Beruf Landarzt - besser geht’s nicht (10)

12.07.2011
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Schlussbemerkungen

Über das Thema Landarzt gäbe es noch viel zu sagen, zumal mit meiner zur Zeit ganz frischen Erfahrung einer Zweigpraxis. Aber zehn Teile Beruf Landarzt - besser geht’s nicht sollen genug sein. 

Zur Auflösung der Fragenaktion.

Zunächst einmal sage ich Danke fürs Mitmachen. Die Kommentare zeigen, dass das Thema einerseits interessiert, andererseits Unsicherheit herrscht. Überraschend war, wie positiv der Beruf des Landarztes nicht nur von mir gesehen wird. Allerdings gab es auf meinem „Filialblog“ bei DocCheck auch deftige negative Kommentare.

 Der Traum ist wahr

Klar ist, dass der Traum, wie ich es genannt habe, kein Traum ist. Die Wirklichkeit kann so laufen. Vieles von dem, was ich geschildert habe, trifft abgewandelt auf mein Praxisleben zu. 

Aber was ist unwahrscheinlich an meiner Schilderung?

  • Das Finanzielle ist es nicht. Die betriebswirtschaftlichen Rechnungen sind alle praxisnah, damit auch der mögliche Verdienst. Kommentatoren haben dies bestätigt. Damit hat die Aussage 10.000 Euro und mehr im Monat Einkommen keine kurzen Beine, wie ein AxelTausch auf DocCheckBlog so nett behauptete.
  • Geregelte Arbeitszeiten und genügend Urlaub sind ebenfalls kein Traum. Wir handhaben das seit über 20 Jahren so. In Zeiten übermäßiger sportlicher oder schriftstellerischer Ambitionen habe ich mir sogar Extra-Jahresurlaub von den Kollegen „gekauft“. Vieles ist in einer Gemeinschaftspraxis möglich.
  • Subvention? In Mecklenburg-Vorpommern subventioniert die Kassenärztliche Vereinigung neue Landärzte mit 50.000 Euro.
  • Die Arbeit macht Spaß. So geht es einigen Kommentatoren, und ich kann das für die letzten 24 Jahre bestätigen. Natürlich gibt es auch Ärger, Stress und nervige Zeiten. Aber die Freude überwiegt bei weitem. Das liegt m. E. vor allem an drei Dingen:

    a) an der Zusammenarbeit mit Kollegen, jederzeit mit der Möglichkeit von „Spontan-Konsilen“

    b) am persönlichen Verhältnis zu den meisten Patienten und ihren Familien

    c) das eigenverantwortliche medizinische Arbeiten (ich bin mein eigener Herr und das ist mir in medizinischen Angelegenheiten so viel wert, das mich niemand mehr zum Arbeiten ins Krankenhaus zerren könnte.

  • Die Ärzte strömen nur so aufs Land. Das ist natürlich eine gewagte Behauptung, die so nicht stimmen kann, weil wir sonst die ganze Diskussion um die Landärzte nicht hätten. Aber erstaunlich ist schon, wie sich der Kontakt von Jungärzten zu unserer Praxis in den letzten Jahren verändert hat. 

    Waren noch vor Jahren, als wir zu zweit, oder zu dritt in der Praxis arbeiteten, Bewerbungen von Assistenzärzten eine Seltenheit, hat sich das in den letzten beiden Jahren deutlich geändert. Jetzt mit sechs Ärzten plus Weiterbildungsassistent und Zweigpraxismodell stehen wir regelrecht im Fokus der Bewerber. Für uns heißt die Bilanz der letzten Jahre: ein junger Nachfolger, ein zusätzlicher Partner, ein angestellter Arzt (der bald Partner wird), ein neuer Weiterbildungsassistent, zwei weitere Bewerbungen und Anfragen zur überörtlichen Zusammenarbeit. 

    Hier ist wohl die Garantie, vernünftig medizinisch arbeiten zu können (ohne Krankenhaushierarchie und -zeitdruck) und geregelte Arbeitszeiten zu haben, unser großer Trumpf geworden. Je schlechter die Arbeitsverhältnisse vor allem in privat geführten Krankenhäusern werden, umso besser für uns Hausärzte, behaupte ich.

 Zwei wirkliche Schwierigkeiten in einer Landarztpraxis (und sonst wo)

Zum Schluss also doch noch zwei Haken:

 1. Eine moderne, gut funktionierende Landarztpraxis muss meiner Meinung nach eine möglichst große Gemeinschaftspraxis sein. Wie der KommentatorMatze 90 richtig sagt, birgt das ein großes Problem. 

Eine GMP kann nur dauerhaft funktionieren, wenn niemand auf den letzten Euro und die letzte Arbeitsstunde schielt. Das heißt, niemand darf sich dauerhaft ungerecht behandelt fühlen, was Verdienst und Arbeitsaufwand angeht und niemand darf in dieser Hinsicht die GMP als Hängematte nutzen

Es geht m. E. nur so:

a) alle Partner sind bemüht den gleichen Arbeitsaufwand zu erbringen. Bei unterschiedlichem Patientenzulauf werden Ausgleichsaufgaben übernommen, wie Praxisverwaltung, Immobilienverwaltung, Personalführung, Kontakt zum Steuerberater, Qualitätsmanagement u.a.m.

b) alle sind aus tiefsten Herzen damit einverstanden, dass der erzielte Gewinn blind durch die Anzahl der Praxisinhaber geteilt wird und glauben daran, dass sich alles irgendwann ausgleicht

c) die Lebenspartner der Ärzte sehen das genauso !!!!

Wenn es so läuft, kann ein Traum Realität werden und dann kann, wie in unserem Falle, eine GMP über ein Vierteljahrhundert funktionieren.

2.Geradezu haarsträubend weltfremd ist meine Behauptung, die Umstrukturierung in Dorf A liefe von Anfang mit ausgefeilten Abrechnungs- und Organisationskenntnissen und daraus resultierendem Super-Umsatz. Das ist im höchsten Maße unrealistisch. 

Nichts wird einem niederlassungswilligen, jungen Arzt schwerer fallen als der Überblick über die gegebenen Abrechnungsmodalitäten und dazu eine neu eröffnete Praxis straff zu organisieren. (Gute Patientenversorgung und gute Abrechnung sind von guter Organisation abhängig). 

Die Quartalsabrechnung in unserer Praxis umfasst inzwischen annähernd 100 eng bedruckte Seiten voller Zahlen und Berechnungen. Einem jungen Mediziner könnte eine Kiste voller Kakerlaken und Gewürm die Haare nicht höher zu Berge steigen lassen.

Und hier liegt die Crux und gleichzeitig die Lösung des Problems Landarztmangel.

Wie ich mir diese Lösung vorstelle, schreibe ich in einem Nachtrag zu dieser Artikelserie in der nächsten Woche.

Ein Nachtrag deswegen, weil meine Lösungsvorschläge, wie ich sie mir vorstelle, als selbstständiger Artikel stehen sollen.

 

Artikel letztmalig aktualisiert am 20.06.2013.

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