PsychCast: Wie stellt ein Pädiater ADHS fest?

09.08.2017
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ADHS, Impfungen, Fieber, Schulwahl, Eltern, Geschwister und andere Krankheiten: Zur 50. PsychCast-Folge, dem feierlichen Jubiläum unseres kleinen Podcasts, haben wir die Ehre den Kinderdok, den bekanntesten bloggenden Kinderarzt in Deutschland zu Gast zu haben.

Besuch vom Kinderdok

In der Podcast-Folge mit dem Kinderdok stellen wir, Jan und Alex, zunächst fest, dass eine große Schnittmenge zwischen pädiatrischen Themen und psychosomatisch-psychiatrischen Themen besteht.

Nachdem wir den Kinderdok zunächst für seinen hochinteressanten Blog Kids and me bis über den grünen Klee gelobt haben, steigen wir thematisch in die Kinder- und Jugendpsychiatrie ein und stellen vor allem Fragen, die für uns als „Erwachsenenärzte“ und „Psychoärzte“ interessant sind und die in der Behandlung unserer Patienten häufig eine Rolle spielen.

Dauerthema Impfungen

Als Erstes sprechen wir über Impfungen und die häufig mangelnde Einsicht der Eltern diesem Thema gegenüber. Der Kinderdok beschreibt, dass Impfempfehlungen häufig ignoriert würden und dann die Verwunderung groß sei, wenn man mit gelben Augen und Fieber in Timbuktu im Krankenhaus liegen würde. Dieses Thema ist seit seinem Blogstart im Jahr 2006 ein Thema und verändere sich kaum. Schließlich kämen ja auch laufend neue Eltern dazu.

Wir erfahren, dass man als Kinderarzt viel präventiv arbeitet und Eltern rechtzeitig auf anstehende typische Probleme vorbereitet. Als Kinderarzt sei es keine gute Idee, den „Problemen“ nur hinterherzulaufen, wie es ja in der Erwachsenenmedizin noch zu oft der Fall ist.

Wie stellt der Pädiater ADHS fest?

Wir sprechen auch über ADHS aus Sicht der Kinder- und der „Erwachsenenmedizin“. So ist es für Kinderärzte teilweise schmerzlich, einen Patienten, der das 18. Lebensjahr erreicht hat, schlagartig abzugeben. Man kenne diese Patienten dann gut, sei mit ihren Erkrankungen inzwischen gut vertraut. Dies treffe insbesondere auf "ADHSler" zu.

Die Diagnose ADHS werde in der Praxis erst beim Eintritt in die Schule gestellt, weil die Defizite, die in der Kita noch weniger eine Rolle spielen, dann plötzlich auffallen: nicht still sitzen können, Impulsivität, Aufmerksamkeitsprobleme. Die Symptomatik müsste laut Diagnosekriterien im Kindergarten- und Schulalter begonnen haben, die Diagnose darf aber erst im Schulalter gestellt werden und nicht vorher. Die Problematik muss sich dann auf alle Lebensbereiche erstrecken und nicht nur auf den Schulbereich, auch wenn hier die Auffälligkeiten meistens erstmals sichtbar und zum wirklichen Problem werden. 

ADHS-Behandlung bei Kindern: "Immer erstmal ohne Medikamente"

Wie hält es der Kinderdok in seiner Praxis mit ADHS-Medikamenten, wollte Jan wissen. „Ich fange erst gar nicht mit Medikamenten an", beschreibt der Blogger, „das liegt einfach auch daran, dass die Gabe von Methylphenidat so negativ konnotiert ist, dass die Eltern diese Medikation immer erstmal ablehnen. Die Eltern möchten es immer erstmal ohne probieren und das ist auch völlig in Ordnung und legitim.“

Eine ADHS-Behandlung sei in der Kinderarztpraxis immer multimodal, wozu eine Elternberatung, die Lehrer- und Patientenberatung gehöre, außerdem müsse ja auch „klein Piefke über sein Problem aufgeklärt“ werden, zudem gebe es verhaltenstherapeutische Maßnahmen. Ein großes Glück ist es, gute und verständnisvolle Lehrer zu haben, die ein betroffenes Kind gut unterstützen, sodass die ersten Schuljahre durchaus erfolgreich verlaufen können und der Weg auf die weiterführende Schule nicht verschlossen ist.

