Notarzteinsatz: Was hättest du getan?

26.09.2017
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Vom Zugucken lernt man ja gemeinhin wenig. Selber machen ist da schon sinnvoller. Deshalb gibt es heute mal einen Fall, den ich schildere und bei dem es mich interessieren würde, wie ihr gehandelt hättet. In ein paar Tagen berichte ich dann, was tatsächlich passierte.

Vor meinem Studium war ich der Meinung, dass ich mit der Kombination aus umfangreichem theoretischem Wissen und dem sicheren Beherrschen praktischer Fähigkeiten alle medizinischen Probleme lösen können werde. Diese schwarz-weiße Vorstellung entpuppte sich noch während des Studiums als frommer Wunsch. Medizin kann sich auf so unfassbar komplexe Weise präsentieren, dass immer wieder Situationen entstehen, in denen all dein Wissen und all deine Fähigkeiten dir letztendlich doch nur die Wahl zwischen Wartburg und Trabbi lassen. Manchmal wird erst nach dem Tod eines Patienten klar, was man hätte anders besser machen können.

Um euch zu verdeutlichen, wie kompliziert es manchmal ist, würde ich gerne ein What-would-you-do-Tutorial mit euch machen. Notfallmedizin ist weit mehr als defibrillieren und intubieren. Im folgenden Szenario geht es um Ethik, moralisches Handeln, Sozialdienst, Politik, Integration und Inklusion. Alles Dinge, die ich auf der Universtität und in zahlreichen Praktika gelernt habe. Nicht.

Der Fall Aydin

Einsatzstichwort: Akute Dyspnoe, Kind tracheotomiert, 4 Monate, YILMAZ Aydin_Hochstraße 237-239, Einweiser vor Ort

Einsatzort ist ein Wohngebiet mit sehr hohen Hochhäusern. Die Hausnummer 237–239 ist ein cremefarbener Plattenbau, ca. 20–25 Stockwerke hoch. An der Haustür stehen ein paar interessierte Jugendliche, keiner ist über unsere Ankunft informiert oder weiß etwas von einem Notfall.

Wir suchen „Yilmaz“ auf den geschätzt 200 Klingelschildern. Es gibt mehrere mit Yilmaz. Wir sprechen die Jugendlichen an und sagen, dass wir ein Kind von Familie Yilmaz suchen, das über einen Schlauch im Hals atmet. Tatsächlich weiß einer der Jungs Bescheid, er gibt uns den entscheidenden Tipp und schon sind wir im Aufzug.

Der Flur hat nochmal etwa zehn Türen, hier (!) macht sich nun tatsächlich jemand bemerkbar, die Tür ist auf. In der Wohnung treffen wir auf Frau Metler – sie gibt sich als Mitarbeiterin des Jugendamts aus. Anwesend ist auch ein junger Mann von 17 Jahren, Sercan, der Bruder unserer Patientin.

Man sieht sofort: Aydin ist krank

Im Stilmix eines Kinder- und Jugendzimmers wohnt Sercan mit seiner kleinen Schwester Aydin. Aydin ist unsere Patientin, anders als auf der Meldung stellt sich heraus, dass sie nicht vier Monate, sondern schon vier Jahre alt ist. Dafür sieht sie ungewöhnlich klein und zierlich aus, eher wie eine schmächtige Zweijährige. Der erste Eindruck sagt: Hier ist jemand richtig krank.

Die Wangen sind eingefallen, die Atmung über ein Tracheostoma sieht angestrengt aus, die Augenlider sind  schwach, auch Sercan wirkt müde. Sie atmet über ein Heimbeatmungsgerät im CPAP-Modus (eine Art Unterstützungsmodus, die Pat. „zieht“ Luft und das Gerät unterstützt sie ein bisschen, so als wenn man bei sehr, sehr starkem Wind an der See steht und den Mund gegen den Wind öffnet und einatmet, aber nur ein bisschen). Ich erkläre Sercan, dass wir ein paar Untersuchungen machen müssen.

Aydin wurde zum Sterben entlassen

Das Pulsoxymeter zeigt einen SpO² von 89 %, HF 129/min, RR 85/40. Recapzeit (mache ich immer, tut nicht weh und geht schnell) ist erwartungsgemäß bei über 2 Sekunden, was höchst alarmierend ist, denn bei Aydin sollte diese sogar unter einer Sekunde sein. Ich versuche einmalig Aydin abzusaugen, in der Hoffnung damit ihr Problem zu beheben, kann aber kein Sekret gewinnen, das chirurgische Tracheostoma ist frei.

Ich frage Sercan, was passiert sei, aber Sercan ist sehr aufgeregt und kann wenig berichten. Dafür erfahre ich mehr von Frau Metler. Frau Metler betreut die Familie Yilmaz seit einigen Jahren und weiß zu berichten, dass bei Aydin eine schwere Stoffwechselerkrankung vorliegt. Die Familie sei zuletzt erst vor drei Wochen aus der Klinik entlassen worden. Die Erkrankung sei nicht heilbar, weitere Therapieversuche hätten keine Aussicht auf Erfolg und die Entlassung sei auf Wunsch der Eltern erfolgt, damit Aydin wenigstens Zuhause im Kreis ihrer Familie sterben dürfe.

Die Eltern sind nicht zu erreichen

Es findet sich ein sehr ausführlicher Entlassungsbrief, in dem die infauste Prognose und die sehr geringe Lebenserwartung klar und deutlich benannt ist. Der Brief deckt sich mit den Angaben, der Mitarbeiterin des Jugendamts und bestätigt, dass die Patientin auf Wunsch der Eltern zum Sterben in häuslicher Umgebung entlassen worden sei.

Aktuell sei die Mutter auf der Arbeit, sie stehe dort an sehr lauten Maschinen. Einen Anruf würde sie gar nicht hören, die Benutzung von Handys auf der Arbeit sei aber ohnehin verboten, wird uns berichtet. Der Vater sei mit einem weiteren Sohn in den Nachbarort zu einem Vorstellungsgespräch gefahren. Sercan sei beauftragt worden, auf seine Schwester aufzupassen und falls irgendetwas sein soll, sollte er den Notarzt rufen.

