Endlich ein Unfall

07.09.2017
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Der Tag fing mit einer verkorksten Übergabe an. Jaja, die Natriumwerte der letzten zwei Wochen aufzählen aber die wirklich wichtigen Dinge (wie z.B. einmal MRSA-positiv, eine angeblich unumgängliche Intubation bei einem Patieten, bei dem wir uns über Tage bemüht haben, eben diese zu vermeiden und und und) unter den Tisch fallen lassen. Das kann ich ja haben.

Mein Oberarzt steht neben mir und flüstert mir zu: „Ist ne Zumutung solche Übergaben, oder?“. Hmja. Vor allem, wenn ich die Intensiv übernehmen soll.

Ich musste einen nachgemeldeten Patienten für den OP prämedizieren. Dem Koordinator hab ich gesagt, dass der Patient nüchtern ist und von uns aus direkt in den OP kann (Betonung auf kann – das habe ich auch noch ausführlich begründet, ein Missverständnis war also ausgeschlossen. Eigentlich.)

Der Koordinator hat sich dann einen abkoordiniert, um hinterher mir die Schuld in die Schuhe zu schieben: Er hat es fertig gebracht, einen kompletten OP-Saal für eine Stunde lahm zu legen. Die Schuld sah er bei mir, weil ich gesagt hätte, dass der Patient in den OP muss.

Außerdem hatte sich ein weiterer Patient den sorgsam angenähten (!) zentralen Venenkatheter gezogen und wollte dann irgendwie seinen Tubus nicht mehr behalten. Es war also mal wieder mächtig Stimmung in der Bude und ging in etwa so weiter bis …

… mich die Pforte anrief, dass die Feuerwehr einen zweiten Notarzt benötigen würde. Yes! Das bin ich!

Zur Stellung eines zweiten Notarztes sind wir verpflichtet. Außerdem muss immer ein Oberarzt auf der Station sein. Es blieb mir also keine andere Wahl, als meinem Oberarzt die Funke in die Hand zu drücken und mich zu verabschieden. Ich bin dann mal in der Sonne.

Auf dem Melder stand eine eingeklemmte Person, Verkehrsunfall. Da sind wir dann auch hin. Ein Patient, ein Team, ein Ziel. Alles klar definiert, dank PHTLS . Und ich war ganz ruhig dabei und sehr glücklich, jetzt genau das und nur das machen zu können und endlich einmal aus dem Hummelnest heraus zu kommen.

Erst auf der Rückfahrt fiel mir auf, wie absurd es ist, sich über einen solchen Notarzteinsatz zu freuen, nur um mal ein bisschen Ruhe zu haben. So ist das manchmal.

Bildquelle: Jon Feinstein, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 14.09.2017.

