte ich mich von zu Hause. Bis ich mich irgendwann entschied, umzukehren und den Weg durch den Wald zu nehmen.

Und auf einmal war es dunkel

Mittlerweie war es stockdunkel geworden, das Radlicht zeigte mir nur jeweils einen Meter weit den Weg. Links und rechts von mir dichte Büsche und Bäume. Flattern und knacksen und rauschen im Dickicht. Aufeinmal trat sie hervor: die Urangst vorm Dunkeln. Ich erinnerte mich an Momente, als ich als kleines Mädchen Angst vor der dunklen Kellerstiege hatte – Angst vor dunklen Gestalten, die dort unten lauern könnten.

Ich schlage mir diese dummen Gedanken aus dem Kopf, bin ja erwachsen. Angst vor der Dunkelheit, so ein Blödsinn. Aufgrund der Sichtverhältnisse musste ich langsam fahren und merkte wie Sekunden später die Angst wieder hervorkroch. Ich atmete unruhig, meine Hände wurden schwitzig und zittrig vor Angst. Bis ich lachen musste. Ja, richtig laut auflachen. Eine erwachsene Frau, Chirurgin, Oberärztin hat Schiss im Wald. Man stelle sich das mal vor.

„Du bist schon groß!“

Im Kopf sagte ich zu mir selbst: Hey, du! Du bist erwachsen. Du bist groß und kräftig. Es gibt keine Monster. Und vor allem: Du hast täglich ein Messer in der Hand und schneidest andere auf! Wenn, dann sollen sich die Monster gefälligst vor dir fürchten!

Und weg war sie, die Angst. So radelte die Chirurgin nach Hause, ohne von einem Monster überfallen worden zu sein.

 

Bildquelle: gorchakov.artem, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 30.10.2017.