Sercan bekommt große Angst

Sercan hat mittlerweile gemerkt, dass das Absaugen ohne den ersehnten Heilungserfolg geblieben war. In seinem Gesicht wird Not jetzt durch zunehmende Angst ersetzt, was er uns auch mitteilt. Seine Schwester dürfe nicht jetzt sterben und schon gar nicht, wenn seine Eltern nicht da sein. Außerdem müsse noch ein Imam gerufen werden und er könne ja seinen Vater nicht erreichen. Er macht mir glaubhaft war, dass sein Vater üble Dinge mit ihm anstellen würde, wenn seine geliebte und einzige Tochter sterben würde, ohne dass er den Notarzt gerufen habe. Sercan bittet darum, dass wir irgendwas machen, damit Aydin überlebt.

Für eine telefonische Kontaktaufnahme und ein zeitaufwändiges fernmündliches Gespräch welches gegebenenfalls sogar erst übersetzt werden muss bleibt keine Zeit mehr. Aydin geht es jetzt richtig schlecht, die Sättigung ist jetzt bei 81 %, es muss jetzt eine Entscheidung getroffen werden.

 

Hier geht es zur Auflösung.

 

Bildquelle: Maik Meid, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 02.10.2017.

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#64 am 01.10.2017 von Eugenia Dietrich (Studentin der Humanmedizin)
  0
Gast
Es gibt übrigens eine "Auflösung". Sucht mal nach "Aydin".
#63 am 29.09.2017 von Gast
  0
Blöde Frage....war der cuffdruck hoch genug?
#62 am 29.09.2017 von Angela Kolakowski (Altenpflegerin)
  0
Stabilisierung, Einweisung, fertig... das ist unsere Aufgabe. Wenn wir die nicht so durchführen, sind wir angreifbar. In der Klinik ist das Kind unter Kontrolle, bis sich die soziale Situation geklärt hat. Dann kann man neu entscheiden
#61 am 29.09.2017 von Uwe Blankenburg (Rettungsassistent)
  6
Silke Gabrysiak
Leiden lindern !!!! Wenn möglich vor Ort bleiben.Da das in Deutschland wegen Zeitnot nicht möglich ist , die Kleine einliefern lassen
#60 am 29.09.2017 von Silke Gabrysiak (Gast)
  3
Gast (Arzt)
Die kurzfristige Prognose ist infaust. Die Patientin befindet sich im unmittelbaren Sterbeprozess. Dies waren genau so die beiden Kriterien die ich gelernt habe, um von kurativem auf palliativen Ansatz zu wechseln. Die Eltern, deren Bedürfnis bei der Tochter zu sein natürlich verständlich ist, sollten verständigt werden wie auch immer möglich, im Zweifel über die Kollegen der Polizei. Morphingabe, Benzodiazepingabe, von CPAP auf echte Beatmung umstellen um Zeit zu gewinnen um Familie/Religiösen Beistand organisieren zu können. Darüber hinausgehende Maßnahmen wären mMn vermutlich zum leiden der Patientin und ich persönlich würde auf deren durchführung verzichten.
#59 am 28.09.2017 von Gast (Arzt) (Gast)
  2
Gast
Uff, SEHR komplizierter und schwieriger Fall... ich muss aber ehrlich sein, ohne Erziehungsberechtige vor Ort trotz infauster Prognose... Ich hätte erst mal versucht vor ort zu stabilisieren, Also ABC Schema durch, O2 geben, Atmung versuchen zu optimieren... wenn ich den Eindruck hätte dass das nix bringen würde, würde ich sie mitnehmen. Im Zweifelsfall immer für das Leben auch wenn es schwer fällt. Reanimieren dagegen wenn sie instabil wird... anfangen würde ich zumindest aber ich würde auch je nach verlauf willig sein die Reanimation ab zu brechen. Mo würde ich geben wenn ich den Eindruck hätte die Patientin braucht es (Schmerzen, schnelle, flache Atmung etc) aber ich würde keine Sedierung damit machen. Ich bin sehr gespannt was in Wirklichkeit passiert ist... für Reanimationen gibt's schemas, für sowas eben nicht.
#58 am 28.09.2017 von Gast
  1
So schwer es mir in dieser Situation auch fallen würde. Stabilisieren; MSI niedrig dosiert;Beatmung anpassen und begleiteter Transport in die Klinik ( Falls möglich mit Palliativstation). Denn: 1. Keine Sorgeberechtigten erreichbar, geschweige denn vor Ort 2. Keine palliative Struktur geschaffen worden 3. Noch unklar ob die akute Notsituation zumindest vorübergehend behebbar und behandelbar ist ( z. B. Pneumonie, Atelektase) 4. Selbstschutz ( auch juristischer) geht vor Fremdschutz Das alles in der Hoffnung, das sich der Zustand des Mädchens nochmal bessert und rasch tragfähige Strukturen SAPV etc. geschaffen werden.
#57 am 28.09.2017 von Dirk Jacobsen (Arzt)
  3
Gast 3
@Gast 54: ich bin ja grundsätzlich schon jemand der sich gerne einmal über unnötige Notarzteinsätze ärgert und die Auffassung vertritt dass Missbrauch dringend geahndet werden müsste, aber Ihre Anmerkung kann ich in keinster Weise nachvollziehen. Wenn irgendjemand das Recht auf sofortige umfassende ärztliche Betreuung hat dann dieses Kind! Natürlich sind Notärzte hauptsächlich da um Leben zu retten, aber das macht diesen Einsatz nicht unnötig oder falsch.
#56 am 28.09.2017 von Gast 3 (Gast)
  5
Fortsetzung: Wenn das Heim-Gerät ein reines CPAP Gerät ohne Bilevel-Möglichkeit ist oder vor Ort nicht herausgefunden werden kann wie auf das klinische Menü zugegeriffen werden kann, vorübergehend den Medumat benutzen.
#55 am 28.09.2017 von Robin Engert (Arzt)
  0
