Vernunft in der Medizin - Am Beispiel des künstlichen Kniegelenks 6/Ende

01.10.2010
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Schlussbemerkung

Wenn tatsächlich die Frage Was brauche ich wirklich?, die mindestens seit den siebziger Jahren gewachsene Frage Was steht mir zu? ablöste, käme das einer Revolution von unten gleich. Selbstverständlich kann eine solche Neuordnung des Anspruches an die Medizin nicht die Probleme des Volksgesundheitswesen lösen. Der Anteil der Vernunft bliebe viel zu gering. Andererseits, wenn man bedenkt, das jedes Jahr Millionen von Patienten-Arzt-Kontakten in Deutschland stattfinden, würde nur ein ein-prozentiger Vernunftsanteil, viele tausend Gespräche bestimmen. 

Vernunft ist kein Fachgebiet

Im Übrigen bin ich nicht der Meinung, dass Vernunft besondere Intelligenz und Wissen voraussetzt. Man lese doch nur die Artikelreihe Der lange Weg eines Nierensteins. Wie viel Unvernünftiges geschieht da auf Seiten der Ärzte und der Krankenhausorganisation. Der einzig vernünftige Entschluss, war der des Patienten, zu sagen, ich habe die Nase voll von der Medizin, ich lasse vorläufig gar nichts mehr mit mir machen. Dieses Fazit war wahrhaftig nicht von Sachverstand gestört. 

Patient und Arzt müssen Vernunft üben

Ich glaube, dass Vernunft trainiert werden muss, wie alles andere, was man können will. Es fängt damit an, dass man Vernunft, Augenmaß, klaren Menschenverstand erst einmal wieder ins Kalkül zieht, diese Dinge überhaupt für wichtig hält. Zunächst einmal für sich selbst. Ein gutes Übungsgelände wäre das Patienten-Hausarzt-Verhältnis. 

Zugegeben, Ärzte (im Allgemeinen) haben jahrzehntelang, jahrhundertelang nichts anderes trainiert als die Unumstößlichkeit ihrer Meinung und Aussagen, wenn es um den Patienten und seine Krankheiten geht. Auch Ärzte werden üben müssen. 

Umgekehrt hat der Patient (im Allgemeinen) seit Jahrzehnten nichts anderes mehr im Sinn, als einen Gegenwert für seinen Kassenbeitrag zu bekommen. Wenn es heißt, heutzutage muss man alles selbst bezahlen, wozu zahlt man eigentlich Krankenkassenbeiträge, sträuben sich mir die Nackenhaare, denn

  1. kann ein einziger Krankenhausaufenthalt im Leben reichen, um all die jemals eingezahlten Beträge weit zu übersteigen
  2. herrscht im gesetzlichen Krankenversicherungswesen das Prinzip der Solidargemeinschaft

Geld ist nicht das zentrale Thema

Ich bin weit davon entfernt ein Kuschelfreund der Krankenkassen, des Gesundheitsministerium oder der ärztlichen Standesvertretung zu sein, aber dass ein Kranker in Deutschland nicht versorgt ist, ist einfach nicht wahr. Er ist nicht mehr rundum versorgt, aber wenn beispielsweise ein Multiple-Sklerose-Patient jeden Tag eine Interferon-Spritze benötigt, können Kosten im Jahr bis zu 20.000 Euro zustande kommen. Sie werden bezahlt. Jemand, der gesund ist hat natürlich nichts davon. Wünschen wir ihm, dass diese Spritzen nie braucht.

Darüber hinaus wird soviel Unsinn von den Krankenkassen übernommen, dass es für eine ein Jahr lang andauernde Artikelreihe reichen würde, wenn ich damit anfangen würde. Einen kleinen Abriss davon wird es sicher eines Tages auf diesem Blog geben.

Fazit

Ein gutes Patienten-Hausarzt-Verhältnis ist geeignet, Vernunft in der Medizin zu fördern und durchzusetzen. Allerdings wird dieses Verhältnis durch die Politik torpediert. Aut-idem-Regelung, Praxisgebühr als Inkasso durch die Hausärzte, Medikamentenregresse, Regresse in der Physikalischen Therapie, all diese Dinge und mehr sind ein beredtes Beispiel dafür, wie der Kampf in der Medizin auf die unterste Ebene verschoben wird.

Wir Hausärzte sollten uns das nicht gefallen lassen und erst recht nicht die Patienten. Dabei geht es mir nicht primär um Geld, sondern um die Basis für vertrauensvolles Miteinander. Für die Politik wäre es ein wundervolles Resultat, wenn sich Patienten und Ärzte im Gegeneinander zerfleischen.

Artikel letztmalig aktualisiert am 20.06.2013.

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