Mensch ärger dich nicht!

16.10.2017
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Wenn man sich dann aufregt gibt es Menschen die einem sagen, man müsse das akzeptieren weil es eben so sei (die viel zitierte „Hackordnung“). Warum das nicht wahr ist, möchte ich gerne an einem Beispiel zeigen:

Ihr alle kennt das sicherlich. Oder kennt ihn sicherlich. Oder sie. Diese eine Person in Uni, Klinik oder gar in der präklinischen Versorgung die über euch steht und es euch bei jedem Schritt spüren lässt. Sei es die Schwester, die der Meinung ist, ein Student der Medizin sei nur Verschleißmaterial („die gehen eh nach spätestens drei Monaten“), der Arzt, den die Schwester am Telefon anschreien muss, ehe er sich auf Station bequemt oder gar der Professor, der bei Unsicherheiten im Testat erst richtig warm wird. Wenn man sich dann aufregt gibt es Menschen die einem sagen, man müsse das akzeptieren weil es eben so sei (die viel zitierte „Hackordnung“). Warum das nicht wahr ist, möchte ich gerne an einem Beispiel zeigen:

 

Vor einigen Jahren verbrachte ich mein Krankenpflegepraktikum auf einer nephrologischen Station. Um ehrlich zu sein, war es für mich eine Tortur. Für alles was auf Station irgendwie schief ging war ich (zusammen mit der FSJlerin) der Sündenbock. Für nicht ausgeräumte Spülmaschinen zum Beispiel, obwohl man mir am Tag zuvor noch sagte, das könne jemand anderes machen. Auch wurde mir sämtliche medizinische Kompetenz abgesprochen. Lehrreiche Stunden kann ich an einer Hand abzählen. Die gesamten Details zu schildern sprengt den Rahmen dieses Eintrags und wird bestimmt in Zukunft noch seinen Platz finden.

Um es kurz zu machen: Ich war Verschleißmaterial. Auch körperliche Folgen und ein schmerzbedingter Zusammenbruch meinerseits waren im Programm.

 

Aber auch die Schwestern hatten jemanden, der ihnen das Leben schwer machte. Mehrere Ausfälle aufgrund von psychischen und psychosomatischen Erkrankungen sowie ein Überstundenkontingent von über 180 Stunden als Spitzenwert sind ihre Zeugen. Ihr Plagegeist war der Chefarzt. Der erschien immer mitten in der Übergabe und forderte die Akten sowie die Diensthabenden ein, so dass für mindestens 1 ½ Stunden keine Übergabe möglich war. Er schaufelte die Station während seines Urlaubs sogar mit mehreren Schwerstpflegefällen zu (die leitende Schwester brach spontan in einen Heul- und Schreikrampf aus), da diese ja Privatpatienten seien (aber außer gerontopsychatrischen und allgemeinen internistischen Beschwerden keine Behandlungsindikationen hatten). Die dünne Personallage war ihm, gelinde gesagt, egal. Vielleicht war ich für die Schwestern so etwas wie ein Stellvertreter den man stattdessen bestrafen konnte, was ihr Verhalten trotzdem nicht entschuldigt sondern nur erklärt.

 

Mein Fehler war, dass ich alles wegstecken wollte. Ich glaubte das wäre die Hackordnung und ich müsse das akzeptieren. Ich war sogar so weit, das Studium an den Nagel zu hängen, weil ich dachte ich könnte es einfach nicht.

 

Heute weiß ich, dass ich Pech hatte an die falschen Leute zu geraten. Ich weiß auch, dass es wichtig ist, sich auch mal zu ärgern, wenn einen Dinge nerven. Leute, die einem erzählen, man müsse dies erdulden, da es der Gang der Dinge ist, die meinen das nicht zwangsweise böse. Dennoch ist es der falsche Weg. Das man sich mal über Dinge ärgert kommt vor. Wenn das jedoch eine gewisse Frequenz erreicht stimmt etwas nicht. Dann muss man etwas tun. Ich hätte die Station oder gleich die Klinik wechseln sollen, anstatt auf meinen Stolz zu hören. Die Schwestern hätten sich zusammentun und an die Personalleitung wenden sollen anstatt die heile Welt zu spielen.

Wenn das hier jetzt also jemand ließt, der gerade erst mit der Medizin anfängt, oder gar noch in der Schule ist, würde ich ihm gerne folgendes sagen: Armleuchter gibt es auch (oder besonders, wer weiß) hier. Man kann sie meist gut ignorieren. Aber du darfst dich über sie ärgern. Du darfst mit deinen Freunden oder Kollegen über sie reden. Denn nur so staut sich der Ärger nicht auf. Wenn du anfängst darunter zu leiden, dann tu etwas dagegen. Das macht dich nicht zum Feigling oder zeugt gar von mangelnden Durchhaltevermögen. In meinen Augen zeugt das nur vom verantwortungsvollen Umgang mit sich Selbst.

 

Artikel letztmalig aktualisiert am 16.10.2017.

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