Ich kann die Argumentation von #36/37 nachvollziehen, dies ist gewissermaßen die reine notärztliche Lehre. Ich als Internist im Haupt- und Notarzt im Nebenberuf tendiere meist eher zu einer Mischung aus präklinischer und klinischer Entscheidungsweise, auch im Notarztdienst. Das Leben lehrt, dass Extreme meist nicht gut sind. Daher wäre mein Vorgehen weder die Maximaltherapie mit Transport, noch die ausschließliche symptomatische Therapie (Bezodiazepine/Opiate) mit Inkaufnahme einer Lebensverkürzung, sondern das von #33 (Pete) vorgeschlagene Procedere: Umstellen von CPAP auf einen echten Bilevel-Beatmungsmodus um Zeit zu gewinnen/den Sterbevorgang hinaus zu zögern, um Zeit für eine forcierte Kontaktaufnahme mit den Eltern zu gewinnen, notfalls Polizei mit Sondersignal hin schicken und Eltern genau so auch vor Ort abliefern lassen. Zur gleichzeitigen symptomatischen Therapie Morphin niedrig dosiert. Wenn absehbar ist dass die Eltern bald kommen, Rückänderung auf CPAP.
#54 am 28.09.2017 von Robin Engert (Arzt)
  2
Sicher ist es nicht erste Aufgabe des Rettungsdienstes/ Notarztes einen Pfarrer oder auch Imam zu verständigen. Das KIT kann und wird sich aber darum kümmern. Da braucht bloß die Dame vom JA bei der Leitstelle anrufen. Und nachdem ihr das mit Sicherheit nicht einfällt, kann die Rettungsdienstmannschaft ihr das sagen. Alternativ kann man das auch selbst der Leitstelle melden wenn man ohnehin telefoniert/ funkt um ein Bett auszumachen. Der Familie wird damit sehr geholfen und für das Rettungsteam muss nur einen Satz sagen. Recht hin oder her, ich versuche schon die Familien in solchen Situationen, wo es möglich ist, nicht vollkommen alleine im Regen stehen zu lassen. Sonst fahre ich womöglich eine Woche später auf einen Suizidversuch.
#53 am 28.09.2017 von Inge Apfel (Rettungssanitäterin)
  2
@52 Ich lese weder im Blogbeitrag noch in meinem Kommentar oder sonstwo, dass der Notarzt religiösen Beistand anfordern soll. Wäre aber in obiger Konstellation ein guter Auftrag für die Dame vom Jugendamt.
#52 am 28.09.2017 von Regina Sieber (Tierärztin)
  1
Gast
@50. Religionsfreiheit, Freiheit der Religionsausübung, richtig!! Das heißt aber, dass ich mich als Arzt nicht erstmal in verschiedene Religionen einlesen muss, sondern ich habe erstmal den Auftrag hier zu helfen und zwar notfallmäßig. Und ich werde als Arzt auch nach deutschem Recht beurteilt wenn ich was falsch mache oder unterlasse. Dann muss ich mich HIER verantworten. Ob die Familie nun Imam, Priester oder sonstwem hinzuzieht- und das kann sie gerne tun- ist Privatsache.
#51 am 28.09.2017 von Gast
  2
Gast
https://narkosearzt.wordpress.com/ Hier die Kommentare auf dem Blog
#50 am 28.09.2017 von Gast
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@ 48 und ähnliche Kommentare: Bezüglich Imam - deutsche Regeln: Würde Ihre Reaktion auch so ausfallen, sollte die Familie religiösen Beistand durch einen Priester jedweder christlichen Konfession wünschen? Es ist nicht nur in der christlichen, sondern auch in anderen Religionen nicht unüblich, einen Geistlichen zu einem Sterbenden zu rufen. Und da nach deutschem Recht Religionsfreiheit nicht "frei von Religion" heißt, sehe ich in dem Wunsch keinen Konflikt zu "deutschen Regeln".
#49 am 28.09.2017 von Regina Sieber (Tierärztin)
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Sepp
Rechtlich ist die Sache klar: Rettungsdienst - hoheitliche Tätigkeit - kein entgegenstehender unzweifelhaft klarer Patientenwille >> Hilfeleistungspflicht!! In dubio pro Vita!! Leben zu retten & zu erhalten ist Aufgabe aller staatlichen Gewalt. Ethisch ist die Sache schwieriger zu beurteilen, da aus der Schilderung nicht genau hervorgeht, ob medizinisch-fachlich eine Rettungsmöglichkeit überhaupt besteht. Anhand der geteilten Informationen würde ich wahrscheinlich entscheiden, das Kind so lange wie möglich am Leben zu halten, sein Leid zu mindern, soweit möglich, bis die Eltern erreicht werden können; aber eine Reanimation, welche ausschließlich zur Verlängerung des Sterbeprozesses und damit des Leidens führen würde, scheidet für mich aus. Parallel würde ich die Polizei hinzuziehen, um die Eltern herzuholen. Wenn alle Stricke reißen, muss die Jugendamtsdame eine vorübergehende Inobhutname aussprechen und eine Entscheidung treffen.
#48 am 28.09.2017 von Sepp (Gast)
  0
Beide Eltern waren nicht zu ihrem Vergnügen weg. Wahrscheinlich hat niemand damit gerechnet, dass sich die Situation so plötzlich so dramatisch verschlechtert. Dass der Bruder erst 17 ist hat bestenfalls rechtliche Relevanz, wäre er schon 18 gewesen wäre er trotzdem genau so hilflos davor gestanden. Wahrscheinlich wird er durchaus mit der normalen Pflege der Schwester vertraut gewesen sein, das Kind war ja nicht erst seit gestern krank. Dieser Notfall ist aber doch eine besondere Situation. Wahrscheinlich war er mit dem Kind auch von vornherein gar nicht alleine. Die Familie wurde ja offensichtlich vom JA betreut. Wahrscheinlich war die Dame eine Familienhelferin, die der Familie helfen sollte in dieser schwierigen Situation ein halbwegs geregeltes Familienleben führen zu können. Es ist also eher davon auszugehen, dass die kleine Patientin momentan stabil war und der Bruder mit Unterstützung der Familienhelferin der Situation normalerweise durchaus gewachsen gewesen wäre.
#47 am 28.09.2017 von Inge Apfel (Rettungssanitäterin)
  2
