Mein Hausarzt ist aber besser als Sie

15.08.2017
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Herr A. ist Patient bei uns, stationär, Diabetiker, hat eine große Bauch-OP hinter sich und isst deshalb nur extrem wenig, sodass wir eine parenterale Ernährung gestartet haben.

Normalerweise spritzt er zu Hause ein lang wirksames Insulin, allerdings ist sein Blutzucker wegen seiner aktuellen Ernährungssituation mal bei 1, dann wieder bei einer Million (mindestens!).

Deshalb haben wir das lang wirksame Insulin pausiert und spritzen ein kurz wirksames Präparat je nach Blutzuckerwert nach, bis sich die ganze Situation wieder normalisiert. Eines Tages beginnt Herr A. zu reklamieren. Vom kurz wirksamen Insulin werde ihm schlecht, deswegen bestehe er auf sein Levemir, und wenn wir ihm das nicht spritzten, würde er sofort das Krankenhaus verlassen.

Menschenhandwerkerin: „Herr A., sobald Sie wieder mehr essen, können wir die Ernährung über die Vene stoppen und wieder mit ihrem gewohnten Levemir-Schema beginnen.“

Herr A: „Aber von Ihrem Insulin wird mir übel! Ich brauche mein Levemir, ich kenne mich besser als Sie mich!“

M: „Ich kenne Sie persönlich nicht gut, aber ich kenne ihre Blutzuckerwerte und ich weiß, dass diese bereits nach nur zwei Einheiten Levemir in den Keller gerasselt sind. Deswegen spritzen wir ein schnell wirksames Insulin nach, und bei stabiler Situation beginnen wir wieder mit dem Levemir.“

Herr A: „Mein Hausarzt, der mich seit Jahren kennt, hat mir dieses Schema erstellt, und Sie werfen alles über den Haufen!“

M: „Ich zweifle nicht an der Fähigkeit Ihres Hausarztes. Die aktuelle Ernährungssituation ist allerdings eine Ausnahme, weswegen eine kurzzeitige Änderung der Insulintherapie erforderlich ist.“

Herr A: „Aber mein Hausarzt ... Der ist ein Superman!!!“

 

Bildquelle: Tim Bartel, flickr; HomeMaker, pixabay

Artikel letztmalig aktualisiert am 18.08.2017.

