Lumbalpunktion ist wie Blut abnehmen

26.09.2017
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An jedem Tag, den ich auf der neurologischen Station oder in unserer Notaufnahme verbringe, muss ich bei Patienten Lumbalpunktionen durchführen. Und genauso häufig höre ich die Worte:

Ich kann die Sorgen und Ängste der Patienten verstehen, wenngleich eine Lumbalpunktion für uns Neurologen kaum mehr bedeutet als eine Blutentnahme. Ich habe sicher mehrere 100 Lumbalpunktionen eigenständig durchgeführt und bisher keine schwerwiegenden Komplikationen erlebt. Aus diesem Grund möchte ich hier mal den Ablauf einer Lumbalpunktion beschreiben.

Anatomie

Bei einer Lumbalpunktion wird versucht, das sogenannte Nervenwasser (Liquor cerebrospinalis) zu gewinnen. Dieses Nervenwasser umspült das Gehirn und das Rückenmark und ist bei entzündlichen Veränderungen des zentralen Nervensystems häufig verändert (z.b. bei Multipler Sklerose oder Meningitis). Eine Liquorpunktion wird im Bereich der Lendenwirbelsäule durchgeführt, genauer gesagt zwischen dem 3. und 5. Lendenwirbelkörper. Nach dem Durchstechen der äußeren Haut führt man die Nadel zwischen den Lendenwirbelkörper hindurch und erreicht die Rückenmarkshaut, welche den Liquorraum umschließt. Die innere Haut ist häufig etwas fester (Dura mater), sodass man als erfahrener Neurologe spürt, wenn man den Liquorraum erreicht.

Aufklärung

Vor jeder invasiven Maßnahme, die man als Patient über sich ergehen lassen muss, steht die Aufklärung. Diese sollte mit ausreichender Bedenkzeit erfolgen. Im stationären Rahmen kläre ich den Patienten am Tag vor der Lumbalpunktion auf. Ich erkläre, warum ich die Diagnostik für notwendig halte und beschreibe den genauen Ablauf. Häufig zeige ich dem Patienten am eigenen Rücken die Stelle, an der ich mit der Nadel einstechen werde oder male diese auf einem Stück Papier auf. Die Aufklärung ist der Zeitpunkt, um auf die Angst des Patienten einzugehen, zu beruhigen und über mögliche Komplikationen zu berichten. Ich erkläre weiterhin, was passieren kann, wenn die Untersuchung abgelehnt wird.

Im Falle eines Notfalls, z.B. bei einer Hirnhautentzündung, muss eine Lumbalpunktion sehr zügig erfolgen, um ernsthafte Komplikationen zu vermeiden. Meist erfolgt hierbei direkt im Anschluss an die Aufklärung die Punktion. Sind Patienten nicht bei vollem Bewusstsein, kann eine Lumbalpunktion bei Lebensgefahr auch ohne Aufklärung durchgeführt werden.

Komplikationen

Auch wenn ich täglich Lumbalpunktionen durchführe und nie schwerere Komplikationen erlebt habe, muss ich natürlich über alle Eventualitäten aufklären. Das kann manchmal dazu führen, dass die Ängste der Patienten erneut aufflammen.

„Meine Nachbarin kennt aber jemanden, der nach dieser Lumbalpunktion gelähmt war.“

Lähmungen treten auf, wenn das Rückenmark oder Nerven irreparabel geschädigt werden. Üblicherweise wird die Lumbalpunktion auf einer Höhe durchgeführt, die mehrere Zentimeter unterhalb des Rückenmarks liegt, sodass das Risiko, das Rückenmark zu treffen, gegen null geht. Die Spinalnerven, die am Ende des Rückenmarks austreten, können mit der Nadel touchiert werden, weichen dieser jedoch aus. Der Patient wird die Berührung als kurzen Stromstoß wahrnehmen. Schädigungen sind hierbei nicht zu erwarten.

