Bitte nicht überfüttern!

16.10.2017
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Ein neues Buch weist unmissverständlich daraufhin, dass das Überfüttern von Säuglingen während der ersten Monate nach der Geburt den Stoffwechsel bereits so negativ verändern kann, dass dies in späteren (erwachsenen) Jahren kaum noch zu korrigieren ist.

Mulchand Patel, Biochemie-Prof an der Universität von Buffalo and Jens Høiriis Nielsen von der Universität Kopenhagen schrieben zusammen ein Buch, in dem sie die aktuellsten Erkenntnisse zum fetalen und postnatalen „Programmieren“ zusammenfassten.

Gemeint ist in diesem Fall der Zusammenhang zwischen der Ernährung der Mutter während der Schwangerschaft sowie der anschließenden Ernährung des Säuglings und dem Metabolismus des Kindes. So können falsche Ernährungsgewohnheiten das Risiko für Übergewicht und das Auftreten diverser Krankheiten (z.B. Metabolischen Syndrom, Diabetes) im Erwachsenalter erhöhen.

Basierend auf Untersuchungen an Tieren ziehen die Biochemiker eindeutige Schlüsse: Durch „Overfeeding“, also die übermäßige Aufnahme kohlenhydratreicher Formula-Milch, wird der Stoffwechsel des Menschen reprogrammiert. Dies sei auch durch eine Korrektur in späteren Jahren nicht wieder wettzumachen.

Sie gehen sogar noch weiter und postulieren, dass die DNA dermaßen ummoduliert werde, dass dies nicht nur den Metabolismus des Einzelnen, sondern auch den späterer Generationen negativ beeinflusse.

Säuglinge werden immer noch überfüttert

Wir Kinderärzte kennen das aus der Praxis: Das „feeding on demand“, das für gestillte Kinder sehr wohl empfohlen wird, kann bei flaschengefütterten Säuglingen zu einem Überangebot an Formelmilch führen. Es wird von vorneherein mehr Milch zubereitet, als später benötigt wird. Der letzte Tropfen Milch muss aber dann auch noch rein, die empfohlene Milchmenge wird dabei oft überschritten oder die Pulverdosierung nicht eingehalten. Da wird aus einem gestrichenen Löffel schnell der gehäufte.

Auch die frühzeitige Einführung von fester Beikost, vor allem in Form von Getreide und Früchten, begünstigt den unphysiologischen Gewichtsverlauf. Tradierte Ernährungsgewohnheiten wie das Einmischen von Frucht- oder Karottensaft in die Milch oder Biscotti zum Andicken (damit’s Bobele satt werde) sind schwer zu verändern.

In der Fetalzeit, so Mulchand Patel, führt auch die übermäßige Kohlenhydrataufnahme sowie Übergewicht und Diabetes der Schwangeren bereits zu einem Priming der fetalen DNA. Bedeutet: Übergewichtige Schwangere haben ein höheres Risiko, später übergewichtige Kinder großzuziehen.

Neue Ernährungsempfehlungen in Schwangerschaft und Säuglingsalter

Dank dieser Erkenntnisse der letzten Jahre haben sich auch die Ernährungsempfehlungen für die jungen Familien deutlich geändert. Programme wie „9+12“ der Plattform Ernährung und Bewegung versucht in Deutschland, bereits während der neun Schwangerschafstmonate und in den ersten zwölf Monaten der Säuglingszeit, eine gesunde Ernährung und bewegungsorientierte Umgebung der Familie zu initiieren. Dabei sind Gynäkologen, Hebammen und Kinderärzte gemeinsam gefordert, die empfohlenen Richtlinien umzusetzen:

Unsere Kinder werden es uns danken: Primäre Prävention ist am erfolgsversprechendsten. Ist das Kind oder der Jugendliche bereits dick, greifen Bewegungs- und Ernährungsprogramme oder gar Abnehmkuren nur noch unzureichend. Das ist leider der Alltag in den Kinder- und Jugendarztpraxen.

Links:

 

Bildquelle: Aaron Vowels, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 17.10.2017.

