Ein glasklares Mysterium

15.10.2017

„Hallo“ sagte Dr. Bontsch, Dienstchirurg im nächstgelegenen Krankenhauses der Grund- und Regelversorgung, „ich muss ganz unbedingt diesen Patienten zu Ihnen verlegen.“ „Hallo Dr. Bontsch“, sagte ich, „Warum das denn?“

„Also, dieser Patient, der hat eine ganz komische Bewusstseinsstörung. Die Ehefrau hat ihn so auf dem Sofa gefunden. Wir haben ihn gründlich untersucht, aber kommen zu keinem Ergebnis. Der muss zu Ihnen. Sie haben mehr Diagnostikmöglichkeiten und diese unglaublich tolle Intensivstation. Vielleicht hat er eine schwere Stoffwechselstörung oder einen ungewöhnlichen Infekt.“

„Öh ok“, sagte ich, viel mehr konnte ich da nicht einwenden, denn Dr. Bontsch hatte den Patienten schon in einen Rettungswagen packen lassen und losgeschickt.
Ich sagte dem Neurologen Bescheid und reservierte mal so ein Intensivbett.
Da schob das Rettungsdienstpersonal auch schon den mysteriösen Mann herein.
„Hallo. Ich bin ihr Aufnahmearzt.“, sagte ich und stellte eine bewährte Frage zur Überprüfung so einer Bewusstseinsstörung: „Machen Sie mal die Augen auf.“
Der Mann stöhnte, öffnete die Augen und atmete mir eine streng riechende Alkoholfahne entgegen. „Mir ist so schlecht“, murmelte er dann.

„Mhm“, sagten der Neurologe, die Aufnahmeschwester und ich.

2 Promille, sagte das Labor.

Die Ehefrau erinnerte sich nun an die zuvor besuchte Geburtstagsfeier auf der möglicherweise etwas zu viel Bier konsumiert geworden sei. Ihr Mann erholte sich auch sehr gut von dieser mysteriösen Bewusstseinsstörung.

 
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Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 17.10.2017.

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Medizin, Innere Medizin
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Glasklar erkannte Realität des Praxisalltags, besonders in den Ambulanzen.Grund : Wartezimmer ist überfüllt, soll sich doch der "Spezialist" drum kümmern....
#8 am 25.10.2017 von Dr. med. Herbert Angermann (Arzt)
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Gast
Also:Wer eingeliefert wird und eine Alkoholfahne zufällig zugleich hat, wird oberflächlich abgetan als alkoholintoxiziert und kann keinen Herzinfarkt oder dergleichen haben: Wie gesagt, mit solchen Fehlurteilen ist vorsichtig zu sein.
#7 am 23.10.2017 von Gast
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Gast
Diese Leichtfertigkeit im Aburteilen der Symptomatik bei einer Erkenntnis des Alkoholgebrauches kann lebensgefährlich sein: Zuerst müßte einmal klar und eindeutig differenziert werden, welche Symptomatik einem erhöhten Alkoholkunsum zuzuorden ist und welche nicht: Wie gesagt: Eine Oberflächlichkeit in der Diagnostik in leichtfertigem Sinn ist peinlichst zu vermeiden.Die kann sogar tödlich endlich: Es geht nicht an, alle Symptomatik, die bedrohliche Ausmaße zeigt, vorschnell dem Alkohohol zuzuschieben: Das ist sehr diffizil und sehr gefährlich.
#6 am 23.10.2017 von Gast
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Gast
Höchste Warnung: Sage ich: Eine Diagnose , die nur Alkohoholgebrauch festellt, kann hochgefährlich sein, weil sie alle an sich notwendigen wirklichen Diagnosen verdeckt: Man gibt immer nur dem Alkohohol die Schuld, obwohl das falsch und verwegen ist: Somit wird die wahre Ursache der Attaccke verdeckt. Das ist sehr gefährlich und sehr oberflächlich bei einer ordentlichen Diagnostik.Wie auch immer.
#5 am 23.10.2017 von Gast
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Gast
Noah im Bauch des Walfischs - jetzt mal anders rum!
#4 am 18.10.2017 von Gast
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Sehr eigenartig. Der Einzugsbereich dieser Klink vom Dr. Bonsch muß aus Antialkoholikern bestehen. Es kann doch nicht sein, daß dort noch nie eine Schnapsleiche eingeliefert worden ist. Und die Sache mit den Waleisymptomen ist in mehrfacher Hinsicht zu differenzieren - allein schon diese Eier sind ja äußerst selten und daher in ihren Auswirkungen bisher nicht wissenschaftlich beschrieben.
#3 am 18.10.2017 von Dipl. Ing. Bernd H.K. Hoffmann (Nichtmedizinische Berufe)
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Gast
Das Bild ist einfach nur köstlich!!! Vielen Dank für den Lacher!
#2 am 18.10.2017 von Gast
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Gast
Da aber auch vorsicht an die Kollegen, manchmal ist da Mischintoxikation im Spiel. Hier im Beispiel hörte es sich nicht danach an aber spätestens wenn ich die Benzo-Schachtel bei den Habseeligkeiten gefunden hatte wurde ich da auch etwas nervös... so in der Provinz ohne Intensiv, Beatmungsbetten oder auch nur IMC... Aber ansonsten hatte ich auch schon solche äußerst mysteriöse Bewusstseinsveränderungen per Rettung zu mir bekommen ;) Scheint keine Seltenheit zu sein, muss man mal eine Studie machen.
#1 am 16.10.2017 von Gast
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