Bei schweren Einblutungen oder Infektionen im Spinalkanal, die sich bis zum Rückenmark ausbreiten, könnten Nervenzellen beschädigt und somit irreversible Lähmungen hervorgerufen werden. Diese Komplikationen sind jedoch sehr selten und nahezu ausschließlich bei vorerkrankten Patienten zu erwarten, die beispielsweie an einer nichtbekannten Gerinnungsstörung oder Immunerkrankung leiden.

„Ich habe von der Freundin meiner Schwägerin gehört, dass diese hinterher 4 Wochen lang fürchterliche Kopfschmerzen gehabt habe.“

Kopfschmerzen gehören tatsächlich zu den häufigeren Komplikationen, die im Anschluss an eine Lumbalpunktion auftreten. Im Spinalkanal befinden sich ca. 150 bis -200 ml Liquor, wovon nur ein kleiner Teil punktiert wird. Manchmal führt das allerdings dazu, dass ein sogenannter postpunktioneller Kopfschmerz auftritt.

Dieser Kopfschmerz tritt nach 2-3 Tagen auf, ist üblicherweise im Sitzen und Stehen am stärksten ausgeprägt und lässt im Liegen nach. Manchmal kommen andere Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Schwindel dazu. Nach einigen Tagen Bettruhe bildet sich dieser postpunktionelle Kopfschmerz in den allermeisten Fällen von selbst zurück. Ich selbst empfehle nach den Punktionen, viel zu trinken, obwohl die Studienlage hierzu nicht eindeutig ist. Längeres Liegenbleiben nach der Punktion, wie es manchmal empfohlen wird, verhindert das Auftreten von Kopfschmerzen nicht (1).

Sollte der Kopfschmerz auch nach 2-3 Wochen nicht nachlassen, kann eine Behandlung mit einem Blutpatch erfolgen. Hierbei kann ein mögliches Loch in der Hirnhaut, das sich nach der Punktion nicht wieder verschlossen hat, mit Eigenblut abgedichtet werden. Da früher andere (dickere) Nadeln verwendet wurden, treten heute Kopfschmerzen seltener auf als noch vor 15 Jahren.

Weitere Komplikationen, die auftreten können, sind: Infektionen, kleinere Einblutungen, Schmerzen an der Punktionsstelle und in seltenen Fällen vasovagale Synkopen (Bewußtseinsverlust während der Punktion). In der Aufklärung stehen noch einige Dinge mehr. Ich habe mich in diesem Artikel jedoch bewusst auf die Komplikationen konzentriert, die ich entweder häufiger sehe oder bei den Patienten Ängste und Fragen hervorrufen.

Durchführung

Eine Liquorpunktion kann im Liegen oder im Sitzen direkt im Patientenzimmer durchgeführt werden. Ich persönlich punktiere die meisten Patienten im Sitzen. Hierbei fahre ich das Bett oder die Liege ganz nach oben und lasse den Patienten auf der Bettkante sitzen. Dann muss der Patient den Rücken freimachen und ich beginne zu tasten, um den Punkt zu lokalisieren, an dem ich hinterher punktiere.

Ich ertaste beide Hüftknochen und gehe von diesen Punkten nach hinten zum Rücken. Dort versuche ich dann, eine Lücke zwischen den Wirbelkörpern zu finden. Den Patienten bitte ich hierfür, einen sogenannten „Katzenbuckel“ zu machen. Je runder der Rücken des Patienten, desto leichter ist es für mich, den optimalen Punktionspunkt zu finden. Dann beginne ich mit der Desinfektion und ziehe mir die sterilen Handschuhe an. Meist nehme ich mir eine Hilfsperson mit dazu, die mir die Nadel und Röhrchen anreichen kann.

Prinzipiell kann man die Punktion aber auch allein durchführen. Dann warne ich den Patienten vor, dass ich gleich stechen werde. Ich empfinde das als ganz wichtig, den Patienten über alle Schritte, die hinter seinem Rücken passieren, zu informieren, denn er kann ja nicht sehen, was dort passiert und hört nur das Rascheln von Papier usw. Die Punktion an und für sich dauert dann meistens nur 1-2 Minuten. Ich punktiere und merke meistens am Durchstechen der harten Hirnhaut, dass ich im Liquorraum angekommen bin. Auch das teile ich dem Patienten mit. Dann lasse ich den Liquor in 1-2 Röhrchen tropfen und ziehe die Nadel wieder heraus. Auf die Punktionsstelle kommt noch ein Pflaster und fertig.

