„Noch Fragen?“ „Ja, nochmal die gleichen!“

10.09.2017
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Es war dunkel, als Frau Binichim-Bi eine große Menge Blut ausspuckte. Das Problem hierbei war: Frau Binichim-Bi nahm außerdem gerinnungshemmende Medikamente und äh in den letzten Tagen vielleicht auch etwas viel davon. Nachdem Frau Binichim-Bi gar nicht mehr aufhörte Blut heraufzuwürgen, beschloss man sie in so ein Krankenhaus zu bringen.

Der Rettungsdienst steuerte panikartig das Nächstbeste an: Beteigeuze City Klinik.
Die Krankenhausnotaufnahme verfiel unverzüglich in rege Betriebsamkeit.  Infusionslösungen, Blutkonserven, Gerinnungsfaktoren und ein Oberarzt wurden herbeigeordert. Das Labor rief aufgeregt an, die Patientin hätte einen Hb-Wert von ungefähr 3 g/dl. Ich rannte wild hin und her, Blutkonserven an die Patientin anschließend, ein Bett auf der Intensivstation musste her, eine Magenspiegelung wurde performt und die Blutungsquelle verschlossen.

Nach zwei Stunden hatte sich Frau Binichim-Bis Zustand halbwegs stabilisiert. Ich setzte mich zum Ehemann, erklärte alles sehr ausführlich, beantwortete alle Fragen und ging dann zur Sicherheit noch mehr Blutkonserven an Frau Binichim-Bi anhängen.

Eine halbe Stunde später rief Herr Binichim-Bi nochmals an. Es gäbe da doch einige Fragen mehr. Ah. Okay. Kein Problem. Hierauf begann Herr Binichim-Bi nochmals, genau die Fragen zu stellen, die er vor einer halben Stunde schon einmal gefragt hatte und die wir eigentlich ausführlich besprochen hatten. Verwirrt sagte ich also nach einer Weile so etwas wie:

„Ja, in der Magenspiegelung konnte die Blutung gestoppt werden. Wie ich vorhin ja schon erklärt hatte.“

„Ich weiß, ich weiß“, rief Herr Binichim-Bi, „aber meine Tochter und die Schwester meiner Frau hören gerade mit und wissen es noch nicht. Deswegen frage ich alles nochmal.“

Ah. Super Strategie. Nun ja, vermutlich müsste man mir die Berechnung der Statik eines mittelgroßen Einfamilienhauses auch mehrere Male erklären, ohne dass ich es verstehen würde.

Ich erzählte also alles nochmals, woraufhin die Tochter ihrem Vater mittendrin ungeduldig das Telefon entwandt:

„Also Frau Doktor Zorgcooperations, normalerweise ist meine Mutter ja sonst immer in Betreuung von Professor Blorgh in der Uniklinik rechts von Beteigeuze. Da fühlt sie sich immer sehr gut betreut. Können Sie meine Mutter nicht dorthin verlegen?“

„Öh, wenn das Ihre Krankenkasse zahlt, kann man das später schon tun.“

„Wir sind immer sehr zufrieden mit Professor Blorgh und möchten dass sie auch von ihm wieder betreut wird.“

„Wie gesagt, das können wir später …“

„Achso, jetzt würde das nicht gehen?“

„JETZT?!“

„JA!!“

„Urgh, also jetzt ist halb vier in der Nacht und Ihre Mutter ist weiterhin in einem nicht sonderlich stabilen Zustand. Da verlegen wir nicht ohne Not.“

„Oh, schade.“

„Ja. Schade. Hm. So sind wir.“m_1505052925.jpg

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Bildquelle: Privatbild Zorgcooperations

Artikel letztmalig aktualisiert am 13.09.2017.