Versuchen das Kind vor Ort zu stabilisieren, notfalls auch Transport ins Krankenhaus. Jedes Kind sollte in den Armen der Eltern sterben dürfen und alle Eltern sollten ihr sterbendes Kind in den Armen halten dürfen. Für den Bruder das KIT anfordern, die JA-Mitarbeiterin einspannen, damit sie die Eltern ausfindig macht und ev. den Imam verständigen kann. Zur Familiensituation und das wird jetzt "etwas" länger: Ich bin ehrlich gesagt etwas entsetzt, dass den Eltern von einigen quasi unverantwortliches und desinteressiertes Verhalten vorgeworfen wird. Das Kind wurde vor 3 Wochen zum Sterben entlassen. Das heißt aber ja nicht, dass das Kind nach Hause kommt und dann stirbt. Das kann Wochen und Monate dauern. Die Familie muss von etwas leben und die anderen Kinder haben auch ein Recht auf die Fürsorge der Eltern. Die Mutter war arbeiten, der Vater mit einem Sohn (wahrscheinlich auch minderjährig, Volljährige machen das für gewöhnlich ohne Eltern) bei einem Vorstellungsgespräch.
#46 am 28.09.2017 von Inge Apfel (Rettungssanitäterin)
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Gast 3
Frau Urbanke: nichts für ungut, das mit der Sterbehilfe war eigentlich ironisch gemeint. Ich zweifle keinesweg an Ihrer Kompetenz und bin überzeugt davon dass Sie das Mädchen stabilisieren hätten können. Nur die Formulierung war eben etwas missverständlich, leide musste ich schon oft genug erleben dass die unüberlegte Anwendung von Sauerstoff die Situation verschlechtert oder zumindest nicht wie erhofft verbessert hat. @ Pete: da haben Sie schon recht, aber in Anbetracht der Situation gehe ich nicht davon aus dass das Kind "lungengesund" ist auch wenn hier eine Erkrankung der Lunge nicht explizit erwähnt wurde, allein schon die Tatsache dass sie tracheotomiert ist und beatmet wird ist ein deutlicher Hinweis. COPD-Patienten sind zwar die Hauptrisikogruppe für das von mir beschriebene Szenario aber sie haben kein Monopol für die Desensibilisierung des Atemantriebs durch chronisch rezidivierende CO2-Retention. Das kann auch anderen Patienten passieren.
#45 am 28.09.2017 von Gast 3 (Gast)
  2
Gast
Fortsetzung 2: Sehr wichtig ist es, die Schmerzmittel individuell dosiert und nicht nach Bedarf, sondern regelmäßig nach der Uhr einzunehmen, damit der Wirkspiegel im Blut immer etwa gleich bleibt. Dadurch entstehen starke Schmerzen gar nicht erst, und es kommt keine Suchtgefahr auf. Es zeigte sich, dass die Patienten durch eine den Beschwerden angepasste Opiatdosis ruhiger und tiefer atmeten. „Die zusätzliche Gabe von Sauerstoff, wie oft praktiziert, lindert die Luftnot jedoch nicht“, konstatiert Katri Clemens. Das Opiat verringert die Kurzatmigkeit und erhöht die mit jedem Atemzug aufgenommen Luftmenge, so dass sich die Atmung wieder normalisiert. Außerdem reduziert es die bis zur Panik gehende Angst, die durch die Luftnot verursacht wird und sie weiter steigert. Notfalls kann man zusätzlich ein Beruhigungsmittel geben. Palliativmedizin: Trotz aller neuen Erkenntnisse der Palliativmedizin müssen viele Krebskranke unnötig leiden, weil ihre Beschwerden unzureichend behandelt werden. Beitrag im Netz Rosemarie Stein
#44 am 28.09.2017 von Gast
  4
Gast
Moin, liebe Kollegen, sehr viel positive Beteiligung und -zuspruch zugleich. In der Tat eine ungünstige Situation. wie bereits meinerseits im gestriger Beitrag (NA/ Friedhof) angemerkt, erweist sich die Ethik in diesem Berufsbild als eine der schwersten Tugenden. Dafür gibt es Gott sei dank, Leitlinien und Verordnungen. Zum anderen evidentes Medizinisch- Pharmazeutisches Sichtungsmaterial, insoweit immer noch eine Information mehr, die es für den einen oder Anderen zu verinnerlichen gilt. Zitat: Der Begriff Betäubungsmittel ist irreführend ...Morphin ist das am längsten und am besten erprobte starke Schmerzmittel. Je nach Stärke des Schmerzes helfen auf der ersten Stufe schon übliche Mittel wie Paracetamol, Ibuprofen und Diclofenac. Hinzu kommen auf der zweiten Stufen schwache opiatähnliche Mittel (Opioide) wie zum Beispiel Codein, die auf der dritten Stufe gegen starke Opiate wie Morphin ausgetauscht werden.
#43 am 28.09.2017 von Gast
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(Bin lange Jahre Notarzt gefahren)
#42 am 28.09.2017 von Dorothee Urbanke (Ärztin)
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@38 ich schrieb GGF Morphin: lange Version: wenn sich Pat unter O2 und Anpassung der Beatmung stabilisiert und dann leidet, kann ich das doch wohl kaum zulassen. UND aktive Sterbehilfe ist anders definiert. Bitte nachlesen. Wenn ein Mensch an seiner Grundkrankheit stirbt und ich Leiden lindere ist das KEINE Sterbehilfe sondern ärztliches Handeln: Leiden lindern! @ 36: wenn der Notarzt gerufen wird heißt das nicht zwangsläufig Maximaltherapie sondern immer so Handeln wie es Situativ geboten ist. Die Menschen rufen den Notarzt weil sie Hilfe brauchen, dass kann auch manchmal sterben lassen und Seelsorge sein! Die Menschen sind dann zufrieden, weil sie nicht mehr die Last der Verantwortung tragen müssen! Ich habe zumindest keinen 90ig jährigen im Altenheim reanimiert sondern ein Sterben in Würde zugelassen! Habe auch nie Schwierigkeiten bekommen, im Gegenteil, die Angehörigen/ Pflegepersonal waren immer zufrieden!
#41 am 28.09.2017 von Dorothee Urbanke (Ärztin)
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Gast
Patient so weit stabilisieren, bis Imam oder Eltern vor Ort sind; Midazolam buccal, ggf. niedrigdosiert Morphin. Keinesfalls ins Krankenhaus verlegen.
#40 am 28.09.2017 von Gast
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Pete
