Es kauft auch keiner Kaviar vom Discounter

03.10.2017
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Ärgerlich, wenn apothekenexklusive Produkte auf einmal im Massenmarkt auftauchen. Apotheke und Drogerie sind zwei verschiedene Dinge. Es gibt Gründe, warum man bei uns nicht geschminkt wird und DM oder Rossmann nicht über Nebenwirkungen von Johanniskraut aufklären.

In meinem PTA-Forum kocht sie gerade wieder hoch – die Diskussion darüber, ob man sich über das Gesundheitssortiment von DM oder Rossmann aufregen sollte. Gut. Dass es dort Heftpflaster, Vitamine und Mineralstoffe oder Hustentees zu kaufen gibt, versteht wohl jeder.

„Schauen Sie am Besten in den Beipackzettel, das weiß ich nicht.“

Aber was ist mit pflanzlichen Arzneimitteln? Sind wirklich alle so ungefährlich, dass man sie dort unters Volk werfen sollte wie Bonbons? Ein Beispiel ist Johanniskraut. Bei gleichzeitiger Einnahme mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (Sertralin, Trazodon oder Paroxetin) kann sich das Serotonin-Syndrom entwickeln, das mit Verwirrtheit, lebensgefährlichem Blutdruckabfall, Fieber und schlimmerem einher gehen kann.

Diese Wirkstoffe gehören zur Gruppe der Antidepressiva, und Johanniskrautextrakt ist ebenfalls eines. Möglicherweise liegt es für depressive Menschen nahe, zusätzlich noch eine pflanzliche Unterstützung zu suchen. Berät Sie dazu jemand bei Rossmann? Geschweige denn zu den Wechselwirkungen mit der „Pille“ (die sicherlich von mehr Menschen eingenommen wird als Antidepressiva)? Nein. Die lapidare Antwort der Verkäuferinnen ist offenbar häufig  „Schauen Sie am Besten in den Beipackzettel, das weiß ich nicht.“

Was bedeutet dieser Begriff „apothekenexklusiv“ eigentlich?

Aber es bringt nichts, sich über Sinn und Unsinn der Apothekenpflichtentlassung verschiedener Medikamente zu erregen. Das hat eine Kommission des BfArm zu entscheiden. Was den Unmut vieler Apotheker und PTA immer wieder hervorruft, ist das Verkaufen eigentlich apothekenexklusiver Ware in Drogeriemärkten – und das nimmt zu. Bei apothekenexklusiven Produkten handelt es sich um apothekenübliche Waren und freiverkäufliche Arzneimittel, die aufgrund der Entscheidung des Herstellers ausschließlich in Apotheken verkauft werden sollten. Da dieser Begriff aber keine rechtliche Bindung hat, ist er quasi den Umkarton nicht wert, auf dem er gedruckt steht.

Es finden sich Woche für Woche immer mehr und neue Produkte, die – obwohl angeblich apothekenexklusiv – in Drogerien weit unter dem UVP angeboten werden.  Das ärgert uns natürlich, denn wir versuchen in diesem Markenbereich den ausschließlich in Apotheken erhältlichen Waren den Vorzug zu geben. Man fühlt sich hintergangen, wenn man an gut gefüllten Regalen von Rossman vorbei läuft und auf Marken blickt wie Vichy, Hermes, Wick oder Glaxo Smith Kline. Doch von wem werden wir hintergangen? Die Hersteller beteuern fleißig, sie hätten damit nichts zu tun. Das müsste der Großhandel gewesen sein, oder vielleicht die Apotheken selbst. Mir kommen da Zweifel, denn wie sollten diese wohl noch daran verdienen können, wenn Drogeriemärkte mit Dumpingpreisen von 25 bis über 30 % unter dem UVP die Ware verkaufen?

Massengeschäft mit Folgen

Ich würde davon ausgehen, dass Firmen wie L’Oreal wissen sollten, wem sie derart günstige Konditionen machen, dass er es sich leisten kann, diese Ware so billig abzugeben. Oder wem sie größere Mengen einer Charge verkauft haben – denn gerade bei dieser Firma gibt der Chargenschlüssel so einiges her. Nicht nur den Verfall, sondern auch den genauen Herstellungstag inklusive Herstellungsort. Da müsste doch etwas machbar sein – wenn man denn nur wollte. Das Massengeschäft scheint wohl einfach zu verlockend zu sein. Aber Achtung! So mancher Hersteller, der die Apothekenexklusivität aufgegeben hatte, ist reumütig zurück gekehrt (z.B. Weleda). Wird die für den Kunden anfangs als hochwertig empfundene Ware nämlich an jeder Ecke verramscht und landet gar auf dem Grabbeltisch, so ist es mit der Wertigkeit schnell vorbei. Aber es ist wie immer – das Kind muss in den Brunnen fallen, sonst wird sich nichts ändern.

Falls ihr die Firmen unterstützen wollt, die tatsächlich versuchen, gegen dieses Gebaren vorzugehen: am Besten immer wieder Fotos machen, wenn euch so etwas auffällt. Einmal vom Regal mit den Produkten, und einmal von den Chargennummern. Dann an die Firma oder an deren Außendienst weiterleiten – in der Regel erkennt man recht schnell, wer an Aufklärung interessiert ist, und wem das eher egal ist. Die schlussendlichen Konsequenzen muss dann jede Apotheke für sich selbst festlegen.

