Verloren sind Augen, Ohr und Hand 1

22.04.2011
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Kommentar zum Dreiteiler „Der Sonntags-Blinddarm“ 1. Teil

Die Geschichte um Hausarzt Dr. Kunze im Sonntags-Notdienst spiegelt mehrere Facetten der Medizin und weist damit unter anderem auch auf Probleme unserer Zeit. In der Medizin, wie in vielen anderen Bereichen des Alltags, leben wir in einer Zeit des Übergangs. Dies ist einerseits schwierig, weil in einer Zeit des Umbruchs Alt und Jung mitunter schwerer zusammenpassen, andererseits kann es von Nutzen sein, weil das alte noch Gegenwart ist und das Neue schon.

Unterschiedliche Generationen, unterschiedliche Schwerpunkte

Unsere heutige ältere Generation kennt noch eine Welt, die nicht von Technik beherrscht wurde oder von Computer und Internet. Sie ist geneigt, die Gefahren der Moderne hervorzuheben, gern auch übertrieben. Andererseits nutzt die Generation der Älteren wie selbstverständlich moderne Errungenschaften, wie Handy, Navigationssystem, EDV, elektronischen Zahlungsverkehr, hochtechnische Diagnostik und Therapie, wenn auch gelegentlich, weil es anders nicht mehr geht.

Für die junge Generation ist eine Welt ohne modernste Technik, Computer und Internet nicht mehr vorstellbar. Sie ist damit aufgewachsen. Anfang bis Mitte der 80er Jahre geborene Mitmenschen sind unsere neuen, fertig ausgebildeten Kräfte. Für sie gibt es keine Welt mehr ohne mobiles Telefon, ohne Windows, ohne Elektronik in allen Lebensbereichen.

Während ältere Menschen dazu neigen, die Anwesenheit von zuviel Technik zu rügen, teils alles zu verteufeln, was mit einem Computer zu tun hat, verzichten die Jüngeren häufig, ob bewusst oder unbewusst, auf „altmodische“ Dinge, wie Sinne, Gefühl, Erfahrung und Empathie.

Als Angehöriger der Generation der Älteren (meine willkürliche Altersgrenze liegt bei fünfzig Lebensjahren) bin ich wohl grundsätzlich geneigt, den Verzicht auf das „gute alte“ zu bedauern. Andererseits kann man mich als Betreiber eines Blogs, als Inhaber eines Facebook- und Twitter-Accounts, als Liebhaber des angebissenen Apfels, wohl kaum als ewig Gestrigen bezeichnen.

Alt und neu nutzen

Ich bin dafür, dass gerade in der Medizin, jeder von jedem profitiert. Es ist ja keine Frage, dass neue technische Möglichkeiten, neue Medikamente, neue Untersuchungs - und Behandlungsmethoden die Medizin weit nach vorne gebracht haben. Als Arzt nutze ich diese Errungenschaft natürlich täglich. Aber nicht unkritisch. Genauso wenig wie ich mich unkritisch einzig und allein auf meine Augen, Ohren, Hände und Erfahrung verlasse. Trotzdem gibt es in der täglichen hausärztlichen Medizin immer wieder Situationen, in denen man sich auf diese vier Qualitäten verlassen kann und verlassen wäre, wenn man sich nicht ihrer bedient.

Die Geschichte Der Sonntags-Blinddarm ist ein Paradebeispiel, wie Medizin noch immer allein mit Augen, Ohren, Händen und Erfahrungen funktionieren kann und moderne Techniken einen ordentlichen Ablauf eher stören bis verhindern.

Im 2. und letzten Teil des Kommentars werde ich die Geschichte um den Sonntags-Blinddarm im Einzelnen sezieren.

Bildquelle: Leonard Nevarez/flickr/CC BY

Artikel letztmalig aktualisiert am 20.06.2013.

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