@Gast 3: die Patientin hat eine Stoffwechselerkrankung, keine COPD. Aussetzen des Atemantriebs durch erhöhte O2-Gabe betrifft nur den Lungenkranken, der Lungengesunde triggert seine Atmung über das CO2. Bei Aussetzen der Atmung hätte auch jedes Heimbeatmungsgerät eine Apnoe-Ventilation die anspringt.
#39 am 27.09.2017 von Pete (Gast)
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Notärztin
Also mal überlegen: Ich bin gerufen worden, um etwas zu tun. Patient ist ein kritisch krankes, mir komplett fremdes Kind. Keine Sorgeberechtigten anwesend. Keine Patientenverfügung vorhanden. Das wären für mich absolut genügend Gründe, mich richtig an zu strengen um das Kind lebend ins Krankenhaus zu bringen!
#38 am 27.09.2017 von Notärztin (Gast)
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Gast 3
@Frau Urbanke: verstehe ich das richtig dass Sie der Patientin, die sich "auf dem Weg in die CO2-Narkose befindet", Morphium und Sauerstoff geben würden? Ich hoffe ich habe Sie missverstanden, denn damit würden Sie das Mädchen töten. Wie bereits mehrfach erwähnt muss zwingend der Beatmungsmodus angepasst werden, wer einfach nur O2 verabreicht nimmt dem Patienten sein letztes Bisschen Atemantrieb und spätestens beim Verabreichen von Morphin ist der endgültige Atemstillstand vorprogrammiert. Soweit ich weiß war in der gegebenen Fragestellung nicht die Rede von aktiver Sterbehilfe...
#37 am 27.09.2017 von Gast 3 (Gast)
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Gast
FORTSETZUNG: ....und verstehe überhaupt nicht, wie AUS NOTÄRZTLICHER SICHT über dieses Thema debattiert werden kann.
#36 am 27.09.2017 von Gast
  3
Gast
Hallo? Keine Eltern zuhause? Die Eltern lehnen lebensverlängernde Maßnahmen ab? Oder vielleicht doch nicht? Sie sind nicht erreichbar? Der Bruder passt auf die Kleine auf? Warum wurde der Notarzt gerufen? Was für eine Funktion hat die Sozialarbeiterin? Wie kann der Notarzt bei dieser Konstellation auch nur den geringsten Zweifel an dem haben, was er tun muss. Nämlich lebensverlängernde Maximaltherapie, Beatmung Kreislaufstabilisierung, notfallmäßige Transport mit unabkömmlicher Notarztbegleitung nach vorheriger Vorverständigung des Krankenhaus-Teams. Eltern über Rettungsleitstelle polizeilich ausfindig machen und informieren. Wenn irgendjemand auch nur andeutungsweise etwas anderes in Erwägung zieht, hat er die wahren notärztlichen Ideale nicht begriffen. Wollen Sie sich der unterlassenen Hilfeleistung mit Todesfolge schuldig machen? Lassen Sie diese Fragen von der Palliativstation oder im Hospitz klären. Ich bin seit 20 Jahren Notarzt, hatte ähnliche Einsätze bereits....
#35 am 27.09.2017 von Gast
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über Leitstelle anfordern. ( ging nicht mehr mit drauf)
#34 am 27.09.2017 von Dorothee Urbanke (Ärztin)
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Für die ethische Entscheidung hat der Notarzt den Brief mit der Diagnose, der Prognose und der schon getroffenen Entscheidung " zu Hause sterben". Wieso wollen viele hier noch eine Patientenverfügung sehen? Die Richtigkeit der Angaben wird sogar von der Dame des Jugendamtes bestätigt. Somit ist der medizinische Sachverhalt klar. Am meisten leidet wohl der Bruder an der Situation und Verantwortung! Die Patientin befindet sich schon auf dem Weg in die CO2 Narkose. Ich hätte wie folgt gehandelt: Bruder mit Dame rausgeschickt: " wir kümmern uns um deine Schwester" ( Keine sonstigen Versprechen!!!) Die Dame soll versuchen irgendjemand zu erreichen ( Beschäftigungstherapie- alle fühlen sich nützlich und können "helfen "). Dem Mädchen Sauerstoff geben in der Hoffnung sie stabilisiert sich wieder, ggf Morphin. Wenn die Patientin stirbt, dann ist es so und ich würde den Angehörigen erklären, dass keine Hilfe im Sinne von Retten/ Lebensverlängerung mehr möglich war. UND Notfallseelsorger
#33 am 27.09.2017 von Dorothee Urbanke (Ärztin)
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Pete
Minderjährige Patientin in offensichtlich palliativer Heimsituation. Die fehlenden Erziehungsberechtigten disqualifizieren diese mMn zu nachträglichen Ansprüchen. Beatmung von CPAP auf BiPAP umstellen, eventuell Pinsp und/PEEP erhöhen, Sauerstoff erhöhen oder anschließen. Im Sinne palliativer Therapie Schmerzmittel verabreichen. Dann als Notfall beide Eltern telefonisch verständigen lassen, eventuell über die Leitstelle die Polizei miteinschalten. Ethik vorangestellt sollte die Patientin keinesfalls leiden. Von einer mechanischen Reanimation vor Ort würde ich absehen.
#32 am 27.09.2017 von Pete (Gast)
  2
Gast
Guten Abend, meinen Respekt immer wieder der Medizin und dessen Verantwortung, insbesondere in diesen aktuellen Zeit. Es wurde bereits in vielen Erläuterungen sachlich und vorschlägig verwiesen. Dt Gesetzmäßigkeit (Patientenverfügung etc.) steht im Vordergrund. UNGÜNSTIG ist die Gesamtsituation! Im Notfall liegen dem Notfallmedizinische Leitlinien zu Grunde. Nichtsdestotrotz würde ich die Erkrankung und Therapie- Historie zwingend einbeziehen und zu Rate ziehen. In Anbetracht des vorgefundenen Sachverhalts entsteht schnell ein unüberschaubares Debakel. Lieber Dock, stehen Sie mit dem Rücken zur Wand! Jeder "NA hat bereits einen eigenen Friedhof". Aber Nicht jede Kultur folgt dieser traurigen Faktum. Ich wünsche Ihnen dass alles zum guten Endet.. Lg DozNotmed. PS. Mann mag sich gar nicht die Entwicklung auf ähnlicher Sachlage vorstellen...
