Die Amsterdam-Allergie

30.09.2017
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In den meisten HNO-Praxen wird Diagnostik und Therapie allergischer Erkrankungen angeboten. Einige Allergene des Alltags sind nicht oder nur schwer zu vermeiden und können zu leichten Symptomen bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen führen. Es gibt auch besondere Fälle.

Eine Allergie kann sehr unterschiedliche Symptome verursachen. Von der leichten Schleimhautschwellung in der Nase bei Hausstauballergie bis zu einem lebensbedrohlichen Schock bei Wespenstich- oder Nussallergie.

Einige Allergien sind im Alltag nicht zu vermeiden. Bei einer Katzenhaarallergie zum Beispiel muss man sich jedoch fragen, ob man sich unter diesen Umständen eine Katze nachhause holen sollte. Einige Allergene sind das gesamte Jahr über relevant, andere nur saisonal. Die Diagnostik ist in der Regel einfach. Durch ein ausführliches Gespräch kann man schon eingrenzen, welche weitere Untersuchung folgen sollte.

Diagnostik durch Anamnese und Prick-Test

Mit dem einfachen Prick-Testweisen wir eine Sensibilisierung des Körpers gegen bestimmte Allergene nach. Wenn das mit der Anamnese übereinstimmt, steht die Diagnose meist fest. Im Zweifelsfall bestimmt man aus dem Blut genaue Werte. Die Bluttests werden auch benötigt, wenn ein Hauttest aus irgendwelchen Gründen nicht durchgeführt werden kann.

Mögliche Therapien beginnen mit dem Meiden der Allergene. Diverse Medikamente können die Auswirkungen eindämmen. Eine Immuntherapie kann die Ursache behandeln. Erstaunliche Erfolge habe ich auch schon mit der Akupunkturerlebt. Unzähligen Menschen konnte ich schon mit der einen oder anderen Therapie helfen.

Wogegen ist Herr Rauschmann allergisch?

Und dann kam Herr Rauschmann*. Er beschrieb die klassischen Symptome einer Allergie: Niesreiz, Jucken und Augentränen, auch etwas Kopfschmerzen und Unwohlsein. Die Beschwerden würden immer wieder während des gesamten Jahres auftreten. Nach dem Prick-Test waren wir keinen wesentlichen Schritt weiter. Die positiven Tests gegen Baumpollen erklärten nicht die ganzjährlichen Beschwerden.

Noch einmal kam ich zur Anamnese zurück.

„Wir müssen die Diagnostik ausdehnen. Fällt Ihnen wirklich kein Auslöser ein? Ein Ort, eine Person in der Umgebung, bestimmte Lebensmittel oder Cremes, Shampoos?“

„Meistens am Wochenende und wenn ich bei unseren Geschäftspartnern bin, in Amsterdam!“

„Das ist doch schon mal ein Hinweis. Und?“

„Ich hab’s mir schon gedacht, dass das am Cannabis liegen könnte! Aber das mache ich schon seit vielen Jahren und habe es bis zum Frühjahr immer vertragen. Und ich möchte sehr ungern darauf verzichten.“

„Eine Allergie kann sich auch erst später entwickeln.“

„Aber dagegen kann man sich doch desensibilisieren lassen, oder?“, fragte Herr Rauschmann hoffnungsvoll. „Das zahlt doch bestimmt auch die Krankenkasse! Es ist doch eine Grasallergie!“

Naja! Ich kann nicht allen Menschen helfen. Natürlich gibt es keine Desensibilisierung gegen Tetrahydrocannabinol (THC). Spannend wäre natürlich zumindest die Erforschung der Wirksamkeit einer adaptiven Desaktivierung wie bei Salicylaten. Versuchspersonen sollten leicht zu finden sein.

*Der Name ist natürlich geändert.

Bildquelle: Jos Dielis, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 06.10.2017.

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Gast
#8: Wenn man eine Intoleranz (nicht Allergie!) gegen Acetylsalicylsäure (z.B. in Aspirin) oder ähnliche Stoffe hat, kann man eine Desaktivierung starten, indem man täglich eine definierte Menge einnimmt. Darunter können dann Symptome wie Polypen in der Nase und asthmatische Beschwerden (Morbus Samter) zurückgehen. In diesem Fall humoristisch gemeint, weil es bei Allergie gegen THC nicht zutrifft, aber von Kiffern gerne gesehen wäre.
#9 am 14.10.2017 von Gast
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Gast
Was ist denn eine adaptive Deaktivierung bei Salicylaten?
#8 am 13.10.2017 von Gast
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Gast
Ich hatte einen ähnlichen Fall: Junger Mann der immer wieder in meine Notaufnahme schneite mit allergischer Urtikaria. Ich habe so ziemlich alles abgefragt was mir in den Sinn kam bis er schließlich meinte, es sei immer nach BurgerKing-Besuchen aufgetaucht. ... meine Empfehlung war dass er sein Essen woanders bezieht. Ist seit dem nie wieder gekommen. (Aber natürlich hab ich ihn auch zum Prick-Test u.ä. in die hausärztliche Versorgung weiter empfohlen. Abklärung muss ja sein)
#7 am 09.10.2017 von Gast
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Die von Ihnen als Allergie benannten Symptome scheinen mir eher Entzugserscheinungen nach übermäßigem Konsum zu sein.
#6 am 07.10.2017 von Dr. med. Ursula Vértesy (Ärztin)
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Gast
Herrliche Geschichte!
#5 am 07.10.2017 von Gast
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Gast
Ja. Eine Marihuana Allergie kommt eher von den Pollen oder/und auch durch die Mutationen die sich durch die Erbgutveränderungen im Laufe der Jahre Forschung in Holland entwickelt haben.
#4 am 06.10.2017 von Gast
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"Gras-Allergie" ist schon witzig.... Ich habe eine Lederallergie. Immer wenn ichnach dem Saufen mit Schuhen auf dem Sofa einschlafe, habe ich am nächsten Tag einen schweren Kopf.....
#3 am 06.10.2017 von Dr. med.vet. Stefan Gabriel (Tierarzt)
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Gast
allergie auf Cannabis muß nicht notwendigerweise eine Allergie auf THC sein.....
#2 am 06.10.2017 von Gast
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Schön, dass Sie auch auf Anamnese setzen. Auch in meiner Arbeit ist aktives Zuhören oft der Joker. Zum hier geschilderten Fall: unabhängig von dem Fürundwider von Cannabis ist hier auch an Reaktionen auf Verunreinigungen oder Streckmittel zu denken wie bei allen Drogen.
#1 am 06.10.2017 von Bernhard Bühr (Heilpraktiker)
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