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Ich würde Levemir weiter
Ich würde Levemir weiter nehmen weil Altinsulin innerhalb von15 min wirkt, also nur zum essen oder korrigieren gedacht. Ich bin selbst Typ 1 Diab.und habe 27 Bauch OP's,habe es immer so gehabt dass ich das Langzeitinsulin zu nur halb gespritzt habe, denn was nützt es Insulin nur für zu hohe Werte zum korrigieren oder nur zum Essen da verwenden kann und die restliche Zeit ist mein Körper unterversorgt und meine Werte steigen an,zu hohe Werte bewirken schwere Schäden das muss vermieden werden,in jeder Situation gerade wenn die Werte ständig überhöht sind gibt es Wundheilungsstörung,ich halte dasso dass ich nur eine geringe Menge des Langzeitinsulin Spritze und gut versorgt bin,es gibt keine Faustregel jeder Mensch ist anders ich lasse mir im KK nicht sagen wie ich handeln muss weil mein Diabetiker klar sagt, der Patient ist der beste Arzt und kennt seinen Körper am besten,er hat recht. Er ist ein sehr guter und immer auf dem neuesten Stand informierte Diabetiker.
#11 am 21.08.2017 von Ich würde Levemir weiter (Gast)
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Gast
Da mögen Sie richtig liegen, lieber Intensiv-Anästesist, allerdings war nie die Rede davon dass sich der Patient auf einer ICU oder IMC befindet... Ein Insulinperfusor auf Normalstation ohne Monitor? Bei einem frisch-operierten Patienten der kaum isst? Das dürfte vielleicht etwas kompliziert werden...
#10 am 21.08.2017 von Gast
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Intensiv-Anäshesist
Volle Zustimmung zu #1. Ansonsten, wäre noch Altinsulinperfusor statt Bolusinjektionen zu erwägen, um dem Patienten das befindlichkeitsverschlechternde Auf und Ab des Blutzuckers besser ersparen zu können. Braucht aber auch intensivste Einstellung, und geht auch nicht sofort gut, oder geht auch nicht bei jedem. Und ja, häuslich gewohnten BZ ansteuern, und nicht Optimaleinstellung. Und Gemecker freundlich aussitzen. Man braucht als Arzt mit der Unzufriedenheit der Patienten mit ihrer derzeitigen (sie sehr belastenden) Lebenssituation oft dickste Nerven. Der Patient sieht nur das, was ihn direkt am meisten belastet, oder er befaßt sich ausschließlich mit Nebenkriegsschauplätzen. Das große Ganze beim Ringen um den Fortbestand seines Daseins entgeht ihm meistens (gottseidank). Postop Intensivsituation hat mit Hausarzt, normalem Leben und normaler medikamentöser Einstellung allzuoft eben überhaupt nichts zu tun. Das kommt später wieder, und dann ist es schön, daß er so froh ist mit dem HA.
#9 am 21.08.2017 von Intensiv-Anäshesist (Gast)
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Vielleicht haben Sie dem Mann auch seine Blurzuckerwerte zu "normal" zurechtgespritzt? Wer normalerweise mit 20 g/l herumläuft, dem ist dann bei 8 tatsächlich nicht mehr gut....
#8 am 19.08.2017 von Lydia Wolf (Ärztin)
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Gast
Und wie wäre es (Klugschiss an) mal mit einem diabetologischen Konsil (Klugschiss wieder aus)?
#7 am 19.08.2017 von Gast
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Gast
Vielleicht sollte man mal schauen, ob man was gegen die Übelkeit des Patienten machen kann, vielleicht isst er ja dann mehr!
#6 am 18.08.2017 von Gast
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Gast
Herr Dr. Schätzler, Sie sind der coolste unter den Hausärzten ( ist positiv gemeint). Einen super coolen Chirurgen durfte ich als Patientin auch mal kennenlernen, zu meinem Leidwesen war er nicht sehr operationsfreudig
#5 am 18.08.2017 von Gast
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Assi
Hier zahlt es sich aus wenn man sich mit den zuweisenden Hausärzten der Umgebung gut stellt und ein kollegiales Miteinander pflegt. Dass sich Diabetiker bei Abweichungen vom gewohnten Schema unwohl fühlen kommt häufig vor. Schließlich mussten Patient und Arzt oft lange herumtüfteln bis DAS Schema endlich funktioniert hat. Eine kurze telefonische Beratung mit dem HA bewirkt manchmal Wunder. Manche erklären sich auch bereit kurz mit dem Patienten zu sprechen und ihm zu versichern dass spätestens zur Entlassung wieder das alte Schema eingespielt wird. Eine Kollegin war sogar einmal so nett und hat den Patienten persönlich besucht und sich auch kurz Zeit genommen mit mir und dem OA das Schema gemeinsam zu überarbeiten.
#4 am 18.08.2017 von Assi (Gast)
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Liebe "Menschenhandwerkerin, Chirurgin, jung, groß. Alle Geschichten sind frei erfunden, manche vielleicht doch nicht und werden (teilweise sehr) stark zeitversetzt erzählt", so sehr ich Ihre ganzen Beiträge auch schätze, aber kommen Sie doch bitte von Ihrem hohen chirurgischen Ross herunter. Bedenken Sie bitte, dass sie weder internistische Diabetologin noch in der Regelversorgung engagierte Hausärztin sind. Ihr Patient, Diabetiker mit großer Bauch-OP, kann auch nicht die abgebildeten Erdbeer-Mürbeplätzchen oder den Zwieback essen. Von kurz wirksamem Insulin wird einem tatsächlich schlecht, das ist gegenüber Levemir eine Achterbahnfahrt.
#3 am 18.08.2017 von Dr. med. Thomas Georg Schätzler (Arzt)
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Gast
Eigentlich ist es doch auch eine schöne Botschaft: er ist mit seinem Hausarzt zufrieden und vertraut ihm. Hier hilft tatsächlich nur ein Gespräch im Sinne: den Patienten dort abholen, wo er gerade steht.
#2 am 18.08.2017 von Gast
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Unfallchirurg
Da hilft nur eins: Mit viel, viel Geduld dem Patienten die ZUSAMMENHÄNGE Schritt-für-Schritt in "seiner Sprache" erklären und auch seine konkreten Ängste versuchen aufzufangen... Klar, da muss sich Arzt/Ärztin (einmal) auch die Zeit dazu nehmen.
#1 am 18.08.2017 von Unfallchirurg (Gast)
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Chirurgie war und ist eine Männerdomäne. Im Operationssaal herrscht dementsprechend oft ein rauer Ton. Das ist kein mehr...
Heute war es soweit. Herr G. ist erwartet verstorben. Im Spital. Er war noch nicht alt (alt bezeichne ich mehr...
Beim Aufnahmegespräch stellt man zwar regelmäßig fest, dass die meisten Patienten halbwegs bis sehr gut informiert mehr...

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