#31 am 27.09.2017 von Gast
  2
Gast
Ich denke kein Kind möchte sterben. Wer will schon wissen, dass das Kind was "seit Jahren leidet" sein Leben als nicht lebenswert empfindet? Man darf hier nicht von kompletter Gesundheit ausgehen. Ich würde für mich wollen, dass auch in dieser Situation alles versucht wird. Ich möchte mal die Leute sehen, die dann bei vollem Bewußtsein gegen Therapie entscheiden. Ich könnte das nicht. Und zu den anderen Gepflogenheiten der Familie würde ich sagen, mein Land meine Regeln. Da würde mich solche Sentimentalitäten in dieser schwierigen Situation nicht interessieren.
#30 am 27.09.2017 von Gast
  4
Gast
19 nochmal. Es ist interessant, wo die Prioritäten liegen, so zwischen Mitleid mit dem Kind, ärztlicher Verantwortung und einer gewissen Angst vor juristischen Folgen, wenn man sich intensivmedizinisch zurückhält! Letzteres ist übrigens nicht zu unterschätzen, sollten sich die Eltern plötzlich nicht mehr erinnern, dass sie die Kleine sterben lassen wollten, zumal keine Patientenverfügung vorliegt.
#29 am 27.09.2017 von Gast
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Anonymer Nutzer
Gemäß der Angaben im Entlassungsbericht handelt es sich um ein fortgeschrittenen Krankheitsverlauf, der Infaust erscheint. Die Patientin befindet sich erkrankungsbedingt in einem körperlich morbiden Allgemeinzustand (Tracheostoma, Heimbeatmung,etc.). Trotz der bestehenden Hightech-Medizin vergessen wir, das wir nicht gegen unser persönliches Schicksal" Tod" ankommen werden. Wem wird es nützen das Kind, das eh seit Jahren leidet, in dem klinisch schlechten Zustand auf einer harten Trage mit RTW ins Krankenhaus zu fahren. Dort wird aus medizinischer Sicht kein Handlungsbedarf bestehen. Eltern und Imam sollten zügig informiert werden. Das was man über die Zukunft prophezeien kann ist das jeder früher oder später sterben wird. Der Todeszeitpunkt ist alters-und zeitunabgängig, hiergegen können weder Mediziner noch eine Hightech-Medizin entgegenwirken, das ist die Tragik der Situation, der Helfer und der Familie..
#28 am 27.09.2017 von Anonymer Nutzer (Gast)
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Gast
Imam und Vater fragen, das ist doch Quatsch. Es geht wertvolle Zeit verloren und wir sind hier in Deutschland. Was ist wenn die Eltern dann doch Therapie wollen? Kann auch sein, dass sie wegen unterlassener Hilfeleistung klagen.
#27 am 27.09.2017 von Gast
  5
Gast
"In einer wirklich SICHER infausten Situation gibt es KLARE Anweisungen, was wann getan werden soll und es steht der Familie ein professionelles Team zur Verfügung." - Nein, darauf sollte man sich nicht verlassen! Anhand des (Nicht-)Vorhandenseins einer Patientenverfügung und eines Hospizdienstes oder SAPV auf die "sicher infauste Situation" schließen zu können, halte ich für schlicht Spökenkiekerei. Der hier möglicherweise etwas überkonstruierte, aber so trotzdem gut vorstellbare Fall führt an ethische Grenzen - mit Absicht. Meine Meinung: Palliation, keine Rea. Eine "Direktverlegung" auf eine Palliativstation dürfte reichlich unrealistisch sein, aber womöglich kann das Mädchen auf der zuletzt betreuenden Station konsiliarisch vom Palliteam betreut werden.
#26 am 27.09.2017 von Gast
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Gast
Ps Gast 24: was stand in dem ausführlichen Arztbrief??
#25 am 27.09.2017 von Gast
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Gast
Mir reichen die Inf. Über d. Pat. nicht aus : Ansprechbarkeit, Reaktionsvermögen, Bronchospasmus, Allergien, Volumenmangel , Medikation ( schon unter Sedierung/ Morphintherapie weil " zu Hause sterben") uvm, Vater tatsächlich mobil nicht erreichbar ( kaum vorstellbar bei einem sterbenden Kind) ? Der Imam auch nicht? Sercan scheint überfordert und alleingelassen ( warum hat die Betreuerin keine Infos?). Alles leicht zu erfragende oder - falls geschehen- uns Lesern mitzuteilende Hinweise, erst dann kann und sollte eine Verfahrensweise gewählt werden.
#24 am 27.09.2017 von Gast
  3
Gast
Umstände unklar, Umfeld unzuverlässig, Regeln bei Migrantionshintergrund unklar (Imam, damit kann man hier nix anfangen)- einzige Option also: Helfen! In einer wirklich SICHER infausten Situation gibt es KLARE Anweisungen, was wann getan werden soll und es steht der Familie ein professionelles Team zur Verfügung. Fehlt hier alles.
#23 am 27.09.2017 von Gast
  2
Gast
Frau Dr. Wolf: Das Mädchen wird soweit ich die Situation verstanden habe bereits invasiv beatmet, dazu ist nur eine Anpassung das Modus des Heimbeatmungsgerätes erforderlich.
#22 am 27.09.2017 von Gast
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Ich würde versuchen, vor Ort zu therapieren (O2-Gabe, vielleicht lässt sich an dem Gerät ja auch Beatmung einstellen. Evt. Sedierung). Jedenfalls würde ich solange das Kind versuchen am Leben zu erhalten, bis die Eltern da sind. Gleichzeitig - weil ich mich um das Kind kümmern muss: Die Dame vom Jugendamt beauftragen sofort zu versuchen, die Mutter (notfalls über den Arbeitgeber direkt - NOTFALL!) zu kontaktieren, ebenso den Vater (was ist wichtiger: ein Vorstellungsgespräch oder der Tod der Tochter?!?) - jeweils mit der Bitte, sofort zu kommen bzw. gleich den Imam zu verständigen. Erreicht man tatsächlich niemand und lässt sich das Kind vor Ort nicht ausreichend stabilisieren, dann würde ich es in die Klinik mitnehmen. Immerhin kam vom VATER der Auftrag, den Notarzt zu rufen. Wenn dann die Eltern da sind, kann man immer noch den Weg der Palliation gehen. Aber: in diesem Fall gibt es sicher kein echtes "richtig" und "falsch"