„Bekomme ich eine Narkose?“

Prinzipiell kann eine Lokalanästhesie an der Punktionsstelle durchgeführt werden. Ich verzichte meistens jedoch darauf, da die Lumbalpunktion selbst meist nur wenig schmerzhaft ist und insgesamt nicht lange dauert. Wenn der Patient eine Anästhesie wünscht oder sehr starke Ängste hat, biete ich sie jedoch an.

Auswertung

Normalerweise sieht Liquor aus wie Leitungswasser: durchsichtig und klar. Bei Entzündungen ist er häufig trüb oder weißlich gefärbt. Bei Blutungen manchmal rötlich oder orange verändert.

Ein schneller Transport in ein entsprechendes Labor ist wichtig. Dort wird direkt im Anschluss eine Bestimmung der Zellzahl im Mikroskop durchgeführt. Im Notdienst mache ich dies teilweise auch selbst. Maschinell wird weiterhin das Gesamtprotein und der Laktatwert bestimmt. Diese Ergebnisse kann der Patient innerhalb weniger Stunden erhalten. Andere wichtige Untersuchungen sind schwieriger durchzuführen und dauern mitunter 2-3 Tage. Für den Patienten manchmal eine Geduldsprobe.

Was man versteht, macht einem keine Angst

Insgesamt ist die Lumbalpunktion somit ein kleiner Eingriff, der mit wenigen Risiken verbunden ist und bisher bei bestimmten Fragestellungen auch nicht ersetzt werden kann. Für uns Neurologen bedeutet es tatsächlich kaum mehr als eine Blutentnahme … und die Angst vorher ist häufig schlimmer als die Punktion selbst, dies wurde mir von vielen Patienten mitgeteilt.

In diesem Sinne sagte schon Marie Curie: „Was man zu verstehen gelernt hat, fürchtet man nicht mehr.“

(1) Dr. med. Susanne Meinrenken, Bremen Aus der Zeitschrift DMW Deutsche medizinische Wochenschrift 2013; 138(48): 2451

 

Bildquelle: ketrin1407, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 05.10.2017.