37 Wertungen (4.76 ø)
14785 Aufrufe
Gast
#18 hat Recht. Bzgl. der Entstehung von Allergien hat die alleinige Muttermilchernährung NACH dem vollendetem 4. Monat keine Vorteile gebenüber dem Stillen bis nach dem 6. Monat, im Gegenteil: je früher fremde Nahrungsallergene eingeführt werden, desto besser die Toleranz und umso weniger Allergien. Die aktuelle Empfehlung lautet: nach Möglichkeit 4 Monate voll stillen, dann Beikost einführen (Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei) und monatsweise jeweils eine weitere Beikost-MZ einführen.
#20 vor 35 Tagen von Gast
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Gast
Das ist Definitionssache. Wenn Vollstillen bedeutet ausschließlich Stillen dann ist es tatsächlich verwirrend. Man kann aber auch zwischen dem vollendeten(!) 4. und 6. Monat eine langsame und schrittweise Beikosteinführung im Sinne von Baby darf sich mal ein wenig durchprobieren ermöglichen ohne zeitgleich abzustillen. Essen soll Spaß machen, mit Druck geht gar nichts. Also nicht gleich zu ehrgeizig sein und in den ersten Wochen sofort die Stillmahlzeiten vorenthalten, lieber mehr Geduld beim Abstillen.
#19 vor 35 Tagen von Gast
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Gast
Ich finde die Forderung nach 6 Monaten Voll-Stillen ehrlich gesagt etwas verwirrend - meines Wissens nach wird seit Jahren sowohl im deutschen Ärzteblatt als auch von der FKE Dortmund (die lange ja als die Instanz für sowas galt) empfohlen, dass die Beikosteinführung durchaus ab dem vollendeten 4. Monat erfolgen kann, weil damit unter anderem Allergien/Unverträglichkeiten und v.a. auch der Sprue vorgebeugt werden könne und auch ansonsten Probleme bei der Eisenversorgung, etc. auftreten können: https://www.aerzteblatt.de/archiv/180178/Stillen-und-Beikost "Eine verzögerte (nach dem 6. Lebensmonat) aber auch eine frühe (vor dem 4. Lebensmonat) Einführung von Gluten zeigte in zwei neueren, randomisierten Studien keine Risikoreduktion für später auftretende Zöliakie" Könnten Sie das bitte mal klarstellen, wie jetzt die offiziellen aktuellen Empfehlungen lauten bzw. wer jetzt was empfiehlt? Es wird in dem obigen Artikel ja explizit von "ausschließlich Stillen" gesprochen...
#18 vor 35 Tagen (editiert) von Gast
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Mama
@Gast12: Sie haben ja so recht. Es spricht wirklich nichts gegen ein Gläschen Bio-Gemüse oder Bio-Fleisch. Die haben oft eine ganz tolle Qualität und ich verwende sie auch gelegentlich gerne. Man muss aber eben immer kritisch bleiben, denn die gleiche Firma verkauft auch süßschmeckende Getränke oder hochkalorischen Keksbrei, das finde ich dann eher nicht gut. Das ist auch wieder unnötig verwirrend für die Verbraucher, denn man kann nicht pauschal sagen ob Fertigprodukte für Babys nun gut oder schlecht sind, man muss sich jedes einzelne ganz genau anschauen. Informationen gibt es zur genüge wie man "schlechte Esser" füttern kann, aber ich habe noch nie gehört dass ein gesundes Kind das ein gutes Nahrungsangebot hatte verhungert wäre weil es ein "schlechter Esser" ist. Was man definitiv nicht machen sollte sind Verzichtsdiäten! Ein gesundes Kind muss nicht gluten-, laktosefrei, paleo, hypoallergen oder vegan ernährt werden, sondern sollte alle natürlichen Lebensmittel probieren dürfen.
#17 vor 35 Tagen von Mama (Gast)
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Mama
Gast13: Sie haben den entscheidenden Faktor bereits genannt: das Stillen. Der Babyspeck eines gut entwickelten gestillten Kindes ist anders zu bewerten, er verschwindet mit einsetzender Mobilität meist rasch. Um zu sehen ob ein Kind später Gewichtsprobleme bekommt muss man sich 3 Dinge anschauen: die ursprüngliche Figur der Eltern, den heimischen Vorratsschrank und das Bewegungsprofil. Wenn dicke Babys dünn werden und dünne Babys dicke Kinder kann das verschiedene Ursachen haben. Aber deshalb zu behaupten die Ernährung in der Babyzeit spiele keine Rolle ist der falsche Schluss.