 

Bildquelle: fotofan1, pixabay

Artikel letztmalig aktualisiert am 11.10.2017.

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Gast
Dickes DANKESCHÖN an DM, Rossmann und Co! Warum als Kunde das 3-fache zahlen "nur" weil Apotheke drauf steht?! Die Kassenbeiträge sind durch Einführung eines Festatzes z.T. deutlich gestiegen. Parallel aber stetig mehr Medikamente, die ich "als Kunde" selbst zahlen muss. Man kann nicht auf der einen Seite nach mehr Selbstverantwortung schreien, sich auf anderer Seite aber über eine im Grunde "normale" Marktwirtschaft beschweren. Würden sie mehr zahlen wollen als "nötig" - egal was? Ich nicht!
#12 vor 21 Tagen von Gast
  0
Gast
In Apotheken sollten ausschließlich rezeptpflichtige Arzneimittel und BTM verkauft werden dürfen. Alles andere gehört nicht in die Apotheke.
#11 vor 31 Tagen von Gast
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Gast
Ich denke, dass apothekenexklusive Ware mitnichten dazu dient Roßmann und Co. saftige Erträge in die Kassen zu spülen und dass diese das Zeug sehr viel billiger bekommen. Ich sehe es eher als Promotionshilfe für die Eigenmarken durch die Marke "Apotheke". Stell das apothekenexklusive Zeug zum Dumpingpreis unter Apo EK ins Regal und daneben die nochmals billigere Eigenmarke. Der eine Kunde denkt wow, im Vergleich zur Apotheke so billig und kauft´s , der andere ebenfalls, entdeckt aber die Eigenmarke für die Hälfte des Preises und nimmt die mit. Wenn DAS neben DEM im Regal steht dann KANN das nicht schlechter sein. Das heisst nicht dass mit dem Original nicht Umsätze generiert werden die in der Summe die Summe der Umsätze der Apotheken übersteigen, aber Umsatz ist nicht gleich Ertrag. Dem Hersteller ist es egal, die Ware wird umgeschlagen, SEIN Ertrag steigt weil mehr Absatz. Der Drogeriemarkt vertickt das Zeug kostenneutral, macht aber gute Marge mit den promovierten Eigenmarken.
#10 am 24.10.2017 von Gast
  0
... selbst der Lachs sieht diese Art der Vermarktung seines Rogens eher lax Herr Dr. Schätzler! :-)
#9 am 11.10.2017 von Ptachen Ptachen (Pharmazeutisch-technischer Assistent (PTA))
  7
Hallo Gast #7: natürlich ist das falsch! Es sollte "apothekenexklusiv" heißen - Danke schön!
#8 am 11.10.2017 von Ptachen Ptachen (Pharmazeutisch-technischer Assistent (PTA))
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Gast
"Bei apothekenpflichtigen Produkten handelt es sich um apothekenübliche Waren und freiverkäufliche Arzneimittel, die aufgrund der Entscheidung des Herstellers ausschließlich in Apotheken verkauft werden sollten." - apothekenpflichtig = Tippfehler, oder?
#7 am 11.10.2017 von Gast
  0
Eine (fiktive) Umfrage bei Stören als Kaviar-Produzenten und Menschen als Kaviar-Verbrauchern ergab, dass beide es keineswegs als "störend" empfänden, wenn Kaviar auch beim Discounter verkauft würde. MfG
#6 am 11.10.2017 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
  1
Gast
#5 am 11.10.2017 von Gast
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Wer kennnt heute noch KWAI ???
#4 am 10.10.2017 von Peter Moll (Selbstst. Apotheker)
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Gast
Zu 2 Also auch keine Statine und Zytostatika? Guter Denkansatz
#3 am 10.10.2017 von Gast
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Alit
Das Sortiment von Apotheken sollte keine Kosmetika, Gummibärchen und Spielzeugarzneimittel wie z. B. Homöopathika enthalten ... so rum ists richtig ...
#2 am 10.10.2017 von Alit (Gast)
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Gast
Habe ich schon vor Jahren gemacht. Gebracht hat es nichts, Aussage von Vichy,Beiersdorf und Claire Fisher (gab es damals noch) war, wir können nichts tun. Den Drogeriemärkten angeschlossen sei eine Versandapotheke und mit Apotheken seien ja die Depotverträge geschlossen Wie die Apotheke die Produkte dann vertreibt bleibt dieser überlassen. Aber wir werden dann zu diesen Depotverträgen genötigt, ansonsten wird uns von Großhandel nicht ein Produkt dieser Firmen geliefert (Vichy). Und wenn wir dann Ware wegen Überlagerung retounieren wollen, wird sich angestellt. Dabei haben wir diese Ware ja nur nicht verkauft, weil die beim Drogeriemarkt am Ort billiger angeboten wurde. Wenn es nach mir ginge, würden diese Verträge nicht mehr verlängert, die Kolleginnen meinen aber, wir sollten die Produkte weiterhin vertreiben. Die Entscheidung liegt beim Chef.
#1 am 10.10.2017 von Gast
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