Patient-Hausarzt 3

26.10.2010
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Braucht der Patient unbedingt einen Hausarzt? 

Wenn ja... 

...Warum?

Mit jedem weiteren Schritt in die Zukunft wird die Medizin komplexer. Je mehr Fortschritt, umso mehr Alternativen. Je mehr Alternativen, umso weniger Übersicht, zumal für medizinische Laien. Das beginnt bei den Untersuchungsmethoden und endet mit den Therapiemöglichkeiten. 

Wenn Sie vor dreißig Jahren mit Knieschmerzen ohne eine erinnerliche Verletzung zum Arzt gingen, wurde das Gelenk vor allem genauestens betrachtet und mit den Händen untersucht. Gab es Hinweise auf einen knöchernen Schaden, wurde es möglicherweise geröntgt. Die drei Untersuchungsmethoden von damals spielen heutzutage kaum noch eine Rolle. Weder die Augen des Arztes, seine Hände oder das normale Röntgengerät stehen noch im Vordergrund der ärztlichen Untersuchung im Falle unklarer Kniegelenksbeschwerden. Ohne MRT (Kernspintomogramm) fällt kaum mehr eine Therapie-Entscheidung.

Die Qual der Wahl

Trägt der Knieschaden dann einen Namen, gibt es eine Fülle von Therapiekonzepten, Medikamente, Bandagen, Injektionen, Reizstrom, Krankengymnastik, Osteopathie, Gelenkspiegelung, Gelenkersatz und anderes mehr. Diese Vielfalt beschränkt sich keineswegs auf das Knie, sondern gilt für nahezu alle Bereiche des Körpers und deren mögliche Erkrankungen. Das angewandte Therapie-Konzept hängt immer mehr von dem ab, der das Konzept anbietet.

Gewinnorientierung oder Einfühlungsvermögen?

Dazu kommen immer mehr Untersuchungs- und Behandlungsansätze im Falle vollkommener Gesundheit. Vorsorge reicht von einfacher Untersuchung mit dem Stethoskop, dem Blutdruckmessgerät, den Arzthänden und -augen bis zum Ganzkörperscan wie er in den USA bereits eingesetzt wird.  Die Behandlungsmethoden des gesunden Körpers weiten sich ständig aus, vom Anti-Aging bis zum Lifting, Behandlung von Laborwerten und der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln. 

Dazu kommen all die Befunde, erhoben durch empfindlichste Untersuchungsmethoden, die zwar anderes sind, als der Mediziner das gelernt hat, deswegen aber längst keine Krankheiten sind und trotzdem behandelt werden.

Der Patientenmanager

Es ist wie im Kaufhaus oder im Supermarkt, ist das Angebot zu groß, findet man sich nicht mehr zurecht und ist kaum in der Lage eine Entscheidung zu treffen. Die Beratung, falls es noch eine gibt, ist immer seltener kundenorientiert, immer häufiger gewinnmaximiert. 

Was im Supermarkt nur den Geldbeutel schmälert, betrifft beim Arzt oder im Krankenhaus in der Hauptsache die Gesundheit der Patienten, nur nebenbei auch immer häufiger den Geldbeutel. 

Versuchen Sie mal bei Aldi eine Lebensmittelberatung zu bekommen oder bei Saturn eine Auskunft darüber, was an Ihrem vor vier Jahren gekauften Fernsehgerät defekt ist. Wissen Sie, was ich meine? Genau in diese Richtung tendiert die Medizin. Große Facharztpraxen, riesige Krankenhäuser mit einem Angebot, dem es an nichts fehlt, aber der Patient wird immer mehr zur Ware, zum Business. Da wäre es gut, einen Gesundheits- und Krankheitsmanager an der Hand zu haben.

Genau diese Funktion sollte meiner Meinung nach der Hausarzt der Zukunft vorrangig erfüllen. Teilweise tut er das heute schon. Aber dafür brauchen Patient und Hausarzt ein Vertrauensverhältnis. Dafür braucht es vor allem erstmal einen Hausarzt und der braucht eine entsprechende Ausbildung und - Zeit. 

Mit einem Fazit für die Zukunft schließt diese kleine Reihe im nächsten Artikel

Artikel letztmalig aktualisiert am 20.06.2013.

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Über die Beantwortung dieser Frage sind sich Deutschlands Mediziner sicher weitgehend einig. Die einen sagen es laut, mehr...

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