Mit diesem Regime kann man laut Kinderdok bereits sehr viel erreichen. In einem gut funktionierendem Systen könne das ausreichen. Nicht selten sei bei den Kinderdok-Patienten der Leidensdruck jedoch so groß, dass im Verlauf doch ein gemeinsamer medikamentöser Versuch unternommen werde, der dann häufig eine deutliche Besserung bringe.

Typische Eltersorgen: Geschwisterrivalität, Fieber und Schulwahl

Weitere Themen dieser Podcast-Folge im Spannungsfeld von Kinder- und Jugendmedizin, Psychosomatik und Psychiatrie sind der Umgang der Eltern mit typischen Krankheiten im Kindesalter, Kinder von psychisch belasteten oder kranken Patienten, das Dilemma der Schulwahl, Sprachenlernen im Kita-Alter, Geschwisterrivalität und vieles andere mehr.

Hier geht es zur gesamten Podcast-Folge zum Anhören.

Zur den Beiträgen von Kinderdok bei DocCheck geht es hier entlang.

 

Bildquelle: Alan Levine, flickr

Artikel letztmalig aktualisiert am 11.08.2017.

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Gast
Griechenland und die Hälfte dort mit ADHS , was ist daran absurd? Begründung? https://adhs-chaoten.net/ads-adhs-presse-medien/43901-adhs-dische-allgemeine.html dort wird im Verlauf ausführlich begründet, weshalb in Griechenland fast die Hälfte ADHS haben , und Varoufakis ist ein Musterbeispiel für ADHS .
#9 vor 11 Tagen von Gast
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Gast
Möchten Sie (Gast) damit sagen, dass die Hälfte der griechischen Bevölkerung an ADHS leidet? Das ist doch absurd.
#8 vor 11 Tagen von Gast
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Gast
Hmm wie soll etwas diagnostiziert werden, was es nicht gibt? Warum gab es wohl erst das Arzneimittel und dann die Krankheit? Siehe auch Halitosis und Listerine....
#7 vor 12 Tagen von Gast
  11
Gast
Und wenn dann die Behauptung kommt mit Ueberdiagnostik von ADHS , Verkaufsmasche der Pharmaindustrie usw. ADHS hat eine Praevalenz von bis zu 10% der Bevoelkerung in Deutschland und damit ist Deutschland lediglich im internationalen Mittelfeld. Wieso wird denn in der Tuerkei mittlerweile soviel ADHS_Forschung betrieben, weil dort bei einer in die Staedte gezogenen Bevoelkerung die ADHS_Problematik mittlerweile an die Decke geht, die Tuerkei hat wahrscheinlich eine Praevalenz fast doppelt so hoch wie in Deutschland mit bis zu 20% , und ganz oben in der Spitzengruppe ist die Tuerkei damit immer noch nicht, die wird naemlich besetzt von unseren Freunden in Griechenland mit knapp der Haelfte der dortigen Bevoelkerung , weshalb unsere griechischen Freunde auch solche Schwierigkeiten haben, was funktionierende Verwaltungsstrukturen angeht bzw. ein gewisser Herr Varoufakis duerfte sich dem deutschen Michel wohl ins kollektive Gedaechtnis eingebrannt haben , oder auch die Sinti und Roma !
#6 vor 12 Tagen von Gast
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Gast
Ausserdem macht Ritalin nicht smarter. Es bewirkt, dass der ADHS_Patient das vorhandene Potential abrufen kann, mehr nicht. Entgegen anderslautender Berichterstattung aus der verkaufsorientierten Presse kann man aus einem Dummkopf damit auch kein Genie machen, zumal Ritalin bei normalen Menschen eine Wirkung nur wenig staerker als Kaffe hat. Der Hype um Hirndoping ist verkaufsorientierte Fabelwelt der Massenmedien. Fast saemtliche der sogenannten Hirndoper sind zudem folgendes> naemlich undiagnostizierte ADHSler. Dieses Hirndoping als verkappte Therapie der ADHS gibt es ausserdem mindestens seit Mitte der 60er Jahre, wahrscheinlich eher 50er Jahre. Damals lief das aber alles ab unter der Oberflaeche.