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Gast
Vor einigen Jahren gab es in unserem Wäldchen eine Serie von Vergewaltigungen von Seniorinnen. "Die Idee, dass ein Kerl schon blöde sein muss, sich inmitten eines Waldes auf die Lauer zu legen, hatte ich auch schon. " Man sollte nicht davon ausgehen, dass Triebtäter logisch handeln.
#17 am 23.12.2017 von Gast
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Gast
Ängste haben doch weniger etwas mit Alter und Beruf zu tun. Schon gar nicht Urängste....
#16 am 29.10.2017 von Gast
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Gästin
Gast 18 : Die gibt es!
#15 am 28.10.2017 von Gästin (Gast)
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Gast
Das einzige wovor ich mich bereits als Kind im Wald gefürchtet habe war die Angst ich könnte mich verlaufen und den Weg nach Hause nicht mehr finden... heute leider eine völlig unbegründete Angst... wo gibt es heute schon noch Wälder die groß genug sind um darin verloren zu gehen..
#14 am 28.10.2017 von Gast
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Die Idee, dass ein Kerl schon blöde sein muss, sich inmitten eines Waldes auf die Lauer zu legen, hatte ich auch schon. Deshalb ging ich früher immer über den Friedhof nachts, denn an Gespenster glaube ich nicht und böse Lebende gibt es auch nicht. Dennoch: Es könnte einem jemand folgen, und manche Straftat ergibt sich auch aus einer zufälligen Begegnung. Für Frauen ist immer Ausnahmezustand mit Ausgangssperre, leider. Das zu ändern wäre für mich ein viel wichtigeres Ziel eines Feminismus als irgendwelche Gender-Diskussionen über rosafarbene Schlafanzüge.
#13 am 28.10.2017 von Remedias Cortes (Nichtmedizinische Berufe)
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Gast
Nur so nebenbei: Auch als Mann bin ich im Stadtwald (ziemlich übersichtliches Stück Gelände, umgeben von Straßen und Häusern) nicht gerne unterwegs. Weniger aus Angst vor einem Raubüberfall oder vor wilden Tieren, sondern einfach, weil die Urangst auch mich dann gepackt hält.
#12 am 28.10.2017 von Gast
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Tierfreundin
Die Angst ist nicht ganz unbegründet. Wer im Dunkeln mit Licht durch den Wald radelt, muss sich über die Verteidigungshaltung aufgeschreckter Wildtiere nicht wundern. Wildschweine z.B. können durchaus zur Gefahr werden, vor allem, wenn sie Jungtiere mit sich führen. Ich plädiere daher für Respekt gegenüber den Wildtieren, da diese bereits tagsüber durch lärmende Waldbesucher oder Bejagung nicht zur Ruhe kommen. Den echten und menschengemachten Bedrohungen begegnet man wohl eher in der Stadt.
#11 am 28.10.2017 von Tierfreundin (Gast)
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Erwachsene Frau hat Flashback in ihre Kindheit und überwindet dann schließlich alte Ängste... Mir gefällt die Geschichte. Ich habe mehr Angst in der Großstadt als im Wald. Ich fahre nicht mit dem Fahrrad, sondern gehe zu Fuß. Ein Handy habe ich immer dabei. Jetzt kommt die dunkle Jahreszeit. Denkt an die Zeitumstellung! Die Umstellung auf die Winterzeit findet jedes Jahr am letzten Sonntag im Oktober statt. Im Jahr 2017 ist das am 29. Oktober. Dann werden die Uhren um 3:00 Uhr um eine Stunde zurückgestellt. Die Umstellung auf die Sommerzeit findet jedes Jahr am letzten Sonntag im März statt. Im Jahr 2018 ist das am 25. März. An diesem Datum werden alle Uhren um 2:00 Uhr eine Stunde vorgestellt.
#10 am 28.10.2017 von Dipl.- Päd. Siegrid de Vries-Reichel (Heilpraktikerin)
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Gast
# 6 Ich habe auch 2 Hunde, einer von den beiden sieht aus wie ein echter Wolf, er ist komplett schwarz mit einem strahlend weißen ,sehr beeindruckenden Gebiss. Manche Leute haben Angst vor ihm, speziell Menschen anderer Glaubensrichtungen . Allerdings ist Yogi lammfromm, keine Ahnung ob er mich verteidigen würde ,wenn es hart auf hart kommt.
#9 am 28.10.2017 von Gast
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Gast
Nun, wenn es die desatrösen Entwicklungen insbesondere der letzten Jahre in Deutschland und Europa nicht gäbe, würde ich Ihnen freudig zustimmen, nach dem Motto: Erwachsene Frau hat Flashback in ihre Kindheit und überwindet dann schließlich unbegründete alte Ängste... Aber so, wie es sich nun für die Bürger darstellt - und das wird sich in naher Zukunft noch sehr verschlimmern - könnten alte Ängste Sie vor schrecklichen Begebenheiten in der Gegenwart schützen.
#8 am 27.10.2017 von Gast
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Gast
# 6 Da bin ich völlig D’accord mit Ihnen, ich liebe den einsamen Wald mit ihren Waldbewohnern und auch vor Wölfen und Bären habe ich keine Angst. Die Grossstadt ist um ein vielfaches gefährlicher und Menschen die gefährlichsten Raubtiere überhaupt
#7 am 27.10.2017 von Gast
  6
Tierärztin
#1 Nicht allein in den Wald? Wie furchtbar! Alleine im Wald ist großartig! All die Geräusche der Bäume und Tiere, die Gerüche und verschiedenen Untergründe. Momentan das raschelnde Herbstlaub. Ich könnte ohne das kaum leben. Schon als Jugendliche musste ich regelmäßig im Dunkeln alleine durch den Wald radeln zwischen unseren 2 Stadtteilen damals. Schon damals und auch heute noch habe ich noch nie Angst im Wald gehabt. Schon immer habe ich mir gesagt: "Wie blöd muss ein Kerl sein, der im Dunkeln darauf lauert evtl. irgendwann mal eine weibl. Person abzupassen im sonst im Dunklen extrem einsamen Wald. Das macht doch keiner! Die sind in der Stadt bestimmt viel öfter anzutreffen." Ansonsten bin ich heute froh täglich mit meinen Hunden im Wald zu sein, da macht mich auch keiner an. Noch NIE in 47 Jahren! Ich bin der festen Überzeugung da werden oft Ängste geschürt, die mit der realen Welt einfach nichts zu tun haben.
#6 am 27.10.2017 von Tierärztin (Gast)
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Gast
Die aktuellen Nachrichten lassen ja auch zur Vorsicht mahnen...
#5 am 27.10.2017 von Gast
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Kann ich gut verstehen, dass man im Dunklen Angst hat! Früher war alles anders!
#4 am 27.10.2017 von Margarete Kreyer (Ärztin)
  7
Gast
Das Foto ist das Beste am ganzen Artikel. Selbst gemacht?
#3 am 27.10.2017 von Gast
  3
Gast
Hmm.. eigentlich nicht unbedingt zum Lachen witzig! Mann/Frau kann das Schicksal auch herausfordern. Diese archaische Angst hat doch wohl eher mit berechtigter Vorsicht zu tun!
#2 am 27.10.2017 von Gast
  4
Gast
Verstehe ich nicht ganz.Ich hätte auch Angst,im Dunkeln mit dem Rad durch den Wald zu fahren.Ich hätte keine Angst vor Monstern,sondern vor einem realen Überfall.Und als Frau führe ich nicht mal am helllichten Tag allein durch den Wald.
#1 am 27.10.2017 von Gast
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