Schadensfall spielt Impfgegnern in die Hände

01.09.2017
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Erneut gibt es Schlagzeilen zu einem Rechtsstreit in Verbindung mit Impfungen. In Frankreich soll ein Mann an den Folgen der entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems gestorben sein, kurze Zeit nachdem er gegen Hepatitis B geimpft wurde.

Aus der am 21. Juni 2017 veröffentlichten Pressemitteilung des europäischen Gerichtshofs, geht ein neues Aufsehen erregendes Urteil hervor. Gegenstand ist die Korrelation zwischen der erhaltenen Hepatits B Impfung mit einer vermeintlichen Folge von Multipler Sklerose.

Seit 1982 sind Impfststoffe gegen Hepatitis B auf dem Markt erhältlich. Schon damals gab es vermehrt Verdachtsmomente bei der die Impfstoffe im Zusammenhang mit Autoimmunkrankheiten stehen sollen(Science 1998; 281: 630-631).

Diese Zusammenhänge können aus Sicht der Ärzte nicht bestätigt werden. Dennoch ist es nach Urteil des Gerichtshofs so, dass mit hinreichenden Indizien die Anklage des Klägers gegen den Hersteller beim nationalen Gericht in Frankreich Bestand hat. Doch was bedeutet dies konkret für Impfgegner in Deutschland und Europa?
Die deutsche Arzneimittelhaftung bleibt vom Urteil zunächst unberührt, dennoch besteht gerade seitens der impfkritischen Partei eine vermehrte Tendenz zur falschen Auslegung.

Tatsächlich ist keine empirische Evidenz für den Impfstoff als Auslöser der Krankheit  gegeben. Theorien, die eine Kausalität zwischen Impfstoff und der chronisch entzündlichen Nervenerkrankung suchen, sind bis heute nicht bewiesen. Ein Beispiel dafür ist der molekulare Nachahmungseffekt (Mimikry). Demnach bleibt zu erwarten, ob anhand dieses Urteils nicht willkürlichen Behauptungen die Türe geöffnet wurde.

Die Impfung gegen Hepatitis B gilt als eine effiziente Möglichkeit der Bekämpfung. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) haben nach Angaben des Robert Koch Instituts gemeinsam im April 2016 eine „Strategie zur Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C und anderen sexuell übertragbaren Infektionen bis 2030“vorgelegt. Ziel der Strategie ist die nachhaltige Eindämmung dieser übertragbaren Infektionen. Obwohl eindeutig Impfempfehlungen gerade für Kinder und Jugendliche ausgesprochen werden, liegen die Impfquoten bei Schuleingangsuntersuchungen in Deutschland noch bei unzureichenden 86 Prozent.

 

 Quellen:

 https://curia.europa.eu/jcms/upload/docs/application/pdf/2017-06/cp170066de.pdf

http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2017/Ausgaben/31_17.pdf?__blob=publicationFile

https://www.aerzteblatt.de/archiv/19120/Multiple-Sklerose-durch-Hepatitis-B-Impfung-Studie-entkraeftet-Verdacht

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/76614/Impfschaeden-Urteil-des-Europaeischen-Gerichtshofs-schafft-keine-neue-Evidenz

https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/eugh-urteil-c62115-tod-nach-impfung-beweiswuerdigung-nationale-gerichte-haftung-pharma-konzern/2/

http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2017-06/eugh-urteil-impfen-hepatitis-b-multiple-sklerose-impfschaden-schadenersatz

https://www.myelitis.de/userfiles/downloads/article/myelitis-impfungen-und-autoimmunerkrankungen-2015.pdf


 

 

Artikel letztmalig aktualisiert am 01.09.2017.

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Medizin, Allgemeinmedizin
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@ #3: Wenn es harte Naturwissenschaft sein soll, den Surrogatparameter Antikörpertiter als Beweis für den Impferfolg zu werten, dann gute Nacht Naturwissenschaft. Meines Wissens ist immunität auch ohne Antikörper möglich (es gibt noch ein wenig mehr als nur die humorale Immunantwort), die Allgemeingültigkeit einer Korrelation von Immunität und Antikörpertitern müsste also zumindest zunächst einmal belegt werden
#5 vor 43 Tagen von Michael Schrader (Heilpraktiker)
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@Bernhard Karsch Teilweise kommt eine Fehlermeldung zustande wenn die Seite zu lange geöffnet ist oder der Kommentar zu lang ist. Also am besten aktualisieren Sie die Seite noch einmal und dann dürfte es für gewöhnlich funktionieren.
#4 vor 43 Tagen von Jacqueline Lenarz (Mitarbeiter/in von DocCheck)
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Gast
@ #1: Uhm... es GIBT Kausalität zum Impferfolg? Man kann den sogar überprüfen. Mit Titerbestimmung. Das sind dann Immunzellen die auf den Erreger reagieren. Sind die da ist der Mensch geschützt. Mensch ohne Impfung: Kein Titer, kein Schutz, würde krank werden beim Kontakt mit dem Virus. Mensch mit Impfung: hat ein Titer, hat den Schutz, wird nicht krank. Titer ist dabei auch quantitativ bestimmbar: Je höher der Titer, desto höher der Impferfolg. Das ist keine neue Sache. Das ist harte Naturwissenschaft. Ich... verstehe ehrlich gesagt nicht wie sie darauf kommen dass es keine Kausalität für Impferfolg gibt wenn es den vielfach untersucht gibt UND er auch noch alltäglich in der Praxis untersucht wird. Arbeiten sie im medizinischen Sektor? Sicherlich wurde von ihnen mindestens ein mal ein Hepatitis-Titer bei der betriebsärztlichen Untersuchung verlangt. Das ist die Überprüfung des Impferfolges.
#3 vor 43 Tagen von Gast
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Was ist ein gültiger Kommentar?
#2 vor 43 Tagen von Bernhard Karsch (Arzt)
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Gast
Ich finde es schon sensationell, wie hier (richtigerweise) behauptet wird, das es keinerlei Kausalität bewiesen wurde. Aber dennoch auf die (fälschlicherweise) eine Kausalität zum Impferfolg hergestellt wird. echt sensatonell, wie hier manipuliert wird! Gute Nacht, Wissenschaft! Und fröhliches Weiterspritzen, liebe Kollegen!
#1 vor 47 Tagen von Gast
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