Krebs: Nur eine Kleinigkeit?

25.08.2017
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Medikamente zur Mund- und Rachentherapie werden üblicherweise nicht von den gesetzlichen Krankenkassen gezahlt. Es handelt sich hierbei angeblich um „Bagatellerkrankungen“. Was aber, wenn diese im Zuge einer schweren Krankheit wie Krebs auftreten?

Wir stellen immer mal eine Rezeptur für eine Patientin her, die aufgrund ihrer schweren Krebserkrankung und der einhergehenden aggressiven Behandlung eine Stomatitisentwickelt hat. Mit unserer Mundspüllösung, nach NRFhergestellt, war sie bisher sehr zufrieden, und sie bekommt eigentlich wöchentlich eine Flasche für 50 Euro von uns hergestellt. So kommt sie halbwegs schmerzarm durch die Woche, kann wieder besser essen und trinken und verliert nicht noch mehr an Gewicht.

Medikamente für „Bagatellerkrankungen“

Da wir auch noch weitere Kunden haben, die durch Nebenwirkungen von Medikamenten eine Stomatitis entwickelt haben, empfahlen wir diese Rezeptur auch in der letzten Zeit öfter mal den behandelnden Ärzten zur Verschreibung. Nun kam der erste Kunde mit dieser Rezeptur auf einem Privatrezept, da der Hausarzt behauptete, er dürfe das nicht verordnen. Die Krankenkasse zahle leider keine Medikamente zur Mund- und Rachentherapie.

Aber stimmt das auch so? Es ist wohl Auslegungssache – wie so vieles in letzter Zeit. Grundsätzlich ist es richtig, dass die gesetzlichen Kassen nicht dazu verpflichtet sind, Medikamente für sogenannte „Bagatellerkrankungen“ zu übernehmen. Und Mund- und Rachentherapeutika zählen zu den solchen.

Auf das Wohlwollen der Krankenkassen angewiesen

Man könnte allerdings damit argumentieren, dass eine Krebserkrankung mitnichten eine Bagatellerkrankung ist und die Rezeptur nur aufgrund der schweren Nebenwirkungen der Chemotherapeutikaeingesetzt werden muss. Ob die Lösung übernommen wird, hängt dann wohl wieder mal vom Goodwill der Krankenkassen ab.

Also hat der Hausarzt gleichzeitig Recht und Unrecht. Wer soll denn da noch durchblicken? Und wie sage ich es meinem Kunden? Sind tiefe Einrisse in der Zunge eine Bagatelle? Fragen über Fragen, wieder einmal. Ich hoffe einfach nur, dass uns die Rezeptur für unsere Krebspatientin nicht eines Tages um die Ohren fliegt.

 

Artikel letztmalig aktualisiert am 29.08.2017.

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Gast
#6 führt näher aus, was ich schon mit #4 vermutet habe. Da sollte es keinerlei Probleme bei der Belieferung geben, weiß aber auch, dass die Kollegen hier fürchten vom der GKV retaxiert zu werden. M M n gibt es dazu keinerlei Handhabe.
#7 am 30.08.2017 von Gast
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Gast
Nach § 12 Abs. 8 der Arzneimittel-Richtlinie sind "nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel, die zur Behandlung der beim bestimmungsgemäßen Gebrauch eines zugelassenen, im Rahmen der vertragsärztlichen Versorgung verordnungsfähigen Arzneimittels auftretenden schädlichen unbeabsichtigten Reaktionen (unerwünschte Arzneimittelwirkungen; UAW) eingesetzt werden, [] verordnungsfähig, wenn die UAW schwerwiegend im Sinne des Absatzes 3 sind." Demnach müssten die Mundspüllösungen bei durch Chemotherapie / Bestrahlung verursachter Stomatitis verordnungsfähig zu Lasten der GKV sein. Zur Not sollte man vorher bei der Krankenkasse nachfragen, ob die das Mittel nicht doch übernehmen bzw. auf Regressanträge beim Arzt verzichten.
#6 am 30.08.2017 von Gast
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Gast
@1: ... ach wie viel Geld könnten sich die Krankenkassen erst sparen wenn sie nicht unsere Beiträge für "Sachbearbeiter" ausgeben würden ... die mich am Samstag Nachmittag zu Hause anrufen um mir eine halbe Stunde lang zu erzählen dass es sinnvoller wäre meine GKK zu verlassen und in die GKK meines Mannes zu wechseln... von dem Geld könnte man viele Mundspülungen kaufen.
#5 am 30.08.2017 von Gast
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Gast
Sollte das nicht sein wie bei Movicol ind Morphin? Ich meine Stomatitis insb. Im Mundbereich ist etwas mit dem nicht zu Spaßen ist. Warum sollte die Kasse das nicht zahlen?
#4 am 30.08.2017 von Gast
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Gast
In diesem Fall einer Rezeptur muss die Apotheke unterscheiden: Gesetzliche KK zahlen alle auf Kassenrezept verordnete Rezepturen- Ersatzkassen nur, wenn sie verschreibungspflichtig sind (Prüfpflicht der Apotheke) Wie das für die Arztpraxis ist, sollte ja wohl die KV wissen. Eigentlich sollte das die Klinik/ der Onkologe verordnen. Ich habe die Lösung damals als Patientin direkt auf der Station aus der Klinikapotheke bekommen.
#3 am 30.08.2017 von Gast
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Gast
Wir haben, soweit ich weiß, erfreulicherweise keine Probleme mit der Verschreibung bislang gehabt.
#2 am 29.08.2017 von Gast
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Gast
Wir kennen das Problem- leider haben wir feststellen müssen, dass die KK trotz schwerer Erkrankungen und AM Nebenwirkungen regressieren. Das Leid ihrer Versicherten ist den Sachbearbeitern egal - die Vorgabe lautet Geld sparen ohne Rücksicht auf Verluste. Sollte tatsächlich doch etwas lt. Gabaliste bezahlt werden müssen holen Sie sich das Geld von den Ärzten-insofern hab ich Verständnis für den Arzt und jeden Kollegen der selbst auf KK Rezept solche Verschreibungen nicht mehr beliefert. Nach mehreren Regressen passen wir höllisch auf und können keinen Mediziner mehr zu raten etwas gehe diese Bagatellbeschwerden zu verordnen
#1 am 29.08.2017 von Gast
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