Nahrungsergänzungsmittel: Mythen und Fakten

11.09.2017
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Über eine Milliarde Euro investierten die Deutschen im Jahr 2016 in Nahrungsergänzungsmittel. Mineralstoffe und Spurenelemente belegen dabei den ersten Platz, dicht gefolgt von Vitaminen. Das sind aber bei weitem nicht die einzigen Nahrungsergänzungen zu denen oft und bewusst gegriffen wird, denn sie sollen uns fitter werden lassen, gegen Müdigkeit helfen und überhaupt rundherum zur Gesundheit und Leistungsfähigkeit beitragen.

Sind die Supplemente, wie die Nahrungsergänzungsmittel auch genannt werden, aber sinnvoll oder überhaupt nur nötig? Immerhin gibt es genug kritische Stimmen, die in den Präparaten eine Gefahr sehen. So einfach diese Frage erscheint, ist die Antwort doch etwas komplexer.

Sind Nahrungsergänzungsmittel schädlich?

Nahrungsergänzungsmittel sind – wie der Name verrät – eine Ergänzung zur Nahrung, jedoch kein Ersatz dafür. Präparate mit Mineralstoffen und Vitaminen können zum Einsatz kommen, wenn der Bedarf erhöht oder die Aufnahme gestört ist oder wenn bereits ein Mangel besteht. Reicht die Ernährung allein nicht aus, sind sie also sinnvoll.

Allerdings lassen zahlreiche Menschen den Gang zum Arzt und damit die nötige Untersuchung zur Feststellung einer Unterversorgung weg und greifen direkt zur Nahrungsergänzung. Denn bestimmt leiden sie an einem Mangel, immerhin fühlen sie sich so schlapp und müde, die Haut sieht irgendwie auch trocken aus und Erkältungen schlagen immer wieder zu. Die vermeintliche Unterversorgung ließe sich zwar auch durch eine ausgewogene Ernährung vermeiden, die Einnahme von Brausetabletten, Pulvern, Kapseln und Co. ist jedoch deutlich einfacher und so viel bequemer.

Außerdem richten Vitamine und Mineralstoffe ja keinen Schaden an – so zumindest die hartnäckige Meinung. Eine entsprechende Nahrungsergänzung in zu großen Dosen einzunehmen ist also kaum möglich oder zumindest nicht gefährlich.

Tatsächlich benötigt der Körper die Vitalstoffe, dringend. Er benötigt jedoch auch Wasser. Würden wir davon aber zehn Liter am Tag trinken, sehe es mit der Gesundheit sehr schnell sehr schlecht aus. Ebenso verhält es sich bei den Mikronährstoffen. In Maßen sind sie lebenswichtig, im Überschuss in Form hochdosierter Nahrungsergänzungsmittel zum Einnehmen teils sogar lebensbedrohlich. 

Vor allem die fettlöslichen und antioxidativ wirkenden Vitamine zeigen in Studien, dass sie größeren Mengen nicht mehr gesund, sondern belastend sind. An Rauchern, Mäusen und menschlichen Tumorzellen in der Petrischale wurde in Studien bereits gezeigt, dass sie das Krebswachstum und die Bildung von Metastasen begünstigen. Sie können also durchaus Schaden anrichten.

Dennoch sollte die Nahrungsergänzung nicht vollkommen verteufelt werden.

Pro und Contra der Nahrungsergänzungsmittel zum Einnehmen

Eine Tablette einnehmen und schon rundum versorgt sein – die Vorstellung ist verlockend. Schließlich muss dann den Rest des Tages nicht mehr auf den Gehalt an Vitalstoffen geachtet oder immer die gesündeste Entscheidung getroffen werden. So stellen sich das einige Anwender vor und wählen ausgerechnet besonders hochdosierte Präparate. Bereits hieraus ergeben sich Punkte für die Pro und Contra Liste. Aber es gibt noch mehr:

+ einfache Einnahme

+ schneller Ausgleich bei Unterversorgung und Mangelzuständen

+ teils nötige Nahrungsergänzung bei erhöhtem Bedarf und Erkrankungen, die die Ausscheidung von Vitalstoffen erhöhen oder die Aufnahme erschweren

Zudem kann eine Nahrungsergänzung den Anwender in falscher Sicherheit wiegen, wenn die ärztliche Kontrolle fehlt. Eben hier liegt die Crux. Eine Nahrungsergänzung mit Vitaminen und Mineralien ist nur dann sinnvoll, wenn dazu auch der Bedarf besteht, die Einnahme angepasst erfolgt und regelmäßig überprüft wird.

