Neue Brustkrebstherapie – Hoffnung, Durchbruch oder Unsicherheit?

18.09.2017
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Hoch angepriesen werden die neuen Cdk4/6-Inhibitoren der Pharma-Riesen Pfizer und Novartis. Nach eigenen Studien gilt die neue Behandlung für postmenopausale Frauen mit lokal fortgeschrittenem und metastasierendem HR+/HER2- Brustkrebs als Durchbruch. Der Zusatznutzen der teuren Medikamente wird jedoch in Frage gestellt.

Molekularbiologisch gelten zahlreiche Methoden und Ansätze zur Tötung von Krebszellen als erfolgreich. Teil der Zystostatikasind Alkylantien, die Proteine der Zellteilung und Reparatur angreifen. Außerdem gibt es Mitosehemmer (Hemmung der Zellspindeln und damit Hemmung der Zellteilung), Anthrazyklin-Antibiotika, Topoisomerase-Hemmer und viele weitere.

Zellzykluskontrolle ist die Basis gesunder Zellen. Ein Verlust erhöht schnell das Risiko der Tumorentstehung. Kontrolliert wird der Zellzyklusdurch verschiedene Mechanismen und Kontrollpunkte. Ob diese Kontrollpunkte passiert werden entscheiden Cyclin-Cyclin abhängige Kinase-Komplexe.

Medikamente der Pharmaindustrie

Neu auf dem Markt sind Cdk4/6-Inhibitoren. Der erste Wirkstoff Palbociclib mit dem Handelsnamen Ibrance® von Pfizer kam im November 2016 heraus. Nun folgt Ribociclib als Kisqali® aus dem Hause Novartis. Dieses wird bisher als sehr aussichtsreich eingeschätzt. Seit August 2017 existiert die Zulassung der europäischen Kommission für Kisqali in Kombination mit einem Aromatasehemmer. Das Medikament bezieht sich auf die Behandlung postmenopausaler Frauen mit lokal fortgeschrittenem und metastasierendem HR+/HER2 Brustkrebs.

Die EU-Zulassung folgte auf eine positive Stellungnahme des Ausschusses für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA). Die Basis hiefür waren die Ergebnisse der Monaleesa-2 Phase III randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Studie.

Über die Studie und Nebenwirkungen

Als Hauptindikator für die Wirksamkeit galt hier progressionsfreies Überleben (PFS). Die Studie zeigte, dass Ribociclib plus Letrozol das Progressions- und Sterberisiko gegenüber Letrozol allein um 44% reduzierte und dies mit einem PFS Median von 25,3 Monaten. Im Gegensatz dazu bewies Letrozol plus Placebo einen Median von 16 Monaten. Mehr als die Hälfte der Patientinnen mit messbarer Erkrankung erfuhren unter Letrozol plus Ribociclib eine Tumorreduktion von mindestens 30%. Daten zum Gesamtüberleben wurden noch nicht vorgestellt.

Da progressionsfreies Überleben jedoch keine weitergehenden Informationen über tatsächlich verlängerte Lebenszeit und mögliche Nebenwirkungen aussagt, sondern über den Zeitraum, in dem der Tumor nicht wächst, wird die Wertung des Erfolgs kritisch betrachtet.

Wolf-Dieter Ludwig, Onkologe und Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft kritisiert PFS als Charakteristikum, auf das sich die EMA auch bei der Empfehlung für Palbociclib berufte.

Sowohl Paraciclib als auch Ribociclib verursachen als Nebenwirkung zum Teil schwere Neutropenie. Grund dafür scheint die Hemmung selbst zu sein. Mäuse ohne Cdk4 und Cdk6 verstarben bereits embryonal an Anämie. 

Abschließend bleiben sowohl für Ribociclib als auch für Palbociclib Daten zum verlängerten Endpunkt Überleben aus. Der mögliche Durchbruch der Krebstherapie gilt abzuwarten.

Quellen:

https://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/chemotherapie-substanzen.php#inhalt6

https://correctiv.org/recherchen/wirtschaft/artikel/2017/05/18/zweifel-wichtigem-brustkrebsmedikament-von-pfizer/

https://www.iqwig.de/de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen/palbociclib-bei-fortgeschrittenem-brustkrebs-bei-bestimmten-patientinnen-uberwiegen-die-nachteile.7778.html

https://www.krebsinformationsdienst.de/fachkreise/nachrichten/2016/fk33-zulassung-palbociclib.php

https://www.novartis.com/news/media-releases/novartis-kisqalir-ribociclib-lee011-receives-fda-approval-first-line-treatment

Artikel letztmalig aktualisiert am 18.09.2017.

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Medizin, Gynäkologie
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