#5 vor 12 Tagen von Gast
  1
Gast
2004 wurde bei mir als Nebendiagnose ADS im Erwachsenenalter festgestellt, verschiedenes ausprobiert (Terapie, Tabletten). Seit dem das " Medikament" Medikinet auch für Erwachsene zu gelassen ist, nehm ich es. Es ist ok, und ich bin kein Zombie, sondern vollkomm normal. hab jetzt auch realisierbare Träume, bis dahin alles Chaotisch. kein verstehn, warum bin ich so mit viel Leid verbunden. Es war mein Weg, ok, aber eine rechtzeitige Diagnose, es wär vieleicht vieles besser gelaufen.
#4 vor 12 Tagen von Gast
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Gast
eigentlich sollten wir wissen, daß Aluminium toxisch ist. Zumindest nach der ARTE-Doku "Akte Aluminium". Nun sind Aluverbindungen in jeder Impfung, sonst gibt es keine Abwehrreaktion. Mit Aluminium im Körper werden wir in dieser Zeit auf alles allergisch - daher unser weitverbreiteten Allergien. Es sollte sich jeder selbst gut beraten und recherchieren. Ich kann mich noch gut erinnern als 2 Abiturienten bei "Jugend forscht" den ersten Preis bewannen, als sie nachwiesen, dass Flour und Flourverbindungen den menschlichen Zahnschmelz spröde machen. Bereits ein Jahr später war selbst bei "Jugend forscht" dieses Ereignis - das uns alle hätte helfen können - ausgelöscht. Vielleicht kann sich noch jemand an diese TV-Auszeichnung der 2 Abiturienten erinnern, denn mehr kann interessanterweise nicht wieder zum Vorschein gebracht werden !! Wir sollten uns fragen warum diese Entdeckung uns vorenthalten wird ... Leider ist das in Vielem so. Dabei denke ich gerade an Herr Seehofer wie er die weisse
#3 vor 12 Tagen von Gast
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PL
...gute und verständnisvolle Lehrer zu haben... ...Mit diesem Regime kann man laut Kinderdok bereits sehr viel erreichen... genau diese beiden Dinge passen meist nicht zusammen. Für Lehrer sind ADHS-Kinder eine Mehrbelastung, jede individuelle Förderung macht ihnen quasi doppelt Arbeit. So traurig das ist, gerade in der Grundschule ist die pädagogische Arbeit am "steifsten" und "unflexibelsten". Als Berufspädagoge und mit einer Gymnasiallehrerin als Ehefrau erlaube ich mir das fastzustellen, denn mir ist bei meinen Kindern und bei bekannten noch kaum ein Grundschullehrer bekannt geworden, der sich einer so großen Vielfalt pädagogischer Möglichkeiten bedient, wie es am Gymnasium oder in der Berufsausbildung der Fall ist. Schmerzlichst mit eigenem ADHS-Kind erlebt, wie oben zitierte Behauptung wirklich das wichtigste "wäre". Dank Hochbegabung konnten wir das Kind mit Überspringen aus der Grundschule retten, zerstört wurde aber leider viel, was nur sehr schwer und zögerlich wieder aufzubauen ist. Zudem muss ich #1 unterstreichen. Ritalin-Gegner haben mit der Materie nix am Hut. Wer betroffen ist, ist meist auch skeptisch, leider wird oft (wie bei uns) zu lange mit einer medikamentösen Therapie ZUSÄTZLICH zu anderen Maßnahmen gewartet. Diese Verzögerung und den damit entstandenen Schaden am Kind verdanken wir dieser "Hetzkampagne" gegen die ADHS-Medikamente!
#2 vor 12 Tagen von PL (Gast)
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Gast
Ich wurde mit 10 Jahren mit Ritalin erstmals therapiert. Ohne diese Medikation hätte ich nicht mein 1er-Abitur erreichen können, nicht studieren können und wäre vorher möglicherweise als "Penner" auf der Straße gelandet. Was haben eigentlich Leute, die keine Ahnung haben, immerzu gegen dieses böse, böse, teuflische Ritalin?
#1 vor 12 Tagen von Gast
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