Günstige Keimtransporte nach Überallhin

07.10.2017
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16:30 Uhr. Gleich würde ich heimgehen. Ha. Fehlte nur noch Frau Briggmi. Das Uniklinik rechts von Beteigeuze verlegte sie zurück. Da bog auch schon der Transport um die Ecke und zog Frau Briggmi auf einer Liege hinter sich her. „Hhm, Moment mal“, rief der entgegennehmende Pfleger. „Die Patientin hat doch einen multiresistenten Keim! Warum tragt ihr keine Schutzkleidung?!

Die beiden Transporteure schauten ratlos und schienen neu im Transportgewerbe zu sein. Wir schafften Frau Briggmi schnell in das von uns schon vorbereitete Isolationszimmer. Ich glich den mitgebrachten mit dem vorab gefaxten Verlegungsbrief ab. „Besonders multiresistenter Keim, den man nicht so gern weiter verteilen möchte“ stand dort. Zugegeben erst in Zeile 11 oder so.

„Nicht infektiös!“, sagte der linke Transportherr. Er schien etwas deutsch zu sprechen. Dann gingen beide wieder, während mein Pfleger verzweifelt hinterher rief: „IHR MÜSST EUER FAHRZEUG REINIGEN!!“

Etwas hilflos schauten wir uns an und beschlossen dieses komische Transportunternehmen mal im Internet zu suchen. Von so einer Firma hatten wir nämlich noch nie gehört.

„Inter-Transport – günstige Krankentransporte nach Überallhin.“ Auf dem Begrüßungsfoto hatte man 20 grimmig in die Kamera starrende Männer im Halbkreis arrangiert. Alle trugen rote Warnwesten und hätten auch nicht fehl am Platze ausgesehen, hätte die Firma: „Private Hitmen – convenient, quick, cheap – jetzt gleich mieten!“ geheißen.

Ich rief die angegebene Telefonhotline an, ergatterte tatsächlich den Disponenten und versucht nun verzweifelt zu erklären, das beim gerade durchgeführten Transport von Frau Briggmi etwas schief gegangen sei und dass man Auto und Trage entsprechend reinigen müsse, um den Keim nicht unnötig weiter zu verbreiten. Der Disponent war sehr nett, Deutsch war aber nicht so seine Sprache. Etwas verwirrt erklärte er, er würde sich um alles kümmern und ich hoffte inständig, dass dies stimmte. Möglicherweise hatte ich aber auch gerade einen privaten Hitman bestellt.

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Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 11.10.2017.