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Gast
Ich möchte garnicht Patientin werden. Ich erlebe Ärzte oft hilflos und überfordert. Wissen den manchen Ärzte überhaupt, was ihr Beruf bedeutet ?
#16 am 26.10.2017 von Gast
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Gast lieber Beamter (?)
Ich kann den Narcosedoc vollkommen verstehen. Jahrzehnte war ich an der Patientenfront tätig, musste aber jetzt weisungsgemäß an den Schreibtisch, weil Verwaltungstätigkeiten anstehen, von denen dummerweise offensichtlich nur ich eine Ahnung habe. Einen Patienten begrüßen - Anamnese - Untersuchung - Diagnose - Therapie - das ist meine Welt, dafür habe ich Medizin studiert. Aber nicht, um den ganzen Tag Listen und Pläne zu schreiben, auf Mitarbeit anderer angewiesen zu sein, die meine momentane Tätigkeit genau so ätzend finden wie ich selbst, ständig in einen Computer hineinglotzen...
#15 am 06.10.2017 von Gast lieber Beamter (?) (Gast)
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Haha, ich kann das so gut verstehen. Es ist zwar nicht das Gleiche, aber ich freue mich manchmal, wenn ich von zu Hause wegkann (fröhlich laut spielende, wild tobende, oder noch lauter zankende Kinder), um zu arbeiten (RD als Notfallsanitäterin).
#14 am 21.09.2017 von Elena Claussen (Heilpraktikerin)
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Gast
#13: Ich schließe mich #14 an, der Artikel ist nicht gegen Patienten gerichtet sondern gegen den z.T. psychisch belastenden Alltag auf Station vs. der Kontrast zur Notfallmedizin. Und sie sollten auch bedenken dass wir hier auf einer Seite für Mediziner sind. Und selbst WENN hier zynismus im Bezug auf Patienten ankommt: Mit allergrößten Respekt, haben sie mal mit Patienten gearbeitet? Oder im Krankenhaus? So richtig mit allem drum und dran? Wir sind hier auch alle nur Menschen und wir arbeiten mit Menschen die per Definition in Extremsituationen sind, die Angst und Schmerzen haben und sich hilfflos fühlen und einige reagieren dann nicht rational und, um es kurz zu machen, nervig und für uns nicht nachvollziehbar. Und irgendwo brauchen wir auch unser Coping dafür. Ein Internetforum ist da eigentlich auch ideal, zumal ja gerade im Artikel oben alles anonymisiert wurde und so auch Datenschutz gewahrt wurde. Also ein bisschen runterschrauben und etwas mehr Verständnis für die Kollegen.
#13 am 18.09.2017 von Gast
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P A (Arzt)
An #13: Für mich schiessen Sie mit ihrer Kritik am Sinn der Geschichte vorbei. Ich finde hier keinen patientenfeindlichen Zynismus, sondern eher eine Persiflierung der völlig unterschiedlichen Arbeitssituationen, und damit vor allem Kritik an den teils schwer zu ertragenden Zuständen im klinischen Arbeitsalltag. Einerseits die Klinik als Chaos - wenig Personal, wechselnde fachliche Qualität (auch der Kollegen), Kommunikationsprobleme, unfaires Fehlermanagement, oft von Arbeitsbeginn an eine lange Liste an dringlichen Aufgaben, die schnell abgearbeitet werden müssen - wenig Zeit für den Patienten an sich Andererseits der Notarztdienst - ein Arzt, ein Patient, dem die gesamte Aufmerksamkeit gilt; fachlich herausfordernd, weil oft allein verantwortlich vor Ort mit wenig Diagnostik; Dass der Autor dies dann als angenehmer empfindet, wundert mich nicht. Und der Trend zum Stellenabbau in den Kliniken mit entsprechender Arbeitsverdichtung geht ja weiter. An #1 Sie tun mir leid;
#12 am 16.09.2017 von P A (Arzt) (Gast)
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Was für eine beschissene, zynische Haltung. Dafür habe ich Nullkommanull Verständnis. Und das dann auch noch selbtgefällig ins Netz kloppen. Bei Ihnen möchte ich nie Patientin sein. Christiane Fux
#11 am 16.09.2017 von Christiane Fux (Medizinjournalistin)
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Ich kann das verstehen! Der ganze Schriftkram macht mehr fertig als an der Front zu sein. Bei einem Einsatz rettet er ja auch !
#10 am 15.09.2017 von Heilpraktikerin Petra Donau (Heilpraktikerin)
  2
Gast
#6: Schon mal was von self-fulfilling prophecy gehört? Mit der Einstellung zum Arzt gehen, dass das überwiegend depperte Narzisten sind, und sich wundern dass es ein wenig an der Arzt-Patienten-Beziehung hapert...
#9 am 14.09.2017 von Gast
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Arzt aus Leidenschaft
Sehr schöner Artikel, kann ich 100% nachvollziehen. Ich hatte Zeiten wo ich einen Andrenalinstoß und Glücksgefühle bekam wenn ich den Rettungswagen hörte denn das hieß ich konnte raus aus aus dem Arztzimmer auf Station (wo ich hauptsächlich Dokumentation machen musste) und rein in die Notaufnahme durfte. Notfallmedizin ist auch etwas schönes, man hat klare Vorgaben, klare Ziele und am Ende das Gefühl richtig was geschafft zu haben. Und von wegen Ärzten liegt nichts an ihren Patienten, ich hab regelmäßig Kollegen auf Station besucht nur um nach "meinen" Patienten zu sehen. Ärzten liegen die nun mal am Herzen, wenn man nicht mit Herzblut dabei ist geht man spätestens nach 3 Jahren krachen an den Druck und den Arbeitszeiten. Aber man sollte uns auch nicht den Zynismus und Sarkasmus verübeln der sich mit der Zeit entwickelt. Wir arbeiten mit Menschen in Extremsituationen, egal welcher art, lasst uns unser Coping solange wir es unter uns machen.
