PURE und die Ernährungswelt steht Kopf?

10.09.2017
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Beim ESC-Kongress in Barcelona wurde die PURE-Studie mit 135.335 Probanden aus 18 Ländern in 7 Welt-Regionen (Nord- und Südamerika, Europa, Mittlerer Osten, Südasien, China, Südostasien und Afrika) heftig und kontrovers diskutiert. Befragt wurden die Menschen über ihre Ernährungsgewohnheiten ausführlich und mehrstufig. Krankheits-epidemiologische Nachbeobachtungen liefen im Mittel über 7,4 Jahre.

"Fettarme Kost ist nach den Ergebnissen einer großen Studie offenbar nicht mehr zu empfehlen. Wider Erwarten sinkt bei hoher Zufuhr gesättigter Fettsäuren das Sterberisiko sogar.
Aktuelle Ernährungsempfehlungen müssen nach neuen Erkenntnissen aus der PURE-Studie offenbar über Bord geworfen werden. Den Gesamt-Fettanteil auf weniger als 30 Prozent der Energiezufuhr zu beschränken, wirkt demnach nicht lebensverlängernd.
Auch die seit langem postulierte Empfehlung, möglichst wenig gesättigte Fettsäure zu konsumieren, kann offenbar ad acta gelegt werden; derzeit wird ein Anteil von weniger als zehn Prozent der Energiezufuhr empfohlen.
Für die PURE-Studie wurden 135.335 Menschen aus 18 Ländern in sieben Regionen der Welt (Nord- und Südamerika, Europa, Mittlerer Osten, Südasien, China, Südostasien und Afrika) zu ihren Ernährungsgewohnheiten befragt und über einen Zeitraum von 7,4 Jahren nachbeobachtet.
Ergebnis: Probanden mit einem hohen Fettanteil in der Ernährung lebten deutlich länger als jene mit niedriger Fettzufuhr (höchstes vs. niedrigstes Quintil). Die Gesamtmortalität lag signifikant um 23 Prozent niedriger.
Selbst ein erhöhter Konsum gesättigter Fettsäuren ging im Vergleich mit einer 14 Prozent geringeren Sterberate einher, bei einfach gesättigten Fettsäuren war sie um 19 Prozent und bei mehrfach gesättigten Fettsäuren um 20 Prozent geringer", schreibt Veronika Schlimpert sehr fundiert und kenntnisreich in der Ärzte Zeitung. 

https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/article/942196/fettreiche-kost-megastudie-stellt-empfehlungen-ernaehrung-kopf.html

Die PURE-STUDIE mit ihren PURE-Ernährungsempfehlungen, mehr und qualitativ hochwertige Fette, steht in krassem Gegensatz zu den erst kürzlich endlich revidierten, jahrzehntelang irrigen Kohlenhydrat-Mast-Empfehlungen durch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) http://www.t-online.de/gesundheit/ernaehrung/id_82039784/tid_amp/deutsche-gesellschaft-fuer-ernaehrung-dge-aendert-empfehlungen.html
PURE hatte bereits einen Vorläufer mit der Publikation “Association of Changes in Diet Quality with Total and Cause-Specific Mortality” von Mercedes Sotos-Prieto et al. http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1613502 in der die PURE-Ergebnisse, welche von Prof. Nicolai Worm seit Jahren propagiert werden, ebenfalls bestätigt werden konnten. 
Wenn bei Teilnehmern, die sich nach den Regeln des “Alternate Healthy Eating Index”/AHEI (Ernährungsempfehlung der US-amerikanischen Regierung) ernähren, welcher Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Fisch, weißes Fleisch (?), Soja, Hülsenfrüchte, Tofu, ungesättigte Fettsäuren und ungesüßte Getränke bevorzugen soll, das allgemeine Sterberisiko (“all-cause mortality”) auf 0,91 (95% Konfidenzintervall (KI) 0,85 – 0,97) gegenüber 1,0 der Vergleichsgruppe mit konventioneller Ernährung sinkt.  
Wenn unter den “Dietary Approaches to Stop Hypertension”/DASH (speziell für Hypertoniker empfohlenen AHEI Ernährung mit zusätzlicher Verringerung von Kochsalz durch alternative Verwendung von Kräutern und Gewürzen, fettarmer Milch, wenig rotem Fleisch) das Sterberisiko der Teilnehmer auf 0,89 (95% KI 0,84 – 0,95) gegenüber 1,0 sinkt. Und wenn unter der “Alternate Mediterranean Diet” (AMD) das Sterberisikos sogar auf 0,84 (95% KI, 0,78 – 0,91) gegenüber 1,0 der Vergleichsgruppe mit konventioneller Ernährung sinkt...  Dann hat doch die AMD als eine für Mittelmeerländer typische Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Salat, Fisch und fettreichem Käse, aber auch Weißbrot, bzw. Pasta und Pizza als Vorspeisen (!), Rotwein, rotem Fleisch, reichlich pflanzlichen Ölen und fettreichen Nüssen und keinem Zwang zu fettarmen Milch-(Produkten) rein statistisch die besten Ergebnisse gezeigt. 

Quelle: "Associations of fats and carbohydrate intake with cardiovascular disease and mortality in 18 countries from five continents (PURE): a prospective cohort study" von Mahshid Dehghan 

http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(17)32252-3/fulltext

 

Artikel letztmalig aktualisiert am 12.09.2017.

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