Arten der Nahrungsergänzungsmittel zum Einnehmen

Neben den Vitaminen und Mineralstoffen sind auch:

beliebte Supplemente. Auch sie dienen der zusätzlichen Versorgung, verfolgen aber ein bestimmtes Ziel.

Nahrungsergänzungsmittel zum Muskelaufbau

Längst setzen nicht mehr nur Kraftsportler auf Eiweißpulver, Enzyme und Vitaminpräparate ein, die das Muskelwachstum ankurbeln und die Leistungsfähigkeit steigern sollen. Bei einer ansonsten gesunden Ernährung können diese Supplemente in Phasen sehr großer Belastung durchaus zur zusätzlichen Versorgung geeignet sein, denn intensiver Sport verlangt dem Körper ebenso viel ab wie harte körperliche Arbeit. Ein Ersatz für den richtigen Speiseplan sind sie aber auch hier nicht.

Zudem können hohe Dosen Eiweiß die Nieren belasten und – je nach Eiweißart - Verdauungsstörungen hervorrufen. Hinzu kommt noch, dass der Körper nicht dazu in der Lage ist, durch einen Shake den gesamten Proteinbedarf für den Tag zu decken. Größere Mengen können schlicht nicht komplett aufgenommen werden. Hier sollten Vor- und Nachteile also ganz klar gegeneinander abgewogen werden. Eine nähere Beschäftigung mit dem Thema ist ebenso unerlässlich, wie die ärztliche Kontrolle. 

Nahrungsergänzungsmittel zum Abnehmen

Die Sofort-Fett-weg-Pille gibt es trotz den Versprechungen manch dubioser Hersteller nicht, dennoch können einige Nahrungsergänzungsmittel durchaus beim Abnehmen helfen. Wer schrittweise eine Ernährungsumstellung anstrebt – also wirklich gesund, sanft aber effizient und vor allem langfristig abnehmen will – wird hin und wieder mit Gewohnheiten, Appetit und Hunger kämpfen.  

Hier können sich natürliche Sättigungsmittel bewähren. Varianten mit Ballaststoffen füllen den Verdauungstrakt nachhaltiger und sorgen dadurch für eine längere Sättigung. Hierdurch wird es leichter, die anfänglichen Hürden der Umstellung zu nehmen. Präparate mit Eiweiß tragen ebenfalls zur Sättigung bei und können zudem einem Abbau der Muskulatur vorbeugen. Bei einer erheblichen Reduzierung der Kalorienaufnahme bezieht der Organismus zuerst Energie aus den Muskeln, bevor er Fettspeicher abbaut. Muskelgewebe wird abgebaut, der Energieverbrauch sinkt, das Abnehmen wird schwerer.

Nahrungsergänzungsmittel zum Abnehmen können den gezielten Fettabbau erleichtern – ein veränderter Speiseplan und mehr Bewegung gehören aber nach wie vor dazu.

Nahrungsergänzung bei Schwangerschaft

Sinnvoll, etabliert, bewährt – eine abgestimmte Nahrungsergänzung bei Schwangerschaft und in der Stillzeit wird schon längst ärztlich empfohlen. Die Gründe dafür sind einfach:

Lange Zeit wurde aus diesem Grund empfohlen, wenigstens Folsäure mit Beginn der Schwangerschaft zu ergänzen. Mittlerweile gehören dazu auch andere Vitamine und Mineralstoffe – zudem haben sich Einnahmezeitraum und Menge verändert. Hieß es bis vor kurzem noch, 400 Mikrogramm Folsäure würden ausreichen, werden nun 800 Mikrogramm des Vitamins empfohlen. Zudem sollte die Anwendung bereits bei einem bestehenden Kinderwunsch beginnen und nicht erst nach der Zeugung.

Auch hier gilt aber wieder: Nicht auf eigene Faust und in möglichst hoher Dosis. Wer einen Mangel vermutet, einem solchen vorbeugen will, zur Steigerung der Leistungsfähigkeit oder zum Erreichen eines Ziels mit der Anwendung einer Nahrungsergänzung spielt, sollte dies im Vorfeld mit einem Arzt absprechen. Dann können die Nahrungsergänzungsmittel praktisch sein und sind vor allem sicher.

Artikel letztmalig aktualisiert am 11.09.2017.

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Pharmazie, Pharmakologie
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