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Gast
1999 wurden bei mir wg. Verdacht auf MS Lumbalpunktionen durchgeführt. Schmerzhaft nicht aber schrecklich- im Katzenbuckel Entnahme von Liquor. Im Zuge einer dieser Versuche wurden bei mir offensichtlich Nerven verletzt; meine Beine kribbelten 2 Jahre lang!. Ich rannte von Pontius bis Pilatus, musste schlussendlich hochdosiertes Vitamin B einnehmen und warten, warten, warten- zermürbend. Irgendwann wurde es dann allmählich weniger. Beim Einschlafen war es abends besonders schlimm. Nach der Punktion hatte ich gewaltige Kopfschmerzen- man muss viel trinken. Mir war schwindelig, ich war mitten im Studium, musste mich auf den Boden setzen, warten und dann weiter arbeiten. Es war nicht easy. Zudem kam nicht mal was Besonderes raus- angeblich. "Prophylaktisch" applizierte man Cortison intrathekal, woraufhin ich Monate nicht schlafen konnte ohne Schlafmittel.
#28 vor 44 Tagen von Gast
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Lokalanästhesie ist leider nur örtlich auf dem Weg zum Wirbelkanal. Das was echt fies ist, wenn die (Nervenführende) Knochenhaut der Wirbelkörper mit der Punktionsnadel berührt wird oder wenn ein Rückenmarksnerv berührt wird, kann damit leider sowieso nicht betäubt werden. Bei Normalgewichtigen kann man übrigens die Dornfortsätze hinten an den Wirbelkörpern sehr gut tasten, und so die Lokalisation von L3, L4 und L5 ermitteln und vor allem den Zwischenraum gut finden, um eben nicht den Wirbel selber zu berühren. Klar ohne Skoliose, Versteifung o.ä.
#27 vor 45 Tagen von Dr. med. Christine Aresin (Ärztin)
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Gastarzt
Lumbalpunktionen habe ich in meiner Ausbildung zuhauf gemacht. Wirklich kein Drama ...
#26 vor 45 Tagen von Gastarzt (Gast)
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Gast
Nach drei vergeblichen schmerzhaften Versuchen durch eine angeblich erfahrene Neurologin habe ich weitere Versuche abgelehnt. Wer noch mal in meiner Wirbelsäule rumstochern will muss aber schon seeehr gute Gründe anführen.
#25 vor 45 Tagen von Gast
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Gast
Gut beschrieben. Danke
#24 vor 45 Tagen von Gast
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"Prinzipiell kann eine Lokalanästhesie an der Punktionsstelle durchgeführt werden. Ich verzichte meistens jedoch darauf, da die Lumbalpunktion selbst meist nur wenig schmerzhaft ist und insgesamt nicht lange dauert. " Nun ja. Ich fand, es tat elend weh. Gottseidank hat eine freundliche Schwester meine Hand gehalten, während die Neurologin hinten den richtigen Punkt finden musste. Und bei einer Skoliose, Implantaten, Versteifung etc. ist das nicht so ohne, sollte man dazu sagen. Gegen die Kopfschmerzen haben bei mir Coffeintabletten geholfen.
#23 vor 45 Tagen von Remedias Cortes (Nichtmedizinische Berufe)
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Gast
@20 Nun, sie haben nicht unrecht dass zwischen 3. und 5. LWK der 4.LWK ist... aber wie mit allem ist es schwierig von außen ab zu zählen wo genau nun der 3. oder 4. LWK ist. Die Angabe "von... bis.." bezieht sich nicht darauf dass man in den 4. LWK sticht sondern dass man üblicherweise die Punktion entweder unter dem 3. LWK, unter dem 4. LWK oder auch unter dem 5. LWK machen könnte.
#22 vor 46 Tagen von Gast
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Gast
@19: Sie sagen es. Die Panikmache und die vielen Schauergeschichten rund um die LP stehen in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Risiken und den reellen Komplikationen. Ja, es kann verdammt wehtun! Es ist wichtig das bei der Aufklärung unmissverständlich zu sagen. Aber einen dauerhaften Schaden trägt kaum jemand davon. Was man von den Erkrankungen die man mit dieser Untersuchung abklärt nicht behaupten kann. Auch das sollte bei der Aufklärung erwähnt werden. An einer Meningitis kann man sterben.
#21 vor 46 Tagen von Gast
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Gast