#21 am 27.09.2017 von Dr. med. Almut Hefter (Ärztin)
  1
Schwierige Entscheidung. Ich frage mich allerdings schon, warum beide Elternteile ihre Tochter, von der sie wissen, dass sie sterben wird, alleine lassen und dann auch nicht erreichbar sein sollen! Nun gut, Symptomtherapie kann man auch vor Ort machen. Sauerstoff erhöhen, ggf. sedieren. Das gibt dem Bruder auch das Gefühl, dass etwas gemacht wird. Dann würde ich versuchen, den Vater zu erreichen, notfalls in der Firma anrufen in der das Vorstellungsgespräch stattfinden soll. Aufgrund der infausten Prognose ist keine invasive Therapie indiziert, Reanimation erst recht nicht. Das Leiden des Mädchens zu verlängern nur weil seine Erziehungsberechtigten sich aus der Verantwortung stehlen könnte ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Zum Thema Klinikeinweisung: was sollte dort gemacht werden? Invasive Beatmung? Davon würde man sie nicht mehr entwöhnen können und ein Sterben zu Hause wäre nicht mehr möglich.
#20 am 27.09.2017 von Dr. med. Karin Wolf (Ärztin)
  8
Gast
Wenn "irgendwas sein sollte", soll der Bruder den Notarzt rufen?! Wer den Notarzt ruft, muss mit Maximalmaßnahmen rechnen, insbesondere wenn keine Verfügung vorliegt. Oder man ist eben erreichbar. Da ist der Migrationshintergrund völlig egal.
#19 am 27.09.2017 von Gast
  3
Notarztabernochnichtlange
Ich würde dieses Kind niemals zuhause lassen. Hier ist ja gar nichts sicher geklärt. Was den Wunsch nach 'zuhause sterben' angeht - was nützt denn das, wenn von der Familie sowieso kaum einer da ist, um sie zu begleiten? Wird der Notarzt gerufen, impliziert das meiner Meinung nach, dass es mit dem Sterben jetzt noch nicht losgehen soll. Es scheint, als wäre die Entlassung in ein völlig überfordertes Umfeld erfolgt, da wäre vielleicht der Verbleib in der Klinik oder auch ein Hospiz die bessere Lösung gewesen. Gegen Morphin und Sauerstoff spricht nichts. Außerdem sollte man mal die Einstellungen des CPAP-Gerätes überprüfen, vielleicht lässt sich da etwas verbessern. Und ja, ich würde wahrscheinlich auch eine Reanimation beginnen, auch wenn der Erfolg eher nicht eintreten wird. Zumindest hätte dann der Bruder das Gefühl, es wurde alles mögliche getan. Und offenbar scheint es ja sehr wichtig zu sein, dass noch etwas Zeit bleibt damit der Imam antreten kann.
#18 am 27.09.2017 von Notarztabernochnichtlange (Gast)
  4
Gast
Gespräche mit Angehörigen und erarbeiten eines Palliativkonzepts brauchen Zeit- und diese ist laut Bericht hier erstmal nicht gegeben. Außerdem nur der minderjährige Bruder vor Ort. Mag sein, dass bei Kliniktransport die Verantwortung an andere übertragen wird, aber die Verantwortung für einen möglicherweise nicht erwünschten Tod würde ich nicht übernehmen wollen. Im KH kann man immer nich die Therapie reduzieren,umgekehrt- die Therapie bei begonnenem Sterbeprozess oder nach Eintritt des Todes wieder hochfahren- geht das nicht.
#17 am 27.09.2017 von Gast
  1
Gast
Erst mal vor Ort behandeln, palliation und dann ab ins Krankenhaus, dort möglichst stabil halten bis die Eltern da sind und entscheiden können. Können die kleine ja immernoch nachhause nehmen wenns soweit ist.
#16 am 27.09.2017 von Gast
  5
Ich würde den Bruder nach einer Patientenverfügung oä fragen und ihn bitten den Imam zu holen. Seine Schwester würde ich stabilisieren und palliativ behandeln, bis zumindest ein Elternteil wieder da ist um Entscheidungen zu treffen. Es sei denn, die Patientin selber würde mir zu verstehen geben ins KH zu wollen. Auch mit Tracheostoma ist ja noch eine Verständigung per Handzeichen oder Nicken möglich.
#15 am 27.09.2017 von Alexandra Müller (Studentin der Tiermedizin)
  10
Bei klar dokumentierter infauster Prognose wollen Sie doch hier keinen Transport ins KH durchführen - man muss Verantwortung übernehmen, in dem man Leid mindert (Palliation), die Angehörigen und Imam hinzuzieht und dann die Angehörigen situativ einweist und die Möglichkeit des raschen Todeseintritts bespricht. Dies ist oft zeitintensiv, aber mit medizinischem Wissen/Können und ethisch verantwortungsvollem Handeln unabdingbar. Und wo bitte ist eine Reanimation bei infauster Prognose indiziert? Unterlassene Hilfeleistung, Transport und andere Nebenkriegsschauplätze stellen m. E. ein Verschieben der eigenen Verantwortung auf andere Kollegen dar!
#14 am 27.09.2017 von Dr. med. Harald Süs (Arzt)
  13
Gast
So lange kein Erziehungsberechtigter vor Ort ist und keine klare Dokumentation: Klinik und Maximaltherapie. Dort kann über Psychologen/Sozialdienst dann weitere Schritte besprechen. Ich würde mir das nicht vorwerfen lassen wollen nicht geholfen zu haben. Und wer weiss, ob die Eltern nicht inzwischen die Meinung geändert haben in Richtung lebenserhaltende Maßnahmen- dann sitzt man bei Unterlassung ganz schön in der Tinte. Siehe BILD Zeitung und Co.