#8 am 14.09.2017 von Arzt aus Leidenschaft (Gast)
  0
Zu #1 und #6 eine gescheite Analgosedierung (meist tiefe) auf einer Intensivstation hat nach neuen S3 Leitlinien kaum mehr was verloren, irgendwann muß der Patient wieder raus aus der Sedierung und dann hat er ein Durchgangssyndrom und zieht sich die Katheter oder den Tubus. Besser einen schmerzarmen Patienten, der erweckbar ist und kooperativ (dazu gibts es sehr viel Literatur). Genügend Personal und zufriedenes Personal sind eigentlich eine Conditio eine qau non
#7 am 14.09.2017 von Dr. Frank Weißer (Arzt)
  1
Ein sehr schöner Bericht (wie auch so einige andere auch) aus dem klinischen Alltag, der uns wunderschön vor Augen führt, das wir doch auch nur alle Menschen sind. Mit all unseren Macken und Schwächen und dann eben doch nicht diesem Fernsehgenerierte überbild des Gottes in weiss entsprechend. Wir sind genervt, Dinge laufen nicht so wie wir uns das Vorstellen und wir freuen uns durchaus auch über die kleinen Dinge im Leben. Und sei es nur eine Fahrt mit dem Krankenwagen um in dieser Zeit etwas weniger Stress zu haben. Und jetzt wird uns denn auch von genau den Menschen vorgeworfen wie verdorben und verkommen wir sind (und der rest der Welt auch wo wir grad dabei sind) die uns sonst so elendig beschimpfen was für arrogante glänzendgeleckte Götter in Weiß wir denn sonst immer sind. Gar nichts können wir ihnen recht machen.
#6 am 14.09.2017 von Stephan Engelhardt (Tierarzt)
  2
Gast
#1: Sie waren offensichtlich nie auf einer Intensivstation tätig. Dass sich dort Patienten Zugänge (und im schlimmsten Fall auch mal den Tubus) ziehen ist ganz normal. Hätte in dem Artikel gestanden, dass alle desorientierten Patienten straff fixiert sind, damit sie sich nichts ziehen können, hätten Sie sich vermutlich (zu Recht) über die überzogenen Maßnahmen beschwert. Hauptsache mal motzen. #2: Meiner Erfahrung nach lag der Aufstieg in den Rang eines "unverschämten Patienten" meist daran, dass der Patient unverschämt war. Verehrte Besserwisser und sonstige Querulanten: niemand zwingt euch, die ach-so-schlimmen Krankenhäuser zu besuchen (oder #1 in unserem angeblich undemokratischen Land zu leben). Nutzt doch eure Zeit einfach woanders, anstatt hier unter Artikeln rumzutrollen, die ihr nicht wirklich versteht...
#5 am 14.09.2017 von Gast
  7
Patient (Besserwisser)
#3: Ich kann mir den Kommentar nicht verkneifen, daß es nach meinen Erfahrungen in nicht wenigen med. Institutionen ausreicht, ein paar kritische Fragen zu stellen (am besten mit einem Artikel aus dem Internet in der Hand), um in den Rang eines "unglaublich unverschämten, übermäßig anspruchsvollen und besserwisserischen Patienten" aufzusteigen.
#4 am 14.09.2017 von Patient (Besserwisser) (Gast)
  31
Hebamme (usw.) Birgit B.
#1: da ich ja "nur" seit 1972 bis 2012 durchgehend in der Medizin (in drei verschiedenen Berufen), und bes. in der Notfallmedizin gearbeitet habe, fühle ich mich selbst und stellvertretend für den Autor dieses Berichtes "angepisst", wenn behauptet wird, dass wir (und ich sehe mich durchaus kollegial und "schwesterlich verbrüdert mit der Ärzteschaft") behauptet wird, dass uns nichts an unseren Patienten liegt! Denn genauso liest sich dieser Kommentar! Die allermeisten Ärzte, egal ob Assistenzärzte (unsere "Frischlinge" mit eingeschlossen) als auch die Erfahrenen, alle, mit denen ich gearbeitet habe, waren wirklich mit Leib und Seele Arzt und ihrem Beruf verpflichtet! Auch Leben zu retten, mit unglaublich unverschämten, übermäßig anspruchsvollen und besserwisserischen Patienten um zu gehen ist unsere tägliche Aufgabe!! Und immer gibt es auch welche, die einfach nicht verstehen, was da mit ihnen notwendigerweise gemacht wird. Und da kommt es durchaus vor, dass Katheter etc. eigenmächtig (und blutig!) gezogen werden etc.! Na klar hat der Autor völlig nachvollziehbar einen Einsatz mit dem RTW als "kleine Pause" genossen! Am Unfallort sieht das dann wieder ganz anders aus! Beiträge von medizinisch nicht involvierten Personen sind meist echt nur unnütz und Zeitverschwendung! Mal ein Jahr mit den Sani's mitfahren, oder ein Berufsfindungsjahr in ner chirurgischen Amb., o.ä, wäre sehr bildend und hilfreich!
#3 am 14.09.2017 von Hebamme (usw.) Birgit B. (Gast)
  5
Was wollen Sie uns damit sagen?
#2 am 14.09.2017 von Dr. Irmgard Roßnagel (Tierärztin)
  12
Gast
Absurd finde ich das nicht, so läufts eben. Das Märchen von Onkel Doktor, dem die Patienten an Herzen liegen, glaubt doch eh keiner mehr...also keiner ist jetzt übertrieben. Gibt ja schließlich auch 18Millionen Menschen, die an repräsentative Demokratie glauben, obwohl das ja mittlerweile und dank Prof. Mausfeld endgültig geklärt sein sollte. Witzif fand ich an dem Artikel, dass die schäbige Übergabe besonders schlimm ist, weil der Autor ja schließlich heute die Ips hat. Das klingt so, als würde er selbst nicht am seine Fähigkeiten glauben. Außerdem scheint es erhebliche Mängel dort zu geben, wenn sich Patienten ZVk und Tubus entfernen können... gruselig.
#1 am 14.09.2017 von Gast
  63
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