"Eine Liquorpunktion wird im Bereich der Lendenwirbelsäule durchgeführt, genauer gesagt zwischen dem 3. und 5. Lendenwirbelkörper." Dahin hat der liebe Gott den 4. LWK gesetzt.
#20 vor 46 Tagen von Gast
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Gast
Sehr schöner Artikel. Ich hatte selbst am Anfang recht viel Angst "etwas kaputt" beim Patienten zu machen aber ähnlich wie mit jedem anderen invasiven eingriff (auch die Blutentnahme ist einer!) gewinnt man mit Erfahrung Sicherheit. Die LP ist eine sehr elegante Methode der Diagnostik und bisher habe ich bis auf Kopfschmerzen nach der LP noch keine Komplikationen bei meinen Patienten erlebt. Das Zitat am Ende finde ich deswegen auch treffend und kann es nur bestätigen: was man versteht fürchtet man nicht. Als zusatz kann ich nur anfügen: Man lernt nur den Respekt. So gehe ich heute nicht mehr mit Angst an die LP sondern mit dem nötigen Respekt und der Sicherheit meiner Erfahrung.
#19 vor 46 Tagen von Gast
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Gast
Leider geben sowohl der aufmerksamkeitsheischende Anfang als auch das phrasenhafte Ende dem durchaus informativen Beitrag einen negativen Beigeschmack. Die Überschrift muss jedem Mediziner aufstoßen, wird aber im Textverlauf zumindest relativiert, während das Schlusszitat als bloße Behauptung stehenbleibt. Madame Curie war weder Psycholgin noch Philosophin, sondern Naturwissenschaftlerin.
#18 vor 46 Tagen von Gast
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Gast
Ich kann vor dieser Punktion nur eindringlich warnen wenn es nicht sein muss - sie wird viel zu oft durchgeführt. Bei meinem Schwiegervater hat sich das Loch nicht geschlossen..es trat ständig Liquorwasser aus und keiner merkte das - er hatte höllische Kopfschmerzen...ein Heilpraktiker hat die richtige Diagnose gestellt! Ich selbst habe einmal bei mir wegen langen Kopfschmerzen durchführen lassen - nie wieder..dieser Stromstoß traf mein gesamtes linkes Bein! Zum Glück keine bleibenden Schäden. Aber das möchte ich keinem wüschen.
#17 vor 46 Tagen von Gast
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@ anonymer Gast#12 Ihren Link selbst lesen/verstehen. Neben dem "Tragen steriler Handschuhe durch den Punktierenden" steht dort "... es finden sich jedoch zahlreiche Fallbeschreibungen iatrogen induzierter Meningitiden in der Literatur. Molekulargenetische Untersuchungen wiesen nach, dass die Infektion durch Keime erfolgte, die sich in der Mundhöhle der durchführenden Ärzte nachweisen ließen (Veringa et al. 1995)"... "Unter pathogenetischen Gesichtspunkten wird die Wahrscheinlichkeit außerdem mit dem Vorliegen eines respiratorischen Infekts beim Punktierenden und dem Sprechen bei der Durchführung einer Liquorpunktion [LP] in Verbindung gebracht (Baer 2000)...". Was soll: "Fehleinschätzungen von außen zu beurteilen ohne dabei zu sein, hat etwas von Stammtischmoral" in Heckenschützen-Manier? Als Neurologie-Schüler von Prof. Dr. med. Hans Schliack in Berlin und mit Non-Hodgkin-Lymphom Stadium IVa/autologe Stammzell-Transplantation in 2000/2007 habe ich genug persönliche LP-Erfahrungen!
#16 vor 46 Tagen von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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Gast
Das Problem steht ganz oben... Was für einen Neurologen "kaum mehr bedeutet als eine Blutentnahme" ist für einen Patienten weder Routine noch harmlos oder gewöhnlich. Nicht jeder erklärt, was hinter dem Rücken passiert und wen ein Unterdrucksyndrom erwischt, der hat ein paar Tage lang keinen Spaß am Leben. Auch das wissen Patienten. Sie können nicht beurteilen, wie häufig Komplikationen auftreten, aber dass es sie gibt, wissen sie. Und das macht Angst. Auch die Keimbelastung in deutschen Kliniken ist allgemein bekannt und sorgt nicht für Wohlgefühl bei dem Gedanken daran, dass da gleich jemand in den Rückenmarkskanal sticht. Aufklärung ist zweifellos wichtig- aber nicht alles.
#15 vor 46 Tagen von Gast
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#14 ist übrigens nicht anonym sondern von mir! Christine Aresin
#14 vor 46 Tagen von Dr. med. Christine Aresin (Ärztin)
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Gast