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Medizin, Innere Medizin
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Gast
Der Brüller: ich hab mal in der Psychiatrie gearbeitet. Dort war Visite, alle Ärzte unmaskiert ohne Schutzkleidung. Das war nicht schlimm. Schlimmer war ein verwirrter Mann, der nach klinischem Tod reanimiert wurde und aufgrund von Clostridien und MRSA isoliert war. Eine Krankenhelferin schickte, weil sie keine Ahnung hatte von Infektiosmenagement, die Schüler ohne Fachpersonal rein. Ich bin bald aus den Latschen gekippt. Och habe 2 Stunden gebraucht, Zimmer und Bad auf Vordermann zu bringen. Es fand sich Stuhl verschmiert auf Kloschüssel, Boden, Waschtisch, sowie im Bett. Tabletts mit normalen Geschirr und Besteck hatten sich angehäuft, Essensreste stanken vor sich hin. Das war in einer Klinik " mit Namen". Ich muss mich mit einer PTBS behandeln lassen und man schlug mir diese Klinik vor!!! Da wollte ich nicht mal tot überm Zaun hängen....
#12 am 14.10.2017 von Gast
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Ein Fall, wie oben beschrieben oder wie alle folgenden in den Kommentaren, Schwestern, die mit Handschuhen aus Raum 1 kommen, in die Spüle gehen und dann in Raum 2 verschwinden (natürlich ohne Handschuhwechsel oder diese wenigstens mal zu desinfizieren), Ärzte in Bereichskleidung und mit Kittel in der Mensa, Reinigungskräfte, die einen Lappen für alles benutzen (also auch für die Kloschüssel) - kein Wunder, dass wir noch einen "Tag der sauberen Hände" brauchen, ganz in der Hoffnung, dass wenigstens an diesem Tag einmal konsequent die Händedesinfektion betrieben wird. Die Gründe: mannigfaltig. Personalmangel, Arroganz, Ignoranz, Dummheit, Faulheit. Und wenn ich die Leichenschauscheine "meiner Patienten" in der Hand halte, kann ich nur hoffen, dass der ausfüllende Arzt auch bedacht hat, dass es nach ihm noch Menschen gibt, die den Leichnam anfassen.
#11 am 12.10.2017 von Laura Hiepe (Sonstige)
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Nachdem ich auch die Kommentare gelesen habe kann ich in allem nur zustimmen. Gesetzlich ist es zumindest in einigen Bundesländern so, dass jegliche Infektions- Krankentransporte Fälle für den Qualifizierten Krankentransport sind. Die "unqualifizierten Transporteure" dürfen z.B. in Hessen solche Fahrten nicht durchführen. Aber, wie soft fehlt es u.a. an der Qualifikation des Anfordernden. Er oder sie sollte schon wissen, wann man welchen Dienst bestellt. ....Und nicht nur das Billigste nutzen, weil man fürchtet, den Nachfragen der Krankenkasse oder der KH-Verwaltung nicht Stand zu halten.
#10 am 12.10.2017 von Uwe Storch (Rettungsassistent)
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Gast
Wenn der altgediente Chefarzt aus #8 sich anschließend gründlich die Hände wäscht und desinfiziert und ansonsten keinen Kontakt zum Wagen hat, ist das besser als die falsche Anwendung von Schutzkleidung. Beobachte immer wieder wie Ärzte/Pflegekräfte mit eindeutig kontaminierten Handschuhen Schubladen öffnen, Lichtschalter, Türklinken und sämtliche Geräte berühren, die 5 min später von einem anderen Arzt/Pfleger ohne Handschuhe angefasst werden.
#9 am 12.10.2017 von Gast
  3
Gast
Ich habe auch einmal den altgedienten Chefarzt der Traumatologie eines Schweizer Unispitals gesehen, wie er ohne jeglichen Schutz den kompletten Verbandswagen aus einer MRSA-Isolation geschoben hat. Also "Wissen" hilft auch nicht immer, manche denken eben, für sie gelten andere Regeln.
#8 am 11.10.2017 von Gast
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Sind solche Keime nicht vielleicht eine Indikation für den qualifizierten Krankentransport? Auch Fahrdienste haben Tragen, aber keine Ahnung und kein Equipment zur vernünftigen Desinfektion. Und wenn das kein richtiger Krankentransporteur war, kann man die Verwirrung der Begleiter durchaus verstehen.
#7 am 11.10.2017 von Henrik Oberhäußer (Student der Humanmedizin)
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Liebe Frau Dr. Z., Ihre Aktivität in Ehren, aber Sie wissen doch, daß an unseren Kliniken alles in Ordnung ist und das hausinterne QM- Management dies gern jederzeit bestätigt. Anders geht das auch garnicht, weil man sonst nix Gscheits auf Homepage oder Facebook veröffentlichen könnte. Und dann käme niemand mehr nach Beteigeuze für unters Messer ... und das geht garnicht. Somit wünschen wir dem nächsten Möbeltransport der Hitmen viel Erfolg, und daß die bösen Tierchen bis zum nächsten Pat. das Zeitliche gesegnet habe... bis dahin dobar dan! (Normalerweise müßte man das bei der Polizei anzeigen, wenn da eine Gesundheitsgefährdung verursacht wird, und dem rumänisch/jugoslawisch/türkischen(?) Unternehmen gehört die Krankentransportlizenz entzogen - sofern sie überhaupt eine haben)
#6 am 11.10.2017 von Dipl. Ing. Bernd H.K. Hoffmann (Nichtmedizinische Berufe)
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Liebe Kollegin Zorgcooperations. Dieser Artikel ist Ihnen besonders gut gelungen. Ich werde künftig nur keine volle Kaffeetasse mehr in der Hand halten, wenn ich Ihre Beiträge lese. Ich habe jetzt nur noch einen sauberen Kittel ;-)
#5 am 11.10.2017 von Alfred Geißler (Arzt)
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Kürzlich erst in einem Haus der Maximalversorgung erlebt: Mundschutz des Patienten (dessen Mund ja nicht geschützt werden muss) hängt unter der Nase. Pflegefachkraft in Einmalschutzkleidung schiebt das Krankenbett 2x quer durch den übervoll besetzten Wartebereich der Radiologie, bis klar wird durch welche Tür es weiter gehen soll. Die Einwegschutzkleidung finde wenig später, lieblos im überquellenden Abfallkorb verstaut, auf dem Besucher-WC.
#4 am 11.10.2017 von Dr. Christian Möws (Sonstige)
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Leider gibt es Kliniken sehr häufig von Geburt an dauersterile Mitarbeiter und damit meine ich nicht fortpflanzungsunfähig ;-) Diese froemwln an ZVKs, Ports etc. mit undesinfizierten und unbehandschuhten Händen rum, obwohl man gerade in der Nachbarkabine auf dem Klo deutlich vernehmen konnte, dass Sie sich die Pfötchen nicht mal gewaschen haben, nach ihrem " Big Business"... wa sollen dann erst unterbezahlte, ungelernte Krankentransporteure davon wissen?
#3 am 11.10.2017 von Alexandra Arnold (Gesundheits- und Krankenpflegerin)
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Gast
Pflegenotstand - lässt grüssen - ein Anruf von der zurückverlegenden Klinik -? Kommunikation oder dass der verantwortliche Arzt od Labor das mal kommuniziert -ist das zuviel verlangt ?
#2 am 11.10.2017 von Gast
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Gast
Ich erinnere mich an eine Aufnahme zur Entgiftung - es hüpfte und sprang munter auf dem weißen Laken herum, denn der Obdachlose hatte Flöhe (Läuse natürlich auch). Alle waren vermummt, und wir hatten sehr viel Arbeit inklusive Quarantäne. Aber multiresistente Keime sieht man ja nicht ...
#1 am 10.10.2017 von Gast
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