#16 vor 35 Tagen von Mama (Gast)
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Felix M. (Apotheker)
#13: Kennen Sie Helmut Schmidt? Der hat geraucht wie ein Schlot, ich kenne noch 2 weitere Raucher, die sind auch über 90 geworden! Ergo: Rauchen ist garnicht gefährlich, alles eine große Lüge...! Die Evidenz lässt grüßen.
#15 vor 35 Tagen von Felix M. (Apotheker) (Gast)
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Gast
Es gibt die Behauptung, dass die Anzahl der Fettzellen früh angelegt wird und diese sich später entsprechend ihrer Menge auffüllen - was ja für die These sprechen würde, dass frühe Überfütterung sich langfristig negativ auswirkt. Stimmt das eigentlich, und gibt es dazu Untersuchungen?
#14 vor 35 Tagen von Gast
  0
Gast
Ich habe drei Kinder, habe sie alle 1 Jahr lang gestillt, das erste Baby war extrem dünn, das mittlere normal-gewichtig und das dritte Baby pummelig. Im Grundschulalter ist es jetzt gerade umgekehrt, das ehemals dünne Kind ist stark übergewichtig und das ehemals pummelige Kind sehr dünn. Es gibt offensichtlich viele Faktoren, die dabei eine große Rolle spielen. Ich kenne noch zwei ehemals überfütterte Babys, die als Kinder später extrem dünn waren. Es gibt also keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Gewicht im Babyalter und später.
#13 vor 35 Tagen von Gast
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Gast
#11, Sie haben ja so recht. Nach der Muttermilch (bei mir leider nur 3 Monate mit Abpumpen aus anatomischen Gründen) schon auch vorübergehend Pulvermilch, aber dann schnell Trinkbrei mit Schmelzflocken und Mandelmus, später püriertes Gemüse mit etwas Öl, manchmal mit püriertem Hühnchenfleisch (gibt es auch, wenn's praktisch sein soll, aus dem Gläschen), noch später Zwieback mit Milch und Banane und eigentlich das, was wir auch gegessen haben, nur püriert ... man braucht keinen Zucker. Mein Sohn hat Fenchel-Anis-Kümmel-Tee immer gern getrunken, ohne Zucker oder Honig. Jetzt ist er ein schlauer schlanker 13jähriger ... ob's das Mandelmus war? ;-)
#12 vor 35 Tagen von Gast
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Mama
So ein Unsinn. Die Beikost zuzubereiten ist doch wirklich keine Hexerei. Frisches Gemüse, ab und zu ein wenig Fleisch. Einfach kochen, pürieren, fertig. Würzen muss man nicht. Salzen erst recht nicht. Ein paar Kräuter und ein paar Tropfen Raps- oder Leinöl reichen. Dann kann man in der Eiswürfelschale kleine Portionen einfrieren, nach Bedarf kombinieren und im Wasserbad erwärmen. Die Reste kann man für die Erwachsenen zur Cremesuppe umfunktionieren. Zwischendurch muss es auch nicht immer ein Gläschen sein. Ein paar Löffel Banane, Avocado, zerdrückte Beeren ... es gibt so viele gute nicht-industriell verarbeitete Lebensmittel. Die Auswahl ist groß genug. Und um Himmels Willen KEINE süßen Getränke. Wasser und Tee genügen vollkommen.
#11 vor 35 Tagen von Mama (Gast)
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Gast
Pizza in den Pürierer...
#10 vor 35 Tagen von Gast
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Gast
Was Herr Autor die Leute sollen SELBER kochen?! Also so richtig mit Kochlöffel, echten Zutaten und einem Herd? Auwei dann wird es aber bald ziemlich kritisch. Das dauert doch so lange und ist sooooooo unbequem. Gibt's da nicht was von Maggi oder Ratiopharm? Tütchen auf, heißes Wasser drauf und fertig?
#9 vor 35 Tagen von Gast
  1
Gast
#4: Meine Großmutter hat mir damals "gute Ratschläge" geben wollen: "Frühzeitig abends Brei geben, da schläft der Kleine sofort durch" oder "Koch die Milch bisschen dicker, von der dünnen Plurre kan ein Kind doch nicht satt werden, da hat er in ner Stunde schon wieder Hunger". Meine Schwiegermutter: " Pump mal ab! Na von dem bisschen blauen Wasser wird das Kind nicht satt. Ich koch ihm mal ne ordentliche Pulle" usw. Ich selbst habe mich nicht beeinflussen lassen. Bin nachts aufgestanden, um zu stillen. Meine drei jetzt erwachsenen Kinder waren und sind schlank. Und deren Kinder ebenfalls. Auch solche Einflüsse sind zu beachten. Wer genervt ist und sehr gern mal nachts endlich wieder durchschlafen möchte, ist der Verführung vielleicht erlegen. Und es klappt ja. Nur die Folgen sieht man in dem Moment nicht. Wir brauchen gute Hebammen, Still-und Ernährungsberater...
#8 vor 35 Tagen von Gast
  0
Gast
Problematisch wird es aus meiner Sicht erst, wenn mehr als Pre-Milch gegeben wird. Die Industrie will unser Geld. Aber der Rattenschwanz ist viel länger. Satte Kinder sind glückliche Kinder, welche schneller und besser durchschlafen. Und das am besten schon mit 3 Monaten. Deshalb schön Schmelzflocken rein. Über das antiquarische Beikost-Stufen-Modell brauchen wir an der Stelle gar nicht erst zu reden. Somal es ja nicht Beikost, sondern Anstattkost ist.
#7 vor 35 Tagen von Gast
  0
Gast
Nein, wir brauchen keine gut ausgebildeten und gut bezahlten Hebammen und Stillberaterinnen, das können alles die ÄrztInnen, auch wenn sie von tuten und blasen keine Ahnung haben, viel zu wenig Zeit, um mit den Frauen und Familien wirklich in Kontakt zu treten, und letztenendes von Ernährung auch meist keinen blassen Schimmer haben.....
#6 vor 35 Tagen von Gast
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Liebe Flaschenkind-Mutter, es ist ja schön, daß sie sich an die Empfehlungen halten, aber leider gibt es viele, die das nicht tun. Und dann gibt es mehrere Möglichkeiten, die Kinder zu überfüttern und diese Möglichkeiten können sie auch noch kombinieren. Auf der anderen Seite sollen sie selbstverständlich ihr Kind nicht Hungern oder Schreien lassen, sondern schon so füttern, daß es satt wird. Es kommt halt auf die Dosis an.
#5 vor 35 Tagen von Dr. med. dent. Gerd Kruse (Zahnarzt)
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Flaschenkind- Mutter
" Das „feeding on demand“, das für gestillte Kinder sehr wohl empfohlen wird, kann bei flaschengefütterten Säuglingen zu einem Überangebot an Formelmilch führen. Es wird von vorneherein mehr Milch zubereitet, als später benötigt wird. Der letzte Tropfen Milch muss aber dann auch noch rein, die empfohlene Milchmenge wird dabei oft überschritten oder die Pulverdosierung nicht eingehalten. Da wird aus einem gestrichenen Löffel schnell der gehäufte.." Verstehe diesen Abschnitt nicht so ganz. Soll man also, wenn man nicht stillen kann, das Kind wie in früheren Zeiten schreien lassen und hungern? Oder wie sieht das konkret aus? Wieso sollte ich dem Baby noch was geben, wenn es nicht mehr will ? Auch Milchreste kann man wegwerfen, wir sind doch eine Wegwerfgesellschaft und da gerade gibt es die Ausnahme? Und dann kann die erwähnte Mutter nicht lesen und hält die Dosierung nicht ein? Ich glaube, das sind doch mehrere Probleme auf einmal, die nicht miteinander zusammenhängen.
#4 vor 35 Tagen von Flaschenkind- Mutter (Gast)
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Gast
Da sieht man wieder, daß unsere Altvorderen auch nicht dumm waren. Die wußte es schon vor 80 Jahren, daß man Kinder nicht überfüttern soll und man mit Säuglingsbrei zurückhaltend sein soll.
#3 vor 35 Tagen von Gast
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Gast
leider ist es in vielen Kinderarztpraxen üblich zur Beikost spätetens im 4. Lebensmonat zu raten und dann auch möglichst bald abzustillen. Die WHO Empfehlungen sind da wohl noch nicht angekommen - leider
#2 vor 35 Tagen von Gast
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Anja
Ich habe mal anderes gelesen: Isst die Mutter zu wenig, wird der Stoffwechsel des Kindes automatisch epigenetisch auf "Achtung, da draußen herrscht Hungersnot" getrimmt und bunkert alles viel mehr, als wenn die Mutter reingehauen hätte ;-)
#1 vor 35 Tagen von Anja (Gast)
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