@ #13:Die ICD-Codes kann man auch googeln. @ #6: Das mit dem Volon A klingt mir eher nicht nach einer diagnostischen Lumbalpunktion sondern orthopädischer oder neurologischer Behandlung?? Die Medikamente kommen dann bei regelgerechter Durchführung je nach Indikation manchmal nicht IN den Spinalkanal, dort wo der Liquor entnommen wird, sondern in den Raum drumherum (den Periduralraum) oder weiter peripher an die Spinalnerven. PDA: übrigens auch in den Periduralraum, nur falls Fragen auftauchen. Die Technik ist auf den ersten Blick ähnlich und ich finde es schon auch wichtig, vorher anzukündigen, was normalerweise passiert und was manchmal mehr oder weniger häufig passieren könnte. Den Artikel finde ich sehr schön erklärend! Für uns Orthopäden ist die Schmerztherapie nach Prof. Krämer mit Injektionen in den Periduralraum übrigens eine dankbare Alternative zu Operationen, bei welchen ein ungleich höheres Risiko in Kauf genommen wird.
#13 vor 46 Tagen von Gast
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Gast
Und sicher können Sie mir sagen, was das unspezifische G97.1 sonstige Reaktion auf Lumbalpunktion bedeutet.
#12 vor 46 Tagen von Gast
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Gast
Fehleinschätzungen von außen zu beurteilen ohne dabei zu sein, hat etwas von Stammtischmoral. Zum einen wurde in diesem Artikel versucht, eine Lumbalpunktion patientengerecht zu erklären... ohne unnötige Ängste und Paniken zu schüren. Angst fördert Schmerzen, wie Sie sicher wissen. In den Leilinien der DGN nachzulesen ist wie die korrekte Durchführung ist. Mitnichten ist eine chirurgische Händedesinfektiin notwendig. https://www.dgn.org/leitlinien/2424-ll-84-2012-diagnostische-liquorpunktion
#11 vor 46 Tagen von Gast
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"Lumbalpunktion ist wie Blut abnehmen" - überhebliche Fehleinschätzung! Eine Lumbalpunktion kann bei Erwachsenen und Kindern(!) äußerst schmerzhaft, komplikationsträchtig und unangenehm sein. Gestandenen Neurologen in Klinik und Praxis sollte zumindest geläufig sein, dass der ICD-10GM Version 2016 allein vier Krankheits-Entitäten als Komplikation durch Lumbalpunktion: (G97.1+G) + Kopfschmerzen nach Lumbalpunktion (G97.1+G) + Sonstige Reaktion auf Spinal- und Lumbalpunktion (G97.1+G) + Synkope nach Lumbalpunktion (G97.1+G) vorsieht, b e v o r ein derart unlogischer Beitrag mit einem "Küchen-lateinischem" Namen "Die-Medici" auf DocCheckBlog erscheint.
#10 vor 46 Tagen von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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"Lumbalpunktion ist wie Blut abnehmen" klingt in etwa medizinisch so unbedarft-lapidar wie die gynäkologische Äußerung: "Mit einer so kleinen Gebärmutter können Sie gar nicht schwanger werden" bzw. die radiologische Beurteilung: "Mit diesen Wirbelsäulenveränderungen werden Sie über kurz oder lang im Rollstuhl enden". Oder aus Patientensicht: "Der Darmkrebs ging erst richtig los, seit durch die Operation Luft dran gekommen ist". Es zeugt von mangelndem Respekt und unzureichender Selbstreflexion gegenüber dem individuell und oft biografisch geprägten Schmerzempfinden und -erleben unserer Patientinnen und Patienten. Lege artis muss eine Lumbalpunktion (LP) im Gegensatz zur Blutabnahme mit steriler Abdeckung, Mundschutz, Hausdesinfektion und chir. Händedesinfektion durchgeführt werden. Dies kann das subjektive Schmerzempfinden insbesondere bei belastenden Ausgangssituationen (z.B. V. a. Meningitis, MS, cerebrale Raumforderung/Blutung etc.?) massiv verstärken. Also: Ab in die Balint-Gruppe!!!
#9 vor 46 Tagen von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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Gast
Ein sehr schöner Artikel! Leider bringen all‘ die sachlichen Informationen nichts mehr, wenn nach 3 minütigem Geprockel ein Ende vom Ischias getroffen wird, sodass gefühlt der Blitz im Gesäß einschlug, bis kurz vors Knie alles einseitig taub wurde und man meinte, gleich umzukippen mit der Nadel im Rücken... Schön wäre auch der Hinweis gewesen, dass es nach 6-10 Stunden zu einem extremen Hitzegefühl im unteren Rumpfbereich kommen kann, ohne Schwitzen. Das, und die Info, dass das vorübergehend ist, hätte die nächtliche Panik stark gemindert. Nur Kopfschmerzen gab es keine...