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Gast
An Nr. 6 - Sie haben vollkommen Recht. Als Chirurg nach S in der Notaufnahme habe ich genug zu tun, Schockraum usw., da spreche ich grundsätzlich nur einen Angehörigen pro Fall, es sei denn die Sachlage ändert sich..
#10 am 17.09.2017 von Gast
  0
Es ist schon lästig, daß Patienten Fragen stellen....! ;-)) Im Ernst, als Tierarzt freue ich mich manchmal, daß ich mich mit manchen vierbeinigen Patienten wortlos verstehen kann. Da sind dann allerdings noch die Besitzer. Die bekommen das meiste schriftlich, weil sie es , wieder zuhause, ja doch vergessen haben oder der Oma oder dem Freund erzählen wollen. Was ich schriftlich mitgebe, spart manche Rückfrage. Da der Notdienst bei uns bar bezahlt werden muss, rufen auch nicht mehr sooooviele nachts an - oder es wird abgerechnet !
#9 am 14.09.2017 von Dr. med.vet. Stefan Gabriel (Tierarzt)
  0
Gast
Wenn ein Akutfall akut ist dann wird das nächste Krankenhaus angefahren an dem man den Patienten versorgen kann, egal ob da der gewünschte Herr Professor ist oder nicht. Arztwahl gibt's nur bei Sachen die nicht hoch akut sind. Und für was anderes sollte man doch gar nicht erst die Rettung holen, oder?
#8 am 14.09.2017 von Gast
  1
"warum die Leute überhaupt den Rettungsdienst rufen von dem sie ja wissen dass der nur die nächstgelegene Klinik anfahren darf..." @Gast, Beitrag #5: Wissen sie das? Ich sollte durchaus schon mal einen Brandenburgischen Patienten zur Uniklinik Greifswald (ca. 250km) fahren, weil der Chefarzt den Patienten beim primären Infarktgeschehen betreut hatte... "Das nächstgelegene fachlich geeignete Krankenhausist anzufahren zur Wiederfreimachung der Ressource RTW um anderen helfen zu können" ist also eben leider keine Verständlichkeit/ als gegeben vorauszusetzen.
#7 am 14.09.2017 von Martin Ulbricht (Student der Humanmedizin)
  1
Gast
Die zweite Beratung des Ehemanns samt Mithörenden (ist übrigens ohne Ihrige vorherige Zustimmung rechtswidrig) sollten Sie privat abrechnen, da nicht WANZ. Arztstunden sind kostbar und sollten nicht verschwendet werden.
#6 am 13.09.2017 von Gast
  12
Gast
Ich frag mich ja dann immer warum die Leute überhaupt den Rettungsdienst rufen von dem sie ja wissen dass der nur die nächstgelegene Klinik anfahren darf... wenn jemand fit genug dafür ist einen weiteren Transport in die Wunschklinik einzufordern und auch zu überstehen dann hätte er gleich mit dem Taxi fahren können... wenn es den Patienten so schlecht geht wie in dieser Geschichte dann verstehe ich bei dieser umfassenden und auch notwendigen Versorgung den Wunsch nach Verlegung irgendwie nicht, das ist doch nur ein zusätzliches Risiko, sollte imho jeder selbst bezahlen.
#5 am 13.09.2017 von Gast
  3
Allgemeinärztin
Habe ich auch immer wieder im KV Dienst. Akut einweisungsbedürftiger Zustand und nächstgelegenes Haus sinnvoll und angemessen. Aber nicht für die Patienten die vehement den Transport in ein Haus der Maximalversorgung, am besten Uniklinik, fordern. Immer wieder eine redeaufwendige Angelegenheit und nervig und zeitraubend das dem Patienten wieder auszureden
#4 am 13.09.2017 von Allgemeinärztin (Gast)
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Gast
Ich habe auch schon mal das Gegenteil erlebt. Frau mit OSG-Fraktur, Weber C. Dumme Sache und musste auch operiert werden. Unser Haus war ein Belegarzthaus also fragte sie mich wer denn Dienst den Tag hatte. Ich "Dr. Sowieso". Sie darauf große Augen bekommen und Verlegung verlangt. Nein, von DIESEM Doktor wollte sie sich nicht behandeln lassen!!! (mal unter uns, ich auch nicht. Der gute war weit bekannt im negativen Sinne) Da zufällig ein anderer Chirurg den Tag reingeschneit kam der irgendwann ihr mal den kleinen Zeh operiert hatte hatten wir einen Grund sie "umzumünzen" auf den "Doktor den sie ja schon kannte". Brachte aber keinen Ärger und Krankenhaus hat einmal Transportkosten gespart. (OP-Ergebnis war übrigens auch sehr gut.)
#3 am 12.09.2017 von Gast
  0
Gast
Böse Zungen könnten jetzt behaupten dass der Herr Professor vermutlich auch nur die Unterschrift unter den Brief gesetzt und einmal die Woche die Hand gegeben hat. Am Patienten selbst sind halt hauptsächlich die Ärzte in Weiterbildung oder auch mal ein Oberarzt. Nun, es besteht auf der anderen Seite auch freie Arztwahl... nur halt nicht im Akutfall nachts um 4. Und der Herr Professor hätte sicherlich da auch nix anderes gemacht.
#2 am 11.09.2017 von Gast
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Gast
Wieso eigentlich nicht? Es wäre doch ein Heidenspaß gewesen, den Herrn Professor aus dem Bette zu klingeln...
#1 am 11.09.2017 von Gast
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