#13 am 27.09.2017 von Gast
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Karl Galterins
Basierend auf dem, was ich bis anhin von und in diversen Jugendämtern erfahren habe, würde ich wohl zuerst die Person aus dem Amt die Treppe runterjagen. Nützt dem Kind nichts, ich weiß, aber vor Ort schadet die nur. Hat sich schon daran gezeigt, dass die nicht mal einen "Empfangsposten" für den Nortarzt vor die Tür positioniert hat.
#12 am 27.09.2017 von Karl Galterins (Gast)
  4
Gast 3
@ 8: Da haben Sie recht. Wollen wir hoffen dass das Anpassen der Beatmung ausreicht und eine CPR nicht erforderlich sein wird. Diese wäre ohnehin wenig aussichtsreich. Sollte es soweit kommen hoffe ich dass meine Sedierung ausreichend ist um dem Mädchen das Miterleben der CPR zu ersparen.
#11 am 27.09.2017 von Gast 3 (Gast)
  0
Sicherlich ist es sinnvoll, zunächst einmal O2 hochzuregeln. Bei strukturellen unheilbaren Erkrankungen mit augenscheinlicher Retardierung und fehlender Therapiemöglichkeit bringt eine KH-Einweisung de facto gar nichts. Er verlängert nur das Leiden der Patientin. Soll sie im KH sterben? Und wenn sie wieder entlassen wird: Der nächste Einsatz steht vor dem gleichen Problem. Palliation, vor Ort bleiben, beistehen...
#10 am 27.09.2017 von Dr. Stefan Elstner (Arzt)
  6
Gast
Naja, so lange DAS aber nicht klar dokumentiert ist, dass keine Reanimation gewünscht ist muss man sie machen. Ist sonst unterlassene Hilfeleistung. Und wer kann schon wissen, was das Kind will. Immerhin kommt man hier zu einem fremden Patienten dazu.
#9 am 27.09.2017 von Gast
  1
Gast 3
Eine Reanimation wäre nicht im Sinne der Patientin oder der Angehörigen und zudem auch aus rein medizinischer Sicht fragwürdig.
#8 am 27.09.2017 von Gast 3 (Gast)
  12
Gast
Vorher kann man immer schlau reden, aber ich denke ist man selbst erstmal in der Situation mit infauster Prognose, Beatmungspflichtigkeit sieht es doch nochmal ganz anders aus. Dann hängen doch die meisten am Leben und dann ist es unsere verdammte Pflicht zu helfen. Wer will hier entscheiden welches Leben etwas wert ist?
#7 am 27.09.2017 von Gast
  6
Gast 3
Palliation steht klar an erster Stelle. Hinsichtlich lebenserhaltender Maßnahmen ist die Frage einer Intubation immer ein heikler Punkt, in diesem Fall glücklicherweise nicht. Da in diesem Fall eine Beatmungsmöglichkeit bereits gesichert ist und keine positiven oder negativen Konsequenzen hinsichtlich der Lebenserwartung zu erwarten sind kann man guten Gewissens zügig mit der Palliation anfangen und den Beatmungsmodus anpassen ohne die weiteren Fragen vorab beantworten zu müssen. Der Patientenwunsch/Wille der Eltern ist keineswegs klar dokumentiert. Die Eltern sind nicht erreichbar. Zudem kann der ebenfalls minderjährige Bruder in dieser Situation kaum mit der Schwester allein gelassen werden, also steht ein verbringen der kleinen Patientin in die Klinik ausser Frage. Dort ist unverzüglich ein umfassendes palliatives Therapiekonzept zu erarbeiten das auch eine ambulante Palliativversorgung beinhaltet falls die Eltern die Patientin rasch wieder nach Hause holen möchten.
#6 am 27.09.2017 von Gast 3 (Gast)
  0
K. Happ
Ich würde das mit der angeblich zwngsläufig töflich verluafenden Stoffwechselerkrankung hinterfragen und Patientin und Bruder in das Krankenhaus transportieren lassen. Ev. liegt Darmerkrankung durch ungeeignete Ernährung vor und der ganze Rest ist doch nur Folge? Da soziale Umstände desolat. Außerdem ist Sercan gefährdet, Gefährdungsmeldung an Jugendamt für beide Kinder. Auch wenn Jugendamts-Mitarbeiterin anwesend. Hinweis: Bin Rechtsanwältin und medizinisch ziemlich unwissend. Bin gespannt.
#5 am 27.09.2017 von K. Happ (Gast)
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Hausarzt
Ich würde das Kind mit in die Klinik nehmen. Die Eltern ( hier insbesondere der Vater ) haben die todkranke Tochter allein gelassen. Diese müssten entscheiden, sind sie nicht da, ist vom mutmaßlichen Willen des Kindes auszugehen. Ich habe noch kein Kind erlebt das sterben will, und in diesem Alter alles überblickt um zu entscheiden.
#4 am 27.09.2017 von Hausarzt (Gast)
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Wirklich ein spannender Fall. War denn der Imam erreichbar? Ich könnte es mir hilfreich vorstellen, wenn dieser vor Ort wäre, quasi die soziale Federführung übernehmend, während die Patientin zunächst symptomatisch therapiert wird (z. B. Sauerstoff, Morphin).
#3 am 27.09.2017 von Moritz Dieckmann (Student der Humanmedizin)
  6
Gast
Naja, zum Sterben entlassen und dann wirklich sterben sind auch nochmal zwei verschiedene Dinge. Normalerweise müsste eine klare Patientenvollmacht o.ä. vorliegen wi drinsteht was die Eltern im Sinne des Kindes wünschen: Reanimation Ja/Nein, Beatmung Ja/Nein. Ist das nich klar dokumentiert würde ich therapieren- sonst ist es unterlassene Hilfeleistung.
#2 am 27.09.2017 von Gast
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Gast
infauste Prognose, Patientenwunsch bzw. der Betreuungspersonen ist klar dokumentiert. Alles außer einer Palliation würde nur Leid verlängern und ist medizinisch nicht indiziert. Allein schon aus Respekt vor dem kleinen Mädchen sollte hier eine sinnloser Heilungsversuch unterbleiben.
#1 am 27.09.2017 von Gast
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