#8 vor 46 Tagen von Gast
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Gast X
Ein superwichtiger Punkt sei hier auch in Anbetracht der sich entwickelnden Debatte noch angemerkt: Die INDIKATION! Eine Liquorpunktion macht man nicht zum Spaß, Zeitvertreib und auch nicht aus anderen "niederen" Beweggründen. Während bei Blutentnahmen und der Kontrolle bestimmter Werte gelegentlich das Motto "lieber eine Verlaufskontrolle zuviel als eine zuwenig" gilt erfolgt die Liquorpunktion in der Regel nur einmalig und aus sehr triftigem Grund und die meisten Erkrankungen die hierdurch abgeklärt werden sind für den Patienten wesentlich gefährlicher als die LP. Häufig erfolgt sie zum Ausschluß einer Blutung, Meningitis, Encephalitis, Nachweis von Tumorzellen usw... Also insgesamt eine Untersuchung mit gutem Risiko-Nutzen-Verhältnis. Komischerweise fürchten sich die Menschen viel mehr vor den Folgen einer LP (siehe "Höllenqual") als denen einer kontrastmittelgestützten Computertomographie obwohl es hier zu einer lebensbedrohlichen Allergie oder Nierenversagen kommen kann.
#7 vor 46 Tagen von Gast X (Gast)
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Gast
Ich habe mittlerweile bestimmt über 20 Stück hinter mir und es ist so schön, wenn die Ärzte einem nicht glauben, dass es zu viele waren und ich leider immer postpunktionelle Kopfschmerzen bekomme. Ohne Blutpatch gehen die auch nicht mehr weg. Es gibt wunderschöne implantierbare Pumpen, die Antispastika in den Liquor abgeben. Da muss man den Patienten nicht alle drei Monate mit Volon A quälen.
#6 vor 46 Tagen von Gast
  3
Gast
Marie Curie ist an Knochenmarkversagen gestorben, weil sie wohl nicht oder zu spät verstanden hat wie gefährlich ihr intensiver Umgang mit radioaktiven Stoffen war. Insofern empfinde ich das Zitat am Ende zumindest für "strange"...
#5 vor 46 Tagen von Gast
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Gast aus Bayreuth (Arzt)
Danke für diesen Artikel, eine sehr schöne Synopsis, die mein Wissen wieder auffrischt. Ich empfehle meinen Patienten immer noch, 24 Stunden nicht zu rauchen. Ob es hilft, weiß ich nicht, aber dann kann ich es wenigstens auf das Rauchen schieben, wenn Kopfschmerzen auftreten. ;-)
#4 vor 46 Tagen von Gast aus Bayreuth (Arzt) (Gast)
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Gast
Also ich denke den Respekt sollten die Ärzte durchaus behalten. Ich hatte beim ersten Mal (vom damaligen Oberarzt einer Uniklinik punktiert worden) ständige Stromschläge abwechselnd weil er auch mehrmals rein raus musste oder so... es war eine Höllenqual, wie Folter eben. Die Intensität der Stromschläge war auch nicht zu unterschätzen. Irgendwie traf er nicht den Liqourkanal glaub ich. Beim 3. mal in einer anderen Klinik gab man mir Dormicum was super war während der Punktion aber 3 Wichen lang Postpunktional schwere Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit und beim 4. mal wieder an einer anderen Klinik wurde anscheinend das Dormicum total überdosiert und ich trotzdem allein gelassen, so dass meine Bettnachbarin sowie ihr Partner ihren Spaß hatten aber auch mich vor Dummheiten bewahren mussten ...
#3 vor 46 Tagen von Gast
  3
Gast
Naja, nur sollte man das Ganze bei einer Schwangeren in der 16. SSW unterlassen. Danke, ich hatte wie die Stationsschwester und die Gynäkologin vorhergesagt haben den Rest der Schwangerschaft Wehen. Kind kam zu früh, hatte Anpassungsschwierigkeiten .... Ansonsten kann ich als jemand, der diese Untersuchung einige Male über sich ergehen liess die obigen Aussagen bestätigen.
#2 vor 46 Tagen von Gast
  9
Gast
und ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen, dass die Überschrift stimmt. Ich fand den Einstich sogar noch weniger schlimm als eine Blutentnahme. Die Angst passiert im Kopf...
#1 vor 46 Tagen von Gast
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