Hunderte oder gar tausend Klinik-Ambulanzen überflüssig?

12.10.2017
Teilen

Man höre und staune: Die kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) mit ihrem Vorstand, dem orthopädischen Kollege Dr. med. Andreas Gassen und dem hausärztlichen KBV-Vize Dr. med. Stephan Hofmeister fordert: "Die Reform der Notfallversorgung ziehe die Schließung von hunderten, vielleicht 1.000 Ambulanzen an Kliniken nach sich".

Damit sollen der immer weniger nachgefragte, unter Telefonnummer 116 117 bundesweit erreichbare vertragsärztliche Notdienst wiederbelebt und die Honorarüberweisungen an die Klinikambulanzen zurückgeschraubt werden.

Ausgerechnet am "Tag des Bereitschaftsdienstes" - Wer hat hier eigentlich "seine Tage"? - äußern sich der Vorstand der kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und orthopädische Kollege Dr. med. Andreas Gassen bzw. der als KBV-Vize und Hausarzt-Vertreter fungierende Dr. med. Stephan Hofmeister dahingehend: "Die Reform der Notfallversorgung ziehe die Schließung von hunderten, vielleicht 1.000 Ambulanzen an Kliniken nach sich". Das ist unintelligent, sach- und fachfremd, weil die KBV nur und ausschließlich in freier Praxis niedergelassene Vertragsärztinnen und -ärzte vertritt.

Wer den Sicherstellungsauftrag für die ambulante Versorgung für unantastbar hält, kann auch als KBV-Chef nicht versorgungs- und realitätsfremd konfabulieren: "Wenn jemand nicht lebensbedrohlich erkrankt ist und in der Nacht oder am Wochenende einen Arzt braucht" könne der-/diejenige exklusiv auf den ambulanten vertragsärztlichen Notdienst (ZND) verwiesen werden. Vgl. https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/bedarfsplanung/article/945197/gassen-einige-hundert-ambulanzen-koennten-wegfallen.html

Mein aktuelles Praxisbeispiel dazu: Montag, 9.10.2017, 7.35 Uhr, (zusammengefasster) Anruf meiner 59-jährigen Patientin H. K., "ich habe Fieberschübe seit Donnerstag (5.10.2017) und bin am Mittwoch (4.10.2017) von einer 4-wöchigen Ghana-/Burkina Faso-/Afrika-Rundreise (Hotel, Gasthof, Zelt) total schlapp und müde zurückgekehrt." Stark reduzierter AZ; nur Repellents, keine spezifische Malaria-Prophylaxe.

Diese Patientin musste sofort und unverzüglich in eine Klinikambulanz verbracht und stationär über Notruf 112 aufgenommen werden. Praxis, ZND oder Portalpraxis wären eine klare Fehlallokation gewesen. Es war eine Malaria tropica Infektion mit Plasmodium falciparum. Die Therapie mit LONART DS (Artemether 80 mg + Lumefantrine 480 mg) nach Einnahme-Schema 0-8-24-46-48-60 Stunden je 1 Tab schlug so gut an, dass die Patientin gestern, am 11.10.2017 entlassen wurde und heute bei mir in der Sprechstunde aufschlug. Bleibt nur noch der Hinweis an den Feuerwehrtransport: Keine Isolierung, keine Übertragung, keine Kontamination im KTW, RTW, NEF und NAW; deshalb keine besonderen Desinfektionsmaßnahmen nötig.

Zurück zu KBV-Zentrale: Wer jahrzehntelang keinen Notdienst mehr geschoben hat, wer seine Klinikzeit allenfalls vage erinnern kann und wer nur die Straßenseite wechseln muss, um zu den Experten der Deutschen Krankenhaus-Gesellschaft (DKG) zu gelangen, sollte nun wirklich den Ball flach halten und sich nicht als blutiger Laie outen.

Laut Destatis gab es 2013 in Deutschland "Krankenhäuser Anzahl 1.996 Gesamt, davon 596 öffentliche, 706 freigemeinnützige und 694 private".

https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/Krankenhaeuser/Tabellen/KrankenhaeuserJahreVeraenderung.html

Wie soll da "die Schließung von hunderten, vielleicht 1000 Ambulanzen an Kliniken…sagt die KBV" auch nur rein rechnerisch möglich sein?

Bildquelle: Repro copyright Praxis Dr. Schätzler

Artikel letztmalig aktualisiert am 19.10.2017.

29 Wertungen (4.52 ø)
630 Aufrufe
Die maximale Zeichenanzahl für einen Kommentar beträgt 1000 Zeichen.
Die maximale Zeichenanzahl für ein Pseudonym beträgt 30 Zeichen.
Bitte füllen Sie das Kommentarfeld aus.
Bitte einen gültigen Kommentar eingeben!
Hier klicken und Medizin-Blogger werden!
...ist unter angemessener Therapie und Risikoaufklärung nicht verwehrt, weiterhin sexuell aktiv zu sein. Denn die mehr...
Seit Mitte der 1980er-Jahre wurde dazu die gesamte erwachsene Bevölkerung des Landkreises Trøndelag mehr...
Es reiche als positive bio-psycho-sexuelle Identitätsbildung also nicht hin, lediglich die Kategorien mehr...

Disclaimer

PR-Blogs innerhalb von DocCheck sind gesponsorte Blogs, die von kommerziellen Anbietern zusätzlich zu den regulären Userblogs bei DocCheck eingestellt werden. Sie können werbliche Aussagen enthalten. DocCheck ist nicht verantwortlich für diese Inhalte.

Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: